Die Verwirklichung des Absoluten

Eine Vortragsreihe von Swami Krishnananda

© THE DIVINE LIFE Trust SOCIETY, Rishikesh, Indien -

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Inhaltsverzeichnis:

Kapitel 1 - Einführung
Kapitel 2 - Die Natur der Welt
Kapitel 3 - Das Bedürfnis nach ganzheitlicher Erkenntnis
Kapitel 4 - Die Natur der Wirklichkeit
Kapitel 5 - Der Prozess der Wahrheitsverwirklichung
Kapitel 6 - Eintritt in die Befreiung
 

 

DIE VERWIRKLICHUNG DES ABSOLUTEN

 Eine Abhandlung über die VEDANTA-Philosophie und ihre Methodologie

 Es bedarf in dem Versuch, irgend etwas hinsichtlich des ABSOLUTEN oder  UNENDLICHEN zu erklären, stets der vollen Vorbereitung, um der Unwägbarkeit, in verderblichen Kreisen gefangen zu sein und siegreich aus ihnen hervorzugehen, standzuhalten. Es ist eine äußerst schwierige Aufgabe und es erscheint häufig müßig, sich mit dem Versuch zu beschäftigen, die Natur der Ewigen Wahrheit, die über dem Intellekt angesiedelt ist, zu verstehen. Der Mensch, des Intellektes beraubt, ist nichts, - und der Intellekt ist ein sehr unangemessenes Instrument zur Ermittlung der WAHRHEIT. Und dennoch, - wie unvollständig er auch immer sein mag, - er ist die einzige, der WIRKLICHKEIT am Nächsten befindliche menschliche Erkenntnisfähigkeit. Wir können die WIRKLICHKEIT entweder unvollständig oder überhaupt nicht erkennen. Doch wie auch immer, - es ist unmöglich, die WIRKLICHKEIT über einen Prozeß vollständig zu erkennen, denn die WIRKLICHKEIT ist kein Prozeß. Es darf nicht erwartet werden, daß in diesen Buchseiten Erklärungen zu finden sind, die nicht offen wären für eine weitergehende Betrachtung und Diskussion, denn es ist nicht möglich, etwas auszudrücken, ohne sich dabei in Opposition zu etwas anderem zu setzen. Das auszudrücken, was vollständig ist, ist dem Erkenntnisprozeß nicht möglich. Jede Erkenntnis ist ein Prozeß, und jeder Prozeß ist unvollständig. Das VOLLSTÄNDIGE zu kennen, heißt, vollständig zu sein und nicht, dieses auszudrücken. Jeder Ausdruck ist in Beziehungen verwickelt, und nichts, was in Beziehung zu etwas steht, ist in sich vollständig. Von der Intuition (unmittelbare Wahrnehmung) wird gesagt, daß sie vollständig ist, doch das bedeutet, daß keine Philosophie vollständig ist, da diese eine intellektuelle Entscheidung oder Beurteilung ist. Der Intellekt ist keine Offenbarung wie die Intuition, obwohl selbst der Intellekt eine unvollständige Offenbarung darstellt. Mit wirklicher Offenbarung ist die integrale Gesamtsicht und nicht ein verhältnismäßiges Verstehen gemeint. Der Intellekt ist niemals frei von der Subjekt-Objekt-Beziehung, und eine solche Beziehung gereicht nicht zur WIRKLICHKEIT. Wir können niemals eine Philosophie entwickeln, die vor dem Licht der Intuition bestehen könnte, da alle Beziehungen in der Intuition transzendiert werden. Die Erklärung in der MANDUKYOPANISHAD über die Natur der WIRKLICHKEIT bewirkt Aufruhr im Herzen jeder spekulativen Philosophie, welche vergeblich versucht, die WIRKLICHKEIT anhand vergänglicher Kategorien zu erkennen. Solange der Philosoph bis zur tatsächlichen SELBST-Erfahrung nicht darauf eingestellt ist, dies zu akzeptieren, rühmt er lediglich die Schatten (ob ihrer Größe) und er kann schließlich nicht bestreiten, daß seine Verlautbarungen keine selbst-genügsamen und selbst-existenten Werte sind. Die Philosophie erscheint wie eine Rechtfertigung für die Verwirklichung der WAHRHEIT, und sie erfüllt sich selbst, wenn sie den Bedingungen der Intuition begegnet.

Laßt uns akzeptieren, daß der Intellekt unvollständig ist. Ohne dieses unvollständige Instrument scheinen wir jedoch nicht mehr als rein instinktgelenkte Tiere zu sein. Es gibt einige universelle Standards für die intellektuelle Ermittlung der WIRKLICHKEIT hinter den Formen. Die positive Behauptung solcher universaler Wahrheiten und die Meditation auf dieselben werden nicht voranschreiten, ohne den Meditierenden zu dem zu führen, was im absoluten Sinne 'wirklich ist'. Wir können uns durch das Medium des Intellektes über den Intellekt selbst hinausbegeben, wenn derselbe  mit dem Glauben in und  mit der Hingabe an das angestrebte Ideal befrachtet ist. Solange die Höchste WIRKLICHKEIT nicht erfahren worden ist, sollte den universalen Ermittlungen mittels philosophischer Untersuchungen nicht gestattet sein, miteinander zu streiten. Es ist  wahr, daß jede wirkliche Philosophie im ABSOLUTISMUS endet, wobei die intellektuellen Kategorien nicht in der Lage sind, ohne die Erschaffung von Formen des ABSOLUTISMUS zu arbeiten, die scheinbar miteinander rivalisieren. Es entspräche einem weisen Verlauf, jede Form als die höchst logische Form anzusehen, solange ihr Wirkungsbereich das ABSOLUTE ist und solange sie dazu ausreicht, den Menschen zum TRANSZENDENTALEN SEIN zu führen. Als Beispiel sei 'SAGUNA-BRAHMAN', das 'Persönliche ABSOLUTE' und 'NIRGUNA-BRAHMAN', das 'Unpersönliche ABSOLUTE' angemerkt, welche nicht als gegensätzlich angeschaut werden sollten, solange sie nicht die Subjekte oder Objekte von irgendetwas sind, - denn beide sind in ihren eigenen Bereichen das ABSOLUTE und beide sind in keinerlei Beziehungen verwickelt, obwohl die auf Vernunft gestützte Fähigkeit versucht, einen Unterschied zwischen beiden herzustellen. Wenn feindliche Beziehungen zwischen einem Absoluten und einem anderen Absoluten aufgrund der Formen des intellektuellen Verständnisses  entwickelt werden, wird das Leben in Fehlschlägen und in Trübsal enden. Der Intellekt sollte nicht über sich selbst hinaus bis zum Zusammenbruch ausgedehnt werden. Ansonsten besteht die große Gefahr des Selbstbetruges und der Unwissenheit. Die Vernunft sollte immer von der Toleranz begleitet sein und ihre eigenen Begrenzungen niemals vergessen.

Inwieweit dieses Werk in dieser Hinsicht ein Erfolg ist, bleibt dem Urteil des intelligenten Suchers nach der Wahrheit überlassen. Dies ist kein Versuch, etwas Neues zu präsentieren, sondern soll eher dazu dienen, demjenigen eine Methode zu vermitteln, der vom Streben, das HÖCHSTE zu verwirklichen, entflammt ist. Somit besteht der Zweck dieser Arbeit darin, all denjenigen eine Stütze zu geben, die dazu bestimmt sind, in die Pflicht der Bemühung um SELBST-Verwirklichung einzutauchen. Der reine und aufrichtige Sucher wird gewiß durch diesen ernsthaften Versuch, sich die Wahrheit im Licht der UPANISHADEN anzueignen, begünstigt sein. Für jemanden mit durchdringendem Denkvermögen, gepaart mit einem leidenschaftslosen Herzen, ist es unmöglich, von dem Unternehmen Abstand zu nehmen, die über die Erfahrung hinaus­ge­hende WIRK­LICH­KEIT zu suchen, was auch immer der weltliche Verlust sein mag, den er sich dadurch zuzieht. Jene jedoch, die das nicht wünschen, müssen allmählich zu weisen und wahrhaftigen Menschen heranwachsen. Die niedere Natur findet Freude an ihren Fehltritten, und sie kann all jenes nicht tolerieren, von dem sie denkt, daß es auf ihre geliebten egoistischen Neigungen zerstörerisch einwirkt.

Wir können uns glücklicherweise durch das Eingeständnis, daß die Vernunft die NATUR der WAHRHEIT nicht bestimmen kann, selbst trösten. Die ganze Philosophie ist wie das Spiel eines Kindes. Selbst die UPANISHADEN sind lediglich durch Worte ausgedrückte Wahrheiten, und Worte können ohne den Intellekt nicht verstanden werden. Irgendwie kann nicht bestritten werden, daß wir uns in einem gewissen Umfang durch einen sorgfältig überwachten Intellekt, - unter Mithilfe des Glaubens -, von der NATUR der WIRKLICHKEIT überzeugen können. Die einzige Bedingung ist jedoch, daß der strebende Intellekt rein und unangehaftet ist.

Das Hauptproblem, das aus der UPANISHADEN-Philosophie aufsteigt, besteht in Bezug auf die Gültigkeit dessen, ob ein Gedanke im ABSOLUTEN aufkommen kann. Das Universum wird als der Wille oder Wunsch BRAHMANS erklärt. Wenn BRAHMAN kein Wunsch zugeschrieben werden kann, dann ist das Universum auch keine Wirklichkeit. Wenn es BRAHMANS Wunsch ist, dann wird BRAHMAN begrenzt und vergänglich. Irgendwie sehen wir irgend etwas als das Universum an. Doch da wir aufrichtig zu uns selbst sein müssen, können wir nicht anders, als entweder unsere kritische Intelligenz oder unsere praktische Erfahrung in dieser Welt zu leugnen. Unsere gewöhnlichen Sinneserfahrungen sind auf gewisse Art und Weise unglaubwürdiger als unsere tiefste Intelligenz. Sie sind oft bedeutungslos, und selbst im täglichen Leben können wir sehen, wie wenig weise wir durch unsere fehlerhaften Vorstellungen und deren nachfolgende Erfahrungen, geführt werden. Selbst der Tod ereignet sich nur aufgrund eines falschen Glaubens und das Leben wird durch bloßen Glauben zu retten versucht. Wie können wir dann fragen, warum wir eine Welt sehen, wenn in BRAHMAN keine Veränderung stattfindet? Wir müssen einfach zugeben, daß wir trotz der Intelligenz, die etwas ganz anderes ermittelt als das, was wir irgendwie durch die Welterscheinung wie auch durch unsere vielen täglichen Schwächen tatsächlich erfahren, getäuscht werden. Obwohl die Vernunft selbst für gewöhnlich von unseren praktischen Erfahrungen in der Welt beeinflußt wird, offenbart sie dennoch eine Art von Unabhängigkeit, wenn sie vom Unrat der Wünsche gereinigt und in der Lage ist, ein zuverlässiger Führer zu sein. Wenn der EINE BRAHMAN die UNTERSCHIEDSLOSE WIRKLICHKEIT ist, kann es keine Welt der Unterscheidungen und Beziehungen geben. Wenn wir etwas erfahren, müssen wir es mittels der Kraft der Intelligenz verwerfen, ohne unsere Unwissenheit durch unnötiges Hinterfragen des 'warum' und 'wie' noch weiter zu vertiefen. Wenn wir jedoch durch Erfahrungsdruck die Wirklichkeit einer räumlichen und zeitlichen Welt-Manifestation anerkennen, müssen wir dadurch die Existenz der EWIGEN WIRKLICHKEIT verleugnen. Sollten wir zu keinerlei Ergebnis kommen, dann müssen wir in einer ruhenden Trägheit Zuflucht suchen, was wir unserer wahren Natur gemäß jedoch nicht willentlich tun.

Die Erfahrung lehrt uns, daß es eine beständige Bewegung gibt, die sich der Einheit des Bewußtseins zuneigt und Zeichen größerer Vollkommenheit und umfassender Freude vorweisen kann. Hier verbinden sich Vernunft und Erfahrung zu einer Einheit, was uns schlußfolgern läßt, daß die UNTERSCHIEDSLOSIGKEIT und UNENDLICHKEIT der Erfahrung die wahre Natur der Wirklichkeit sein muß. Dieser Rückschluß stimmt außerdem mit den Heiligen Schriften, den UPANISHADEN überein. Aus der EWIGEN EXISTENZ kann keine Idee entspringen. Und es wird uns hier angeraten, die Schöpfungstheorie rein förmlich zum Verständnis der weniger  Intelligenten anzunehmen, wobei diese Theorie dazu bestimmt ist, deren Verstandesorgane durch den voranschreitenden Prozeß der relativen Wirklichkeit aufwärts zu führen. Dies wird, wenn auch nicht sehr ausführlich, in den UPANISHADEN selbst empfohlen. Unsere empirische Erfahrung muß als eine Art von Selbstverwicklung betrachtet werden, welche im Reich der Erscheinungen nicht so ohne weiteres zu veranschaulichen ist. Die Erklärung dafür ergibt sich genau dann, wenn das ABSOLUTE verwirklicht ist. Bei dieser Aufgabe sollte die Vernunft von einem leidenschaftslosen Herzen geführt werden, damit sich keine ungenauen Darstellungen der Tatsachen einschleichen.

Während hier die Philosophie der UPANISHADEN erklärt wird, sind Anteile mit theologischer und ritueller Betonung ausgelassen worden, da diese nicht so wesentlich sind für das Verständnis der grundlegenden Lehren der UPANISHADEN, gleichwohl sie natürlich nützlich sein mögen in der Ausübung bestimmter UPASANAS (Formen der Gottesverehrung). Diejenigen Sucher, die an diesen UPASANAS interessiert sind, werden gebeten, die UPASANA-KANDA mit einem geeigneten Kommentar zu studieren. Die zahlreichen niederen VIDYAS (Wissensformen Gottes) oder die Meditationen auf die niederen Manifestationen BRAHMANS sind gleichfalls nicht in diesem Buch enthalten, da sie sich außerhalb des hier behandelten Untersuchungsbereiches befinden.

Die Übersetzung der Original-Sanskritpassagen ist zum Großteil wortgetreu vorhanden. Doch da, wo eine wörtliche Wiedergabe als günstiger dafür erschien, den Geist einer Textstelle in lesbarer Weise zu übermitteln, ist eine Paraphrase oder die Grundidee entweder durch das Herannehmen bestimmter Wörter, die zum vollständigen Verständnis gebraucht werden, oder durch die Aussparung dessen, was für den hier vorliegenden Zweck nicht benötigt wird, gegeben.

Aufgrund bestimmter unvermeidbarer und unangenehmer Umstände konnte eine umfangreichere, noch mehr ins Detail gehende Ausführung später in die Texte eingefügt.

1. August 1947                                                                                              -Swami Krishnananda

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Kapitel 1

 EINFÜHRUNG

GANZHEITLICHKEIT UND BESTREBUNG

 

  Das Erreichen von VOLLKOMMENHEIT ist die BEWUSSTE VERGANZHEITLICHUNG des SEINS. Dies ist das zentrale Thema der UPANISHADEN. Die UPANISHADEN sind intuitive Offenbarungen, und Intuition ist eine ganzheitliche Erfahrung. Ihren Verlautbarungen mangelt es nicht darin, in sich selbst die absolute Bandbreite der verschiedenen Methoden zur Annäherung an die EINE WIRKLICHKEIT zu sein, denn GANZHEITLICHKEIT schließt nichts aus. Keine zwei Individuen denken das gleiche, denn das Denken, die objektive Bewegung der Spirituellen Kraft, unterscheidet sich in seiner Art und Bestimmung aufgrund verschiedener Druckpunkte in der Ganzheitlichen Existenz. Aber dennoch müssen alle Individuen trotz dieser, aufgrund ihrer unterschiedlichen Denkweise bestehenden Trennung, das Erreichen eines gemeinsamen Zieles, d.h. den Erwerb eines gemeinsamen Zweckes ansteuern, denn es gibt für alle nur EINE WAHRHEIT und alle Wege müssen sich in der EINEN VOLLKOMMENHEIT treffen. Vollkommenheit oder Wahrheit kann nicht geteilt sein, und es kann keine zwei Absolutheiten geben. Deshalb müssen die Methoden zur Annäherung an die Wirklichkeit alle fundamentalen Naturkräfte oder Qualitäten erben, welche zur eigenen Natur der Reinen EXISTENZ gehören. Es ist diese unleugbare Tatsache, die sich anschickt, die logische Übereinstimmung zu beweisen und die inmitten der Vielzahl der von den relativen Individuen angewendeten Methoden zur Erfahrung der Wahrheit, wie sie wirklich ist, existiert.

 

Der eine und wohl wichtigste Punkt, an den wir uns in all den Prozessen zum Durchdenken der Natur der Existenz erinnern müssen ist der, daß wir in ihr nicht, - aus Treue zur Vernunft - , solche relativen Unterscheidungen wie 'subjektiv' und 'objektiv' machen, da diese Differenzen natürlich auf rein eigenmächtigen Vorstellungen und Wahrnehmungen beruhen. Wir trennen im reinen SEIN das Subjekt und Objekt nur aus dem Zugeständnis zu einem Glauben in eine 'Innerlichkeit' und 'Äußerlichkeit', die sich auf eine, jeder Verständlichkeit beraubten, unmittelbare empirische Erfahrung stützt. Die objektive Welt und der subjektive Körper befinden sich beide im Verhältnis zum erkennenden Wesen, doch EXISTENZ ist eine unterschiedslose Erkenntnismasse, deren Tatsache durch das Nichterklärbare einer objektiven Erfahrung, die frei ist von unserem Beharren auf einer bewußten Wirklichkeit, die beides, sowohl das Subjekt als auch das Objekt beinhaltet, bewiesen wird. Die Wirklichkeit des Universums ist, sowohl in ihren objektiven als auch subjektiven Aspekten, in sich EXISTENZ, die erst erkannt werden kann, wenn sie zum Inhalt des Bewußtseins selbst wird. Wenn dieser Inhalt nicht verschieden vom Bewußtsein ist, wird er keine Beziehung zum Bewußtsein haben und somit auch nicht erkannt werden. EXISTENZ muß dasselbe wie BEWUSSTSEIN sein, damit Existenz überhaupt erkannt werden kann. Wird sie nicht erkannt, dann ist sie auch nicht existent. Existenz ist wahrhaftig die EXISTENZ  des BEWUSSTSEINS. Dasjenige Organ, das erkennt und welches das zugrundeliegende Bewußtsein abändert, geht aus der Existenz hervor. Doch da Bewußtsein unteilbar ist, wird eine solche Unterscheidung innerhalb der Existenz anhand des Untrennbaren in dem Nichtunterscheidbaren, die weder ein innen noch ein außen hat, zu einem natürlichen Erkennungsmerkmal verengt. Nichts, was mit etwas in Beziehung steht, ist wirklich. Beziehung bedeutet immer gegenseitige Abhängigkeit und nicht ‘Selbständige Existenz’. EXISTENZ ist immer absolut, - ohne jede Ausnahme. Die gewöhnliche Wahrnehmung ist jedoch kein geeignetes Kriterium für den Nachweis der WAHRHEIT. Die Sonne hört nicht auf 'zu sein', selbst wenn allen Menschen und Tieren die Augen zum Sehen fehlten; noch wird sie deshalb zum ewigen Wesen, weil wir sie wahrnehmen können. Eine unbewußte Unruhe, die von jeder individualistischen Persönlichkeit in ihrem eigenen Befinden empfunden wird, wie auch die Unmöglichkeit, ewig in diesem abgesonderten Bewußtsein zu verweilen, deutet auf das Wesen des HÖCHSTEN ZUSTANDES der ABSOLUTEN VOLLKOMMENHEIT hin. Wünsche, die im allgemeinen Sprachgebrauch als Kräfte verstanden werden, die das Individuum in Richtung der verhältnismäßigen Existenz hinziehen, sind ein klarer Beweis für die Unfähigkeit des individuellen Wesens, sich mit seiner Endlichkeit zufrieden zu geben; - gekoppelt mit der Forderung nach weiteren Erfahrungen im weiten Feld des Bewußtseins. Das Verweilen in einem relativen Zustand des Bewußtseins verschafft keine Befriedigung, unabhängig davon, wie weit das Stadium seiner Ausdehnung auch sein mag im Vergleich mit den niederen Ebenen des Bewußtseins. In jedem Individuum ist ein innewohnendes Verlangen, andere Bewußtseinszustände zu erfahren und andere Spielarten von Objekten in diesem Universum zu besitzen. Dieses Verlangen findet erst Ruhe, wenn unendliche Bewußtseinszustände erfahren und unendliche Objekte besessen werden, was jedoch keine Vielfältigkeit in der Unendlichkeit bedeutet, denn das UNENDLICHE ist UNGETEILTE EXISTENZ. Selbst die Herrschaft über das gesamte Universum kann keine dauerhafte Befriedigung verschaffen, solange sie nicht dem UNENDLICHEN entspricht. Die Herrschaft über Himmel und Erde ist nur eine relative Existenz, wenn auch von einer hohen Ebene der Verdienste aus, aber die Zufriedenheit erreicht dort, - selbst für die absolute Individualität -, noch nicht ihren Höhepunkt. Vollkommene Zufriedenheit ist in keinem dualen Lebenszustand zu finden, - und sei es auch  absolute Dualität -, sondern  einzig in der UNENDLICHEN ERFAHRUNG und dem UNENDLICHEN SEIN. 

  

DIE METHODE DER BEWUSSTEN AUSDEHNUNG

 Das UNENDLICHE SEIN wird nicht durch bloße metaphysische Spekulation erfahren, vielmehr findet ES seine Bedeutung in der unmittelbaren, nicht-relativen Erfahrung. Eine ganzheitliche Erfahrung benötigt ein sich ganzheitlich darauf zuzubewegen, - eine Umwandlung der vollständigen Persönlichkeit. Das ist der Grund, warum der Intellekt, der ein Teil des vollständigen Menschen ist, die WIRKLICHKEIT, welche das GANZE ist, nicht erreicht. Das gesamte Bewußtsein muß auf das zu erreichende Ideal konzentriert werden. Bis zum Erreichen des Zieles ist es unbedingt erforderlich, die sich zerstreuenden Strahlen des persönlichen Bewußtseins in ihre ursprüngliche relative Quelle, in die Wurzel der individuellen Persönlichkeit, - in das geläuterte Ego - , zurückzuziehen. Dem geläuterten Ichbewußtsein, solchermaßen von den abweichenden Anziehungen der Sinneswahrnehmung befreit, ist es gestattet, sich selbst vollständig dem Höheren Zweck der bewußten Ausdehnung in die feineren und weiteren Zustände des Bewußtseins hinzugeben. Jeder höhere Zustand ist ausgedehnter, feiner und umfassender als die niederen Zustände, und die Kraft der VERGANZHEITLICHUNG (Integration) nimmt im Verlauf der fortschreitenden Zustände zu. Kräfte, die in einem bestimmten Zustand des Bewußtseins nicht kontrolliert werden können, fallen leicht unter die Herrschaft eines nächst höheren Zustandes, und die Fähigkeit des Individuums, einen bestimmten Zweck zu erfüllen, nimmt in ausgedehnteren Zuständen weiter zu. Demzufolge sollte die angeborene und letztendliche NATUR des BEWUSSTSEINS notwendigerweise allumfassend, äußerst ausgedehnt und deshalb unendlich sein. Das BEWUSSTSEIN und die KRAFT dieses Höhepunktes im SEIN ist unbegrenzt, da es nichts Zweites mehr zu dieser wesenhaften Bedingung der EXISTENZ gibt. Die bewußte Verankerung des Selbst in dieser homogenen Essenz wird durch ein Opfer der individuellen Getrenntheit zugunsten der FÜLLE des UNENDLICHEN erreicht. Die UPANISHADEN sind das Vermächtnis derjenigen, die das endliche Bewußtsein einer erbärmlichen Individualität transzendiert und das HÖCHSTE in der GANZHEIT der ERFAHRUNG angerufen haben. Die Begrenztheit des mannigfaltigen Lebens wird durch die Tatsache betont, daß das Individuum, welches ein solches Leben lebt, dazu gezwungen wird, sich Dinge und Zustände zu wünschen, die anders sind als seine eigenen. Objektive Existenz als solche ist eine Grenzziehung in der Einheit der beständigen Natur der Existenz, und die Darstellung der Unwahrheit aller Relativität im unterschiedslosen SEIN kann schließlich keinen Sieg erringen. Selbst gegen das oberflächliche Bewußtsein stemmt sich aus den innersten Tiefen eines jeden Wesens ein Drang, mit dem ALL EINS zu werden, wobei es unwesentlich ist, ob dies als Vollkommenheit oder anders empfunden wird. Die UPANISHADEN sind die reifen Früchte solch herrlicher Blumen, wie sie im Licht der Weisheitssonne aufgeblüht sind. Sie führen uns zum GANZEN, von dem sie lediglich dessen psychologische Teile sind.

 Die UPANISHADEN sind durch und durch spirituell, und sie vertreten deshalb die höchst umfassende Lehre des YOGA als VERWIRKLICHUNG der WAHRHEIT. Ihre Lehren sind nicht das Ergebnis eines intellektuellen Wunders oder irgendeiner Absonderlichkeit, sondern die Wirkung eines angestrengten und unwiderstehlichen Druckes und entsprechen somit dem praktischen Bedürfnis, aus dem Teufelskreis der Anhaftung an die individuelle Existenz emporzusteigen. Die Aufgabe der SEHER bestand darin, diese Störung im Leben zu beheben, welche, - und das verwirklichten sie, - im Bewußtsein der Getrenntheit des Wesens und dem (daraus resultierenden) Wunsch, etwas zu erwerben und zu werden, was jemand 'nicht ist', angesiedelt ist. Die Heilung liegt (allein) im Erwerb und im Werden von allem, wenn dies auch nur ungenügend durch die Worte 'UNSTERBLICHKEIT', 'UNENDLICHKEIT' usw. ausgedrückt wird. Das zentrale Problem eines jeden einzelnen von uns besteht in der Überwindung der Krankheit des individuellen Lebens und im Erwerb des Zustandes der VOLLKOMMENHEIT, des FRIEDENS und der WONNE. Die UPANISHADEN verdeutlichen den "ZWECK" und die "MITTEL" und, - da jene Weisen das GANZHEITLICHE WISSEN der WIRKLICHKEIT hatten -, betonten sie im Rahmen der Methoden zur Annäherung an das Ziel die Wertigkeit des IDEALES, vorausgesetzt, daß es ganzheitlich ist. Die Praxis eines solch idealen 'SADHANAS ' (spirituelle Praxis) zur Befreiung aus der Knechtschaft des relativen Lebens führt zur leuchtenden Region der ungetrübten Glückseligkeit.

 Die Unterschiede zwischen den Vorstellungen bezüglich der Wirksamkeit der verschiedenen Methoden zur Umwandlung der Persönlichkeit in das HÖHERE BEWUSSTSEIN entsprechen den verschiedenen Temperamenten und Erfahrungsebenen derjenigen, die sich mit der Aufgabe, die GÖTTLICHE EXISTENZ zu verwirklichen, befassen. Jedes Ego unterscheidet sich im Bewußtsein und in seinen Erfahrungen vom anderen. Sie alle benötigen höhere Erfahrungsberührungen, die im Grad und in der Verhältnismäßigkeit zur Feinheit der Bedingung ihres gegenwärtigen Bewußtseinszustandes voneinander abweichen. Obwohl es die, in den Erklärungen der UPANISHADEN vorliegende, grundlegende Ansicht ein vollkommener intuitiver ABSOLUTISMUS ist, die von der höchsten Klasse der Wahrheitssucher aufgegriffen wird, können wir behaupten, daß man nicht fehl damit geht, in ihnen (auch) die tiefsten Verlautbarungen zu finden, die alle Aspekte der psychischen Konstitution des menschlichen Wesens im allgemeinen berühren. Das Licht und die Wärme der Sonne sind für kein existierendes Wesen im Universum ohne jeden Nutzen, - was auch immer der Weg und der Grad sein mag, in dem es von der Gegenwart der Sonne profitiert -, so daß die Erklärungen der UPANISHADEN zur ganzheitlichen WAHRHEIT in keinerlei Hinsicht nutzlos für den Menschen und dessen Methoden zur Annäherung an die WIRKLICHKEIT sind; denn: "GANZHEITLICHES" beinhaltet alle "ASPEKTE".

 Das GANZHEITLICHE des SEINS kann selbst in diesem bestehenden Leben erreicht werden. Es ist nicht notwendig, deshalb noch einige Runden im Rad von Geburt und Tod zu absolvieren, vorausgesetzt, die VERVOLLKOMMNUNG hat sich durch beständige MEDITATION auf die WIRKLICHKEIT und die Verneinung des abgeschiedenen Bewußtseins noch vor dem Ablegen der gegenwärtigen physischen Körperhülle ereignet. Die Schnelligkeit des Prozesses zum Erreichen (des Zieles) hängt von der Intensität der Kraft in der MEDITATION ab, und dies sowohl in ihren verneinenden als auch den sich behauptenden Aspekten. Ein Enthypnotisieren des Bewußtseins von dessen (Wahn der) Verkörperung und individualistischem Dasein ist der wahre Zweck aller Methoden der spirituellen MEDITATION.

  

DAS TRANSZENDENTE SEIN

 Die Lehren der UPANISHADEN sind in der Sprache des SELBST, nicht in der des Intellektes, zum Ausdruck gekommen, und daher dringen sie nicht so leicht in die Tiefe der Seele, wenn diese nicht eine verlangende und brennende Sehnsucht nach der absoluten ERFAHRUNG besitzt. Aufgrund ihrer Abweichung von der WAHRHEIT und dem Umherwandern zwischen den Schatten ist es für die Seele schwer, die STIMME der STILLE zu vernehmen. Die UPANISHADEN betonen, daß selbst der höchste Gewinn in der  relativen  Welt, vom letzten gültigen Standpunkt aus gesehen, lediglich unter den fließenden Schatten angesiedelt ist. Die schmackhaften Neigungen, welche sich selbst im Prozeß des Erblühens der Individualität in das UNENDLICHE hinein offenbaren, versuchen die Gegenwart der WAHRHEIT im innersten Kern unseres Wesens zu verschleiern. Solcherlei physische Schichten, wie glänzend sie auch sein mögen, sind trotz allem Schichten des Nichtseins, und sollten nicht für das WIRKLICHE gehalten werden. Selbst die feinste Schicht ist nichts als ein Schleier über der WAHRHEIT, ein 'Goldenes Gefäß', das die Essenz verbirgt und das transzendiert werden muß, bevor der wahre Kern des SEINS erreicht wird. Die WONNE des ungefesselten SEIN' übersteigt alle Zustände der relativen Freude, wie ausgefallen diese Freude auch sein mag. Die WONNE des unbegrenzten BEWUSSTSEINS ist der absolute Höhepunkt der EXISTENZ und alles andere muß als unwahr verworfen werden. Der Zustand ISHVARAS ist kein ewiger, da er in Beziehung zum Universum steht, das vergänglich ist. ISHVARA taucht in BRAHMAN ein, wenn das Bewußtsein vom Universum transzendiert wird.

 Die WONNE des SELBST ist die WONNE des SEIN'. Es ist die WONNE des ABSOLUTHEITS-BEWUSSTSEIN'. Das Wesen des BEWUSSTSEINS ist das Wesen EWIGER WONNE. Es liegt nicht im ERWERB (von etwas), sondern in der VERWIRKLICHUNG und in der ERFAHRUNG; nicht in der Erfindung, sondern in der Entdeckung. Die Intensität des Bewußtseins nimmt zu, je mehr sich die objektive Existenz dem Subjekt nähert; sie wird um so vollständiger, je intimer das Verhältnis zwischen Subjekt und Objekt wird, und sie ist dann vollendet und zur ABSOLUTHEIT ausgedehnt, wenn Subjekt und Objekt identisch sind. Dieses REINE BEWUSSTSEIN ist dasselbe wie die REINE WONNE, die Quelle der KRAFT und der Gipfel der FREIHEIT. Es ist die Höchste STILLE der leuchtenden FÜLLE des WIRKLICHEN, wo das Individuum im Ozean des SEIN' ertrinkt.

  

DIE WAHRHEIT UND IHRE SUCHE

 Die UPANISHADEN erklären nicht, daß die WAHRHEIT ein Zustand der dynamischen Veränderung und Handlung ist, was ja alles auf Begrenzung und Unvollständigkeit hinweist, sondern daß ES eine immerwährende RUHE, unbegrenzte FREUDE und beständige ZUFRIEDENHEIT ist. Wandel bedeutet 'anders zu werden', Veränderung, Bewegung, Handlung und eine Anstrengung, die unternommen wird, um ein unerreichtes Ziel zu erreichen, was wiederum charakteristisch ist für ein unbefriedigtes und unvollkommenes Wesen. Dies kann nicht die Natur der WAHRHEIT sein, da WAHRHEIT immerwährend ist und keine Notwendigkeit zur eigenen Veränderung in sich trägt.

 Wandel ist die Eigenschaft der Unwahrheit, und die UPANISHADEN behaupten, daß die WIRKLICHKEIT Selbstzufrieden, Selbstsein, Nichtdual, Ruhend und höchst Vollkommen ist. Der Hinweis auf die INNERLICHKEIT und die in sich ausdehnende UNBEGRENZTHEIT des BEWUSSTSEINS ist der immer wiederkehrende Refrain im Lied der UPANISHADEN, die in dieser Hinsicht äußerst mystisch sind, solange der Mystizismus keine irrationalen Gedanken oder sonstigen Verrücktheiten des Geistes in sich trägt. Der transzendentale Mystizismus der UPANISHADEN ist nicht die Wirkung eines emotionalen Ausbruches, sondern eine stille Transzendenz des Intellektes und der Vernunft anhand einer verinnerlichten Entwicklung in das GANZHEITLICHE BEWUSSTSEIN hinein.

 Die WAHRHEIT, durch die, "wenn einmal erkannt, alles erkannt wird", ist in den UPANISHADEN das Subjekt der Untersuchung und das Objekt der Suche. Die SEHER tauchten in die wahren Tiefen der EXISTENZ ein und kosteten die Natur des UNBEGRENZTEN LEBENS. Sie traten in die WURZEL des Universums ein und das innere Wesen der Zweige konnte durch die Erforschung der innewohnenden Kräfte der GROSSEN LEBENSWURZEL leicht verwirklicht werden. Wenn die Wurzel bewässert wird, erhalten die Zweige ganz von selbst Wasser; wenn das Gold  erkannt ist, sind alle (daraus resultierenden) Verzierungen ebenfalls erkannt; wenn die WAHRHEIT verwirklicht ist, ist alles verwirklicht; denn: die WAHRHEIT ist EINS. Welche Philosophiesysteme auch immer aus den UPANISHADEN erwachsen sein mögen, die offenkundige WAHRHEIT besteht unausgesprochen darin, daß sie alle eine Theorie vorlegen, welche die WIRKLICHKEIT als unteilbar, ohne Objekt und transzendent betrachtet. Sie behaupten, daß der ‘Glaube in eine Verschiedenheit’ aus der Unwissenheit des Bewußtseins herrührt, und daß die WAHRHEIT vom Innersten her eine ungebundene EINHEIT ist. Sie führen uns weg vom falschen Glauben in die objektive Wirklichkeit des Universums, hin zu einer inneren Erforschung des wahren SELBST, das als die feinste ESSENZ unseres Wesens existiert. Und was mit Nachdruck betont wird, ist ihr unermüdliches Beharren auf dem Erreichen der SELBSTVOLLKOMMENHEIT. Einzig ihrer unsterblichen Ehre wegen, ergreifen sie die EWIGE TATSACHE, daß die Erkenntnis des SELBST das Höchste Ziel des Lebens und dessen einzige Bedeutung und Zweck ist, ja, daß die Wesen nur für diesen großen ERWERB des LICHTES, der FREIHEIT und der UNSTERBLICHKEIT existieren! Gesegnet sind diejenigen, die ihr Leben wahrlich sinnvoll gelebt haben, indem sie diese Höhe der unsterblichen Freude in diesem Leben erreichen; diejenigen jedoch sind die großen Verlierer, die ihr Leben vertan haben, indem sie es versäumen, die WAHRHEIT hier (und jetzt) zu verwirklichen  (VIDE KENA UPANISHAD II,5.).

 Die UPANISHADEN bestätigen in mehrfacher Weise, daß im Festhalten an der phänomenalen Unterscheidung im Sinne einer beständigen Wirklichkeit keinerlei Bedeutung liegt, und daß die WAHRHEIT einzig UNENDLICHKEIT ist. Der gewöhnliche Impuls, das eigene Selbst zum Ausdruck zu bringen, zu entfalten und zu verwirklichen, ist in allen Wesen in unterschiedlichen Stärkegraden gegenwärtig. Der gesamte Prozeß der bewußten Ausübung zur VERWIRKLICHUNG der WAHRHEIT beruht in der Offenbarung dieses tiefsten Impulses im Menschen und einem Miteinander, um sich selbst in das UNENDLICHE auszudehnen. Als Hintergrund jeglicher Art von Ringen im Leben existiert dieser Drang mit dem Ziel, sich im unveränderlichen BEWUSSTSEIN niederzulassen. Selbst dann, wenn jemand blind in seinen Anhaftungen an das persönliche Leben nach äußerem Gewinn strebt, wird derjenige tatsächlich, - wenn auch unbewußt und fehlerhaft -, durch diesen Drang, sich selbst zur VOLLKOMMENHEIT hin auszudehnen, vorwärtsbewegt.

 

ABSTUFUNGEN INNERHALB DER EMPIRISCHEN WIRKLICHKEIT

 Die Stufen der WIRKLICHKEIT sind lediglich Stufen innerhalb der Wahrnehmung der WIRKLICHKEIT. In der WIRKLICHKEIT kann es keine Abstufungen oder Ebenen geben, da sie ungeteilt und nicht objektiv ist. Fortschritt, Rückfall, Stufen und Veränderungen aller Art sind nicht Teile des ABSOLUTEN, sondern Formen der verschiedenartigen Phasen des objektivierenden BEWUSSTSEINS, das mit den Mitteln oder Instrumenten der wechselseitigen Erkenntnis im Universum verbunden ist. Diese Stufen oder Schritte des relativen BEWUSSTSEINS werden jedoch in ihren jeweiligen Bereichen als wahr erfahren und müssen von all jenen durchschritten werden, die eine Individualität besitzen, durch die sie vom REINEN SEIN getrennt sind. Diese objektiven Stufen oder Stadien sind so wirklich wie die Subjekte, die diese Stufen in den Kloaken der Erscheinungswelt erfahren.

 Die Fähigkeit zu einer solchen Ausdehnung unterscheidet sich, gemäß dem Umfang der sich in ihnen offenbarenden WIRKLICHKEIT, stufenweise in den verschiedenen Wesen. Gemäß den Abstufungen der Intelligenz, die ihre Natur erleuchtet, sind die Wesen jeweils auf einer höheren oder niedrigeren Stufe. Die Wesen im Universum unterscheiden sich durch die Art ihrer Denkweise, welche durch die Intensität der in ihnen gegenwärtigen WAHRHEIT kontrolliert wird. Die Natur scheint eine in vielfacher Hinsicht verdrehte und unterschiedlich abgestufte Offenbarung des GEISTES zu sein. Die Individuen, in sich selbst abgetrennt und begrenzt durch Raum und Zeit, unterhalten mannigfache Beziehungen untereinander, je nach dem Verhältnis zur Tiefe des durch sie verwirklichten BEWUSSTSEINS. Je tiefer das verwirklichte BEWUSSTSEIN in einem Individuum, desto näher ist es der EWIGKEIT. Der Drang hin zum Individuum und die Verwurzelung des Ego-Sinnes ist die trennende Kraft. Je größer die Kraft ist, mit der dieser Trennungshang zum Versiegen gebracht oder zur UNENDLICHKEIT erweitert wird, desto umfassender und tiefer ist das LICHT und die FREUDE, die verwirklicht und erfahren wird. Hieraus wird ersichtlich, daß, - mit Ausnahme jener großen feurigen Methode zum Erwerb der UNMITTELBAREN SELBST-ERFAHRUNG  -

 

(Die Methode der REINEN ERKENNTNIS (VIDE P. 115.) -

 der Prozeß der SELBST-VERWIRKLICHUNG ein fortschreitender sein muß, und daß niemand in einen höheren Bewußtseinszustand hineinfliegen kann, ohne vorher die Bedingungen der niederen, geringeren und gröberen Stadien zu erfüllen. Zunächst muß den Erfordernissen der begrenzten Abschnitte der Offenbarung entsprochen werden, bevor man das HÖCHSTE METAPHYSISCHE SEIN erreichen kann. Eine gestrenge Unterscheidungsfähigkeit mag den Ausblick auf einen fortschreitenden Prozeß innerhalb der WIRKLICHKEIT zurückweisen, und dennoch findet in allen relativen Bedingungen ein Prozeß statt, der solange gültig ist, solange die Dualität auf sich beharrt. Wie auch immer, alles geschieht demjenigen zum Besten, dessen Herz sich jenem Handeln zuneigt, das mit dem unsterblichen GESETZ des UNENDLICHEN LEBENS übereinstimmt. Keine Erkrankung, weder eine physische noch eine geistige, kann ihn jemals angreifen.

  

DER WEG ZUM GESEGNETSEIN

 Dieser wichtige Faktor wird durch den modernen Menschen, wie gelehrt und gut erzogen er auch sein mag, gerne vergessen. Er hat es abgelehnt, sich dem Wirken der SPIRITUELLEN NATUR frei zu übergeben und hat statt dessen sein Bestes versucht, sich selbst in den Zustand einer individuellen Existenz zu zentrieren. Die Leiden der modernen Welt mögen dieser verkrampfenden Neigung entsprechen, die stets versucht, den Weg zur Erweiterung des SPIRITUELLEN BEWUSSTSEINS im menschlichen Wesen zu blockieren. Als Beispiele mögen stellvertretend für jene Kräfte die halb ausgegorene Naturwissenschaft und Psychologie erwähnt werden, die den glücklichen Prozeß der WAHRHEITSVERWIRKLICHUNG hemmen. Die, durch falsche Erziehungsmethoden, sozialen und politischen Hader, individuelle Boshaftigkeiten und durch die Degeneration der Welt verursachten Krankheiten, sind alle durch die eine schreckliche Tatsache bewirkt, nämlich, daß sich die Menschheit gegen das GESETZ der SPIRITUELLEN WIRKLICHKEIT gewendet hat. Solange diese selbstzerstörerische Neigung im menschlichen Geist nicht beherrscht und den Menschen nicht der richtige Weg des Fortschrittes gezeigt wird, muß die unglückliche Welt zufrieden sein mit ihrem Schicksal. Das Heilmittel liegt allein in unserem aufrichtigen Bestreben, Zuflucht zur DIREKTEN METHODE einer solchen VERWIRKLICHUNG, und zwar hier und jetzt, zu nehmen. Die Menschheit muß stufenweise spirituell werden. Jene, die denken, daß sie aufgrund ihres Handelns im Sinne von SELBST-VERWIRKLICHUNG der Welt ein Unrecht antun, müssen natürlicherweise wie jemand erscheinen, der noch nicht über das Stadium der Leichtgläubigkeit der Kindheit hinaus gewachsen ist. Denn sie haben offensichtlich vergessen, daß das SELBST, was nichts anderes als das ABSOLUTE ist, das gesamte Universum beinhaltet und noch weit übersteigt. ES ist die Stütze von allem und nicht der Verlierer von irgend etwas. Die Wohlfahrt der Gemeinschaft beruht letztlich in ihrer SPIRITUALITÄT. Gesellschaft ist eine Ansammlung von Körpern, die durch das unbewußte spirituelle Band, das zwischen den Wesen gleichen Geschlechtes oder der Art besteht, bewirkt wird. Die sozialen Fesseln sind zwischen denjenigen, die ähnlich denken und dasselbe Verhalten pflegen, stärker. Das stärkste Band ist jedoch dasjenige, das all jene miteinander verbindet, die sich auf der gleichen Ebene der Bewußtseinstiefe befinden. All dies deutet spiegelbildlich auf die innewohnende Natur der UNTEILBARKEIT der EXISTENZ hin, die EINS ist. Die menschlichen Wesen müssen diesem SPIRITUELLEN GESETZ gemäß erkennen und handeln. Dieses GESETZ anzuerkennen sollte nicht nur dem Zweck akademischer Untersuchungen dienen, sondern muß ganz allgemein die Grundlage des täglichen Lebens eines jeden einzelnen sein. EINHEIT in der Welt benötigt ein das Herz verbindendes Gefühl der EINHEIT zwischen den Bewohnern dieser Welt. Dies ist das Gebot der Stunde! Dies ist die Aufgabe der politischen und religiösen Führer! Das ist es, was den Weg zum GESEGNETSEIN des gesamten Universums pflastern wird.

 Die UPANISHADEN sind unsere Leuchttürme in diesem Höchsten Versuch. Laßt sie uns verstehen und ihnen mit Aufrichtigkeit, Glaube, Ruhe, Sicherheit und Beständigkeit folgen.

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Kapitel 2

 DIE NATUR DER WELT

 Die VEDANTA-Philosophie ist kein 'SOLIPSISMUS ' (Doktrin von der alleinigen Wirklichkeit des eigenen Ich als dem einzigen Objekt wirklicher Erkenntnis), auch kein niederer 'MENTALISMUS ' (Doktrin, nach der alle Realität GEIST ist), geschweige denn eine Bejahung von der absoluten Wirklichkeit der Welt. Die Annäherungsweise des VEDANTA (an die Wahrheit) ist integral. ER sagt nicht, daß allein die subjektive Idee, oder allein die objektive Welt wirklich ist, noch hält ER daran fest, daß überhaupt nichts wirklich ist. ER behauptet nicht, daß das WIRKLICHE allein transzendent oder allein immanent ist, noch daß eins von beiden, - das Subjekt oder Objekt - , höher als das andere steht. Beide befinden sich in Wechselbeziehung zueinander. VEDANTA stützt sich auf keinerlei dogmatische Vorstellungen oder irgendeine Ansicht und Aspekt, sondern nimmt die GESAMTHEIT des WAHREN SEINS ins Visier. Die UPANISHADEN  als Fundament der VEDANTA-Philosophie unternehmen nicht bloß eine subjektive oder individuelle Annäherung an die WAHRHEIT und begrenzen sich nicht selbst in einem individualistischen 'SUBJEKTIVISMUS' (Doktrin, daß jegliches Erkennen subjektiv ist). Sie wissen, daß das Individuum unvollständig ist. Auch begehen sie nicht den Fehler, EXISTENZ aus einer rein objektiven Sicht heraus zu bestimmen, um so im 'MATERIALISMUS '(Doktrin, daß die Wirklichkeit aus stofflicher Materie besteht) zu landen. Tatsächlich kann nichts Objektives als etwas Wirkliches nachgewiesen werden, da kein Objekt unabhängig von den Kriterien des Erkennens, welche die Erkenntnis auf ihre eigenen Verständnissphären begrenzen, wirklich erkannt werden kann. Die Natur der Welt, wie sie außerhalb des Erkennenden existiert, kann nicht für den Wunsch nach den notwendigen Mitteln der Erkenntnis herangezogen werden. Die objektive Beobachtung der Dinge, wie dringend sie auch sein mag, kann uns nicht die absolut vollständige Erkenntnis von ihnen verschaffen, da in jeder Form der Beobachtung eine unüberbrückbare Kluft zwischen dem Erkenner und dem zu Erkennenden verborgen ist. Je weiter man seine Beobachtungskraft ausdehnt, um so weiter erscheint die Reichweite der EXISTENZ zu sein. Es besteht keine Hoffnung, das UNENDLICHE mittels der Sinneskraft oder durch die geistigen Fähigkeiten, welche alle mit der Erkenntnis fließender Formen beschäftigt sind, zu ergründen. Der GEIST erscheint in dem Moment in einem objektiven, materiellen und vergänglichen Zustand, in dem ER durch den Verstand und die Sinne betrachtet wird. Die SANKHYA-Philosophie benutzte die Methode der objektiven Beobachtung und fiel konsequenterweise in die tiefe Kluft (der Unterscheidung) von PURUSHA (Höchstes WESEN) und PRAKRITI (Ur-Materie) und war genötigt, diese beiden als zwei ewige Wirklichkeiten anzuschauen. Die Existenz zweier Wirklichkeiten ist offensichtlich ungerechtfertigt und widerspricht dem wahren Drang nach philosophischer Erkenntnis, die die Erfahrung der EINEN  und UNZWEIFELHAFTEN EXISTENZ sucht. Die YOGA-Philosophie, die auf der SANKHYA-Philosophie aufbaut, brachte einen ISHVARA hervor, der zusammenhanglos im Existenz-Plan erscheint, denn es ist tatsächlich schwierig, diesem ISHVARA irgendeine Bedeutung beizumessen, da ER weder als Schöpfer des Universums noch als Ziel menschlicher Bestrebungen bezeichnet werden kann. Dies ist nicht wesentlich besser als die Aussage, daß es überhaupt keinen ISHVARA gibt. Die NYAYA- UND VAISESHIKA-Philosophie folgen auch der irreführenden Methode einer objektiven Wahrnehmung in ihrer Suche nach wahrer Erkenntnis und befürworten verschiedene Absurditäten wie z.B. letztendliche unabhängige Substanzen und einen transzendentalen Gestalter des Universums, der wirklich nicht an das Universum, so wie es beschaffen ist, heranreicht. Das MIMAMSA (ind. Philosophie) läßt ebenfalls, - aufgrund seiner objektiven Auffassung von der Wirklichkeit äußerer Formen der Welt -,  Gottheiten, himmlische Regionen usw. zu. All diese objektiven Philosophien haben versucht, die EXISTENZ auch von der subjektiven Seite her anzuschauen und sind zu der Schlußfolgerung gekommen, daß es eine Vielzahl von ‘ATMAN' oder SEELEN gibt; einige dieser Schulen gingen sogar soweit zu sagen, daß die innewohnende Natur ATMANS kein REINES BEWUSSTSEIN ist. In all diesen Philosophien des DUALISMUS, der zwischen dem Erfahrenden und dem Erfahrenen aufgestellt wird, besteht eine große Schranke auf dem Weg zur VERWIRKLICHUNG der ABSOLUTEN FREIHEIT, denn dasjenige, das durch ein Objekt begrenzt ist, kann nicht absolut sein. Eine rein objektive Annäherung an die WAHRHEIT ist blind und würde lediglich zur Wahrnehmung des GEISTES als einem bloßen materiellen Phänomen führen, während eine rein subjektive Annäherung beschränkt ist und zum 'AGNOSTIZISMUS '(Doktrin, wonach das wahre SEIN, die Dinge an sich, nicht erkennbar sind) und 'SKEPTIZISMUS '(Doktrin, die die Möglichkeit der Erkenntnis vom wahren Wesen der Dinge in Zweifel zieht) usw. führt. Nur ein vollständiger Einblick ins Leben kann uns eine gesunde Philosophie und eine zufriedenstellende Religion vermitteln.

 VEDANTA ist die feierliche WISSENSCHAFT vom ABSOLUTEN, die GÖTTLICH und VOLLSTÄNDIG ist. Die UPANISHADEN werden VEDANTA genannt, da sie die abschließenden und krönenden Teile der VEDEN sind und die Höchste Essenz der Lehren aus den VEDEN verkünden. Die UPANISHADEN  erblicken die EXISTENZ als 'ADHYATMA', das Individuum, 'ADHIBUTA ', die Welt und 'ADHIDAIVA', ISHVARA oder GOTT und sie verkünden die Existenz BRAHMANS, der alles in SEINEM TRANSZENDENTALEN SEIN umfaßt. Sie behaupten nicht, daß nur ADHYATMAN wirklich ist, was dem SUBJEKTIVISMUS entspräche. Ebenso beharren sie nicht darauf, daß ADHIBUTA allein wirklich wäre, was dem MATERIALISMUS entspräche. Für sie sind ADHYATMA, ADHIBUTA und ADHIDAIVA Erscheinungs-Phasen BRAHMANS oder PARAMATMANS, sozusagen eine dreifache Erscheinung des wahrlich UNTEILBAREN BRAHMAN'. Diese drei, - JIVA (Einzel-Seele), JAGAT (Welt) und ISHVARA (Gott) -, mit BRAHMAN als gemeinsamem Grund, erschöpfen die möglichen Prinzipien jeglicher Erfahrung, - sie stellen die Gesamtheit der möglichen Erfahrungen dar. Die UPANISHADEN verleihen auf unterschiedliche Art und Weise der Einheit des Lebens, der Einheit des Individuums und des Kosmos Ausdruck. "Derjenige, der hier im Individuum wohnt, ist Derselbe, der dort in der Sonne ist", sagt die TAITTIRIYOPANISHAD . Die CHHANDOGYOPANISHAD setzt den Äther im Herzen mit dem Kosmischen Äther außerhalb gleich. Der Mikro- und Makro-Kosmos sind eins. UDDALAKA gibt SVETAKETU eine objektive Beschreibung der Wirklichkeit in Form von 'EKAM SAT', dem EINEN WIRKLICHEN, der Quelle und Grundlage aller Wesen und identifiziert mit artistischer Leichtigkeit diese EINE WIRKLICHKEIT mit dem SELBST von SVETAKETU. Die UPANISHADEN porträtieren die WIRKLICHKEIT des UNIVERSELLEN LEBENS mit wundervoll dramatischer Schönheit, und die Weisen der UPANISHADEN waren absolut praktisch veranlagte, mit dem LEBEN und SEIN, und keineswegs mit phantastischen Tagträumen sich auseinandersetzende Menschen. Sie verwirklichten direkt die ABSOLUTE WAHRHEIT und wußten, daß Unterscheidungen, auch solche zwischen dem Individuum, der Welt und GOTT, relativ sind, und daß die Dinge nur eine Bedeutung als Bestandteil einer Phase des HÖCHSTEN SEIN' haben.

 Wenn sich die Vernunft auf die SHRUTIS (Hl. Schriften) stützt, verleiht sie uns die Stärke, um die WAHRHEIT zu lieben. Sie entschleiert die WAHRHEIT, indem sie die Irrtümer des empirischen Lebens enthüllt. Die materielle Welt der Erfahrung ist nicht wirklich. Materie, Energie (Leben), Verstand, Intellekt usw. sind keine Substanzen, Dinge oder Essenzen, die absolut wirklich sind, sondern lediglich Veränderungen oder Abstufungen im Erkenntnisprozeß. Materie ist die, von den Sinnen und dem Verstand beurteilte WIRKLICHKEIT. Objektiviertes Bewußtsein erscheint als Materie. Energie, Verstand und Intellekt sind auch, - auf bestimmten Ebenen wahrgenommen - , WIRKLICHKEIT. Raum, Zeit, Ursache und Objektivität, - die Kategorien des Erkenntnisprozesses -, sind allein für die Wahrnehmung der in Intellekt, Verstand, Energie, Materie usw. aufgeteilten EINEN WIRKLICHKEIT verantwortlich. Abseits dieser objektiven Abstufungen gibt es kein Universum. Was wirklich in Raum, Zeit, Ursache und Substanz oder Individualität vorhanden ist, ist BRAHMAN oder das ABSOLUTE BEWUSSTSEIN. Es ist das ABSOLUTE, das aufgrund dieser Merkmale oder Beziehungen, die der unergründliche Erkenntnisprozeß in die Erfahrung projiziert, als Universum erscheint.  Das, von diesen Abstufungen befreite Universum ist BRAHMAN. Diese Merkmale sind keine, im Universum als Wirklichkeit bestehende objektive Tatsachen, sondern Bedingungen, Wege, Veränderungen, Erfindungen, um die WIRKLICHKEIT in Begriffen des individuell Erkennenden zu erkennen. Die Erkenntnis des Universums beruht auf dem fundamentalen und verborgenen Irrtum einer Vorstellung von der WIRKLICHKEIT als einer Getrenntheit, die zwischen dem Erkennenden und dem Erkannten, wie auch dem verbindenden Erkenntnisprozeß besteht. Jene Erkenntnis, die an den Glauben in eine Verursachung gekettet ist, kann keine wirkliche Erkenntnis sein. Als Ergebnis aller Prüfungen wird klar, daß es keine Welt gibt, es sei denn in Form von Erkenntnis-Kategorien, die der WIRKLICHKEIT übergestülpt sind und die das Individuum ergebnislos zu objektivieren versucht; wobei der, in der Welt wahrgenommene oder erkannte gegenwärtige Wert und die relative Wirklichkeit nichts anderes als BRAHMAN ist. Materie ist eine Täuschung und die verschiedenen Naturerscheinungen in Form von Energie, Leben, Denkkraft und Intellekt sind analog dazu nichts als Täuschungen. Die WAHRHEIT hinsichtlich der Materie und deren wahre Grundlage ist das ABSOLUTE selbst. Die WAHRHEIT hinsichtlich der Energie, des Lebens, der Denkkraft und des Intellektes ist dasselbe ABSOLUTE. Wenn das Wort 'BRAHMAN' oder das 'ABSOLUTE' geäußert wird, ist bereits alles gesagt. Beifügungen sind lediglich begrenzende Eigenschaften, die nicht zur VOLLSTÄNDIGKEIT des ABSOLUTEN beitragen.

 

ABHANDLUNG ÜBER DIE ERFAHRUNG

 Die Welt ist eine Darstellung von äußerer Vielfalt und scheinbarer Gegensätzlichkeit innerhalb der Existenz. Sie ist eine aufgelöste Erscheinung des ABSOLUTEN, ein begrenzter Ausdruck des UNENDLICHEN, eine Degeneration der Majestät des UNSTERBLICHEN BEWUSSTSEINS, eine wirre Form der SPIRITUELLEN VOLLSTÄNDIGKEIT, eine zerstreute Manifestation der unveränderlichen EWIGKEIT. Ein jedes dieser solchermaßen voneinander getrennten Wesen in der Welt beansprucht für sich selbst eine absolute unabhängige Existenz und betrachtet alle objektiven Individuen als das Nicht-Selbst. Das Nicht-Selbst wird beharrlich im absoluten Gegensatz zu oder zumindest als gänzlich verschieden zu dem eigenen lokalisierten Sein angesehen. Der Ausschluß anderer begrenzter objektiver Körper vom eigenen subjektiven Selbst bewirkt eine Beziehung zwischen den beiden und diese Beziehung ist die Kraft, die das Netzwerk von unterschiedlichen ‘bewußten Individuen’ schafft. Durch die Erhaltung des eige­nen Daseins hängt ein Ding durch Kontakt an einem anderen Ding. Ein Mangel an Eigenschaften der Selbstgenügsamkeit enthüllt die, in sich selbst abgegrenzte, betrügerische Natur der relativen Wirklichkeit der Dinge. Die augenfällige Tatsache, daß jedes abgegrenzte Wesen in sich selbst einen, - durch innere Psychosen (Gedanken) und Sinnesoperationen, sich mit anderen objektiven Wesen in Beziehung setzen zu müssen -, Drang ausdrückt, deutet auf die Unfähigkeit und Unmöglichkeit der individualistischen Zentren des Bewußtseins hin, die scheinbare Wahrheit ihrer ausgerufenen Selbstexistenz aufrechtzuerhalten. Das Universum dreht sich unaufhörlich im Kreislauf der Zeit und offenbart in jedem Moment eine neue Charakteristik seiner selbst. Die Dinge ruhen nicht in sich selbst, sondern gehen immer in etwas anderes über. Alles in diesem Universum ist nur Veränderung. Veränderung ist das Gesetz des Lebens. Nichts verbleibt, ohne sich selbst zu verändern. Unzulänglichkeiten, die in den Ergebnissen des verlaufenden Zustandes dieser Existenz empfunden werden, sind die Vorläufer aller weiteren Unternehmungen des Individuums. Handlungen als solches sind unmöglich, solange das Selbst nicht in sich selbst einen Mangel verspürt, der durch eine aktive Bemühung ausgeglichen werden kann, um sich den vermißten Anteil, der zur Vervollständigung seiner Natur beitragen würde, anzueignen. Eine verspürte Notwendigkeit zum Erwerb eines vollendeten Zustandes der Erfahrung ist die Mutter jeglicher Anziehung und Abstoßung. Der gesamte Kosmos scheint ein ruheloses Feld zu sein, wo dynamische Kräfte zur Schlacht aufgestellt sind, um sich gegenseitig für einen edleren Zweck auszurotten. Ruhe, so kann gesagt werden, ist in der Geschichte der Welt von Raum und Zeit nicht vorhanden. Stetes Ringen ist die Bedeutung der phänomenalen Ausdauer. Die UPANISHADEN lösen das Rätsel des relativen Kampfes mittels der intuitiven WAHRNEHMUNG der Essenz (von allem). Der heldenhafte Sprung des Individuums ins Unbekannte ist der Ausdruck des Wunsches nach einer Höheren Freude. Die Unzufriedenheit mit der Begrenztheit im Leben regt die Seele dazu an, die FÜLLE der VOLLKOMMENHEIT in der Wahrheit als GANZES zu erfassen, - jenen vollkommenen Zustand, der bedingt durch das Individuum nicht möglich ist. Daher können die UNIVERSELLE BEWEGUNG und die individuelle Anstrengung, obwohl sich beide in ihrer Uneigennützigkeit voneinander unterscheiden, als eine Reflexion der Neigung hin zur SELBSTVERVOLLKOMMNUNG des SEINS verstanden werden. Der Druck der WAHRHEIT, ausgeübt von der ABSOLUTHEIT des BEWUSSTSEINS, ist die Quelle der Kraft, die die Individuen dazu zwingt, ihre Endlichkeit zu transzendieren und ihre EWIGE RUHE in sich selbst zu finden. Diese beständige WAHRHEIT ist das Höchste Objekt, das die KOSMISCHE BEMÜHUNG innerhalb der Schöpfung sucht, und worin allein alle weiteren Impulse der nach außen strebenden Kräfte ein Ende finden.  Der Wunsch, ALLES zu werden, endet in der ERFAHRUNG des UNENDLICHEN. Das Bestreben, die Zustände und Dinge zu transzendieren, deutet auf den unwirklichen Charakter des Universums hin:

 "Das eine SEIN, von dem die Weisen unterschiedlich reden   

-RIG VEDA, I. 164 46.

 "Es gibt nichts verschiedenes hier."

-KATHA UPANISHAD, IV. 11

 "EXISTENZ ist EINE allein, ohne eine Zweite."

-CHH. UPANISHAD, VI. 2.1.

  

Das Leben eines jeden Individuums unterhält auf vielfältige Weise in Übereinstimmung mit dem Grad seines WIRKLICHKEITS-BEWUSSTSEINS Beziehungen mit den Leben anderer Individuen. Jeder Gedanke versetzt die Oberfläche der Existenz in Schwingung und berührt das psychische Leben anderer Individuen mit einer schöpferischen Kraft im Umfang einer Handlungsfähigkeit, die wiederum von der Intensität der Zustimmung des Geistes, der den Gedanken erzeugt, abhängt. Objekte, die gänzlich voneinander abgeschnitten sind, haben untereinander keine Beziehung. Sinneswahrnehmung, Reflektieren und Verstehen sind Botschafter der Tatsache, daß eine zugrundeliegende Substanz eines gleichförmigen und andauernden BEWUSSTSEINS existiert. Erkenntnis ist ohne ein bereits bestehendes Bindeglied zwischen dem Subjekt und dem Objekt unmöglich. Ein Gedanke kann nicht der Leere entspringen, denn Leere als solche ist nichts. Handlung ist möglich, weil es eine schöpferische Vorstellungskraft gibt, die ihrerseits ein sich bewegender und Schatten des BEWUSSTSEINS ist, der auf Objekte hindeutet. Etwas zu leugnen oder zu behaupten, setzt das Bewußtsein des denkenden Subjektes voraus, das nicht abseits vom SELBST-BEWUSSTSEIN stehen kann. SELBST-BEWUSSTSEIN ist folglich unvermeidbar im Wesen vorhanden. Dies ist eine EWIGE TATSACHE. Die Wahrnehmung eines Objektes offenbart die bewußte Beziehung zwischen dem Subjekt und dem Objekt. Diese Beziehung sollte auf einem fundamentalen und unveränderlichen SEIN ruhen, ohne das keine Beziehung möglich ist. Alle Kontakte setzen einen unbeweglichen Grundstock voraus, der alle Bewegungen trägt. Die Welt besteht aus Formen. Die Form der Dinge enthüllt dann ihre unwirkliche Natur, wenn sie einer sorgfältigen Untersuchung hinsichtlich ihrer Zusammensetzung und Wirkungsweise unterzogen wird. Ein Ding ist ein Mitglied inmitten der Gemeinschaft verschiedener phänomenaler Zentren, womit es im Widerspruch zu sich selbst als grundsätzlichem Eigenwesen zu stehen scheint. Ein Ding ist ein Objekt aus Gedanken, - eine innere Form - ; und eine äußere Form wird durch den Gedanken selbst in seiner Eigenschaft als Objekt des Bewußtseins erkannt. Eine Form wird von der EXISTENZ anhand einer besonderen, sie kennzeichnenden Art und Weise unterschieden. Es kann nicht gesagt werden, daß ein Ding durch eine Form bestimmt wird, oder daß es eine bestimmte Form hat, solange es nicht das Objekt von Gedanken ist. Der Gedanke selbst ist durch Formen bedingt, und es ist wiederum der Gedanke, der die äußeren Formen kennt und deren Natur bestimmt. Die, die Denkweise regierenden Gesetze werden ebenso über ihre Objekte herrschen müssen, denn die Regeln, die den Erkenntnisprozeß ordnen und seine Operationen beschränken, bestimmen dessen gesamtes Fassungsvermögen, sie sind darum nicht unabhängig und frei von den Bedingungen, denen der Erkenntnisprozeß unterworfen ist. Alle Formen der objektiven Erkenntnis sind folglich irreführend und vermitteln dem Erkennenden keine Wirklichkeit. Die WAHRHEIT des Gedankenobjektes kann nur erkannt werden, wenn es von den Gedankenbewegungen befreit ist, und die WAHRHEIT des Gedankens selbst kann nur erkannt werden, wenn sie nicht durch die Formen, die er annimmt, bedingt ist. Es kann weder vom Denkorgan noch von seinen Objekten gesagt werden, daß sie, - unabhängig voneinander - , wirklich existieren. Daß das Denkorgan existiert, kann nicht nachgewiesen werden, außer, es liegt eine Veränderung des wirkenden Bewußtseins vor, was Psychose oder geistige Transformation genannt wird und was wiederum nicht möglich ist, ohne daß das Denkorgan die Form eines Objektes oder einer objektiven Bedingung annimmt. Daß Objekte existieren, kann ebenso nicht nachgewiesen werden, es sei denn, es gibt Verstandeskapazitäten, die sie wahrnehmen und erkennen. Ein jedes (Ding) wird nur durch das andere erklärt und nicht durch sich selbst. Nichts ist in dieser Welt unabhängig und eigenständig, weder das Subjekt noch das Objekt. Der WIRKLICHKEITS-TEST besteht aus der UNABHÄNGIGKEIT, VOLLSTÄNDIGKEIT und dem UNVERGÄNGLICHEN. Wenn die Dinge von diesem Standard der WAHRHEIT aus beurteilt werden, brechen die in ihnen vorzufindende phänomenale Subjektivität und Objektivität zusammen und offenbaren ihre letztendliche Unwirklichkeit. Die Erscheinung von „Subjekt und Objekt“ muß schließlich der schöpferischen Aktivität des BEWUSSTSEINS selbst angelastet werden, obwohl die Beziehung und die Veränderung des BEWUSSTSEINS in Form irgendeiner Handlung das Verständnis und alle Erklärungen übersteigt. Da die Idee der Ursächlichkeit selbst eine Wirkung des Wunsches nach wahrer Erkenntnis ist, hat die Frage nach der Ursache dieses Wunsches keinerlei Bedeutung. Und dennoch muß sich die Behauptung des BEWUSSTSEINS in der Form, in welcher ES sich selbst zu offenbaren wünscht, objektivieren, da alle Formen gleichzeitig ­Inhalte des Bewußtseins sind. Was auch immer ein Individuum behauptet, muß sich letztlich ereignen bzw. in eine Wirkung materialisieren, da jedem Bewußtseinszentrum dieselbe Unendlichkeit zugrundeliegt. Unglück und Leid, Freuden oder Glück sind alles relative Erfahrungen im Verständnis des Individuums, und ihr Charakter und Grad hängt von der Bedingung des individuellen Bewußtseins im Verhältnis zum ABSOLUTEN SEIN ab. In Wirklichkeit ist da nur 'eine absolute Erfahrung', die weder auf Leid noch auf Freude zugeschnitten werden kann. Diese EINE ERFAHRUNG wird unterschiedlich als Vielfalt empfunden und phantasievoll entweder als 'dies' oder 'das', bzw. als von 'dieser' oder von 'jener' Natur bezeichnet. Die Form der Welt wird dann als magische Erscheinung vorgefunden, wenn sie der Prüfung einer ernsthaften Unterscheidung unterzogen wird. Die Welt und ATMAN (das SELBST) oder BRAHMAN schließen sich weder aus noch ein, vielmehr sind sie beziehungslos, denn Beziehung ist nur zwischen zwei begrenzten Objekten möglich, und die Möglichkeit der Dualität oder irgendeiner Beziehung wird in dem SEIN, das allein "EINS ohne ein ZWEITES ist" aufgehoben. Reine Erfahrung ist ohne Beifügungen, so daß die gesamte EXISTENZ Reine ERFAHRUNG ist. Ethische Tugenden und unmoralische Laster sind die Wirkungen der unterschiedlichen geistigen Arbeitsweisen, die abweichend auf das EINE UNVERÄNDERLICHE BEWUSSTSEIN reagieren und schließlich sowohl zur Erfahrung des EINHEITS-BEWUSSTSEINS als auch zu der Unterscheidungs-Täuschung führen. Alle unsere Erfahrungen sind relativ, und weder der relativ Erfahrende noch das relativ Erfahrene kann den WIRKLICHKEITS-TEST bestehen. Beide repräsentieren eine Erscheinung, obwohl sie von der in ihnen existierenden Wirklichkeit, die als eine UNTEILBARE EINHEIT besteht, transzendiert werden. Diese EINE WIRKLICHKEIT erscheint sowohl als Erkennendes wie auch als Erkanntes. Es ist ein und dasselbe Ding, das in bestimmten Bewußtseinsstadien als Erde, in einigen anderen als Himmel, in wieder anderen als Hölle, in einigen als Mensch und als Geschöpfe und einem anderen, das integriert ist, und als EWIGES BEWUSSTSEIN erscheint. Die SUBSTANZ ist EINS und sie wird durch unterschiedliche Denkweisen nach ihrem eigenen Zuschnitt entweder als gut, schlecht, süß, bitter, schön oder häßlich usw. empfunden. Die SUBSTANZ selbst verändert sich nicht; was sich ändert, ist einzig und allein die Art und Weise der Wahrnehmung. Die WAHRHEIT verweilt deshalb als EWIGE EXISTENZ  ohne irgendeine Evolution oder in sich selbst involviert zu sein. Daraus läßt sich folgern, daß die Welt von Raum und Zeit eine Erscheinung ist, - ein Schatten der WIRKLICHKEIT. Selbst die Unsterblichkeit und der Tod sind für das Individuum relative Dinge. Um die  WIRKLICHKEIT zu erfahren, müssen wir die Formen als bloße Erscheinungen beiseite legen.

 

KRITIK AN DER DUALITÄT

 Verschiedentlich wird behauptet, daß die Welt keine abgrundtiefe Verneinung der WIRKLICHKEIT darstellt; daß die Welt der Namen und Formen im SEIN der WIRKLICHKEIT bestehe; daß die Pluralität nicht gänzlich nichts sein kann; daß die Verschiedenheit, die es wirklich gibt, vom HÖCHSTEN durchdrungen wird. Ebenso wird daran festgehalten, daß das Individuum nicht das ABSOLUTE ist, solange es das ABSOLUTE nicht verwirklicht hat; daß der Veränderungs- und Evolutionsprozeß eine vollständige Wahrheit ist und nicht nur eine Erscheinung, und daß die Qualität des ABSOLUTEN zu keiner Zeit auf das Individuum übertragbar ist.

 Es fällt nicht schwer, dazu anzumerken, daß ein BEWOHNEN nur möglich ist, wenn der BEWOHNER sich von der BEHAUSUNG unterscheidet, d.h., daß da ein zweites Wesen ist. Zu behaupten, daß GOTT die 'verschiedenen' Wesen durchdringt, und daß GOTT 'alle' Handlungen erzwingt, ist ein Trick, der von den listigen Individuen, die mit dem Strom des Instinktes einhergehen, ausgespielt wird, um eine Lizenz für die objektive Nachgiebigkeit zu erhalten. Der Selbstausdruck namens Welt ist keine wohlüberlegte Handlung des ABSOLUTEN, denn wir können nicht sagen, daß das ABSOLUTE handelt. Vielmehr ist sie (die Welt) eine ungeteilte Erscheinung ohne jeglichen letztgültigen und logischen Grund hinsichtlich ihrer Existenz oder ihrer Wiederauflösung. Daher kommen wir häufig zu der Schlußfolgerung, daß Erscheinung, Dasein, Auflösung, Fesselung, Leben und Befreiung ewig sind! Eine UNGETEILTE VERÄNDERUNG ist keine Veränderung. Permanente TRANSFORMATION ist UNVERÄNDERLICHKEIT und sie kann nicht als irgendeine Bewegung angesehen werden, da ansonsten die Erscheinung wie die WIRKLICHKEIT ewig werden würde, - doch zwei Ewigkeiten widersprechen dem ABSOLUTEN. Dies sei angemerkt zum Nachweis des Ungültigen in der Existenz der Erscheinungen.

 Auf Verschiedenheit zu beharren, bedeutet, das ABSOLUTE zu verleugnen, womit jedoch nicht gemeint ist, daß das ABSOLUTE Endliches, wie verschieden es auch ist,  ausschließt, - doch das Endliche bleibt immer im ABSOLUTEN aufgelöst oder ist mit IHM  identisch und es erhebt deshalb für sich selbst auch keine individuelle Wirklichkeit. Es wird darüber gestritten, daß, wenn Unterschiede ignoriert werden, das ABSOLUTE zu einem Nicht-Sein reduziert wird. Das ABSOLUTE hängt jedoch nicht von der Wirklichkeit egoistischer Unterschiede ab. Durch den Widerruf des Relativen mögen wir das ABSOLUTE nicht berühren, doch wir verbessern dadurch zumindest unseren gegenwärtigen Bewußtsseins-Zustand, solange wir uns des zugrundeliegenden SEINS noch unbewußt sind. Individualität ist an jedem Ort des Raumes zu finden, doch müssen diese Egos so sehr ungeteilt sein, daß Verschiedenheit hinsichtlich unserer Bemühung um eine korrekte Schlußfolgerung bezüglich der Natur des ABSOLUTEN zu einer unmöglichen Vorstellung wird, und daß Gleiches in jeder Form der wahren Vernunft verharrt. Wir mögen die Verschiedenheit blind behaupten, doch es ist nicht möglich, sie mit irgendeiner annehmbaren Vernunft zu begründen.

Zu sagen, daß wir noch nicht das WIRKLICHE "sind ", sondern daß wir es erst noch "werden" müssen, mag richtig in Bezug auf das empirische Bewußtsein sein, doch dies ist nicht die Höchste Wahrheit. VOLLKOMMENHEIT oder das ABSOLUTE ist nichts, was man von irgendwoher erhalten oder erwerben kann, vielmehr ist es allein die "Verwirklichung" dessen, was "ist ", - die bloße "Erkenntnis" der Tatsache, die "existiert". Die Individuen sind in ihrer ESSENZ das ABSOLUTE selbst, welches über allen Gegensätzen steht. Diese WAHRHEIT kann nicht durch stumpfsinnige Metaphysik oder eitle intellektuelle Spitzfindigkeit erfaßt werden, sondern einzig durch VERWIRKLICHUNG und ERFAHRUNG. Die Welt als Form kann niemals eine substantielle Existenz haben, da sie nicht unabhängig vom ABSOLUTEN ist. Die Wirklichkeit der Formen dieser Welt beruht im Individuum auf der Wirkungsweise des Ego-Sinnes oder auf der Idee eines Gefühls getrennt zu sein. VERWIRKLICHUNG ist kein wirkliches "werden", sondern ein ENTFALTEN des BEWUSSTSEINS, eine ERFAHRUNG der WAHRHEIT, die schon da ist und die ewig ist. Die innewohnende Existenz kann sich niemals verändern. Wir können nicht werden, was wir nicht gegenwärtig wirklich sind. Wir haben nicht das Recht, etwas zu beanspruchen, was wir nicht wirklich besitzen. Das SELBST ist nicht durch Raum und Zeit gebunden. Philosophen, die den Kompromiß lieben, machen eine falsche Unterscheidung zwischen dem Individuum und dem ABSOLUTEN, zwischen "werden" und "sein", zwischen dem endlichen Selbst und dem Letztendlichen BRAHMAN. Die Worte "letztendlich" und "relativ" haben keine Grundlage außerhalb des einfachen Mißverständnisses dessen, was tatsächlich Unveränderlich und Ewig ist. Die UPANISHADEN beharren nicht nur darauf, daß die Dualität nicht nur "endlich" ist, sondern daß sie im Reich der WIRKLICHKEIT überhaupt keine Grundlage hat. Das ABSOLUTE der UPANISHADEN ist die einzige WIRKLICHKEIT und folglich müssen alle Formen vom Standpunkt ihrer tatsächlichen Natur aus betrachtet, nicht-existent sein.

 "Allein die WAHRHEIT triumphiert und nicht die Falschheit".

-MUND.UPANISHAD III. 1.6.

 Gläubigkeit in das Verschiedene muß auf dem praktischen Lebensweg notwendigerweise zum Scheitern führen. Die Zwietracht des materiellen Universums wird durch den Glauben in das tatsächliche Trennungsgefühl im Leben aufrechterhalten, was das Bewußtsein aller Wesen getäuscht hat. Die WAHRHEIT ist das UNGETEILTE ABSOLUTE. Die WAHRHEIT kann nicht zwiefältig sein. Die Ursache dafür, daß eine Wahrheit des Verschiedenen von den Individuen verehrt wird, entspricht einer klaren Verdrehung der natürlichen Intelligenz. Das ABSOLUTE und das Relative sind keine zwei unterschiedliche Wesen, wie dies z.B. Vater und Sohn sind. Letztere sind reine Darstellungen des menschlichen Intellektes dessen, was in Wahrheit Nichtdual ist. Das ABSOLUTE hebt notwendigerweise und ganz offensichtlich die Gültigkeit der Existenz des scheinbar Relativen und Endlichen auf. Die Form der Welt ist nicht einfach weniger wirklich als das ABSOLUTE, und dennoch ist es eine Verdrehung der eigentlichen Natur des ABSOLUTEN. Fortschritt und Rückschritt im Leben sind kein wirklicher Prozeß, sondern eine Erscheinung innerhalb der Zustände des EINEN BEWUSSTSEINS. Das Prozeßhafte der Welt scheint vom Blickpunkt der beteiligten subjektiven Intellekte oder der, auf der gleichen Ebene der Wirklichkeit sich befindlichen Individuen aus, streng vorherbestimmt zu sein. Doch andererseits erscheint es, wenn wir der Tatsache gegenüber offen sind, daß die wahrnehmenden Subjekte nicht aus der gleichen psychologischen Beschaffenheit sind, daß sie sich nicht alle auf einer Wirklichkeitsstufe befinden, und daß die wahrnehmenden Subjekte ebenfalls zahlenmäßig unendlich sind. Die Form der Welt hat keine anzuerkennende Existenz und kann dem Test der Vernunft nicht standhalten. Es gibt kein vernünftiges Beweismittel für die Existenz eines, dem evolutionären Schema des Weltprozesses zugrundeliegenden ewigen Planes und Zweckes, außer der Tatsache, daß er den Individuen, - deren Konstitution mit der Konstitution der Welt übereinstimmt, in der sie sich befinden -, als das geeignete objektive Feld zur Übung und zur SELBST-TRANSZENDENZ dient. Es gibt nur eine WAHRHEIT. Sie kann nicht als absolut und relativ ausgewiesen werden, außer zum Zweck der menschlichen Bequemlichkeit  und in Bezug auf subjektive Veränderungen. Dies entspricht allerdings dem Zugeständnis der Unfähigkeit, die WAHRHEIT zu verstehen, was wiederum einer ernsten und vernünftigen Wahrnehmung nicht standhält. Wenn das EINE wahr ist, dann muß das andere falsch sein.  Wenn wir das ABSOLUTE nicht verwirklichen können, dann müssen wir unsere Niederlage und Unwissenheit zugeben und unserem begrenzten Bewußtsein keine Überlegenheit zubilligen und versuchen, das, was wir gegenwärtig erfahren, als wirklich unabhängig (vom ABSOLUTEN) unter Beweis zu stellen. Wenn sich BRAHMAN wirklich selbst als die Welt ausgedrückt hat, dann kann die Welt nicht außerhalb von IHM sein. Wie könnte sie sich selbst ausdrücken, wenn es für sie keinen Raum zur Ausdehnung gibt? Selbst der Raum ist BRAHMAN. Jeglicher Ausdruck oder Veränderung (von etwas Zweitem) werden unmöglich. Wenn Raum und Zeit, die feinsten Aspekte der physischen Offenbarung, nichts anderes als das EINE SEIN von BRAHMAN SELBST sind, wird es schwierig, sich ein nach außen streben BRAHMANS in eine Welt der Unterscheidungen vorzustellen. Ohne Raum kann es keine Unterscheidungen geben. Veränderungen erfordern räumliche Leere, wo sich keine verändernden Subjekte befinden. Es ist unzulässig zu sagen, daß der gegenwärtige Raum nicht BRAHMAN ist, später jedoch zu BRAHMAN werden wird. Was jetzt wirklich ist, kann nachträglich nicht verändert werden. Was jetzt nicht BRAHMAN ist, kann zu keinem späteren Zeitpunkt DAS sein. Ein Nicht-BRAHMAN kann nicht in BRAHMAN verkehrt werden. Ein Stein wird weder Milch noch Honig werden. BRAHMAN werden ist lediglich der Bewußtseinszustand eines "SEINS". Und dieses Bewußtsein ist niemals abwesend. Wenn EXISTENZ ungeteilt ist, kann es keine Trennung der Dinge durch den Raum geben. Schöpfung, Offenbarung, Ausdruck, Gedanke usw. stehen alle in Beziehung zum Ego, welches fest an das Gefühl von Getrenntsein geknüpft ist. ABSOLUTE EXISTENZ läßt keinerlei Unterscheidung zu! Namen, Formen, Handlungen, Veränderungen müssen als Erscheinungen verworfen werden. Es kann nichts über das ABSOLUTE gesagt werden, außer, ES "IST".

 BRAHMAN als Ursache und die Welt als Wirkung sind grundlegend gleich, so daß Veränderung und Ursache keine Bedeutung haben. Die phänomenale Welt ist in Raum, Zeit und Ursache gefangen, die sich selbst ohne jede Vergangenheit oder Zukunft zerstreuen. Ein Ding steht in Beziehung zu einem anderen, und der Weltprozeß scheint ewig zu sein. Etwas ewig Vielfaches ist jedoch unmöglich, und ein Individuum kann kein beständiges Wesen sein. Somit erweist sich die Welt als hinfällig und deutet einzig auf das wirkliche SEIN hin, das EINS IST - und UNVERÄNDERLICH. Da "SAMSARA" (Rad von Geburt und Tod) als Ganzes weder Anfang noch Ende hat, ausgenommen in Bezug auf die Individuen, fallen die Ideen einer wirklichen Schöpfung und deren Auflösung auf fruchtlosen Boden. Das ABSOLUTE allein löst alle Probleme des Lebens zufriedenstellend.

 Die Form der Welt ist die Projektion der objektiven Kraft des UNIVERSALEN BEWUSSTSEINS oder WELTGEISTES. Alles in der Welt ist ein Netzwerk unverständlicher Beziehungen. Die Dinge werden nicht von allen Wesen in der gleichen Weise wahrgenommen. Die Wahrnehmungen eines Stuhles durch mehrere Individuen sind nicht von der gleichen Bewußtseinskategorie. Sie weichen im Umfang ihrer Ideen, aufgrund ihrer individuellen Anlage und ihrer Neigungen zu Objekten in Art und Weise voneinander ab. Die Kräfte der Zerstreuung, aus welchen sich das individuelle Bewußtsein zusammensetzt, sind nicht bei jedem gleich. Zwischen den Individuen besteht hinsichtlich der Wahrnehmung und des Denkens ein Unterschied. Es ist unmöglich, von irgend etwas Kenntnis zu haben, was nicht zum Inhalt des eigenen Bewußtseins wird. Ein jeder befindet sich innerhalb des Gefängnisses seiner eigenen Erfahrungen und kennt außerhalb seines eigenen Bewußtseins nichts. Die Welt wurzelt im Glauben an ihre Existenz. Die Form der Welt verändert sich, wenn das Bewußtsein die verschiedenen relativen Ebenen der unterschiedlichen Wirklichkeitsstufen erreicht. Wenn sich das Bewußtsein in die WAHRHEIT des REINEN SEINS hin ausdehnt, dann enthüllt die Welt ihre ewige Natur des REINEN BEWUSSTSEINS.

 Es gibt Einwände, die besagen, daß die künstlerischen Dichterseelen der UPANISHADEN in der Welt der Unterschiede lebten und ihr nicht entflohen sind. Das heißt nicht, daß die Weisen an das Bewußtsein der unterschiedlichen Erscheinungsformen der zeitlichen Welt gebunden waren. Sie transzendierten das irdische Bewußtsein und verwirklichten, daß selbst die Erde der erleuchtende BRAHMAN ist. Doch in solch einer VERWIRKLICHUNG kann es kein Zugeständnis irgendwelcher Art an die Wirklichkeit der verschiedenen Erscheinungen geben. Die Vorstellung, daß die Welt GOTTES Offenbarung Seiner Selbst ist, ist nicht viel besser. Offenbarung setzt wieder jene Operationen des Spieles von Raum, Zeit und Ursache voraus, deren Gültigkeit bereits in Abrede gestellt worden ist. Ein GOTT, der sich selbst verändert, ist kein beständiges Wesen. GOTTES Selbstoffenbarung erfordert eine Veränderung  in der gesamten EXISTENZ, und solch ein Prozeß ist logisch unzulässig. GÖTTLICHE OFFENBARUNG bezieht sich auf das Bewußtsein des Individuums, und ist keine ewige Gegebenheit der Existenz. EXISTENZ selbst ist vollkommen, und ihre Zerstreuung ist eigentlich nicht zulässig. Das Leugnen der Vielfältigkeit beschränkt das reichhaltige Leben in der Welt nicht auf einen Traumschatten, wie manchmal angenommen wird. Es ist nicht erkennbar, wie sich die unterschiedliche EXISTENZ zum vollen Reichtum des ABSOLUTEN hochrechnen läßt. Der Reichtum des Einzelnen entspricht nicht der Herrlichkeit des GANZEN. Das Großartige der relativen Welt hängt von der Vorstellungskraft des Individuums ab. Einer Person, der sich das Auge des WAHREN BEWUSSTSEINS geöffnet hat, erscheint die Welt nicht als solche. Wir können keinerlei zwingende Gründe dafür entdecken, daß es möglich ist, weltliche Freuden zusammen mit der Erkenntnis des ABSOLUTEN zu haben.

 Es wird ferner behauptet, daß, - selbst wenn ATMAN die einzige Wirklichkeit ist - , die Existenz der Mehrzahl nicht geleugnet werden kann. Wenn ATMAN die Einzige WIRKLICHKEIT ist, muß akzeptiert werden, daß ES ohne innere oder äußere Unterscheidungen ist. Wenn solchermaßen keine Vielheit in ATMAN existiert und nichts anderes außer ATMAN vorhanden ist, ist es ohne Bedeutung, daran festzuhalten, daß  EXISTENZ eine Vielheit beinhaltet. Wenn ATMAN oder BRAHMAN ‘nicht-dual’ ist, kann es keine Vielheit geben, denn irgend etwas anderes außer BRAHMAN gibt es nicht. Die Ansicht, daß die BRAHMAN-VERWIRKLICHUNG die Vielheit nicht zerstört, sondern lediglich die (verwirklichte) Person vor der objektiven Anziehung schützt, ist ein Mißverständnis des Satzes, daß "mit der Erkenntnis BRAHMANS >Alles< erkannt wird und dieses >Alles< die Existenz einer Vielheit beinhalte ". Das Wort >Alles< bezieht sich nicht auf die Wirklichkeit der Vielheit von Dingen, sondern ist nur ein symbolischer Ausdruck der UPANISHADEN, um dem Wunsch nach Umschreibung dessen, was Unbegrenztheit ist, nachzukommen. Wenn wir sagen, daß >Alles< erkannt ist, und wenn >Alles< BRAHMAN ist, meinen wir damit nicht, daß die Bäume und die Berge, der Himmel und das Meer viele unterschiedliche BRAHMAN' sind. Wenn sie alle EINS sind und wenn BRAHMAN keine verschiedenartigen Qualitäten hat, deutet die Behauptung "Alles ist erkannt" nicht auf die Vielheit in der natürlichen EXISTENZ BRAHMANS hin. Raum und Zeit sind vom SEIN der WIRKLICHKEIT verschluckt und Vielheit kann nicht existieren, es sei denn, es gibt etwas anderes außer BRAHMAN, das ewig besteht. Ewige Dualität oder Vielheit ist jedoch unmöglich, wie aus einer Untersuchung der Natur des Bewußtseins ersichtlich geworden ist, so daß wir letztlich gezwungen sind, den gleichgearteten Charakter BRAHMANS anzuerkennen. Wenn 'SEIN' und 'werden ' identisch sind, muß die Ursache für die Erscheinung der Welt einer geheimnisvollen und unerforschlichen Unwissenheit zugeschrieben werden, und kann für sich selbst keinen Platz innerhalb der EXISTENZ beanspruchen. In der Wahrheit BRAHMANS kann Dualität nicht überleben und Individualität nicht existieren.

 "Wo Dualität ist, sieht sozusagen jeder jeden,-

doch wo alles das eigene SELBST ist,

wer würde wen sehen ?" 

-BRIH.UPANISHAD, II. 4.14.

 "Wo einer nichts anderes sieht, nichts anderes hört

 und nichts anderes versteht, - DAS ist das UNENDLICHE."

-CHH.UPANISHAD, VII.24.

 Die UPANISHADEN lehnen die Wirklichkeit der Form der 'Welt der Vielheit und Dualität' ab. Ihnen zufolge gibt es nichts außer dem nicht-dualen BRAHMAN. Das Universum wird von ihnen als 'die Vorstellung vom ABSOLUTEN INDIVIDUUM' erklärt. Diese Vorstellung des Absoluten können wir nur als rein figürlich verstehen, da sie lediglich eine Bedeutung in Bezug auf die Individuen in der Welt haben kann, und nicht in sich selbst. Das unendliche BHUMA (BRAHMAN) allein verherrlicht das HÖCHSTE. ES ruht in Seiner eigenen Größe. ES ist von nichts anderem abhängig, da etwas anderes nicht ist. Im ABSOLUTEN kann es keine Vorstellung (von etwas) geben. Die Vorstellung mag in Grad und Intensität voneinander abweichen, doch selbst diese Gradeinteilungen sind nichts anderes als Vorstellungen. Selbst die Annahme solcher Unterschiede ist letztendlich ungültig. Die Erfahrung äußerer Objekte hängt vom strengen Glauben an ihre eigene Existenz ab. Dieser Glaube mag individuell oder Universell sein, doch in dem Moment, wo sich der Glaube zurückzieht, wird ihre Wirklichkeit verneint. Bloßer Glaube oder Vorstellung läßt ein Ding nicht wirklich existent sein. Nicht alles, was glänzt, ist wirklich Gold. Alles, was scheinbar existiert, muß nicht wirklich >als solches< existieren. Das ZIEL der menschlichen Bemühung ist die Verankerung des Selbst im EWIGEN BEWUSSTSEINS. Es wird manchmal geglaubt, daß wir das WIRKLICHE >anhand< dieser Welt durchdringen, und daß diese Welt deshalb wirklich sei. Doch empirische Erfahrungen sollten nicht als Standards zur Beurteilung des WIRKLICHEN verwendet werden. Die Veränderung, die in einem Gedankenprozeß zur Erkenntnis der WIRKLICHKEIT bewirkt wird, ist identisch mit dem, was nach der Handlung erfahren wird, d.h., nach dem Erreichen der WIRKLICHKEIT. Im Falle der Erkenntnis der WIRKLICHKEIT wird daher der Zweck identisch mit dem Ziel. Die Erfahrung des EWIGEN ist nicht unabhängig von den Bemühungen, die aufgebracht werden, ES zu erreichen. Alle Handlungen zum Erreichen des WIRKLICHEN erfordern eine Selbsttransformation, welche dieselbe ist wie DAS, was durch sie erreicht werden will. Ursache und Wirkung sind im Wesentlichen nicht verschieden. Die Aufwendung der Bemühung zur Erfahrung des WIRKLICHEN wird selbst zur Erfahrung des WIRKLICHEN. Ohne das WIRKLICHE zu kennen, können wir uns nicht auf ES zubewegen, - und ES zu kennen, heißt, ES zu sein. Das WIRKLICHE zu erreichen ist keine Handlung. Alle Handlungen verändern das Subjekt der Handlung. Handlung ist unmöglich ohne die Unterscheidung des (seienden) Subjektes durch ein Nicht-Sein desselben Subjektes. Man kann nicht sagen, daß das SUBJEKT, - das SELBST -, irgendwo abwesend wäre. Wenn ES überall ist, ist keine Handlung möglich. Wenn ES nicht überall ist, ist es vergänglich. Unsere Handlungen führen uns in einen Teufelskreis. Wir scheinen viele Dinge zu tun, obwohl wir eigentlich nichts tun. Die Erfahrung des EWIGEN und die Zerstörung des Egos sind gleichzeitig stattfindende Ereignisse. Von der verschiedenartigen Welt kann daher nicht gesagt werden, daß sie notwendigerweise ein MITTEL im Ringen des Individuums um SELBST-VERWIRKLICHUNG ist. Wenn die Welt ein Mittel ist, dann ist sie auch der Zweck womit wir folglich >durch< die Welt nichts erreichen. Ein vergängliches Mittel kann uns nicht zum EWIGEN ZWECK führen. WISSEN, das nicht aus der Welt stammt, ist ewig und beides zugleich, - Mittel und Zweck.

 Die Formen sind nicht das WIRKLICHE, aber das WIRKLICHE ist in den Formen. Das Individuum hat die innere Kraft, das ABSOLUTE zu verwirklichen, und zwar nicht, weil es eine Beziehung zwischen dem ABSOLUTEN und der Form des Individuums oder den Faktoren gibt, welche die, - vom WIRKLICHEN unabhängige - , Individualität bilden, sondern weil das WIRKLICHE im Individuum als dessen ESSENZ oder SEIN gegenwärtig ist. Daß das Individuum mit Hilfe seiner niederen individuellen Erfahrungen das ABSOLUTE zu erreichen versucht, ist kein Beweis dafür, daß die Welt als solche wirklich ist. Die niederen Erfahrungen erhalten ihren Wert aus dem BEWUSSTSEIN, das ihre Wirklichkeit ist und dieses BEWUSSTSEIN wiederum ist in keiner Weise ein Teil oder Inhalt der Welt der Formen. BEWUSSTSEIN ist niemals identisch mit irgendeiner Form  oder Bedingung. Aber dennoch ist es das BEWUSSTSEIN, das jedem Wert, der in irgendeiner Form oder Bedingung vorhanden ist, WIRKLICHKEIT zukommen läßt. Es stimmt, daß wir in dieser Welt ein bestimmtes Ding als Zweck und ein anderes Ding als Mittel verwenden. Die Welt ist eine lange Kette von Ursachen und Wirkungen, die weder einen Anfang noch ein Ende haben. Dieser tückische Kreislauf wird 'SAMSARA ' genannt. Nichts in diesem Rad kann jemals den fleckenlosen BRAHMAN oder das REINE BEWUSSTSEIN berühren, und das Individuum kann, solange es in diesem Welt-Zyklus wiederkehrt, kein wirkliches Verständnis von BRAHMAN haben. Was durch die Welt erreicht wird, ist die Welt und nicht Etwas, das von ihr verschieden ist. Das ABSOLUTE ist jenseits der Beziehung von Ursachen und Wirkungen, Mitteln und Zielen. Daß irgend etwas in dieser Welt innerhalb des ABSOLUTEN von Nutzen oder ein Mittel zur Erkenntnis des ABSOLUTEN sein könnte, ist nicht wahr. "Wahrlich, dieses EWIGE ist nicht durch das Nicht-Ewige erreichbar ", sagt die KATHOPANISHAD. "DAS, was Unerschaffen ist, kann nicht durch das Erschaffene erreicht werden", sagt die MUNDAKOPANISHAD. Wir können nicht von einem Reich ins andere springen, wenn es nicht Etwas gibt, das für beide Reiche gleichwohl wirksam ist. Das Individuum in der Welt erreicht das ABSOLUTE, weil das ABSOLUTE die WIRKLICHKEIT sowohl für das Individuum als auch für die Welt ist. Die Individualität oder der weltliche Charakter des Individuums erreicht das ABSOLUTE nicht und ist auch niemals ein geeignetes Mittel dazu, vielmehr ist es die EWIGE WIRKLICHKEIT des Individuums, die das ABSOLUTE verwirklicht, weil Sie das einzig richtige Mittel dazu ist. Im Falle einer solchen VERWIRKLICHUNG sollte das Mittel nicht verschieden sein vom Zweck. Weder eine abgebrochene Nadelspitze, noch ein Stück Strohhalm kann von dieser Welt ins ABSOLUTE mitgenommen werden. Die Welt der Formen ist kein Mittel zur ERKENNTNIS, da sich Form und ERKENNTNIS gegenüberstehen.

 Aber, bedeutet dies dann, daß die Welt vollständig von BRAHMAN entfremdet ist ? Ganz bestimmt nicht. Wo es keine Beziehung von der Welt zu BRAHMAN gibt, gibt es auch so etwas wie das individuelle Erreichen von der UNSTERBLICHKEIT nicht. Die BRAHMISCHE WAHRHEIT ist in jeder Form der Welt gegenwärtig und die Welt existiert nur aufgrund der Existenz von BRAHMAN. Es ist die WIRKLICHKEIT in der Welt und nicht die Form der Welt, die das Bindeglied zwischen der Welt und dem ABSOLUTEN ist. Wir erreichen BRAHMAN durch die Wirklichkeit BRAHMANS in uns und in der Welt, und nicht durch die Zusammensetzung unserer Individualität in Gestalt einer Gruppe von Formen bzw. durch die Welt als einer Masse verschiedener Formen. Es wurde schon darauf geachtet, daß, wenn die Welt als unwirklich verneint wird, dies ausschließlich ihren Formen gilt und nicht ihrer ESSENZ oder ihrem fundamentalen SEIN. Die ESSENZ der Welt ist BRAHMAN.

  

DIE WELT ALS KOSMISCHER GEDANKE

 Die Kategorien von Raum, Zeit, Ursache und Individualität stehen in Beziehung zu allen Wesen des Kosmos und sind nicht die Erfindungen irgendeines besonderen Wesens. Der KOSMISCHE GEIST, der in sich all die individuellen Verstandeskapazitäten umfaßt, ist der Urheber des gesamten Universums, - unabhängig von allen übergestülpten Werten.  Die Wünsche und Abneigungen, Freuden und Leiden, Leidenschaften, Gier und all das Böse, das jemand in sich erfahren kann, gehören jedoch allein zu dem individuell Erfahrenden. Die Werte, die in den Objekten des Universums als gegenwärtig gefunden werden, sind die erfahrenen psychologischen Reaktionen auf diese Objekte. Die Existenz eines Dinges in seiner beziehungslosen Form ist jedoch nicht die Schöpfung eines anderen Dinges, das verschieden vom ersten wäre. (Daß die Natur eines Dinges, das beziehungslos zu irgendeinem anderen Ding ist, nur BEWUSSTSEIN  sein kann, ist bereits in diesem Buch erklärt worden). Ein jedes (Individuum) bringt durch seine speziellen inneren Erfahrungskräfte, die in die drei primären Veränderungen der EXISTENZ, nämlich 'SATTVIKA ' (rein und bewußt), 'RAJASIKA ' (leidenschaftlich und aktiv) und 'TAMASIKA ' (dunkel und träge) aufgeteilt sind, seine eigene Form der Individualität hervor. Solange sich jemand selbst als lokalisiertes Wesen erfährt, wird er notgedrungen das äußere Universum und die anderen Individuen darin als unabhängig von sich selbst wahrnehmen und die Notwendigkeit für die Gegenwart eines KOSMISCHEN ISHVARA oder SCHÖPFER-BEWUSSTSEINS empfinden. Wenn das Individuum jedoch seine Individualität transzendiert, ist es augenblicklich befreit von dem Band der Kausalkette des Universums und existiert als die HÖCHSTE WAHRHEIT, für die es weder das erschaffene Universum  noch irgendeinen darin verwickelten separaten Schöpfer gibt.

 Wir werden zu der Schlußfolgerung geführt, daß die Ideen von Raum und Zeit, von Form und Name die Inhalte des Kosmischen Schöpferischen BEWUSSTSEINS sind. Es existiert objektiv nichts, außer dem leuchtenden BEWUSSTSEIN, welches gemäß den Bewegungen innerhalb des Erkenntnisprozesses in das Vielfältige einer Welt gesplittert zu sein scheint. Der Prozeß objektiver Erkenntnis trägt sozusagen die Fähigkeit in sich, die Offenbarung der dem ABSOLUTEN innewohnenden Natur zu verhindern und eine Darstellung einer vielgestaltigen Verschiedenheit herzustellen, analog einem Prisma, das die Eigenschaft besitzt, ein und dieselbe Lichtmenge in eine Vielzahl sich zerstreuender Strahlen aufzulösen. Wir können nicht sagen, ob es irgendeine objektive Welt unabhängig von der Erkenntnis dessen, was das Objekt ist, gibt. Es kann ebenso nicht gesagt werden, ob irgendeine Welt existiert, wenn  Dualität in  Erkenntnis transzendiert wird. Worin besteht der Nachweis für die Existenz der Welt, wenn diese nicht erkannt wird? Wie können wir sagen, daß es über die Handlung des Kosmischen Gedankens hinaus trotzdem eine Welt gibt? Wir können die Welt und ihre Inhalte nicht in der gleichen Form sehen und empfinden, solange die Sinnesorgane und das Denkorgan unterschiedlich zusammengesetzt sind. Die Welt existiert deshalb, weil das Denkorgan auf einer dualen Grundlage arbeitet. Es gibt den Klang, weil es das Ohr gibt und es gibt die Farbe, weil es das Auge gibt. Das Individuum existiert, weil es denkt. Die EINE UNIVERSALE SCHWINGUNG wird von den Sinnen in verschiedenen Formen empfangen, und zwar so, wie sie, -  aufgrund ihrer speziellen Konstitution etwas zu empfangen -, dazu fähig sind. Substanz, Qualität und Verhältnis, Name, Form und Handlung zerstreuen sich endlos. Alle Formen hängen ohne eine grundlegendes Verständnis in ihren Beziehungen aneinander. Keine Form ist selbst-seiend. Eine Form kann nicht von einer anderen unterschieden werden, außer in einer künstlichen und unverständlichen Art und Weise. Die Verbindungen von Ursachen und Wirkungen und von Formen der Existenz beruhen auf einem vergänglichen Glauben und nicht auf wirklichem Verständnis. Die Transzendenz des Denkens löscht das Individuum aus, das letztlich als das ABSOLUTE in Sich Selbst ruht, womit die weite Welt zum REINEN SEIN erhoben wird. Wenn die Wasseroberfläche eines Flusses unruhig ist, dann erscheint die (Reflektion der) Sonne in unruhiger Bewegung. Wenn sich das Bewußtsein objektivierend bewegt, dann erscheint das EINE wie Viele. Der Tanz der Ideen ist die Welt der Erfahrung. Diese Ideen sind Phasen der Kosmischen Kreativen Kraft. Raum ist eine spezielle Art der Vereinzelung innerhalb des Konstruktiven Bewußtseins. Die gesamte Welt der Erscheinungen ist eine solche Vereinzelung durch das anscheinend aktive und wahrnehmende Universale BEWUSSTSEIN.

 Solange das Subjekt das Gegenstück zum Objekt ist und umgekehrt, kann von keinem der beiden gesagt werden, daß eines wirklicher als das andere ist. Und solange sie getrennt sind, sind sie nicht die von Natur aus unterschiedslose WIRKLICHKEIT. Die Gültigkeit der doppelten Existenz von Subjekt und Objekt wird somit automatisch im SEIN, das Reines SEIN ist, gelöscht. Dies führt nicht zum Nihilismus (Lehre vom Nichts). Obwohl keine Dinge wirklich existieren, stimmt es nicht, daß nichts vorhanden ist, denn BEWUSSTSEIN existiert. BEWUSSTSEIN kann niemals aufhören zu SEIN. Selbst das Leugnen von allem schließt das Bewußtsein der EXISTENZ dessen, der leugnet, in sich ein. Das BEWUSSTSEIN der EXISTENZ verharrt selbst dann, wenn wir denken, tot zu sein. Diese EXISTENZ ist das ABSOLUTE.

 "Veränderung ist lediglich ein Name,

eine Unterscheidung innerhalb der Sprache."

-CHH. UPANISHAD; VII. 1.4.

 

Es wird behauptet, daß allein die zugrundeliegende SUBSTANZ wirklich ist, und daß verschiedene Methoden angewendet werden, um die Ungültigkeit von der Form der Welt der Verschiedenheit zu beweisen (CHH.UPANISHAD VI.,1. 4-6). Das SEIN allein existiert (IBID., VI. 2.1.).Ein kompromißloser Nicht-dualismus wird durch UDDALAKA, SANATKUMARA und YAJNAVALKYA vorgetragen. Das Höchste BRAHMAN ist unvergleichlich und Einzig (Zweitlos). Etwas anderes als das ABSOLUTE ist bloßes Flitterwerk.

 "Alles, außer DEM (ATMAN), ist unzureichend."

-BRIH.UPANISHAD,III. 4.2.

 "Es gibt nichts zweites zu IHM."

-BRIH.UPANISHAD, IV. 3.23

 "Wer eine Unterscheidung schafft, um den muß man sich fürchten."

-TAITT.UPANISHAD, II. 7.

 Es gibt keine Dualität. Jegliche Veränderung ist trügerisch. Unterscheidung hat keinen Bestand. Wo keine Dualität ist, ist auch kein Tod. Das, was weder am Anfang (AIT.UPANISHAD, I.1.) noch am Ende (BRIH.UPANISHAD; II. 4.14; CHH.UPANISHAD, VII. 24) besteht, kann in der Gegenwart nicht bestehen (KATHA UPANISHAD, IV. 11).

Da BRAHMAN keine zweite Welt zu sich selbst erschafft, verliert diese Welt ihre Wirklichkeit. Dem RIG-VEDA gemäß beinhaltet die zentrale Aussage der UPANISHADEN, - daß die Weisen dem essentiell EINEN viele Namen geben -, schon immer einen Nichtglauben in die Welt der Formen (RIG-VEDA, I. 164.46). Dies führt weitergehend zu der Vorstellung, daß Vielheit lediglich eine Idee ist, und daß allein die EINHEIT wirklich ist.

 

"Das EINE, außer dem nichts ist."

-RIG-VEDA, X. 129.2.

 "Das UNSTERBLICHE wird durch die (empirische) Wirklichkeit verdeckt."

-BRIH.UPANISHAD, I.6.3.

 

"ES bewegt sich anscheinend," - "scheinbar existiert etwas anderes," - "scheinbar geht derjenige, der hier Vielheit wahrnimmt, nach dem Tod zum Tod."                                                                  

-BRIH.UPANISHAD, IV.3.7.; IV.3.31; IV.4.19

 "Mit der Erkenntnis ATMANS wird alles erkannt."

-BRIH.UPANISHAD, II.4.5.

 

"Man sollte wissen, daß PRAKRITI eine Täuschung ist."

-SVET.UPANISHAD, IV.10

"ATMAN ist dort, wo die Welt ausgelöscht ist."

-MAND.UPANISHAD, 7.

 

Daraus folgt, daß es niemals eine Wirklichkeit außerhalb des EWIGEN SELBST' gibt. Doch das scheint das Ende allen philosophischen Denkens zu sein, über das hinauszuschreiten nicht möglich ist. Die UPANISHADEN beharren auf ihrer Hauptverkündigung von der Wahrheit, daß ATMAN oder BRAHMAN die EINZIGE WIRKLICHKEIT ist, mit deren Erkenntnis alles erkannt wird, und daß es keinerlei Vielheit gibt. Die Form von der Welt der Vielheit ist eine Täuschung, gleichwohl die letztendliche ESSENZ der Welt wirklich ist. Selbst die 'Seelenwanderung' ist ein Traum des Bewußtseins. Die Welt ist keine Schöpfung oder Ausdehnung BRAHMANS, noch wird sie von BRAHMAN als von etwas durchdrungen, was sie nicht selbst ist, - alles ist hier und jetzt BRAHMAN.

 

"Wahrlich, all dies ist BRAHMAN."

-CHH.UPANISHAD, III.14.1.

  

DIE IDEE DES FORTSCHRITTES

 Es stimmt, daß BRAHMAN in keiner Weise geteilt oder begrenzt ist, was aber nicht bedeutet, daß ER in SICH SELBST Unterteilungen oder Spaltungen hätte, aus denen allein die Welt sich zusammensetzt. Wo es Teilung gibt, ist kein BRAHMAN und wo keine Teilung ist, gibt es keine Welt. Alles, was der logische oder wissenschaftliche Geist erklärt, - mit Ausnahme einer Wirklichkeit in Form von Dualität und Vielheit - , ist wahr, doch seine Leidenschaft für individuelle, soziale, nationale und humanistische Überlegungen, gekoppelt mit nutzbarmachenden Motiven, lassen ihn an einem Universum der geteilten Wesen, - Objekte genannt -, anhaften. Fortschritt, Rückfall, Wechsel und die verschiedenen Stufen der Erfahrung gelten nur im relativen Leben, aber nicht im ABSOLUTEN. WIRKLICHKEIT ist kein Prozeß. Geburt, Leben in der Welt und Tod erscheinen zweifellos als Wechselprozesse noch oben oder nach unten hin, und doch stehen sie in keinem Zusammenhang zu irgend etwas jenseits der Erscheinungen dualer Erfahrung, sondern sind lediglich Veränderungen innerhalb der relativen Bedingungen der Individualitäten in der Welt. Sowohl Veränderung als Fortschritt oder Rückfall als auch die Gegenwart einer äußeren Welt sind das Ergebnis zusätzlicher Behauptungen des 'JIVANBHAVANA ', d.h. 'der individuellen Vorstellung davon, ein individuell Erkennender zu sein ', so daß diese Dinge im über-individuellen ABSOLUTEN nicht fortbestehen und existieren können.

 Trotzdem behauptet VEDANTA nicht, daß eine Erfahrung im Universum in sich selbst unwirklich sei, sondern daß sie relativ ist und der TRANSZENDENZ unterliegt, was der jeweiligen Unwirklichkeit innerhalb einer HÖHEREN ERFAHRUNG entspricht. Etwas, das transzendiert werden kann, ist letztlich nicht wirklich. Jede objektive Erfahrung ist eine Stufe auf der positiven Wahrheits-Leiter, die der Transzendenz unterliegt und daher nur in einem Höheren Erfahrungs-Zustand als unwirklich gilt. Die gesamte Existenz wird dem Individuum in verschiedenen Stufen offenbart, wobei keine Erfahrung als völlig falsch gelten kann, da in allen Erfahrungen ein Element des (Einen) BEWUSSTSEINS verborgen ist.  Alle Wahrheiten, außer der LETZTEN, sind jedoch nichts als Schatten, - relativ  wirklich und absolut unwirklich. Die Welt ist unwirklich, da keine Erfahrung in ihr unauflösbar ist. Und ihre praktische Wirksamkeit oder ihr relativer Wert kann dem Zustand der SELBST-ERKENNTNIS nicht im Geringsten das Wasser reichen.

 Die obigen Ausführungen sind eine Verkündigung der Wirklichkeit der Dinge als REINE EXISTENZ, unabhängig davon, was der sterbliche Mensch in seiner Hilflosigkeit dazu zu sagen hat. Das bedingte Individuum besitzt nicht diese Liebe zur SELBST-VERGANZHEITLICHUNG, um die Welt der Vielheit und Formen plötzlich als eine Illusion fallen zu lassen. Ein schwacher Trost wird durch die empirisch-wissenschaftliche Sichtweise, daß die Welt ein notwendiger Schritt in der fortschreitenden Evolution hin zum EWIGEN LEBEN ist, beansprucht. Die notwendige Unterstützung dafür wird in einigen Passagen der UPANISHADEN gesucht, welche erklären, daß die Welt eine Offenbarung BRAHMANS ist, - selbst wenn eine höhere Sichtweise diesen Standpunkt zurückweisen mag.

 

"All diesem wohnt der GÖTTLICHE HERRSCHER inne."

-ISHA.UPANISHAD, 1.

 Der Erscheinung wohnt die WIRKLICHKEIT inne. Die WAHRHEIT verharrt selbst im Extrem der Unwahrheit. Unwahrheit ist eine geringere Wahrheit und Boshaftigkeit ist ein geringerer Grad an Güte. Das gesamte Universum ist auf verschiedenen Stufen ein fortschreitendes Verborgensein der WIRKLICHKEIT.

"Die INNERE SEELE aller Dinge,

- der EINE HERRSCHER -, vervielfältigt Seine Eine Form."

-KATHA UPANISHAD, V. 12.

 "Wer immer das eine oder das andere von all diesen verehrt, erkennt (die WAHRHEIT) nicht; denn mit einem oder einem anderen von all diesen ist man unvollständig,... das SELBST ist der Fußabdruck von diesem GANZEN, denn durch ES erkennt man das GANZE."

-BRIH.UPANISHAD, I.4.7.

 Der relative Intellekt versucht hier eine Stütze für das Konzept zu finden, daß die Welt eine Selbstbegrenzung BRAHMANS ist, und daß die Welt der Weg zur WIRKLICHKEIT ist. Das Individuum ist die Fußspur des ABSOLUTEN und es wird erklärt, daß man dieses GANZE, - "BRAHMAN" - , aufgrund Seiner Fußspur in Form des begrenzten Selbst genauso auffindet, wie man das Rind durch dessen Hufabdruck auffinden kann.  Das Individuum ist eine Kopie oder eine Verkleinerung des Kosmischen. Die SVETASVATARA UPANISHAD (IV. 2-4) sagt, daß das WIRKLICHE zu all den verschiedenen Dingen geworden ist. Die SANDILYA-VIDYA der CHHANDOGYA UPANISHAD (III.14) verkündet, daß die WAHRHEIT alles in dieser Welt einschließt. Sich das Universum als eine Stufe in der fortschreitenden Evolution des Individuums hin zum ABSOLUTEN vorzustellen, scheint eine Vorbereitung zu der strengeren Einsicht zu sein, daß die Form, in der wir die Welt wahrnehmen, eine Illusion ist. Die Höchste Religion zeichnet sich durch eine Verwerfung der Vielfältigkeit aus. Die empirische Wirklichkeit der Welt verlangt jedoch ein Zugeständnis jener Ansicht, daß Fortschritt ein Prozeß von einer geringeren zu einer Höheren Wahrheit und nicht (die Umkehr) vom Irrtum zur Wahrheit ist, obwohl das Gebet lautet:

 "führe uns vom Unwirklichen zum WIRKLICHEN."

-BRIH.UPANISHAD, 1.3.28

 Die letztendlich illusorische Natur der vielfältigen Welt, die duale oder objektive und materielle Natur der Welt ist eine Täuschung, ein Nichts im Lichte BRAHMANS. Doch die 'EXISTENZ' der Welt ist wirklich, - denn sie ist dasselbe wie BRAHMAN. tritt durch Erleuchtung und Einsicht hervor, und die Vorstellung von der fortschreitenden Evolution der Welt hin zum UNENDLICHEN ist (lediglich) eine wissenschaftliche Notwendigkeit. Das ABSOLUTE zu einem Prozeß oder System von Bedingungen oder Zuständen zu machen, würde bedeuten, seine ABSOLUTHEIT zu zerstören und auf ein vorübergehendes 'Werden ' zu reduzieren, was wiederum ohne die Grundlage eines veränderungslosen SEIN' keine rechte Bedeutung vermitteln könnte. Fortschritt, Rückfall und Veränderung sind notwendigerweise erfahrungsbedingte Vorstellungen, die auf den praktischen  Erfahrungen des Individuums aufbauen. Sie haben nur in Bezug auf das Individuum einen relativen Zweck und Bedeutung, können aber nicht mit dem ABSOLUTEN übereinstimmen, das immer ES SELBST ist und Sich niemals verändert oder etwas verändert.

 Vernunft gründet auf Denkkategorien und GANZHEITLICHE; BEZIEHUNGSLOSE ERFAHRUNG kann mittels der Vernunft nicht erklärt werden. Die Welt kann vernünftig erklärt werden, ohne der WIRKLICHKEIT einen Schaden zuzufügen, denn direkte Einsicht oder INTUITION ist nicht unvernünftig. Vernunft hat immer den Hang zur Rechtfertigung des empirischen Bewußtseins, indem es dieses zu einer notwendigen Erscheinung des ABSOLUTEN macht, denn Vernunft selbst ist empirisch. Sie befindet sich in der Position des schwanzlosen Fuchses, der seinen Freunden rät, ihre Rute ebenfalls abzuschneiden. Sie argumentiert, daß nicht die Vielheit der Objekte eine Täuschung ist, sondern deren individuelle Unabhängigkeit unwirklich ist. Wegen der ethischen Notwendigkeit und der Selbstbemühung um Vollkommenheit wird es als schwierig empfunden, die gesamte Welt als Täuschung anzusehen. Absolutistische Metaphysik läßt das Leben selbst als schwierig erscheinen, so daß wir gezwungen sind, in einer relativen Wirklichkeit der Welt und der Individualität Zuflucht zu nehmen. Der Wissenschaftler folgt der Methode des Intellektes.

 Die intellektuelle Sicht der Welt und der WAHRHEIT ist immer von relativen Vorstellungen gefärbt. Ihnen gemäß ist die Welt eine Ebene innerhalb des fortschreitenden und stufenweisen Aufstieges des Selbst in Höhere Bereiche des BEWUSSTSEINS. Der Mensch beginnt im physischen Körper und endet in der unzerstörbaren SEELE. Er wird in der 'NATUR ' geboren, welche sein nächster und treuester Freund und nicht ein gegenüberstehender Feind ist, dessen Kräfte er bekämpfen muß. Der Mensch lebt nicht auf dieser Erde, um sie (die Natur) wie einen bösen Geist, der ihn (den Menschen) zu verschlingen versucht, beiseite zu stoßen, sondern um auf der Leiter des irdischen Bewußtseins und der Erfahrungen die Höheren Ebenen des BEWUSSTSEINS zu erklimmen. Geburt und Tod sind Prozesse des individuellen Bewußtseins, in denen ein Wechsel stattfindet, um höhere Ebenen zu erreichen. Die, durch viele solcher wiederholten Erfahrungen geprägte Seele schöpft die Prozesse der Veränderung im Bewußtsein, - die durch den Impuls vergangener Wünsche verursacht worden sind -, aus und erreicht den Zustand der VOLLKOMMENHEIT, in dem es keine Veränderung und Evolution gibt. Die Wesen dieser Welt verlocken nicht zur Sünde und sie sind auch nicht als teuflisch zu betrachten; vielmehr sind sie ein, dem Menschen zur Verfügung gestelltes Heilmittel der Natur, um diesen zu formen und ihm zu helfen, von der objektiven Anziehung (der Welt) Abstand zu nehmen, damit er sich in die WAHRHEIT der UNENDLICHKEIT hineinzentrieren und auf diese Weise Stufen auf der Entwicklungsleiter zurücklegen kann. Kontakt zum Objekt ist dazu bestimmt, ein Entrinnen aus dem Glauben in die vielheitliche Unabhängigkeit zu bewirken. Solange sich das Individuum im Prozeß der spirituellen Evolution befindet, muß für den Körper ausreichend gesorgt werden. Wird der Körper, der dazu gedacht ist, einen bestimmten Evolutionsprozeß in einem bestimmten Lebensabschnitt zu bewirken, vor der Erfüllung seiner Pflicht zerstört, wird sich die Natur an dem Individuum rächen und dasselbe dazu zwingen in einer Bedingung zu verweilen, die zur Manifestation eines anderen geeigneten Körpers aufgrund der Notwendigkeit, das abgebrochene Werk (Pflicht) fortzusetzen, erforderlich ist. Die systematische 'NATUR ' kennt keinen Mißklang in sich selbst und ist daher nicht mit widerstreitenden Kräften angefüllt. Die Kräfte des Lebens sind der verschiedenartige Drang zur Vereinigung des Selbst mit der all-einschließenden WIRKLICHKEIT. Das Universum mit seinen Bewohnern transformiert sich jeden Augenblick mit einer unbegreiflich gewaltigen Geschwindigkeit, um als das absolut bewußte und harmonische SEIN zu bestehen. Das ist der Grund, warum die Kräfte, die im Menschen und außerhalb in der Welt wirken, stets harmonisch, brüderlich und niemals feindlich sind. Die Sinne arbeiten und fordern ihre jeweiligen Objekte, der Verstand denkt über die objektive Existenz nach, das Leben verharrt mit unaufhörlicher Atmung, es gibt Liebe und Anziehung, wie auch Haß und Krieg, alles nur, weil das EWIGE SEIN sich selbst in seiner UNTEILBAREN VIELFÄLTIGKEIT der 'NATUR ' ausdrückt. Das Leben ist ein dramatisches Ringen um SELBST-Verwirklichung und WAHRHEITS-Erfahrung. Jedes stattfindende Ereignis dient diesem Zweck. Selbst scheinbare Gegensätze sind ein Spiel des ABSOLUTEN in Sich Selbst. Leben ist keine Verirrung der Seele oder ein Delirium des Geistes. SAMSARA (Rad von Geburt und Tod) ist kein Fluch, sondern der Prozeß der Ausdehnung des Selbst in das ABSOLUTE. Jede existentielle Handlung ist eine Hinwendung zum Besseren, bis das ABSOLUTE verwirklicht ist.  Der Zustand der VOLLKOMMENHEIT ist weder eine Unteilbarkeit noch eine Mannigfaltigkeit, sondern eine UNTEILBARE MANNIGFALTIGKEIT. Unterschiedliche Erfahrungen im Leben sind keine Gegensätze, sondern die vielfältige Form der einen 'NATUR ', die von verschiedenen Ego-Zentren entsprechend ihrer Anhaftung zu bestimmten Formen der Erfahrung unterschiedlich empfunden werden. In dem Augenblick, wo sie (die Ego-Zentren) die Gesamtheit der 'NATUR ' zu erfassen beginnen, wird die Verschiedenheit als eine SELBST-Offenbarung des ABSOLUTEN erfahren. Die Welt ist keine Täuschung, sondern eine Form des ABSOLUTEN. Die niederen Formen sind Schritte auf dem Weg zu höheren Formen der Erfahrung und keineswegs als eine Art 'Spuk' zurückzuweisen. Alle Formen, Reden und Handlungen sind die Ausdrucksarten des UNENDLICHEN RAUMES in Sich Selbst. Es geht einzig und allein darum, die Bedeutung ihrer Wirkungsweise zu "verwirklichen". welche auf der unbewußten Ebene widerstreitend erscheint, tatsächlich aber ein harmonisches und glückliches Spiel des ABSOLUTEN ist. Selbst der Materialismus ist ein Schritt auf dem Weg zur VOLLKOMMENHEIT. Verschiedene Erfahrungen regen dazu an, die WAHRHEIT zu verwirklichen. Der Tod ist der Anfang eines besseren Lebens. Das Böse ist die Startlinie auf dem Weg zum Guten. Nichts ist durch sich selbst unabhängig. Alles steht in Wechselbeziehung zueinander und ist zusammengefügt, um das EWIGE GANZE zu formen. Alles ist lediglich ein Teil der UNENDLICHEN VOLLSTÄNDIGKEIT.

 

NICHT-EVOLUTION INNERHALB DER HÖCHSTEN WAHRHEIT

 Das ist es, was dem Individuum, - in eine Welt der Relativität hineingestellt - , erscheinen wird, denn das relative Individuum kann nicht anders, als das ABSOLUTE in relativen Begriffen zu empfangen. Wir können nichts erkennen, außer in Begriffen dessen, was wir sind. Da sich alles verändert, wird die Veränderung selbst als eine gesonderte Kategorie der WIRKLICHKEIT eingestuft. Streng gesprochen ist es wahr, daß es nichts geben kann, was völlig falsch oder verkehrt sein könnte, was unwahr oder böse oder von irgendeiner Art der reinen Ablehnung der WAHRHEIT geben könnte, sondern daß es allenfalls eine geringere oder Höhere Wahrheit gibt; daß das Negative keine 'Existenz' ist und somit auch nicht 'sein' kann; daß alles EINE POSITIVE UNTEILBARE WAHRHEIT ist, obwohl es so erscheinen mag, als gäbe es Abstufungen. Und dennoch muß daran erinnert werden, daß das Festhalten an der Vorstellung, daß die WAHRHEIT 'tatsächlich' einer Veränderung unterlegen ist, keine Bedeutung haben kann. Evolution ist keine absolute Kategorie, sondern eine Interpretation, die auf Erfahrungen beruht.

 Die Entscheidung des Intellektes, daß die WIRKLICHKEIT ein Prozeß ist, beruht auf seinem Versuch, einen Kompromiß mit dem einzugehen, was sich grundlegend selbst als ein Widerspruch des Selbst darstellt. Wie vernünftig diese Sichtweise vom Standpunkt des Menschen aus auch sein mag, so kann sie nicht an einem Lehrsatz der unmittelbar empfangenen UPANISHADEN festhalten, der besagt, daß das UNENDLICHE GANZE ein beständig sich verändernder Prozeß sei, mit der Absicht, sich selbst zu erreichen, - eine Doktrin, die der Vernunft gänzlich zuwiderläuft. Für die UPANISHADEN ist die Form der Welt hauptsächlich eine Erscheinung, doch es gibt nichts als BRAHMAN. Wir haben die Möglichkeit der Evolution in der EWIGEN EXISTENZ bereits als Widerspruch im Selbst abgewiesen. Evolution bedeutet Veränderung und Veränderung bedeutet 'werden', was (als Prozeß) auf die vergängliche Natur der EXISTENZ selbst hinweisen würde. Doch EXISTENZ ist ewig. Man kann nicht von etwas, das gänzlich 'wirklich' ist sagen, daß es sich verändert oder entwickelt. Deshalb verändert sich BRAHMAN nicht. Wenn es etwas anderes als BRAHMAN ist, das sich verändert, dann haben wir einen zweiten BRAHMAN geschaffen. Auf jeden Fall sind Veränderung und Evolution als letztendliche Wahrheiten unmöglich. Empirische Fakten haben ihre Berechtigung im Leben, dennoch müssen sie als letztlich unwahr wegfallen, wenn jemand wirklich die vollständige VERWIRKLICHUNG der innewohnenden Natur des SEINS oder BRAHMANS haben möchte. Es ist einfach, mit dem Hinweis aufzuwarten, daß eine Lehre von der Unwirklichkeit der Erscheinungen selbst unwirklich sei. Doch das Bewußtsein von einem ‘Unwirklichen sein’ kann selbst nicht unwirklich sein. Nach jeglicher Verneinung und selbst der Verneinung dieser Verneinung verbleibt das BEWUSSTSEIN weiterhin als das ABSOLUTE, und zwar nicht als eine Transparenz ohne Merkmal, sondern als der wundersame Aufenthaltsort der GÖTTLICHEN VOLLKOMMENHEIT.

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 Kapitel 3

 DAS BEDÜRFNIS NACH GANZHEITLICHER ERKENNTNIS

 DER INNERE DRANG

  

Die Welt, wie sie erscheint, wird in Wirklichkeit als mangelhaft empfunden und ist somit unwirklich. Daraus resultiert das Bedürfnis nach Höherem LICHT.

 "Was ist DAS, wodurch, wenn ES erkannt wird, alles erkannt wird?"

-MUND.UPANISHAD, 1.1.3.

 

"Durch DAS wird das Ungehörte gehört, das Ungedachte gedacht, das Unverstandene verstanden."       

-CHH.UPANISHAD, VI. 1.3.

 Die Erkenntnis von ‘allem’ durch die Erkenntnis des EINEN deutet daraufhin, daß alles aus diesem EINEN gemacht ist. Daß das Mißverständnis von den Dingen, die tatsächlich aus unterschiedlichen Naturen gemacht sein sollen, richtig gestellt werden muß, wird besonders durch den Widerwillen betont, der durch das Anhaften an die Vorstellung von der vielheitlichen Gegenwart der Wesen und der Leidenschaft, all das vollständig einzufangen, was existieren muß, aufsteigt. Mit dem Wachstum der Intelligenz wird das Individuum dazu gedrängt, die GANZHEIT der EXISTENZ auf einen Schlag zu erfassen. Dieser konstruktive Impuls ist angeboren und sowohl in dem instinktiven Verstand als auch in dem wissenschaftlichen Intellekt aktiv. Das Individuum ist ein Bewußtseinszentrum, das durch das Unvollständige der Begrenzung, der Geburt und des Wachstums, der Veränderung, des Verfalls und Todes charakterisiert ist. Der Gedanke ist zum Gegenständlichen gewordenes BEWUSSTSEIN. Je umfangreicher dieses gegenständliche Bewußtsein geworden ist, desto dichter ist die Unwissenheit, und desto drängender sind die erlittenen Schmerzen.

 Die WAHRHEIT leuchtet nicht als die WAHRHEIT, was auf die inneren Instrumente, - die hemmenden psychologischen Abwandlungen, - zurückzuführen ist,. Das Überqueren der Barriere dieser begrenzenden Umstände führt scheinbar zu einer umfassenderen WIRKLICHKEIT, einer größeren FREIHEIT und einem erfüllteren LEBEN. In jedem Wesen gibt es einen gemeinsamen Wunschimpuls nach immerwährender EXISTENZ, nach Erkenntnis aller Dinge, über alles zu herrschen und sich der Höchsten Glückseligkeit zu erfreuen. Der Hinweis der UPANISHADEN, daß die Wahrnehmung der Mannigfaltigkeit der Pfad zur Selbstzerstörung ist, wird mit der Höchsten Ermahnung verziert, nämlich, daß (nur) die Wahrnehmung der EINHEIT zu dem erhabenen Zustand der UNSTERBLICHKEIT führt.

 Angetrieben durch eine unmerkliche Kraft, fließt trotz all der individuellen Sehnsüchte dies zu verhindern, jede Form der Denkfähigkeit zur 'ERKENNTNIS der UNTEILBARKEIT der EXISTENZ' und zum Auffinden des eigenen Selbst im Zentrum seiner eigenen Erfahrung. Es ist das Bestreben eines jeden Lebewesens, im wonnevollen Besitzstand des EWIGEN LEBENS Ruhe zu finden, - und nichts weniger als das. Die Sorge des phänomenalen Lebens wurzelt im Festklammern am relativen Leben, durch die falsche Vorstellung gestärkt, daß Mannigfaltigkeit die WAHRHEIT ist. Die Freude am Übermaß immerwährenden Lebens kann durch das Abtrennen der Wurzel des individuellen Lebensbaumes mit der Axt der „GANZHEITLICHEN WEISHEIT“ genossen werden. Der Marsch der SEELE führt vom Falschen zum Wahren, vom Scheinbaren zum Wirklichen, vom Schatten zum Licht und vom Vergänglichen zum Immerwährenden.

 "Führe mich vom Unwirklichen zum Wirklichen, von der Dunkelheit zum Licht und vom Tod zur Unsterblichkeit."

-BRIH.UPANISHAD,1.3.28

 Das Leben eines jeden ist gekennzeichnet durch den allgemeinen Charakter vom Ringen um unendliche VOLLKOMMENHEIT. Dieses UNENDLICHE SEIN ist die Höchste WAHRHEIT. Sie ist das Lebensziel aller. Die UPANISHADEN dehnen die Notwendigkeit des Erwerbs dieses ganzheitlichen Wissens von der WIRKLICHKEIT auf hundertfache Weise aus. Es gibt (im Vergleich) zur Erkenntnis ATMANS nichts Größeres oder Gleichwertiges  (ATMALABHAT NA PARAM VIDYATE).

 "Dieser ATMAN, der frei vom Bösen ist, unzerstörbar, unsterblich, sorgenfrei, ohne Hunger und Durst, dessen Verlangen die WAHRHEIT und dessen Wille die WAHRHEIT ist, - DAS sollte erforscht werden, DAS sollte erkannt werden. Derjenige erhält alle Welten und alle Wünsche, der diesen ATMAN erkannt und verwirklicht hat." 

                                                                                                          

-CHH.UPANISHAD, VII.7.1.

 "Erkenne DAS, erkenne BRAHMAN."            

-TAIT.UPANISHAD, III.1.

 "Zum Zweck der Erkenntnis von DEM, sollte man, mit Brennholz in der Hand, zu einem Spirituellen Lehrer, der die Schriften kennt und in BRAHMAN ruht, gehen.

                                                          

-MUND.UPANISHAD, 1.1.12.

 DAS ZIEL DES LEBENS

 Der Zweck des Lebens auf Erden beruht in der VERWIRKLICHUNG dieser gewaltigen Tiefe des SEINS aller Wesen, ohne die das Leben mißlingt.

 "Wenn einer hier ES erkennt, dann ist er tatsächlich am Ende aller Bestrebungen angelangt. Wenn einer hier ES nicht erkennt, dann ist das ein großer Verlust für diesen Menschen. Wenn ES in jedem einzelnen Wesen erkannt wird, dann wird der aus dieser Welt scheidende Weise unsterblich."                            

-KENA UPANISHAD, II.5.

 Dieser Ausspruch ist ein ernstzunehmender Vorwurf an all jene, die sich hinsichtlich der Verwirklichung der WAHRHEIT nicht anstrengen und voranschreiten.

 

"Jene Welten werden gottlos genannt, die mit Dunkelheit bedeckt sind und zu denen all jene im Tod gehen, die die Mörder des SELBST sind."                                  

-ISHA.UPANISHAD, 3

 

"Derjenige, der von dieser Welt scheidet, ohne DAS UNZERSTÖRBARE SEIN erkannt zu haben, ist bedauernswert.

-BRIH.UPANISHAD, III.8.10.

 Der Lehrer des BRAHMAVIDYA (Göttliches Wissen) wird mit glühenden Worten gepriesen:

 "DU bist wahrlich unser Vater, der DU uns, weg von der Unwissenheit, an das andere und gesegnete Ufer (der Erkenntnis) gebracht hast."                          

-PRASHNA UPANISHAD, VI.8.

 Die Liebe zum EWIGEN ist die innerste Leidenschaft, die in den Herzen aller Wesen brennt. Wo dies nicht erkannt wird, muß gelitten werden. Wenn wir uns von der EINEN WIRKLICHKEIT abwenden, öffnen wir die Tür zur Einkerkerung von uns Selbst. Nichts Erreichbares, weder auf Erden noch im Himmel, auch keine Größe, die zur Welt der Namen und Formen gehört, ist es wert, berücksichtigt zu werden. Die Liebe des Lebens gründet auf der Liebe des SELBST (zu sich Selbst).

 "Wahrlich, nicht für alles (in der Welt) ist mir das alles lieb (und teuer), sondern für die Liebe des SELBST ist mir das alles lieb."                                        

-BRIH.UPANISHAD II.4.5.

 Alle Handlungen werden dem SELBST zuliebe vollzogen und nicht für äußere Personen und Dinge. Es ist nicht das Vorhandensein von Freude in den Objekten, die dem sich erfreuenden Individuum die Freude bringt, sondern das abkühlende Feuer des Verlangens, das durch seinen Kontakt mit einem bestimmten Objekt hervorgebracht wird, welches eigens durch diese spezielle Verfahrensweise des Wunsches, der im Ichbewußtsein entsteht, gefordert wird. Das Zufriedenstellen wird durch einen vorübergehenden Rückzug des Denkorganes zum SELBST verursacht. Die Gesamtheit der Glückseligkeit in dieser Welt ist negativ, - das Vermeiden alles Unerfreulichen und keineswegs der Gewinn irgendeiner wirklichen, positiven Freude. Diese positive WONNE wird allein im SELBST, der Wurzel der EXISTENZ, gefunden. Die ganze Geschäftigkeit im Leben ist ein Ringen als Antwort auf den Schrei des ängstlichen Ego', das sich selbst in der Wildnis seiner Abgeschiedenheit vom EWIGEN PRINZIP verloren hat. Das leidende Selbst, in den irdischen Fesseln des Lebens gefangen, wird durch das Wissen um die nicht-duale Natur der Existenz freigekauft.

  

DIE GROSSE VERLEUGNUNG UND SUCHE

 Die WAHRHEIT wird von einem goldenen Gefäß verdeckt. Das Individuum wird von den Erscheinungen der Formen der Natur getäuscht. Dieses Gefäß zu entfernen und die WAHRHEIT zu entblößen ist die Aufgabe des Suchers nach VOLLKOMMENHEIT. Der Feuereifer eines NACHIKETAS (Gestalt aus der KATHA UPANISHAD) wird von jedem spirituell Strebenden erwartet.

 "Kurzlebig sind diese sterblichen Dinge! Sie zehren die Lebenskraft aller Sinne aus. Selbst ein langes Leben ist tatsächlich sehr gering! DIR (Tod) gehören die Körper, der Tanz und das Lied! ... Was ist mit dem HÖCHSTEN,- erzähle mir davon; NACHIKETAS wählt nichts geringeres als DAS!" 

-KATHA UPANISHAD, 1.26,29.

                Das wunderbare Streben nach der WAHRHEIT, welche uns von den UPANISHADEN beschrieben witd, spricht von der großen Ausdauer einiger Seelen im Bestreben um die Rückgewinnung des verlorenen Königreiches, um das Abstreifen von den Übeln des Lebens, um das Zentrieren ihrer selbst in der BEWUSSTEN FÜLLE, - dem Geburtlosen, Unsterblichen und Unschätzbaren SEIN. Wir hören von der bewundernswerten Geduld der Schüler, die gemeinsam ein hartes und abgeschiedenes Leben der völligen Enthaltsamkeit führten, um so in die geheimnisvolle WAHRHEIT der Wahrheiten eingeweiht zu werden. INDRA (Sonnengott) selbst verweilte 101 Jahre als Schüler mit PRAJAPATI, um dann von seinem Lehrer die Einweihung zu erhalten. Die Natur der völligen Verleugnung von persönlichen Interessen, sozusagen eine glaubhafte Selbstvernichtung als notwendige Vorbedingung für den Erwerb der SELBST-ERKENNTNIS, deutet ausreichend auf die Natur der VOLLKOMMENHEIT des ZIELES hin, das vor uns liegt, - die FREIHEIT und FREUDE, die das begrenzte Leben des Individuums ersetzen.

 Selbst DEVARSHI NARADAS (Götterbote) Wissen wird von SANATKUMARA mit der Bemerkung, daß dies nur "bloße Namen, bloße Worte" seien, abgetan. NARADA überreichte ihm eine lange Liste all jener Wissensbereiche, in denen er ausgebildet war. Er beschwor SANATKUMARA, ihn zu belehren:

 "O BHAGAVAN, Einzigartiger, gelehrt in der heiligen Überlieferung, ich kenne den ATMAN nicht. Von Leuten wie Dir, O BHAGAVAN, habe ich schon gehört, daß derjenige, der ATMAN kennt, alle Sorgen überwindet. Ich bin ein solcher, O BHAGAVAN, der in Sorge ist. Möge mich BHAGAVAN, der ich ein solch Sorgenvoller bin, zum anderen Ufer (des Wissens) führen."            

-CHH. UPANISHAD, VII.1.3.

 Selbst die höchste intellektuelle Wahrnehmung gehört lediglich zum Reich der Relativität. Kein menschliches Wesen kann den Anspruch erheben, allwissend zu sein, und so gibt es hier (auf Erden) auch keine Gelegenheit, sich seiner Verdienste zu erfreuen oder sich ihres Verlustes wegen zu grämen. Dies hier ist nicht das WIRKLICHE; nur DAS allein kann die Seele von den Sorgen befreien. Selbst der Tod ist kein Hindernis im Prozeß der WAHRHEITS-VERWIRKLICHUNG. Der Tod ist eine Umstellung des Bewußtseins zum Zweck der Anpassung an einen abweichenden Lebensstand. Die Liebe zur SELBST-ERKENNTNIS sorgt sich nicht um solch unbedeutende Phänomene wie Geburt und Auflösung des Körpers. Das Bedürfnis nach Höherer ERLEUCHTUNG ist ein ernsterer Gegenstand als die Geburt und der Tod einer (körperlichen) Hülle, so daß dem Streben nach dem ABSOLUTEN selbst die liebsten Objekte angesichts der größten Schmerzen und Verluste, die jemandem in dieser Welt zustoßen können, furchtlos geweiht werden. Es ist ein Fehler, sich für die verschiedenen Formen der Wahrnehmung in den mannigfaltigen Kategorien der relativen Erfahrung zu interessieren. Nichts ist auch nur einen Augenblick der Aufmerksamkeit wert, außer der VERWIRKLICHUNG BRAHMANS. Die angenehmste und süßeste Freude, die im Kontakt des Subjektes mit dem Objekt beruht, ist lediglich ein 'Bauch voller Schmerzen'; sie sollte der, im absoluten Sinne, wahren WONNE zuliebe vermieden werden.

 "Das Gute ist das eine und das Angenehme ist das andere... Beide, das Gute und das Angenehme berühren einen Menschen. Prüfend unterscheidet der Weise diese beiden und wählt das Gute eher als das Angenehme; der verwirrte Mensch (dagegen) wählt das Angenehme und verfehlt damit sein Ziel."

-KATHA UPANISHAD, II. 1,2.

 Die Wunschzentren bewegen sich von einem Objekt zum anderen und der Freudensucher verbleibt stets in Unruhe. Die Kette der Seelenwanderung besteht ununterbrochen und wird durch zusätzliche Wünsche, von deren Erfüllung dummerweise Befriedigung erhofft wird, noch gestärkt. Inmitten von Unwissenheit und Dunkelheit, eingebildet, sich gelehrt fühlend, sucht das Individuum in den Sinnesobjekten, die andauernd die Formen und Eigenarten wechseln, den Frieden. Der objektive Wert in einem Objekt ist eine Erscheinung, hervorgerufen durch die formgebende Kraft des trennenden Willens, nämlich, sich selbst zu individualisieren und durch äußeren Kontakt zu vervielfältigen. Die Natur dessen, was wahrgenommen wird, wird stark durch die Natur dessen, was wahrnimmt, beeinflußt. In dem Moment, wo sich die Form des Wunsches verändert, scheint sich das Objekt ebenfalls zu verändern, um sich so den Forderungen des Bewußtseinszentrums, das den Wunsch im voraus projiziert, anzupassen. Was immer wir wünschen, das allein sehen und erhalten wir. Gemäß den Erfahrungen des Individuums kann nichts anderes im objektiven Universum existieren als das, was von dem Individuum in seinem gegenwärtigen Zustand der Selbst-Evolution gefordert wird, um die notwendigen Umformungen in sich selbst zum Zweck der VERWIRKLICHUNG eines HÖHEREN BEWUSSTSEINS von der EXISTENZ zu bewirken. Die Erkenntnis dieser Tatsache des Lebens läßt jemanden aus seinem Dämmerschlaf erwachen und danach streben, den Höhepunkt der ERFAHRUNG, wo jede weitere Transzendenz der Zustände aufhört, zu erreichen.

  

DIE EINHEIT HINTER DER VERSCHIEDENHEIT

 Es scheint das Ziel des Subjektes in seinem Prozeß der wunschlosen Erkenntnis zu sein, das Objekt (der Bestrebung) zu werden. Je größer die Nähe des Objektes zum Subjekt ist, d.h., je geringer der Abstand zwischen Subjekt und Objekt, desto größer ist die davon abzuleitende Glückseligkeit, was uns darauf schließen läßt, daß die geringste Entfernung, ja mehr noch, daß der Verlust des Abstandes selbst, ein Zustand der Identität und der Unendlichen Einheit ist, wo die Dinge ihre Abgeschiedenheit verlieren, wo Wahrnehmung und Verhältnismäßigkeit nicht weiter bestehen, wo das Subjekt und das Objekt verschmelzen und wo reines "SEIN" die Wirklichkeit zu sein scheint, - wo der Aufenthaltsort HÖCHSTER WONNE sein sollte. Diese Bewußtseinsmasse ist ein Zusammenschluß von Wissen, und nicht mehr nur ein Erkenntnismittel, sondern ESSENZ, EXISTENZ und INHALT in Sich Selbst. Die UPANISHADEN sind eifrig bemüht, unsere Aufmerksamkeit auf diese Wahrheit zu lenken:

 "Steht auf! Erwacht! Werdet Menschen der Weisheit, erkennt (ES)."

-KATHA UPANISHAD, III. 14

 "Jene, die DAS kennen, werden unsterblich;

die anderen bewegen sich zu den Sorgen hin." 

-BRIH.UPANISHAD, IV. 4.14.

 Deshalb (auch) die imperative Aufforderung "Erkenne Dein SELBST". Die SVETASVATARA UPANISHAD betont, daß sich nur dann, "wenn Menschen, ohne Erkenntnis des GÖTTLICHEN SEINS, den Raum aufrollen, als sei dieser ein Stück Leder, Sorgen einstellen" (VI.20). Die UPANISHAD bejaht weiterhin, daß es nichts außer der ESSENZ des SELBST zu erkennen gibt, daß nichts höher ist als DAS und daß niemals etwas Größeres  existierte. Es gibt keinen anderen Weg, - NA ANYAH PANTHA VIDYATE AYANAYA, - als diesen PURUSHA (HÖCHSTES WESEN) zu erkennen, DAS wie die Sonne über dem Reich der Dunkelheit der Unwissenheit scheint. ES zu kennen, heißt, gerettet zu sein. ES nicht zu kennen ist der Tod. Der einfache Mensch in dieser Welt hat seinen Verstand und die Sinne nach außen gewendet. Kindlich bemüht er sich um äußere Freuden und bewegt sich im Netz des Todes, welches alle erschaffenen Dinge durchdringt. Der Weise jedoch, der das UNSTERBLICHE kennt, sucht das EWIGE SEIN nicht hier zwischen den dahinflutenden Dingen. Einige Gesegnete wenden ihren Blick nach innen und erschauen das herrliche Licht des SELBST. Dieses SELBST ist liebreicher als das Liebreichste und näher als das, was allen Dingen am nächsten kommt. Spräche jemand von irgend etwas als liebreicher denn dem SELBST, würde er wahrlich dasjenige verlieren, was er als das Liebste ansieht. Allein das SELBST sollte als das Liebste verehrt werden. Wer allein das SELBST als das Liebste verehrt, verliert nicht, was er als das Liebste erachtet. Das SELBST ist UNZERSTÖRBAR.

 Weiterhin wird ausgeführt, daß wir die innewohnende Natur der Dinge erkennen, wenn wir ihnen auf den Grund gehen, womit gemeint ist, daß wir beim Ergreifen der Trommel oder des Trommlers auch den Klang ergreifen, der von der Trommel erzeugt wurde. Der Rückzug vom Netzwerk der Namen und Formen hin zum ursprünglichen WAHRHEITS-BEWUSSTSEIN wird durch die verschiedensten Vergleiche und Illustrationen erläutert:

 "Dies sind die VEDEN, die die Brahmanen kennen. Dadurch kenne ich alles, was es zu erkennen gibt"

-BRIH.UPANISHAD, V. 1.1.

 Viele von uns sind lediglich kindische Besserwisser, die auf unterschiedliche Weise in die vielfältige Unwissenheit versunken sind, und die stolz denken, ihr Ziel erreicht zu haben (VIDE MUND.UPANISHAD, I.2.9.)!

Der Mensch dieser Welt, vielbeschäftigt mit den Spielzeugen seiner verrückten Träume, vergißt nach innen zum ANTARYAMIN-ATMAN zu schauen, welcher all die äußerlich manifestierten Formen beherrscht. Dieser ATMAN ist die große EINHEIT und deshalb die große FREIHEIT, denn:

 

"Wahrlich, aus der Dualität erwächst die Furcht."

-BRIH.UPANISHAD, I.4.2.

 

DIE VERWIRKLICHUNG DER EINHEIT IM GEIST

  

Man muß über all das, was Dualität verursacht, - ja selbst über den Intellekt -, hinausgehen und in der TRANSZENDENTALEN STILLE Zuflucht suchen.

"Man sollte nicht zuviel mit Worten (darauf) einwirken, denn dies führt nur zum Überdruß der Sprache." "IHN kennend, sollte der BRAHMANE lernen zu entsagen und wie ein Kind still beiseite zu stehen ."

Der Intellekt ist der Sitz des Egoismus, Höchstes Lernen dagegen ist APARA VIDYA, - im Gegensatz zum Erlernen der Phänomene der Natur. Der Intellekt leuchtet nicht aus sich selbst und unabhängig vom SELBST, genauso wenig wie der Mond von irgendeinem anderen Licht als dem der Sonne erleuchtet wird. Das BEWUSSTSEIN wird durch den sich zerstreuenden Intellekt verwirrt und läßt die Wahrnehmung der Vielheit entstehen. "Alle anderen Worte abweisend, sollte nur auf ES meditiert werden - die Brücke zur UNSTERBLICHKEIT."

 Vom Standpunkt eines Individuums aus ist es irreführend, die vielen Formen der Wahrnehmung ernst zu nehmen. Diese Formen fließen in der WAHRHEIT wie Blasen im Ozean. Sie können nicht abseits vom Ozean der WAHRHEIT existieren. In der CHHANDOGYOPANISHAD ist eine herrliche Erklärung darüber zu finden, wie der Wunsch der vollendeten Seele genau das auferstehen läßt, was immer sie begehrt. "Welches Ziel sie zu erreichen wünscht, welchen Wunsch sie sich wünscht, allein durch ihren Willen wird es geschehen" (VIII. 2.10.). Die Namen und Formen der Welt sind die Wirkungen der angehäuften Wunscheindrücke aller offenbarten und ‘nichtoffenbarten’ Individuen, die sie (die Welt) bewohnen. Da die Zerstörung aller Wünsche die Zerstörung aller Formen im Zustand der SELBST-VERWIRKLICHUNG bewirkt, sind die Formen unwirklich und abhängig von den Wunschimpulsen des gemeinsamen wahrnehmenden Bewußtseins. Es ist müßig, sich an der Geschäftigkeit des Lebens zu erfreuen, wie verlockend diese auch dem getäuschten Individuum erscheinen mag. Das Leid der Menschheit ist in der Unwissenheit von der WAHRHEIT verwurzelt und wirkliche Zivilisation, Kultur oder Renaissance von irgendeiner Art, die der Verbesserung der Menschheit dienen soll, kann die Tatsache nicht umgehen, daß solange kein dauerhafter Frieden auf Erden herrschen wird, solange die Geisteskräfte des Menschen im Sog der Anziehung der Mannigfaltigkeit gefangen und in der Unwissenheit bezüglich der WIRKLICHKEIT, welche allem gemeinsam ist, versunken sind. Da ist kein wirklicher Zweck in all der Kunst und Wissenschaft, in all der Tüchtigkeit des Intellektes oder in der Gewandtheit irgendeines Wissenszweiges, solange sich deren tänzerische Darbietungen im Gefängnis des physischen Bewußtseins abspielen. Selbst die höchste psychische Leistung befindet sich nicht außerhalb der Relativität, und die Psychologie ist den physikalischen Wissenschaften im Angesicht der spirituellen Erkenntnis darin gleich. Die mächtigste Heldentat ist gering im Vergleich zur wahren (Handlung), und der Stolz der menschlichen Intelligenz wird mit dem Ausruf der UPANISHADEN, daß das ABSOLUTE jegliches Verständnis täuscht, gedemütigt; - unfähig, ES zu erreichen, wendet sich das Denkvermögen von IHM ab. Das menschliche  Wesen hat das geistige Reich noch nicht erforscht, - jenes Reich, das so ausgedehnt ist, daß es die aussichtslosen Bemühungen des selbstsüchtigen Individuums, es unter seine Kontrolle zu bringen, still belächelt. Die getäuschte Seele fürchtet den Tod ihres (physischen) Körpers; den Tod dessen, den sie als liebenswert erachtet. Sie liebt Objekte, welche keine wirkliche Befriedigung versprechen (können). Wahre Kultur strebt nach dem Erfassen der HÖCHSTEN WAHRHEIT, unabhängig davon, wieviel von der Welt dafür geopfert werden muß. Der kleinste Gewinn im Reich der WAHRHEIT birgt einen Verlust in der Welt der Erfahrungen in sich, - wenn dies überhaupt als Verlust zu bezeichnen ist. Wenn die Wacherfahrung ihren Platz nimmt, müssen die Traumobjekte verschwinden. Das herrliche Leben wird in dem Moment auf Erden heraufdämmern, wo die Individuen damit beginnen, in der grundlegenden SUBSTANZ der UNENDLICHEN WIRKLICHKEIT zu leben, die nicht nur metaphysisch, sondern auch metapsychisch ist. Die UPANISHADEN erklären, daß für diejenigen, die dahinscheiden, ohne die WAHRHEIT, - den ATMAN allen SEINS -, verwirklicht zu haben, keine Freiheit in den Welten zu finden ist; daß sie vielmehr ausgegliedert sind und sich mitleiderregend in all den Räumen umherbewegen. Jede wahre Zivilisation, wenn sie sich nicht selbst betrügen möchte, muß sich das Lendentuch der SELBST-VERWIRKLICHUNG umgürten. Die spirituell Strebenden sind nicht, wie allgemein angenommen, einige verwunderliche Menschentypen, die vom rechten Weg der allgemeinen intelligenten Menschheit abgeirrt sind. Vielmehr sind sie, andersherum betrachtet, die Creme der ganzen Menschheit. Der Wert eines Menschen ist gering, wenn er nicht nach der VERWIRKLICHUNG des EWIG GUTEN, und zwar nicht nur des Guten von dieser oder jener Menschenklasse, sondern des gesamten Universums, strebt. Alle Menschen befinden sich hier (auf Erden), damit sie sich absolut vollenden mögen. Dafür ist der Mensch mit Intelligenz ausgestattet, die ohne dieses Bestreben (nach Vollendung) ohne eigentliche Substanz ist. VOLLKOMMENHEIT ist die Erfahrung des ABSOLUTEN, >BRAHMA-ANUBHAVA<, das BEWUSSTSEIN der WIRKLICHKEIT.

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Kapitel 4

 DIE NATUR DER WIRKLICHKEIT

 

BRAHMAN ALS EXISTENZ ODER SEIN

 Vor langer Zeit hat der RIGVEDA verkündet:

 "Das EINE SEIN, von dem die Weisen unterschiedlich sprechen."

 Die ganze Philosophie geht davon aus und die ganze Religion gründet darauf. Wir hören außerdem solche Erklärungen wie:

 "WAHRHEIT, WISSEN, UNENDLICHKEIT ist BRAHMAN", "BEWUSSTSEIN und WONNE ist BRAHMAN", "All DAS ist wahrlich BRAHMAN", "Dieses SELBST ist BRAHMAN", "Unsterblich, furchtlos ist BRAHMAN" usw.

 Weiterhin sind uns Behauptungen bekannt wie:

 "DAS, aus dem diese Wesen geboren sind, durch DAS sie nach der Geburt leben, in DAS sie wieder eintreten und mit DEM sie EINS werden, - erkenne DAS, >BRAHMAN<."

 Allgegenwart, Allwissenheit und Allmacht, so wird gesagt, sind die Eigenschaften GOTTES. Sie dienen dazu, die zwiefältige Natur BRAHMANS, - die WIRKLICHKEIT - zu bestimmen, und zwar ihre essentielle Natur (SVARUPA-LAKSHANA) und die nebensächlichen Beifügungen (TATASHTA-LAKSHANA). Erstgenanntes ist die unzerstörbare Wahrheit BRAHMANS, letztgenannte sind seine aufgestülpten abhängigen Qualitäten, die den Veränderungen des Zeitprozesses unterliegen. Das 'SVARUPALAKSHANA ' eines Dinges entspricht seiner Definition in Begriffen, die sich auf die Eigenschaftsmerkmale oder 'SVABHAVAS ' stützen, aus denen sich das Ding, solange es existiert, zusammensetzt. Die Merkmale, die das  'SVARUPALAKSHANA ' eines Dinges ausmachen, sind identisch mit der essentiellen Existenz eines Dinges als solchem. 'SVABHAVA' und 'SVARUPA ' bedeuten das gleiche Ding und sind keine zwei Dinge, die zu einem anderen in irgendeinem Kontakt stehen. Ein Haus kann z.B. anhand seiner essentiellen Merkmale, die solange verweilen wie das Haus selbst besteht, definiert werden. Solch eine Definition würde das 'SAVARUPALAKSHANA' eines Hauses sein. Als 'SVARUPALAKSHANA' BRAHMANS sollten nur jene Eigenschaften zugelassen sein, die EWIG sind wie BRAHMAN SELBST und nicht wie jene, die vorübergehend im Verhältnis zu JIVA (indiv. Seele) erscheinen. EXISTENZ oder 'SAT' ist stets EWIG. Es kann keine Auflösung der EXISTENZ geben. Und EXISTENZ wiederum kann nicht ohne das BEWUSSTSEIN von EXISTENZ sein. Daher ist BEWUSSTSEIN oder 'CHIT' ebenfalls EWIG. Da EXISTENZ Ungebunden, Ungeteilt, Einzigartig und in jeder Hinsicht Unendlich ist, ist sie auch HÖCHSTE FREIHEIT oder WONNE. Somit ist WONNE oder 'ANANDA ' genauso EWIG wie EXISTENZ und BEWUSSTSEIN. EXISTENZ-BEWUSSTSEIN-WONNE oder 'SATCHIDANANDA' ist keine dreigeteilte, sondern die EINE EWIGE WIRKLICHKEIT. Dies entspricht dem 'SVARUPALAKSHANA' oder der Definition von der ESSENTIELLEN NATUR BEAHMANS. Obwohl SAT-CHIT-ANANDA in Wirklichkeit EINS sind, manifestieren sie sich unterschiedlich durch die tamasischen, rajasischen und sattvischen VRITTI (Gedankenbewegungen) des MANAS (Denkorganes), wobei das TAMASIKA-VRITTI ausschließlich EXISTENZ offenbart, das RAJASIKA-VRITTI die Kombination von EXISTENZ und BEWUSSTSEIN und das SATTVIKA-VRITTI den gesamten EXISTENZ-BEWUSSTSEIN-WONNE-Komplex. SAT-CHIT-ANANDA sind keine Teile oder Eigentum BRAHMANS, sondern BRAHMANS wahre ESSENZ oder eigenes SEIN.

 Das 'TATASTHALAKSHANA' eines Dinges entspricht dessen Definition in Begriffen von bestimmten Eigenschaftsmerkmalen, die in nebensächlichem Zusammenhang zu ihm bestehen und nicht für immer existieren. Diese Merkmale befinden sich außerhalb des definierten Dinges und bilden somit nicht dessen essentielle Natur. Sie unterscheiden sich vom SVARUPA oder SVABHAVA, d.h. vom definierten Ding als solchem.  Es besteht eine äußere Beziehung zwischen diesen Merkmalen und dem Ding, das sie definieren. Ein Haus kann z.B. als ein Gebäude definiert werden, auf dessen Dach eine Krähe sitzt, was jedoch nicht bedeuten muß, daß sich auf jedem Haus stets eine Krähe befindet. Dies ist nur eine vergängliche Definition des Hauses im Verhältnis zu einem äußeren Objekt, wobei das Verhältnis eher vorübergehender Natur ist. Diese Definition hat keinen dauerhaften Wert. Weiterhin ist dies eine unvollständige Definition, die allerdings dem 'TATASTHALAKSHANA' eines Hauses durchaus entsprechen würde. Das 'TATASTHALAKSHANA' von BRAHMAN ist die Definition BRAHMANS in Begriffen des scheinbaren und vergänglichen Universums, entsprechend der individuellen Erfahrung. Sowohl Schöpfung, Erhaltung und Auflösung des Universums, als auch All-Gegenwart, All-Wissenheit und All-Macht, sind alles Merkmale, die BRAHMAN im Verhältnis zu etwas, das sich (scheinbar) außerhalb von IHM befindet, zugeordnet und übergestülpt werden. Diese Definition ist nur solange tauglich, solange das Universum (als wirklich) erfahren wird. Es ist eine abhängige und künstliche Definition, die kein wirkliches Verhältnis zu DEM hat, was zu definieren versucht wird. Die Ursächlichkeit BRAHMANS ist keine Tatsache als solche, sondern eine erfahrungsbedingte Vorstellung des 'JIVA' (indiv. Seele).

 SEIN ist WAHRHEIT im transzendenten Sinne ohne Beziehung zu irgend etwas. ES kümmert sich nicht um die Schwierigkeit des Menschen, die Begrenzungen des relativen Bewußtseins nicht transzendieren zu können und somit den Wert und die Bedeutung der relativen Ordnung für die Wahrheit zu halten. Der Höchste Wert der WAHRHEIT ist gleichbedeutend mit reinem SEIN, denn Nicht-Sein kann keinen Wert haben.

 "Dies war am Anfang ausschließlich EXISTENZ (SEIN),-

EINES allein ohne ein Zweites."

-CHH.UPANISHAD, VII.2.1.

 BRAHMAN ist DAS, was beständig in den Dingen ist, die sich verändern. ES ist ohne Namen und Form, welche beide die charakteristischen Eigenschaften der Erscheinungswelt sind. ES ist essentiell ABSOLUTE EXISTENZ. EXISTENZ kann sich niemals verändern, kann niemals vergehen, auch wenn die von IHR durchdrungenen Dinge verschwinden. EXISTENZ ist daher die NATUR der WIRKLICHKEIT und unterscheidet sich von den formen- und namengebundenen Dingen. EXISTENZ ist ohne etwas Zweites und hat keine äußeren Beziehungen oder innere Unterscheidungen. ES ist nicht von Raum, Zeit und Individualität begrenzt. ES bezieht sich auf nichts, da es nichts Zweites gibt. Es gibt weder etwas Ähnliches noch etwas Unähnliches, denn nur 'DAS allein IST'. Das gesamte Universum ist eine spirituelle Einheit und eins mit dem essentiellen BRAHMAN. ES hat weder innen noch außen einen Unterschied. BRAHMAN ist strukturell überall gleich und daher entspricht die Kenntnis von Einem Teil dem Wissen um das GANZE. SELBST-ERKENNTNIS ist die Erkenntnis BRAHMANS. Alles, was ist, ist der EINE BRAHMAN,   das   WIRKLICHE   des   WIRKLICHEN,- "SATYASYA SATYAM" -.  ES zu kennen, heißt ALLES zu kennen.

 "Wie durch die Erkenntnis eines Klumpen Erde alles, was aus Erde gemacht ist, erkannt werden kann, - alle Veränderungen sind lediglich Namen und ein Spiel der Sprache, da das letztendliche Substrat all dieser Dinge  die Erde ist - , so wird gleichermaßen alles erkannt, wenn BRAHMAN erkannt wird."

"Wo scheinbare Dualität ist, ist eine Subjekt-Objekt-Beziehung; doch wo ATMAN allein ist, - wie kann es da irgendeine Beziehung geben oder eine Handlung zwischen irgend etwas stattfinden ?"

"Da ist WISSEN und dennoch ist da keine Wahrnehmung oder Erkenntnis, denn dieses WISSEN ist unzerstörbar; es ist beziehungslose BEWUSSTSEINS-MASSE".            

-(VIDE BRIH.UPANISHAD)

 ES ist der ewige objektlose KENNER und alles andere ist nichts, - lediglich eine Erscheinung, etwas Falsches.

 BRAHMAN ist EXISTENZ, die unendliches BEWUSSTSEIN und reine WONNE ist.

 

"BRAHMAN ist EXISTENZ, BEWUSSTSEIN, UNENDLICHKEIT."

-TAITT.UPANISHAD,II.1.

 

"BRAHMAN ist BEWUSSTSEIN, WONNE."

-BRIH.UPANISHAD, III.9.28.

 

"DAS, was UNENDLICHKEIT ist, ist WONNE und UNSTERBLICHKEIT."

-CHH.UPANISHAD, VII. 23, 24.

 Diese Sätze beinhalten die beste Definition der Höchsten WIRKLICHKEIT. BRAHMAN ist BEWUSSTSEIN, >PRAJNANAM BRAHMA<. ES ist der letztendliche KENNER. ES ist nicht wahrnehmbar, denn niemand kann den Kenner kennen, niemand kann DAS kennen, durch das alles erkannt wird.

 "Es gibt keinen Sehenden, sondern DAS;

keinen Hörenden, sondern DAS;

keinen Denkenden, sondern DAS;

keinen Erkennenden, sondern DAS."

ES ist das ewige SUBJEKT der Erkenntnis und niemand kennt ES als das Objekt der Erkenntnis. Dieses grenzenlose SELBST-BEWUSSTSEIN ist die alleinige WIRKLICHKEIT. ES ist die FÜLLE der VOLLKOMMENHEIT und UNENDLICHKEIT.

 "BRAHMAN ist UNENDLICH, das Universum ist UNENDLICH, aus dem UNENDLICHEN setzt sich das UNENDLICHE fort und nach der Wegnahme des UNENDLICHEN vom UNENDLICHEN verbleibt nur das UNENDLICHE."

 Dieser Satz aus den UPANISHADEN scheint die Unendlichkeiten aufeinander zu türmen und zu dem verwirrenden Schluß zu kommen, daß nach der Wegnahme des GANZEN vom GANZEN ausschließlich das GANZE zurückbleibt. Die hier eingepflanzte Bedeutung liegt im Unveränderlichen und Unsichtbaren Charakter der UNENDLICHEN WIRKLICHKEIT, unabhängig von all den Formen, die scheinbar in IHR erschaffen werden. Das UNENDLICHE ist Nichtdual und es sind keinerlei Verfahrensweisen mit IHM möglich.

 Wir lesen von SANATKUMARA, der die Gedanken NARADAS von dessen unangemessenen Vorstellungen hinsichtlich der WAHRHEIT zu angemesseneren Vorstellungen führte und schließlich dazu überging, ihm die Majestät BHUMAS, - das 'absolut GROSSE', das 'UNBEGRENZTE', über dem es nichts mehr gibt, DAS alles versteht, DAS den gesamten Raum ausfüllt und DAS mit dem SELBST in uns identisch ist -, zu erklären. BHUMA ist das essentielle BRAHMAN, wo man nichts sieht, nichts hört, nichts versteht. ES ist WONNE und UNSTERBLICHKEIT, - das Plenum der GLÜCKSELIGKEIT. ES ist das VOLLKOMMENE SEIN.

 Nun, die Vorstellung von der WIRKLICHKEIT als einem zusammengesetzten SEIN läßt gleichermaßen die Idee des Nicht-Seins entstehen. Der RIGVEDA (X.129.1) sagt, daß am Anfang weder Nicht-Sein noch Sein war (NA ASAD ASIT, NA SAD ASIT). SEIN war nicht, weil kein Nicht-Sein war. Die WAHRHEIT ist eine überintellektuelle Transzendenz der Ideen vom Sein und Nicht-Sein und von all dem, was verknüpft ist mit den zeitlichen Beziehungen des Denkens, denn in dem, was WIRKLICH ist, gibt es keinerlei Denkformen (Psychosen). Gemäß dem RIGVEDA sind selbst

 "Unsterblichkeit und Tod nicht mehr als bloße Schatten".

 Was wahrhaftig existiert, ist das WIRKLICHE.

 "ES ist das Sein und das Über-Sein, das Ausgedrückte und das Unausgedrückte, das Gegründete und das Ungegründete, das Bewußtsein und das Unbewußte, die Wirklichkeit und die Unwirkliche, das Wirkliche, und das, was ES immer ist"                                                            

                                                                                                                                                                                  

-TAITT.UPANISHAD, II.6.

 SHRI SHANKARACHARYA beschreibt die Bedeutung des später folgenden Anteiles dieses MANTRAS wie folgt: "Sie, die ABSOLUTE WIRKLICHKEIT, wurde das Geformte und Formlose, das Definierte und Undefinierte, die Stütze und die Nicht-Stütze, das Intelligente und das Unintelligente, die praktische (relative) Wirklichkeit und das, was nicht die praktische (relative) Wirklichkeit ist; was immer hier ist und das sie das 'WIRKLICHE' nennen.

 Die BRIHADARANYAKA UPANISHAD (II.3.1.) sagt, daß BRAHMAN zwei Formen hat:

"die geformte und die formlose,

die sterbliche und die unsterbliche,

die feststehende und die sich bewegende,

die wirkliche und die überwirkliche".

 Es besteht ein Kontrast zwischen BRAHMAN und der 'Welt der Namen und Formen'; BRAHMAN ist das Höhere, das Unausdrückliche, das Grundlose, das Unbewußte, das Unwirkliche im Verhältnis zur 'Welt der Namen und Formen', die empirisch als seiend, ausdrücklich, gegründet, bewußt und wirklich erfahren wird. Attribute oder Qualitäten werden logischerweise zu unzulässigen Vorstellungen, wenn sie auf das ABSOLUTE ausgedehnt und angewendet werden. Ein Gegenstand hat nur in Beziehung zu einem anderen Gegenstand eine Beifügung. Es ist nutzlos zu sagen, daß eine Substanz ein Attribut hat, wenn gleichzeitig von dieser Substanz gesagt wird, daß sie allein existiert. Die Natur eines einzigartigen absoluten Prinzips ist unbestimmbar. Jegliche Beifügungen begrenzen ES und erschaffen einen Unterschied im Nicht-Unterschied. Von BRAHMAN kann nicht gesagt werden, daß ES irgendwelche verständlichen Attribute besitzt, da ES die gesamte EXISTENZ ist und nichts Zweites in Beziehung zu IHM steht. SAT (SEIN) ist eine Idee im Verhältnis zu ASAT (Nichtsein); das gleiche gilt für CHIT (BEWUSSTSEIN) in Beziehung zu JADA (Trägheit/Stillstand); für ANANDA (WONNE) in Beziehung zu DUKHA (Leid); für ANANTA (UNENDLICHKEIT) in Beziehung zu ALPA (Begrenztheit); für PRAKASHA (LICHT) in Beziehung zu TAMAS (Dunkelheit). Jedes qualitative Konzept birgt Beziehungen in sich, und jeder Gedanke erzeugt eine Dualität. BRAHMAN zu denken, heißt, DAS auf die Welt der Erfahrungen zu reduzieren. Denken ist nur in einem individuellen Zustand möglich, doch BRAHMAN ist kein Individuum und ebenfalls durch kein Individuum erreichbar. BRAHMAN kann nicht einmal als ein Licht angesehen werden, da es nichts zum Bescheinen gibt. ES ist auch kein Bewußtsein, da es nichts gibt, dessen ES sich bewußt ist. Bewußtsein oder Licht im absoluten Zustand kann nicht Bewußtsein oder Licht genannt werden, da solche Vorstellungen dualen Merkmalen entsprechen. Das SEIN in SICH SELBST ist 'nichts' im Verständnis des Individuums. ES ist kein Objekt der Erkenntnis. Die WAHRHEIT ist unabhängig, beziehungslos und selbst-seiend; eine unabhängige, beziehungslose und selbst-seiende Qualität hingegen gibt es nicht. Die einzige Hilfe besteht im Eingeständnis der Hilflosigkeit des Intellektes in seinem Versuch, die Natur der WIRKLICHKEIT zu bestimmen und Zuflucht zu verneinenden Behauptungen zu nehmen.

 "Der ATMAN ist weder dies, noch das."

-BRIH.UPANISHAD, IV.5.15.

"Der ATMAN ist weder das, was innerlich, noch äußerlich oder beiderseits bewußt ist; ES ist keine Bewußtseinsmasse und weder bewußt noch unbewußt; ES ist ungesehen, beziehungslos, unfaßbar, unbestimmbar, undenkbar, unbegrenzbar; ES ist die Essenz des Bewußtseins des EINEN SELBST, die Verneinung des Universums, friedvoll, wonnevoll und nicht-dual."          

-MAND.UPANISHAD, 7.

 "ES ist jenen unbekannt, die ES erkennen.

ES ist jenen bekannt, die ES nicht erkennen.

-KENA UPANISHAD, II.3.

 All diese Hinweise deuten auf die ABSOLUTE TRANSZENDENTE NATUR der WIRKLICHKEIT hin.

 "ES ist auch nicht durch häufiges Hören erreichbar, und selbst nachdem man von IHM gehört hat, bleibt ES vielen unerkannt. Wunderbar ist Sein Verkünder! Gesegnet ist derjenige, der ES erwirbt!"

 Das ehrfurchtgebietende ABSOLUTE wird beschrieben als "klanglos, berührungslos, formlos, unzerstörbar, geschmacklos, beständig, geruchlos, anfangslos, endlos, Höher als das Höchste, ewig, ES erkennend, wird die Befreiung aus dem Rachen des Todes erlangt."

ES besteht in solch einem gleichförmigen und unterschiedslosen Zustand, daß, "was immer hier ist, auch dort ist; was immer dort ist, auch hier ist," - und daher wird die räumliche Natur der Existenz mit ihren begleitenden Unterscheidungen von Zeit und Individualität in der unsichtbaren und grundlegenden Essenz BRAHMANS überwunden. ES 'ist ' und ES 'ist nicht '.

 Doch wenn überhaupt etwas über das IDEAL und ZIEL des Lebens ausgesagt werden soll, dann können wir mit einer solch verwirrenden Vorstellung von WIRKLICHKEIT nicht weiterkommen. Für uns ist WIRKLICHKEIT das, was im strengsten logischen Sinne das Höchste sein kann. Obwohl die WIRKLICHKEIT sämtliche Logik und Vernunft transzendiert, ist dies der Philosophie nicht möglich, da nichts in dieser Welt ohne das Denken erreicht werden kann. Wir sind denkende Wesen und alles, was 'wirklich' ist, muß für uns verständlich sein. wenn irgend etwas unverständlich ist, können wir keine Beziehung dazu haben. Das WIRKLICHE ist daher eher SEIN denn Nicht-Sein, eher BEWUSSTSEIN denn Unbewußtsein, eher WONNE denn Leid. Das Nicht-Sein ergibt keinen Sinn, da schließlich auch das Nicht-Sein 'sein ' muß. BEWUSSTSEIN selbst ist SEIN, und solange Nicht-Sein und Unbewußtsein keine Objekte des BEWUSSTSEINS sind, haben sie auch keine Bedeutung.

 "Wie kann Sein aus dem Nicht-Sein entstehen ?"

-CHH.UPANISHAD, VI.2.1.

 

"Die Heilige Lehre ist, daß ES das SEIN des Seins ist."

-BRIH.UPANISHAD, II.1.20

 ES ist das SEIN, das selbst dem Nicht-Sein Existenz gewährt. Das SEIN bedeckt das Nicht-Sein von beiden Seiten. In der  BRIHADARANYAKA UPANISHAD (V.5.1.) wird "SATYAM " als ein aus den drei Silben 'SA ', 'TI ' und 'YAM ' zusammengesetztes Wort erklärt, wobei die erste und letzte Silbe die 'WAHRHEIT' kennzeichnen und die mittlere Silbe die Unwahrheit, was bedeutet, daß die 'WAHRHEIT' die Unwahrheit von beiden Seiten bedeckt und die unwirkliche Welt den äußeren Anschein der Wahrheit, - welche unbestechliches SEIN ist -, erlangt. Außerdem wird gesagt, daß allein die WAHRHEIT triumphiert und nicht die Unwahrheit (MUND.UPANISHAD, III.1.6.) , womit eine unterschiedliche Wirklichkeit für das, was 'ist ' und für das, was 'nicht ist ' gegeben wird. Das, was sich verändert, ist unwahr und das, was beständig ist, ist wahr. Nichtsein verschwindet im SEIN, welches in sich Selbst die höchstmöglichen Werte vereint, die das Ziel der allgemeinen Bestrebungen aller Individuen sind. Niemand wünscht sich 'nicht zu sein', jedermann wünscht  sich eine Existenz in irgendeiner Form. Die Wahrheit des SEIN' als Höchstem Prinzip ist im Bewußtsein, das allen erkennenden Wesen zugrundeliegt, eingepflanzt. Die MAITRAYANI UPANISHAD sagt, daß BRAHMAN "EINER ist und grenzenlos; grenzenlos nach dem Osten, grenzenlos nach dem Süden, grenzenlos nach dem Westen und grenzenlos nach dem Norden; grenzenlos nach oben und unten und nach allen Seiten; für DAS existieren überhaupt keine Richtungen, keine Kreuzungen, kein unten und kein oben; dieser PARAMATMAN ist unbegreiflich, unendlich, ungeboren, nicht zu ergründen" (VI. 17).

 So etwas kann kein 'Nichtsein' sein. ES ist EXISTENZ in ihrer HÖCHSTEN VOLLENDUNG. Extreme und äußerste EXISTENZ erscheint als Nichtexistenz. Das extrem POSITIVE des WIRKLICHEN erscheint wie eine Verneinung von allem. Gemäß dem Übermaß an Licht ist ES dunkel. ES ist nicht wahrnehmbar, da ES allein das Wahrnehmende ist. ES ist nicht erkennbar, da ES allein der Erkennende ist. ES scheint nirgends zu sein, da ES allein überall ist. ES scheint nichts zu sein, denn 'ES ALLEIN IST ALLES'.

 BRAHMAN gründet "auf Seiner eigenen Größe, oder überhaupt nicht auf Größe" (CHH.UPANISHAD,VII.24). ES ist die unteilbare Masse an VOLLKOMMENHEIT, - auf was kann ES sich selbst gründen? Das selbst-bestehende BRAHMAN wird durch nichts gestützt, jedoch wird alles durch ES gestützt. Es ist kindlich zu sagen, daß ES Ruhm gegründet 'hat ', obwohl Sein Name GROSSER RUHM 'ist ' (SVET.UPANISHAD, IV.19). Weiterhin "benennen die Menschen hier auf Erden die Kühe und Pferde, die Elefanten und das Gold, die Diener und Frauen, die Felder und Häuser als etwas, das Größe besitzt", doch BRAHMAN ist keine Größe dieser Art, wohingegen deren Größe vom Vergleich mit äußeren Objekten abhängt. Die Größe BRAHMANS dagegen beruht auf Seinem eigenen SEIN, und nicht auf irgend etwas Zweitem.

 "BRAHMAN allein, - das Größte - , ist das gesamte Universum."

-MUND.UPANISHAD, II.2.11.

 "Wahrlich, dieses große, ungeborene SELBST, - nicht zerfallend, unsterblich und furchtlos, - ist BRAHMAN." Die Gesamtheit der WIRKLICHKEIT wird in diesem Weltprozeß nicht erschöpft. "Das gesamte Universum (in Sich) einschließend, dehnt ES sich darüber in die Unendlichkeit aus. Was immer hier ist, was immer war und was immer sein wird, ist einzig dieses PURUSHA. ES ist der HERR der Unsterblichkeit. Anteilig sind alle Wesen ein Viertel von IHM, Seine (nicht offenbaren) drei Viertel jubeln als Unsterblichkeit hoch über dem Staub der Erde" (RIG VEDA, X.90). "Unbeweglich, ist ES schneller als der Verstand", denn das WIRKLICHE, welches das SELBST ist, wird allen Gedankenformen vorausgesetzt. "Die Sinne scheitern in dem Versuch, ES zu erreichen." "Den anderen vorauseilend, steht ES still." "ES bewegt sich und bewegt sich nicht"; - ES ist anders als das, was ruht oder in Bewegung ist.  "ES ist weit weg und doch ist ES sehr nah; ES ist in allem und ist auch außerhalb." ES ist das SELBST, das SEIN von allem. "Sitzend geht ES weiter und liegend bewegt ES sich überall hin. ES ist offenbar und doch verborgen." Solche metaphorischen Definitionen von der WIRKLICHKEIT deuten auf die zentrale Bedeutung ihrer ABSOLUTHEIT hin. DAS, was alles bewirkt, bewirkt nichts Besonderes. Alle Spekulationen hinsichtlich des LETZTENDLICHEN PRINZIPS führen schließlich zu dem eindeutigen Schluß, daß ES Ewig, Unendlich, Unbedingt, Nichtdual, Absolut und Seiend ist. "ES ist ohne ein 'früher' und ohne ein 'später', ohne ein 'innen' und ohne ein 'außen'; ES ist das SEIN, das SELBST von allen, das Erfahrende von allem."

YAJNAVALKYA beschreibt das Höchste SEIN folgendermaßen: "Ein OZEAN, das EINE, der SEHENDE ohne Dualität. Dies ist der Zustand von BRAHMAN. Dies ist das Höchste Ziel. Dies ist der Kostbarste Besitz. Dies ist die Höchste Heimstatt'. Einem Teil dieser WONNE verdanken die Kreaturen ihr Leben." "Durch gute Taten wird ES nicht größer und durch schlechte Taten nicht kleiner." In den Worten der berühmten NASADIYA SUKTA des RIG VEDA, war die ursprüngliche Bedingung der Existenz durch eine völlige Abwesenheit der Welt, des Himmels und aller (anderen) Offenbarungen charakterisiert. Es gab weder Tod noch Unsterblichkeit, da sich beide aufeinander beziehen und  folglich keinerlei Erkenntniswert in der WIRKLICHKEIT haben. Es gab weder Tag noch Nacht, sondern nur das EINE, die Quelle des Lichtes, die ohne Veränderung und Bewegung existiert. ES existierte identisch mit Seiner KRAFT und es gab keinen Unterschied zwischen der Zeit und der Ewigkeit. Es gab nichts anderes als ES. Selbst die Götter können nicht sagen, wie diese Schöpfung verursacht worden ist, denn selbst sie wurden nach der Schöpfung geboren. Allein diese QUELLE, aus der das Universum entsprang, kann es auch erhalten, nichts sonst. Dieses EINE ALLEIN kennt die WAHRHEIT Seiner Schöpfung, - oder wer sonst kann es wissen? Das WIRKLICHE allein kennt das WIRKLICHE. Niemand sonst kann ES kennen. Das WIRKLICHE zu kennen, heißt, WIRKLICH zu SEIN. Wir können nicht abseits von IHM stehen und ES zur gleichen Zeit erkennen. In dem Moment, wo wir uns aufmachen, das WIRKLICHE zu suchen, beginnen wir mit dem Schaufeln des Grabes unserer abgesonderten, individuellen Existenz. Das HERRLLICHE BEWUSSTSEIN von der Höchsten WAHRHEIT ist die vollständige Transzendenz der kümmerlichen Anhaftung an Formen, die als etwas anderes als das eigene SELBST und als das eigene, scheinbar individuell lokalisierte Leben erscheinen. Im ABSOLUTEN, dem einzig WIRKLICHEN, zu leben, heißt, dem Individuellen, das unwirklich ist, zu sterben.

 "Derjenige wird nicht-existent, der erkennt, daß BRAHMAN nicht-existent ist. Von demjenigen, der erkennt, daß BRAHMAN existiert, wird gesagt, daß er wahrhaftig existiert."

-TAITT.UPANISHAD, II.6.

 Nicht das GANZE zu kennen, heißt, auf ein Teilbewußtsein begrenzt zu sein, das nicht wirklich besteht, das sterblich ist und daher im absoluten Sinne mit Nichtsein gleichzusetzen ist. Wahrhaft zu leben bedeutet, der WIRKLICHEN EXISTENZ bewußt zu sein, welche ohne die Mängel der Veränderung und des Todes ist. "Alle Geschöpfe haben EXISTENZ als ihre Wurzel, ihre Heimstatt' und ihre einzige Stütze." Alle Formen sind Schatten der REINEN EXISTENZ, welche allein Bestand in der Vergangenheit, der Gegenwart und Zukunft hat; wohingegen die Schatten wie Blasen im Ozean verschwinden. Im WIRKLICHEN sind EXISTENZ und INHALT identisch. Deshalb ist alles REINE EXISTENZ, die allein wirklich ist.

 "Wie Vögel zum Ausruhen einen Baum aufsuchen, so dient dieses Höchste SEIN allen Wesen hier als Ruheplatz für ihre Existenz." "Nicht durch Sprechen, nicht durch Denken, noch mittels Sehen kann ES erfaßt werden . Wie kann ES anders erkannt werden, außer als ‘ES Ist’ anerkannt zu werden?" (KATHA UPANISHAD, VI.12).

 ES ist die schwere WIRKLICHKEIT, "der große Schrecken, der aufsteigende Donner, durch den aus Furcht das Feuer brennt, die Sonne ihre Hitze spendet, der Wind weht, INDRA erschauert und der Tod seine Pflicht tut!"  "Die BRAHMANEN und KSHATRIYAS dienen als Seine Speise und der Tod selbst ist Seine Würze." "Auf den Befehl dieses UNZERSTÖRBAREN verweilen die Sonne und der Mond, die Erde und der Himmel in ihren geeigneten Positionen. Auf den Befehl dieses UNZERSTÖRBAREN stehen die Momente, die Augenblicke, die Tage, die Nächte, die halben Monate, die Monate, die Jahreszeiten und die Jahre unterschiedlich an ihren eigenen Plätzen. Auf den Befehl dieses UNZERSTÖRBAREN fließen einige Flüsse von den schneebedeckten Bergen zum Osten, zum Westen, in welche Richtung auch immer. Welch großartige Werke auch jemand in dieser Welt vollbringen mag, - selbst für die Dauer von Tausenden von Jahren -, ohne die Erkenntnis dieses UNZERSTÖRBAREN sind sie alle endlich. Wer auch immer ohne die Erkenntnis dieses UNZERSTÖRBAREN stirbt, ist bedauernswert" (BRIH.UPANISHAD).

 "Dieses UNZERSTÖRBARE ist SATYAM, - wahres SEIN." "'SAT' ist das Unsterbliche und 'TI' ist das Sterbliche. 'YAM' ist das, was beide zusammenhält" (CHH.UPA­NI­SHAD, VIII.3.5.). ES erhebt sich über das Sterbliche und das Unsterbliche, die beide relative Vorstellungen sind, hinaus. Das Höchste ist RITAM und BRIHAT, - das WIRKLICHE und das GROSSE.

 Das SEIN allein ist die unvermeidliche Grunderfahrung und somit das grundlegende Konzept in der Philosophie. Wir können uns über alles mögliche hinwegsetzen, jedoch nicht die Tatsache, daß 'wir sind'! SEIN ist die wahrhaftige Natur selbst dessen, der ES leugnet. Alle Bestandteile unseres Denkens, alle Formen der Existenz, alle Veränderungen der Erkenntnis setzen SEIN voraus. SEIN kann uns nicht zum Nichtsein führen, denn in dem Moment, wo Nichtsein erkannt wird, wird es zum SEIN. Doch SEIN ist kein Objekt unserer unmittelbaren empirischen Erfahrung, denn diese ist immer eine besondere Art des Seins, oder vielmehr ein Werden dessen, was das Objekt unserer relativen Erfahrung ist.  Für uns Individuen kann es keine solche Erfahrung der Existenz im allgemeinen geben. Doch das EWIGE SEIN ist ALLGEMEINE oder ABSOLUTE EXISTENZ, welche mit 'Werden' im Sinne eines Prozesses weder verwechselt noch gleichgesetzt werden kann. BRAHMAN ist kein Prozeß oder eine Ansammlung etlicher Besonderheiten und auch keine Vielfalt mehrerer Endlichkeiten. Keine angehäufte Summe von Beziehungen, wie groß diese auch sein mag, ergibt das ABSOLUTE. Eine Anhäufung von Endlichkeiten kann uns eine Riesenmenge von Endlichkeiten bescheren, aber nicht das  UNENDLICHE, - räumliche Unermeßlichkeit oder Weite ist keine Unendlichkeit. Das ABSOLUTE transzendiert alles Endliche und schließt alles in sich ein. ES 'wird ' nicht, - ES 'ist '. 'Werden ' ist keine VOLLKOMMENHEIT der EXISTENZ, wohingegen vollständiges SEIN die FÜLLE beinhaltet. Das ABSOLUTE wächst oder entwickelt sich nicht. ES ist kein Prozeß, der sich über sich selbst ausdehnt. Wäre dies so, dann würde das ABSOLUTE in Raum, Zeit und Ursache verwickelt sein und aufhören, das ABSOLUTE zu sein. Das ABSOLUTE ist vollständige EINHEIT und kein System von mehren Wesensarten, die als Wirklich mittels Handlung und Gegenhandlung miteinander existieren.  ES ist keine komplexe Masse von Beziehungen. Wenn das ABSOLUTE als ein System angesehen wird, dann müssen seine Teile entweder identisch mit ihm oder unterschiedlich von ihm sein. Wenn sie identisch sind, verlieren sie automatisch ihre Identität; sind sie verschieden, dann wird die Beziehung untereinander unverständlich. Das ABSOLUTE kann nur ein SEIN ohne jegliche Art von Unterscheidungen sein. ES muß UNGETEILTE, EWIGE, GLEICHFÖRMIGE EXISTENZ sein, - "EINES  allein ohne ein Zweites." EXISTENZ ist das Universale Konzept, das nichts außerhalb von sich zuläßt.

 EXISTENZ ist das, was beständig in allen Erkenntnisprozessen gegenwärtig ist. Alles wird als existent anerkannt, obwohl die Existenz eines Dinges durch die begrenzenden Faktoren, aus denen sich die Individualität dieses Dinges zusammensetzt, zur Eigenschaft wird. Ohne EXISTENZ kann es keine Idee oder Erkenntnis, keine Handlung und keinen Wert, ja nicht einmal Leben geben. Im objektiven Universum der Namen und Formen gibt es ein beständiges Existenzprinzip, das allen Namen und Formen zugrundeliegt. Selbst wenn alles stirbt und verloren ist, kann die EXISTENZ, die selbst jene Bedingung, in der nichts mehr besteht, in sich trägt, weder sterben noch verloren gehen. Da sich EXISTENZ nicht verändern kann, gibt es für ES weder Tod noch Geburt. EXISTENZ ist EWIG. Die physische Form eines äußeren Objektes ist der Veränderung unterworfen, und diese Veränderung wird 'Prozeß von Geburt und Tod' genannt. Für die Formen, Zustände, Bedingungen usw. gibt es eine Geburt und einen Tod, nicht aber für die EXISTENZ. EXISTENZ befähigt uns zur Erkenntnis, daß es Geburt und Tod, Wechsel und Veränderung usw. gibt, doch ohne EXISTENZ kann nichts sein. Alles 'ist ' in diesem oder in jenem Zustand. Obwohl alles aufgelöst wird, wird die innewohnende EXISTENZ nicht aufgelöst. Da EXISTENZ die allgemeine WIRKLICHKEIT von allem ist, muß ES Unendlich sein. EXISTENZ ist Unteilbar und erklärt sich aus sich heraus. EXISTENZ kann nicht näher bestimmt werden, da ES keine spezifischen Merkmale hat und niemals zu einem Objekt der Erkenntnis wird. ES ist die WIRKLICHKEIT des Objektes, wie auch des Subjektes. Der Körper, die Lebensenergie, die Sinne, das Denkorgan, der Intellekt und selbst die Bedingungen all dieser objektiven Offenbarungen, sie alle begründen ihre Wirklichkeit auf dieser Höchsten EXISTENZ. Das Reich des Erkennenden und des Erkannten usw., das gesamte Universum in all seinen Aspekten und Zuständen gründet letztlich auf UNVERGÄNGLICHER EXISTENZ. Das Universum ist eine Bedingung, ein Erfahrungszustand, und dieser Zustand kann nur eine Bedeutung haben, wenn er in der EWIGEN und UNENDLICHEN EXISTENZ verwurzelt ist. REINE und VOLLKOMMENE EXISTENZ ist das ABSOLUTE und wird in den UPANISHADEN als HÖCHSTES BRAHMAN verehrt und verkündet.

 

BRAHMAN ALS BEWUSSTSEIN UND INTELLIGENZ

 Was ist nun die Natur dieser ABSOLUTEN EXISTENZ? Das innerste SEIN in uns, unsere eigene EXISTENZ wird dieses Problem lösen. Wir werden herausfinden, daß wir keinen Unterschied zwischen unserem SEIN und unserem BEWUSSTSEIN machen können. Sich das SEIN als wirklich und trotzdem als verschieden vom BEWUSSTSEIN zu denken, scheint unmöglich zu sein. So wenig wir das SEIN verleugnen können, so wenig können wir das BEWUSSTSEIN verleugnen. Wir können die Objekte und Zustände des Bewußtseins verleugnen, aber niemals das BEWUSSTSEIN selbst. Bevor wir überhaupt richtig zu denken anfangen, um dies zu versuchen, wird ES seine Existenz behaupten. BEWUSSTSEIN ist die positivste aller Tatsachen, der Zeitpunkt aller Erfahrungen. ES transzendiert alle Begrenzungen des Raumes, der Zeit und der Ursache. BEWUSSTSEIN ist niemals begrenzt, denn das Bewußtsein von der Tatsache, begrenzt zu sein, ist bereits Beweis genug für Seine Transzendente UNBEGRENZTHEIT.

 Dieses UNIVERSALE BEWUSSTSEIN ist nicht mit dem individuellen Ichbewußtsein zu verwechseln. Vielmehr ist ES Reines BEWUSSTSEIN. Das Ichbewußtsein benötigt in einer bestimmten Weise eine Veränderung, wodurch es lediglich eine Veränderung im 'Werden' und kein 'SEIN' in ursprünglicher Fülle ist. BEWUSSTSEIN im Sinne von WIRKLICHKEIT besagt nicht, daß etwas außerhalb Seiner Selbst als Objekt bestehen muß. Dies ist nur im Fall von empirischer Erkenntnis notwendig, wo das Bewußtsein ein Objekt benötigt. In der Höchsten Bedingung sind die EXISTENZ und der INHALT des BEWUSSTSEINS ein und dasselbe. Das ABSOLUTE kennt sich ohne irgendeinen Erkenntnisprozeß. BEWUSSTSEIN ist ABSOLUTE INTELLIGENZ und UNBEGRENZTE SELBST-ERLEUCHTUNG. Sogar in allen Zuständen wie Wach-, Traum-, Tiefschlaf- und Ohnmachtszustand usw. verweilt das SELBST als die unentbehrliche und unbestreitbare UNMITTELBARKEIT des BEWUSSTSEINS, d.h. als Zeuge aller Zustände. Unberührt und Unverändert verharrt ES in allen Erfahrungszuständen als das EWIGE PRINZIP in vollster REINHEIT. Letztendliche EXISTENZ ist identisch mit UNENDLICHEM BEWUSSTSEIN und nicht mit individuellem Bewußtsein. Das WIRKLICHE ist UNPERSÖNLICH und das Individuelle ist persönlich.

 "BRAHMAN ist BEWUSSTSEIN."

-AIT.UPANISHAD, III.3.

 "PURUSHA ist SELBST-leuchtend."

-BRIH.UPANISHAD, IV.3.9,14.

 "Das SELBST allein ist Sein (eigenes) Licht."

-BRIH.UPANISHAD, IV. 3.6.

 "Durch was kann sich jemand seiner selbst bewußt sein,

durch DAS allein sich jemand allem bewußt sein kann?

Durch was kann man den KENNER erkennen?"

-BRIH,UPANISHAD, II.4.14

ERKENNTNIS ist nicht die Beifügung, sondern die WIRKLICHE SUBSTANZ der WIRKLICHKEIT. Sie ist die ESSENZ der EXISTENZ. Aus diesem Grunde ist die WIRKLICHKEIT als ein Objekt der Erkenntnis nicht erkennbar. ES offenbart sich als das erste Prinzip in allen Gedanken und Handlungen. "DAS, was mit deinem PRANA (Lebensatem) einatmet, ist dein SELBST, das in allen Dingen ist. DAS, was mit deinem APANA* ausatmet, mit deinem VYANA* ringsherum atmet und mit deinem UDANA* nach oben atmet, ist dein SELBST, das in allen Dingen ist."

(* andere Bez. für Lebensatem).

YAJNAVALKYA erklärt mit der Sicherheit eines WAHRHEIT-SEHERS: "Du kannst den SEHER des Sehens nicht sehen. Du kannst den HÖRER des Hörens nicht hören. Du kannst den DENKER des Denkens nicht denken. Du kannst den VERSTEHER des Verstehens nicht verstehen. ER ist dein SELBST, das in allen Dingen ist.

Das erkennende Subjekt ist die ESSENZ vom SEIN des SELBST und deshalb ist ES kein Objekt der Erkenntnis. BEWUSSTSEIN kann sich keines BEWUSSTSEINS bewußt sein, sowenig sich jemand auf die eigenen Schultern steigen kann. EWIGES BEWUSSTSEIN ist SEIN in Sich Selbst.

 "In Wahrheit, O GARGI, sieht allein dieses UNVERGÄNGLICHE EINE, ohne gesehen zu werden; ES hört, ohne gehört zu werden; ES denkt, ohne gedacht zu werden; ES versteht, ohne verstanden zu werden. Es gibt keinen anderen SEHER als DAS, keinen anderen HÖRER als DAS, keinen anderen DENKER als DAS, keinen anderen VERSTÄNDIGEN  als DAS. In diesem UNVERGÄNGLICHEN EINEN, O GARGI, ist der Raum wie 'Kette und Schuß'" eingewoben.                                                                                                                                                                                                                     

-BRIH.UPANISHAD, III.8.11.

 Des weiteren wird erklärt, daß, vergleichbar mit dem Meer als Zentrum aller Gewässer, ATMAN als Auge das Zentrum aller Formen, als Ohr das Zentrum aller Klänge, als Nase das Zentrum aller Gerüche usw. ist. Die eine zentrale Handlung dieses SELBST-BEWUSSTSEINS wird häufig in Bezug zu den wahrnehmenden Unterschieden als Auge, Ohr usw. bezeichnet. Wenn das Auge auf den Raum gerichtet wird, ist es das BEWUSSTSEIN des WIRKLICHEN, das im Auge leuchtet, das Auge selbst ist lediglich ein sekundäres unempfindliches Instrument. Ebenso ist es mit den anderen Sinnesfunktionen. Selbst das Denken und Verstehen sind bloße Namen für die Widerspiegelung des WAHRHEITS-BEWUSSTSEINS in den unempfindlichen psychologischen Organen. Sprache und Verstand kehren (von ihrer Erkenntnisreise nach außen) erstaunt zurück, unfähig ES zu erreichen. Es ist der ATMAN, der durch das Denkorgan leuchtet und die Freuden und Wonnen darin wahrnimmt. Die Intensität des BEWUSSTSEINS wird im Verhältnis zu der reflektierenden Fähigkeit der inneren wahrnehmenden Instrumente verspürt. Jegliche Erkenntnis ist eine Reflexion des SELBST-SEIENDEN WIRKLICHKEITS-BEWUSSTSEINS, ein Schatten der BRAHMAN-INTELLIGENZ. Selbst ein Genius, bewandert in allen möglichen Wissensbereichen und der Kunst, kann nur den Anschein der ABSOLUTEN WEISHEITSMASSE haben, die durch seinen Intellekt, der wiederum nur ein schwacher Ersatz für das wahre WISSEN ist, reflektiert wird. Auch die beste Inspiration des größten Poeten ist nur eine Reflexion der BRAHMAN-ERKENNTNIS. Es gibt keine Intelligenz, weder im Himmel  noch auf Erden, die dem Vergleich mit der INTELLIGENZ des ABSOLUTEN in irgendeiner Weise standhalten könnte, da alle unterschiedlichen Wesen lediglich einen Intelligenzanteil besitzen und niemals das BRAHMAN-BEWUSSTSEIN  erfahren können, solange sie als Individuen vom GANZEN  getrennt sind. Das Denkorgan, der Intellekt und die Sinne sind daher nicht intelligent; es ist BRAHMAN, der die INTELLIGENZ und das LICHT der Lichter ist, >JYOTISHAM JYOTIH<!

 Dieses erkennende SUBJEKT ist Unfaßbar, Unzerstörbar, Unverhaftet, Ungebunden, Unveränderlich, Unberührt. ES befindet sich zu allem, was objektiv ist, in Opposition, wie Licht zur Dunkelheit. ES entschlüpft dem Zugriff dessen, der im objektiven Bewußtsein gefangen ist. Die gesamte Welt ist objektiv (mit sich) beschäftigt, weshalb BRAHMAN der Welt unerkannt bleibt. Wir sind uns immer etwas anderem als dem SELBST bewußt, sowohl im Wach-, als auch im Traumbewußtsein. Nur im Tiefschlaf geschieht es, daß wir praktisch Eins mit dem ABSOLUTEN werden. Doch die Anwesenheit der Unwissenheit, - dem Lagerhaus der potentiell objektiven Kräfte, das in einem unmanifestierten Zustand existiert -, verhindert die Erfahrung BRAHMANS. Diese unmanifestierte träge Bedingung ist nicht die WIRKLICHKEIT. WIRKLICHKEIT ist DYNAMISCHES BEWUSSTSEIN, das gleichwohl der HÖCHSTE RUHEZUSTAND  ist. ES ist der unvorstellbare VIERTE ZUSTAND, der die drei anderen Zustände ( z.B. Wachen, Träumen, Tiefschlafen usw.) in sich einschließt und transzendiert. Das WIRKLICHE 'sieht ' nicht und 'kennt ' nichts; ES sieht und kennt nur sich SELBST:

 "ES, der SEHER und KENNER, erfährt keine Unterbrechung im Sehen und Erkennen, da ES unzerstörbar ist, - es gibt nichts Zweites, das sich von IHM unterscheidet, das ES sehen und erkennen könnte." "Gerade wie ein Klumpen Salz innen oder außen nicht unterschieden werden kann, sondern gänzlich aus derselben geschmacklichen ESSENZ besteht, so hat dieses SELBST weder innen noch außen, sondern besteht durchweg nur aus BEWUSSTSEINS-MASSE"                                                                                                                                                                                                                                       

-BRIH.UPANISHAD, IV.5.13.

 "Gerade wie ein ins Wasser geworfener Salzklumpen sich im Wasser auflösen und außer dem Salzgeschmack nichts mehr von ihm übrigbleiben würde, so ist wahrlich dieses Große SEIN Unendlich, Endlos, eine Einzige BEWUSSTSEINS-MASSE"

-BRIH.UPANISHAD, II.4.12.

 DAS ist der OZEAN der WEISHEIT und des LICHTES, - alles in EINEM.

 "Da leuchtet weder Sonne noch Mond, auch keine Sterne, keine Blitze und kein Feuer; sie alle leihen sich ihr Licht von IHM, DER alleine leuchtet; die ganze Welt erstrahlt in SEINEM herrlichen Licht".                                     

-KATHA UPANISHAD, V.15.

 Derjenige, der dieses BEWUSSTSEIN hat, lebt im Ewigen Sonnenschein, und es ist immer Tag für ihn. Für ihn gibt es keinen Sonnenuntergang. ATMAN wird mit einer Brücke verglichen, die die Welten miteinander verbindet.

 "Diese Brücke überquerend, wird jemand, der blind ist, sehend; wer verwundet ist, geheilt; wer krank ist, gesund. Diese Brücke überquerend, erscheint selbst die Nacht als heller Tag, denn der BRAHMAN-ZUSTAND ist ewig leuchtend".      

-CHH.UPANISHAD, VIII.4.2.

 In der MATRAIYANI UPANISHAD finden wir die Erklärung, daß derjenige, der die Dunkelheit durchdrungen hat, DAS erreicht, was wie ein Feuerrad leuchtet; BRAHMAN, der Allmächtige, strahlend wie die Sonne; DAS, was in der Sonne und dem Mond, im Feuer und im Blitz aufleuchtet, - ES zu sehen, heißt, UNSTERBLICH zu werden (VI. 24). Dieses WIRKLICHE ist das ABSOLUTE ERKENNENDE SUBJEKT, weshalb "ES nicht das Objekt der Verehrung sein kann" (KENA UPANISHAD, I.4.). Der innere Erkenntnis-Mechanismus ist einschließlich der Sinne ein träges Objekt, welches durch das SUBJEKT, - das BRAHMAN-BEWUSSTSEIN - , erleuchtet wird.

 "Alles, was dieses Herz und dieser Verstand, was Bewußtsein, Herrschaft, Unterscheidung, Intelligenz, Wissen, Wahrnehmung, Standhaftigkeit, Gedanke, Gedanken-Kontrolle, Verzagtheit, Erinnerung, Wille, Bestimmung, Leben, Wunsch, Anhaftung usw. sind, - all diese Dinge sind bloße Namen des REINEN BEWUSSTSEINS. All diese Dinge werden durch BEWUSSTSEIN gelenkt und alles ist im BEWUSSTSEIN verankert; die Welt hat BEWUSSTSEIN als ihren Führer. BEWUSSTSEIN ist der Grundstock (für alles). BEWUSSTSEIN ist BRAHMAN"                   

-AIT.UPANISHAD, III.2.,3.

 "Wer immer erkennt, 'ICH BIN DAS ABSOLUTE ', wird dies ALLES"

-BRIH.UPANISHAD, I.4.10

 ES ist die Unendlichkeit der äußersten Erkenntnis. ES kennt sich selbst als SELBST-IDENTISCH.

 

"Es gibt niemanden, der ES kennt.

ES ist das GROSSE ANFÄNGLICHE SEIN"

-SVET.UPANISHAD, III.19.

 

ES ist übergeistige BEWUSSTHEIT, welche die Essenz der EXISTENZ bildet. ES ist BEWUSSTSEIN ohne Gedanke. ES ist 'PARAM VIJNANAT', d.h. 'über der relativen Erkenntnis befindlich '.

 Das SELBST ist REINES BEWUSSTSEIN, wie es allen Bewußtseinsveränderungen zugrundeliegt, die in der Bewußtseinsform äußerer Bedingungen oder Objekte arbeitet. Das menschliche Bewußtsein zeichnet sich durch Objektivität aus. Es ist eher Erkenntnis oder Wahrnehmung als einfaches, unverfälschtes BEWUSSTSEIN. Erkenntnis und Wahrnehmung sind die Erkenntnisprozesse des Denkorganes und der Sinne. Im Wachzustand des einfachen Bewußtseins empfangen die verschiedenen Sinne unterschiedliche Erkenntnisformen, wobei die Arbeitsweise und Erkenntnisfähigkeit eines Sinnesorgans ganz verschieden von - und ohne Verbindung zu - den anderen Sinnesorganen ist. So kann z.B. das Auge nur Formen erkennen und das Ohr nur Klänge hören. ERKENNTNIS unterscheidet sich hinsichtlich der verschiedenen Sinne. Doch selbst wenn diese Sinneswahrnehmungen völlig voneinander abgeschnitten sind, ist die PERSON, welche diese Sinnes-Wahrnehmung erfährt, ein und dieselbe. Die PERSON ist der Zusammenhalt aller Sinneswahrnehmungen, die untereinander keine Beziehungen haben. Ein und dieselbe PERSON erfährt Formen, Klänge, Berührungen, Geschmäcker, Gerüche usw. und fühlt: "ICH bin der Seher, der Hörer" usw.; fühlt aber nicht, daß z.B. der Seher sich vom Hörer unterscheidet. Der Letztendliche KENNER muß daher ein UNTEILBARES, ABSOLUTES GANZES BEWUSSTSEIN sein. Wäre da nur die leichteste Unterscheidung in der zusammensetzenden ESSENZ des KENNERS, - vorausgesetzt, der Kenner besteht aus Teilen -, dann würde ein zusammenfließendes Erkennen niemals möglich sein. Wäre eine Teilung im Kenner vorhanden, was wäre die Beziehung zwischen den Teilen? Wenn ein Teil vom anderen Teil abweicht, was existiert dann zwischen den beiden Teilen? Die Frage kann nicht beantwortet werden, da ERKENNTNIS keinen Raum in sich selbst zuläßt. ERKENNTNIS geht der Idee von Raum, Zeit und Kausalität voraus. Wenn die Teile, von denen gesagt wird, daß sie das Bewußtsein oder den Kenner bilden, durch nichts anderes als den Kenner unterschieden werden können, dann ist der KENNER nicht länger eine Zusammensetzung von Teilen, sondern ein UNGETEILTES BEWUSSTSEIN, das absolut identisch mit Sich Selbst ist. Die NATUR des KENNERS muß ERKENNTNIS sein. Wenn nicht, was ist sie sonst? Die fundamentalste Erfahrung ist reines und einfaches BEWUSSTSEIN, frei von den sich selbstwider­spre­chenden Unterteilungen und Fluktuationen der Gedanken. Niemand kann etwas Größeres oder etwas Gleichwertiges zum BEWUSSTSEIN, das die letztendliche Grundlage aller Erfahrungen im Leben ist, erfahren.

 Das Denkorgan kann auch nicht der Kenner der Sinneswahrnehmungen sein, obwohl es ohne die Hilfe seitens der Sinne dazu fähig ist, zu erkennen und zu koordinieren, zu arrangieren und systematisch die Sinneswahrnehmungen zusammenzufügen. Gedanken unterscheiden sich an verschiedenen Plätzen, zu bestimmten Zeiten und unter den jeweiligen Bedingungen, so daß es einen anderen zusammenführenden Handelnden mit geistiger Erkenntniskraft geben muß. Ansonsten könnte eine Person nicht erkennen, daß sie ein und dasselbe Individuum ist, das die verschiedenen Gedankenarten erfährt. Selbst 'Erinnerung' wäre nicht möglich, außer für ein nicht-relatives Bewußtsein, das die Gedanken transzendiert. Geistige Erkenntnis und sinnliche Wahrnehmung sind ihrer Natur gemäß gegensätzlich. Daher zeigt die Möglichkeit und die Erfahrung der Vereinten VOLLSTÄNDIGKEIT eines Selbst-identischen, Absolut Unmittelbaren und Direkten BEWUSSTSEINS, daß das wahre SELBST in Seiner Essenz REINES BEWUSSTSEIN ist, welches durch die revoltierenden Handlungen des Denkorgans und der Sinne nicht berührt wird.  Die innewohnende Natur des KENNERS oder des SELBST muß transzendentales BEWUSSTSEIN sein, denn am Beispiel des Tiefschlafes kann festgestellt werden, daß, - wenn der Körper, der Lebensatem, die Sinne, das Denkorgan, der Intellekt, das Ego, das Unterbewußtsein und all das, was ein Individuum auszeichnet, (im Tiefschlaf) ausgeschaltet ist und dadurch dessen Wichtigkeit als Existenz (im Wachzustand) verliert - , daß dann die Person trotzdem noch existiert, was anhand der Erfahrung der erwachten Person als 'mit großer Wahrscheinlichkeit mit der vorher schlafenden Person identisch zu sein', überprüft werden kann. Die EXISTENZ der innewohnenden Person, - das SELBST - , kann in der Bedingung des Tiefschlafes als eine 'Bewußtheit vom Nichts' bezeichnet werden, wobei eine 'Bewußtheit vom Nichts' bloße BEWUSSTHEIT bedeutet, da 'Nichts' als solches keine Bedeutung hat. Weiterhin wird die Existenz der SELBST-ERFAHRUNG durch das unterschwellige Erringen der Existenz von sich selbst (als Person) im Tiefschlaf erhärtet. Da Erinnerung ohne vorherige Erfahrung nicht möglich ist, und da Erfahrung niemals ohne Bewußtsein möglich ist, müssen wir daraus schließen, daß das SELBST im Tiefschlaf als reines BEWUSSTSEIN existiert. Dieses BEWUSSTSEIN existiert im Wachzustand als die unveränderliche Basis des wechselhaften Denkorganes und der Sinne. Im Traumzustand existiert ES als der Vermittler der geistigen Funktionen. Die Objekte im Wach- und Traumzustand unterscheiden sich voneinander, doch das BEWUSSTSEIN von den Objekten bleibt dasselbe, - ES verändert sich nicht im Verhältnis zu den Objekten. Der einzige Unterschied zwischen dem Wach- und dem Traumzustand ist der, daß die Wirkung der Denkfunktion in der Wach-Erfahrung von den Sinnen unterstützt wird, während in der Traum-Erfahrung nur das Denkorgan arbeitet. Das BEWUSSTSEIN jedoch bleibt in beiden Zuständen dasselbe. Da dieses BEWUSSTSEIN erwiesenermaßen auch im Tiefschlaf-Zustand existiert, ist es offenkundig, daß dieses EINE BEWUSSTSEIN, ohne die geringste Veränderung in sich selbst, in allen Erfahrungszuständen andauert, ohne einer Vergangenheit oder Zukunft ausgesetzt zu sein. ES unterscheidet sich von keinem anderen Bewußtsein noch von Sich Selbst, jetzt und später, hier und dort, in diesem oder in jenem Zustand, wie dies allgemein ja für Objekte und geistige Zustände zutrifft. BEWUSSTSEIN ist immer Eines allein und stets einzigartig. Wir können nicht von zweierlei Bewußtsein' sprechen, von denen wir etwas empfangen, obwohl es zwei oder mehr geistige Zustände geben mag. BEWUSSTSEIN ist daher EWIG. Metaphysisch betrachtet, muß alles, was EWIG ist, ohne jede Einschränkung auch UNENDLICH sein, da Begrenzung ebenfalls etwas ist, das vom BEWUSSTSEIN erkannt und folglich auch transzendiert wird. Das SELBST ist ABSOLUTES BEWUSSTSEIN, BRAHMAN oder BHUMA. Die Unwissenheit, die allgemein im Tiefschlaf erfahren wird, kann keine tatsächliche Existenz sein, denn wäre dies so, dann würde sie ein Gegenspieler zum BEWUSSTSEIN sein, wodurch Bewußtsein wiederum begrenzt und zerstörbar würde. Die Unlogik und Unmöglichkeit der Existenz von Unwissenheit  annulliert ihre (scheinbare) Bedeutung und bekräftigt die EXISTENZ des ABSOLUTEN als ALLEINIGES BEWUSSTSEIN, das nicht eine nackte, merkmalslose Transparenz ist, sondern das gesamte Universum der Objekte umfaßt. Ein jeder erfährt als sein zugrunde liegendes SEIN oder SELBST nicht Unwissenheit, sondern BEWUSSTSEIN. Das SELBST ist deshalb in dem Sinne verschieden von Unwissenheit, als BEWUSSTSEIN nicht Unwissenheit ist, was aber nicht bedeutet, daß das SELBST dadurch Zeuge einer objektiven Unwissenheit ist, die ebenfalls Existenz ist.

 Das SELBST stirbt nicht, noch ist ES geboren und ES unterliegt auch keiner Veränderung. Gäbe es diese Veränderungen, müßten sie von einem anderen Bewußtsein erfahren werden, dessen Einspruch zu einem unendlichen Rechtsanspruch führen würde. Das  letztendlich erfahrende BEWUSSTSEIN ist das SELBST. Dieses ABSOLUTE SELBST ist SELBST-ERLEUCHTUNG, NICHT-DUALITÄT, UNABHÄNGIGKEIT, BEWUSSTSEIN, das ALLEINIGE SEIN.

 

BRAHMAN ALS WONNE ODER GLÜCKSELIGKEIT

 ABSOLUTES SEIN ist die Höchste VOLLKOMMENHEIT. VOLLKOMMENHEIT ist WONNE. Das SELBST ist der Sitz ABSOLUTER LIEBE, ohne irgendein Objekt außerhalb von Sich Selbst. ES ist WONNE ohne Vergegenständlichung, denn BRAHMAN-WONNE wird nicht durch den Kontakt von Subjekt mit Objekt erreicht. LIEBE und WONNE sind hier (reine) EXISTENZ. DAS, was IST, ist die WONNE des BEWUSSTSEINS, welche EXISTENZ ist. Das Höchste Ziel aller Bemühungen ist die Befreiung von der gegenwärtigen Bedingung des begrenzten Lebens und das Erreichen von "BHUMA, das WONNE ist ".

 "Das Große UNENDLICHE allein ist WONNE, wohingegen es in dem kleinen Endlichen keine Wonne geben kann. Wo es weder Sehen noch Hören oder Erkennen von irgend etwas Zweitem gibt, - das ist das UNENDLICHE"                                 

-CHH.UPANISHAD, VII.23.24.

 ABSOLUTE EXISTENZ ist ABSOLUTE ERKENNTNIS und ebenso ABSOLUTE WONNE. Das zu erfahrende BEWUSSTSEIN von WONNE hängt vom Wachstum und der Ausdehnung ab, die wir im BEWUSSTEN SEIN unseres SELBST verspüren.   'SAT-CHIT-ANANDA' deutet nicht auf eine dreifältige Existenz hin, sondern ist ABSOLUTE SELBST-IDENTITÄT. Die Welt erscheint wirklich, intelligent und wonnevoll, da sie sich selbst auf dem Hintergrund von etwas projiziert, das essentiell 'WIRKLICHKEIT-INTELLIGENZ-WONNE ' ist.

 "Wahrlich, DAS ist die Essenz. Nur durch den Erhalt dieser Essenz wird jemand mit WONNE erfüllt. Ansonsten, - wer würde atmen und wer würde leben, gäbe es keine WONNE in der (räumlichen) Existenz! Wahrlich, diese Essenz ist die Quelle der WONNE".                                     

-TAITT.UPANISHAD, II.7.

 Diese ESSENZ ist verliehene WONNE und FURCHTLOSIGKEIT, doch "würde jemand den geringsten Unterschied in ihr herstellen, müßte er sich fürchten".

 "Dieses SEIN (BRAHMAN) ist die Höchste WONNE."

-BRIH.UPANISHAD, IV.3.32

 Die MUNDAKA UPANISHAD nennt die WIRKLICHKEIT "WONNEVOLLE UNSTERBLICHKEIT". Gemäß der TAITTIRIYA UPANISHAD ist dasjenige die WIRKLICHKEIT, "dessen SELBST die WAHRHEIT, die WONNE des Lebens, die FREUDE des Verstandes, die FÜLLE des Friedens und die UNSTERBLICHKEIT ist." Die wiederholten Verlautbarungen des Weisen YAJNAVALKYA, - "was immer anders ist als DAS, ist verkehrt", "derjenige, der ohne die Erkenntnis dieses UNVERGÄNGLICHEN dahinscheidet, ist beklagenswert", - betonen die absolute Hoheit der WONNE BRAHMANS, zu der im Vergleich selbst die höchsten Himmel und die Wohnstätte des Schöpfers nur (Orte der) Dunkelheit und Sorgen sind. Es wird gesagt, daß die natürlichen Erscheinungen von Hunger und Durst, Schmerz und Illusion, Alter und Tod durch DAS HÖCHSTE SEIN, das über allem Bösen und Sündigen ist, überschritten wird. BRAHMAN ist nicht 'wonnevoll', sondern 'WONNE', nicht 'bewußt', sondern 'BEWUSSTSEIN', nicht 'existent', sondern 'EXISTENZ'. DAS nimmt weder zu noch ab; DAS ist der OZEAN der VOLLKOMMENHEIT, ohne Ebbe oder Flut und angefüllt bis zum äußersten Rand Seines SEINS, nichts hinzufügend und auch nichts abgebend. DAS ist die wirkliche Natur des SELBST, in dem man vom 'Etwas-Bewußtsein' ins 'ALL-BEWUSSTSEIN' aufsteigt, wo der Erkenner und das Erkannte, der sich Erfreuende und das Erfreute eins sind, wo man über alle Wünsche hinausgehoben wird und nichts außerhalb sieht. Es wird gesagt, daß das SELBST in fester Umarmung mit dem SEIN, dessen Essenz die ERKENNTNIS ist, nichts erkennt, weder außen noch innen, da dies das WAHRE EINE ist, in dem allein das SELBST der Wunsch ist, der alle Wünsche und Sorgen in sich auflöst. Das ist der Höhepunkt der WONNE und der WEISHEIT, der auf einem geringen Anteil DESSEN beruht, DAS das gesamte Universum erhält. "Wer sich der WONNE BRAHMANS bewußt ist, fürchtet sich vor nichts."  Wer Ruhe findet in DEM, das unsichtbar, körperlos, unausdrückbar und unergründlich ist, hat die FURCHTLOSIGKEIT erreicht." Denn dieser ATMAN ist STILLE und FRIEDEN, - "SHANTOYAMATMA".

 Von der scheinbar dreifachen Natur der WIRKLICHKEIT wird behauptet, daß sie in WAHRHEIT einfach ist. "DAS, was FREUDE ist, ist dasselbe wie SEIN, welches LEBEN ist" (CHH.UPANISHAD, IV.10.5.).  Nichtexistenz ist die EXISTENZ der Abwesenheit von Existenz. EXISTENZ ist die Grundlage aller positiven und negativen Dinge. EXISTENZ ist ein Wert, der immer durch ein bewußtes SEIN eingeschätzt wird. Obwohl EXISTENZ 'in Sich Selbst ' kein (eigener) Wert ist, ist SIE dies in ihren 'wahrgenommenen' objektiven Phasen. Die Abwesenheit von Bewußtsein annulliert jeden Wert, einschließlich der Existenz. Wahrnehmung und andere Wege der Erkenntnis sind möglich aufgrund der INTELLIGENZ, die dem Mechanismus des einfachen Bewußtseins zugrundeliegt. INTELLIGENZ oder BEWUSSTSEIN ist nicht-objektiv und Objektivität ist somit eine Selbst-Begrenzung, hervorgerufen durch eine Veränderung im Erkenntnis-Prozeß. BEWUSSTSEIN muß daher unbegrenzt und unendlich sein. "Das UNENDLICHE ist >Entzücken<. Alle Wesen sind >entzückt<, da sie >wissen<, daß sie >existieren<".

 Das SEIN der WIRKLICHKEIT besteht in ERFAHRUNG, - unwidersprochen durch Transzendenz und ungehemmt von Veränderung. Alle Erscheinungen verschmelzen in diesem EINEN GANZEN und verschwinden in IHM. Diese WIRKLICHKEITS-ERFAH­RUNG ist EINE allein, ohne jeden Zusatz und wahr in sich selbst; über dem Denken und über jedem Teilaspekt des Seins, vielmehr alles einschließend, so daß nichts vollständig sein kann, ohne im wirklich REALEN, - dem ABSOLUTEN - , eingetaucht zu sein. Dieses SEIN kann nur EINS sein, da ERFAHRUNG immer etwas GANZES ist und da Unzufriedenheit stets die Wirkung eines Glaubens in unabhängige Mehrheiten und äußere Beziehungen ist, die sich endlos gegenseitig widersprechen. Das ABSOLUTE wird, unabhängig von den Millionen von Wegen sich IHM zu nähern, als ein und dieselbe UNBEGRENZBARE FÜLLE erfahren. Das ABSOLUTE handelt nicht, da Handlungen ohne das Ichbewußtsein, das zu einer Diskrepanz in der VOLLKOMMENHEIT des ABSOLUTEN führen würde, unmöglich sind. Denken und Sprechen sind gleichermaßen unlogische Vorstellungen in einem Zustand des ABSOLUTEN. Es gibt keinen Vergleich, keine passende Beschreibung und keine vernünftige Erklärung, welche die NATUR des ABSOLUTEN bestimmen könnte. Das WIRKLICHE ist überrational. ES wird 'erfahren ' und nicht (bloß) 'verstanden '. ES ist die intensivste TATSACHE, nichts ist wahrer als das ABSOLUTE. Alles andere als DAS ist eine Null. ES ist raum- und zeitlos, Unteilbar und Unzerstörbar. ES ist sozusagen Etwas, in dem die gesamte Existenz verloren zu gehen scheint, aber ES ist DAS, in dem alles in der härtesten Wirklichkeitsform gefunden wird. Wenn das ABSOLUTE als >LEBEN< bezeichnet werden kann, dann ist alles andere nichts als Tod. ES ist selbst über dem Höchsten Intellekt, über >GOTT<  angesiedelt. ES ist nicht GOTT, vielmehr ist ES die ESSENZ von GOTT, - die HÖCHSTE INTUITION. ES ist das ALLGEMEINE UNPERSÖNLICHE, über jeglicher Unterscheidung. ES ist das GROSSE UNBEWEGLICHE, durch das alles bewegt wird. "Alle Dinge existieren um des UNENDLICHEN SELBST' willen." "Wenn wir sie nicht als solche (relativen Dinge) erachteten, würden sie uns entschwinden." Wir lieben die Dinge, da wir das UNENDLICHE, das wir selbst sind, lieben. In jeder Handlung geistiger Liebe ruft das UNENDLICHE nach dem UNENDLICHEN, das ausschließlich in Sich und für Sich Selbst ist. Wir lieben nichts um seinetwillen; wir lieben alles um des SELBST' willen. Dieses SELBST ist nicht irgend etwas, das wir kennen. ES ist nicht einmal das Bewußtsein, wie wir es verstehen, denn Bewußtsein im einfachen Sinne ist ein fließendes Phänomen entsprechend dem Eintritt der WIRKLICHKEIT in die Elemente, die die Formen hervorrufen. All das existiert in der unterschiedslosen WIRKLICHKEIT. "So ist wahrhaftig die UNSTERBLICHKEIT", sagte YAJNAVALKYA.

Daß das SELBST von Natur aus ABSOLUTE WONNE ist, beweist die Tatsache, daß ES Ewiges, Selbst-leuchtendes BEWUSSTSEIN ist. Es kann im BEWUSSTSEIN keine Unvollständigkeit geben. Außerdem ist es selbstverständlich, daß ES frei ist von allen Wünschen, da ES absolut ist und somit alles in sich einschließt. Leid ist die Wirkung aus dem Nichtbesitz von etwas, das gewünscht wird oder aus dem Besitz von etwas, das nicht gewünscht wird. Beides trifft für das ABSOLUTE nicht zu, da ES allein ist. Leid ist folglich im ABSOLUTEN unmöglich. Da im ABSOLUTEN  weder Hitze noch Kälte, Hunger oder Durst, weder Gram, Täuschung, Unwissenheit, Leidenschaft, Krankheit, Niedergang oder Tod vorhanden sind, kann durch sie auch kein Leid entstehen. Die Abwesenheit von Beziehungen mit objektiver Existenz, - was den Merkmalen von 'ASANGATA' (Nicht-Anhaftung) und 'KEVALATA' (Absolutheit) entspricht -, zeigt, daß das ABSOLUTE vollständig frei von Leid und Kummer ist. Die psychologischen, physischen und sonstigen schweren Sorgen finden hinsichtlich ihres Wunsches nach äußerlicher oder innerlicher Unterscheidung im ABSOLUTEN keinen Platz. Leid ist der Zustand, in dem sich ein Individuum, unter bestimmten gegebenen Umständen, durch eine besondere Erfahrung im Umgang mit einem Objekt oder einer Bedingung befindet. Das ABSOLUTE ist jedoch weder eine Bedingung unter vielen Bedingungen, noch eine Ebene unter vielen Ebenen, geschweige denn ein Individuum. Das ABSOLUTE erfährt keine Umstände oder Umgebungen. Seine ERFAHRUNG ist beziehungslos, weshalb es nichts derartiges wie beziehungsloses Leid gibt, da Leid eine objektive Erfahrung und deshalb relativ ist. Kontakt ist die Mutter allen Leides. Das ABSOLUTE hat keinerlei Kontakt (zu irgend etwas Zweitem) und kennt folglich auch kein Leid.

Weiterhin zeigt die allgemeine Erfahrung, daß GLÜCKSELIGKEIT eine TATSACHE im Leben ist. Sie ist der Höchste Wert im Leben. Es kann keine andere Bedeutung in den Handlungen des Lebens geben, als den Versuch, auf diese oder andere Weise GLÜCKSELIGKEIT zu erlangen, - was auch immer die Quantität oder Qualität der abgeleiteten Glückseligkeit sein mag. Tatsächlich gibt es in der GLÜCKSELIGKEIT keine Unterschiede, und wenn trotzdem eine Abstufung  empfunden wird, beruht dies auf den Abstufungen und Unterschieden, die in den Mitteln gegenwärtig sind, die zum Zweck des Glückseligkeits-Erwerbes benötigt werden, nicht aber in irgendwelchen Unterschieden innerhalb der GLÜCKSELIGKEIT Selbst. Das Licht und die Hitze von Feuer unterscheiden sich den unterschiedlichen (Brenn-) Mitteln gemäß, durch die das Feuer brennt. Glückseligkeit in dieser Welt wird, wenn auch nicht immer als allgemein das Ergebnis des Kon­taktes des Denkorganes oder der Sinne mit bestimmten, wünschenswerten Objekten oder Zuständen erfahren. Kein Objekt oder Zustand kann tatsächlich in sich selbst wünschenswert sein, - denn wäre dies der Fall, dann würde ein und dasselbe Ding in jedem Wesen dieselbe Art von Liebe hervorrufen. Dies trifft aber keineswegs zu. Ein und dasselbe Ding kann Liebe oder Haß in unterschiedlichen Wesen erzeugen. Ein Mensch kann zur gleichen Zeit sowohl der Freund von jemandem als auch der Feind von jemand anderem sein. Man kann Würmer beobachten, die selbst in beißend-stinkenden  und giftigen (anstatt in süßen) Früchten schwelgen. Ein und dasselbe Ding kann einer Person unter verschiedenen Bedingungen in unterschiedlicher Art und Weise erscheinen. Die Ansicht, daß irgend etwas aus sich selbst heraus erfreulich ist, stimmt nicht. Doch was ist dann Glückseligkeit und wo ist Glückseligkeit?

Wenn Glückseligkeit allgemein durch den Kontakt des Subjektes mit dem Objekt erfahren wird, und wenn Glückseligkeit nicht die Natur des Objektes selbst sein kann, dann muß sie entweder die Natur des Subjektes oder die des Kontaktprozesses selbst sein. Der Kontaktprozeß als solcher ist nicht selbst-existent, sondern besteht nur als eine Gedankenbewegung, die durch das Subjekt der Erkenntnis selbst ausgelöst wird, was zu der Annahme berechtigt, daß GLÜCKSELIGKEIT allein zum Subjekt gehört. Doch, warum ist dann überhaupt Kontakt notwendig, um vorhandene GLÜCKSELIGKEIT im Subjekt aufsteigen zu lassen? Die Wahrheit ist, daß das Subjekt, wenn es sich ein Objekt der Liebe vorstellt oder (mit physischen Augen) anschaut und solchermaßen mit ihm in Kontakt kommt, sich eigentlich die Form vorstellt, anschaut und erfährt, die durch den Ausdruck des eigenen Wunsches, der das Objekt der Wahrnehmung oder der Erkenntnis durchdringt, Gestalt annimmt. Es ist der Wunsch des Subjektes, der im Objekt leuchtet und dieses anziehend werden läßt. Die Schönheit (des Objektes) ist im Betrachter verankert. Wenn das Subjekt das wünschenswerte Objekt berührt, dann erfreut sich das Subjekt seiner eigenen Wünsche und identifiziert sich mit diesen Wünschen, was konsequenterweise zu einem vorübergehenden Stillstand der Wünsche führt, solange sich diese in Übereinstimmung mit dem Gefühl der Befriedigung des Subjektes und dessen Vorstellung, das Objekt besessen zu haben, befinden. Da im Subjekt bereits BEWUSSTSEIN vorhanden ist, stellt sich vorübergehend das Gefühl ein, keine Wünsche mehr zu haben und mit dem objektivierenden Gedankenprozeß, - das Objekt (durch dessen Besitz) zu kennen -, identisch zu sein. Sobald die Gedanken im subjektiven Bewußtsein ruhen, ist das Subjekt unter Ausschluß von allem, - selbst der Wünsche -, einfach nur seiner selbst bewußt. Da die Wünsche in diesem Stadium jedoch nicht erlöschen, sondern lediglich zurückgehalten worden sind, handelt es sich hier nur um einen blitzartigen Prozeß in Form einer momentanen Erfahrung von extrem kurzer Dauer. Wenn man sich eines Wunschobjektes erfreut, entsteht ein leuchtendes Gefühl der Unabhängigkeit oder der Freiheit von Äußerlichkeiten, da durch den Erwerb des Objektes das leidvolle Gefühl der Abhängigkeit von demselben beseitigt ist. Wenn ein Subjekt auf irgendein Objekt schaut, richtet sich der Blick nicht wirklich auf das 'Objekt', sondern auf die 'Vorstellung', die das Subjekt vom Objekt hat. Solange ein Subjekt Interesse zeigt, ist ein Objekt nicht wirklich ein Objekt, sondern eine Bewegung, die das erkennende BEWUSSTSEIN in seiner unteilbaren Natur unternommen hat. Da diese Bewegung untrennbar vom BEWUSSTSEIN des Subjektes ist, handelt es sich, wenn die Form des Objektes als korrekte wechselseitige Erfüllung seiner Wünsche vor ihm steht, um das meist Geliebte, - das als das eigene SELBST geliebte -, oder aber, wenn es sich um die entgegengesetzte Form handelt, um das meist Gehaßte. Hieraus läßt sich trefflich die Vorliebe für bestimmte Objekt ableiten. Wie ein Hund, der sein eigenes Spiegelbild anbellt, so entwickelt eine Person in Übereinstimmung mit der Idee, die sie von einer Sache hat, eine besondere Neigung zu ihr. Man kann an nichts denken, außer in Begriffen der eigenen Wünsche und Vorstellungen. Wo kein Wunsch nach etwas ist, kann auch keine Glückseligkeit daraus entspringen. Wenn die Wünsche zurückgehalten werden, verweilen die Objekte so, wie sie sind. Doch solange jemand auch nur einen einzigen Wunsch hegt, ist es ihm nicht möglich zu erkennen, welches Objekt sich wirklich vor ihm befindet. Das Denkorgan, in dem sich ein Wunsch versteckt, ist wie gefärbtes Glas, durch das wir mit der Vorstellung auf ein Objekt schauen, daß dieses nur aus der einen (reflektierten) Farbe besteht und aus sonst nichts. Das Glücksgefühl, das wir erfahren, besteht daher aus der Erfahrung von der Abwesenheit des Wunsches, obwohl dies nur vorübergehend der Fall sein mag. Kontakte mit Objekten vermehren das Leid, da durch sie der falsche Glaube in die freudebringenden Objekte noch verstärkt wird, und jeder Kontakt einen weiteren Wunsch zur Wiederholung der Bemühung um noch mehr Kontakte erzeugt. GLÜCKSELIGKEIT ist die Natur des SELBST ohne Wünsche, und jeder Wunsch vermehrt das Leid je nach dem Grad der Intensität zu sich selbst.

Mehr noch, - die Liebe des SELBST (zu Sich Selbst) ist die Grundlage aller Liebe. Einer liebt den anderen nur wegen der Liebe des SELBST. Der letztendliche Zweck aller Liebe ist es, in der Zufriedenheit des eigenen SELBST zu ruhen. Wahrnehmung und Kontakt arbeiten als Helfer zur Entschleierung der subjektiven Wünsche, die die äußeren Objekte umhüllen. Deshalb sind die Motive hinter den wahrnehmenden und vorstellungsbedingten Kontakten nicht so sehr darauf ausgerichtet, irgend etwas von dem Objekt zu erwerben, als es vielmehr zu einem Instrument zur Entschleierung des Denkorganes zu machen, was wiederum ein rein selbstsüchtiger Prozeß ist, den das individuelle Subjekt aus Erfolgsgründen unternimmt. Vorstellung oder Wahrnehmung entspricht auf gewisse Weise der Bemühung, einen Wunsch zu erschöpfen, obwohl wegen dem darin enthaltenen offenkundigen Irrtum ein anderer Wunsch aufsteigen kann. Kontakt ist nicht die geeignete Methode, um GLÜCKSELIGKEIT 'zu erwerben ', sondern eher ein 'Mittel zur Befreiung' von dem Wunschleiden, wodurch indirekt das SELBST erfahren wird. Doch selbst die vorübergehende Erfahrung von Glückseligkeit aufgrund des Kontaktes, sollte nicht als ein, - wenn auch winziger - , Genuß wahrer SELBST-WONNE mißverstanden werden, denn durch den Kontakt werden die Wünsche nicht ausgelöscht, weshalb dieses kontaktbedingte Glück auch nur eine, durch die materielle Qualität von SATTVA-GUNA (Reinheit) reflektierte SELBST-WONNE ist. Kontakt ist lediglich ein Anreiz für SATTVA-GUNA, das allein GLÜCKSELIGKEIT reflektieren kann. Sinneskontakt ist eine, aus getäuschter Wahrnehmung geborene, grobe Methode zur Wunscherfüllung und kann niemals dem Erfahrenden die WIRKLICHE WONNE verschaffen, nach der dieser verlangt.

Niemand liebt etwas wirklich um dessentwillen, da nichts in diesem Universum einen wahrhaftig objektiven Wert hat, der für alle Zeiten gültig ist. Alle Werte gehen vom SELBST aus und bestehen im SELBST. Das SELBST allein ist der letztendliche und unendliche Wert in allen Dingen. Eine sorgfältige Analyse wird offenbaren, daß alle Kontakte ihre Bedeutung in der 'Selbst-Befriedigung' haben. 'Selbst-Befriedigung' in seiner individuellen Bedeutung ist nur eine vergängliche Freude und eine Täuschung, die durch die Handlungsweise der Gedankenbewegungen hervorgerufen wird. Selbst geistige Befriedigung, die über die Sinneswege stattfindet, ist nicht das, über das Denkorgan und die Sinne angestrebte Ziel. Niemand wird durch einen objektiven Prozeß dauerhaft zufriedengestellt. Das SELBST des Menschen hungert nach EWIGER BEFRIEDIGUNG, doch was es bekommt, ist ein Becher Gift, den es in der Dunkelheit findet und trinkt, - der eigentlichen Vision beraubt, mit der die wahre Natur der Dinge erblickt wird. Niemand würde bewußt Gift trinken, auch nicht bei großem Durstgefühl. Es ist nicht die Absicht des SELBST, sich mit trügerischen Luftspiegelungen zufrieden zu geben, doch es leidet unter dem Mangel an wahrer Erkenntnis und den Ablenkungen seitens der quälenden Erscheinungen des Lebens. Eigentlich liebt das SELBST nur die Höchste ESSENTIELLE EXISTENZ, die es als EINS mit Sich Selbst zu verwirklichen versucht, die jedoch inmitten des Lärmes der Sinne, den Kapriolen des Denkorganes und den Farben und Geräuschen der Objekte in dieser Welt nicht entdeckt werden kann. Die Liebe des SELBST ist unübertrefflich. Sogar ein Selbstmord, der begangen wird, beweist nur die HÖCHSTE LIEBE, die gegenüber dem SELBST offenbar wird, denn daß eine solche Handlung überhaupt begangen wird, beruht auf dem Ekel gegenüber irgendwelchen Bedingungen des Lebens und nicht auf dem Haß gegen das SELBST. Selbstmord ist die Wirkung einer quälenden Art von objektivem Kontakt, einer ätzenden Anhaftung an ein bestimmtes Phänomen, einem unerfüllten objektiven oder nicht erreichten relativen Ziel. Der Ekel dem eigenen Leben gegenüber entspringt der Unzufriedenheit mit einem besonderen Lebenszustand oder einer unerfreulichen Erfahrung im Leben, doch nicht dem LEBEN Selbst. Niemand empfindet im Herzen, daß er absolut aufhören sollte zu existieren. Ein jeder wünscht sich ein EWIGES LEBEN voll immerwährender WONNE. Ein leidvolles Leben wird verabscheut und ein angenehmes begehrt. Die Liebe der UNSTERBLICHEN WONNE als identisch mit dem SELBST zu erfahren ist bedingungslos und kennt keinen Vergleich.

Diese SELBST-LIEBE erleidet keine Verringerung, auch wenn es keine Objekte gibt. Im Tiefschlaf, wenn keine Objekte erfahren werden, verbleibt die GLÜCKSELIGKEIT des SELBST unverändert. Sogar das liebste Objekt würde von jemandem zurückgewiesen, um die GLÜCKSELIGKEIT des Tiefschlafes zu haben. Ja selbst ein Königreich wird bedeutungslos, wenn sich der Schlaf einstellt. Das GLÜCK des Tiefschlafes, in dem keine Kontakte stattfinden, ist größer als die, durch Sinneskontakt hervorgerufene Freude. Es gibt Situationen, wo jemand allem überdrüssig und selbst von den liebsten Dingen angewidert ist. Die, in dieser Zeitspanne erfahrene Freude und Freiheit ist größer als die scheinbare Befriedigung in Zeiten der Anhaftung und der Liebe zu Objekten. All dies deutet letztlich auf das ZENTRUM der GLÜCKSELIGKEIT, auf das ABSOLUTE SELBST hin. Welche Freuden jemand im einfachen Leben auch haben mag, sie sind lediglich eine, durch das Denkorgan hervorgerufene, verdrehte Spiegelung der SELBST-WONNE und deshalb unbeständig und niemals befriedigend. Die Glückseligkeit des Tiefschlafes wird zweifellos nicht durch irgendeine Intelligenz reflektiert, die irgendeine Art von Gedankentätigkeit zuläßt; doch daß der Wert (der Glückseligkeit) nicht verwirklicht wird, beruht auf der Abwesenheit des BEWUSSTSEINS im Tiefschlaf. Durch die Gegenwart der nichtoffenbaren Form des Denkorganes im Tiefschlaf wird die, durch das BEWUSSTSEIN erleuchtete OFFENBARUNG der WONNE verhindert. Zur VERWIRKLICHUNG der EWIGEN WONNE ist die Auflösung des stofflichen Denkprozesses, sowohl in dessen entwickelten als auch unentwickelten Zuständen, notwendig. Diese WONNE wird im SELBST erfahren und sonst nirgends. Da das SELBST seiner Natur gemäß Absolut ist, ist die WONNE des SELBST ebenfalls Absolut. WONNE ist kein Attribut, sondern die wahre ESSENZ des SELBST. Das SELBST ist BRAHMAN, und SELBST-WONNE ist BRAHMAN-WONNE.

 

RAUM, ZEIT UND URSÄCHLICHKEIT

Das UNZERSTÖRBARE SEIN wird als DAS verkündet, in das der 'Raum' der Länge und Breite nach verwoben ist und in dem alles, was über den Himmeln und unter der Erde, was zwischen Himmel und Erde und was in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft befindlich ist, innen und überall durch 'Raum' miteinander verwoben ist. "Dieser BRAHMAN hat weder vorne noch hinten, weder innen noch außen." ES ist Raumlose UNENDLICHKEIT, "die unter und über dem Westen und Osten, dem Süden und Norden ist; ES allein ist die gesamte EXISTENZ" (CHH.UPANISHAD, VII.25). "ES ist nach allen Seiten hin Unendlich." Räumlichkeit ist das Eingeständnis der Verschiedenheit, welche der unbedingten Nicht-Dualität BRAHMANS abträglich ist. Raum ist eine Abweichung von der REINEN VOLLKOMMENHEIT, da er das Zeitliche in der EXISTENZ zuläßt. "Dieses SELBST ist kleiner als ein Reiskorn; dieses SELBST ist größer als das gesamte Universum" (CHH.UPANISHAD, III. 14.3). "Dieses SELBST ist ein Teil des hundertsten Teiles einer Haarspitze, die wiederum hundertfach unterteilt ist; und dieses (SELBST) steigt zur UNENDLICHKEIT empor" (SVET.UPANISHAD, V.9.). UNTEILBARKEIT deutet auf die Unabhängigkeit von Raum hin, denn alles, was im Raum ist, ist teilbar. ALLGEGENWART ist Raumlosigkeit. "BRAHMAN ist dort (an einem Punkt), und was dort ist, ist auch hier" (VIDE KATHA UPANISHAD, II.1.10). "Dieses Unermeßliche Ewige SEIN muß als eine EINHEIT erkannt werden;" "derjenige, der hier Dualität wahrnimmt, stirbt wieder und wieder" (BRIH.UPANISHAD, IV.4.20,19). Raum wird folglich in BRAHMAN transzendiert.

Die Zeit wird ebenso in BRAHMAN aufgehoben. "DAS, was Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist, und was diese dreifache Unterteilung der Zeit transzendiert, ist das unzerstörbare OM, das ALL, - BRAHMAN" (MAND.UPANISHAD, 1.2). BRAHMAN ist 'ANADI ' und 'ANANTA', d.h. von unbegrenzter Dauer, welche Zeitlosigkeit ist. "Über diese Brücke (ATMAN) können weder Tag noch Nacht, weder Alter noch Tod gehen" (CHH.UPANISHAD, VII,4,1). Die unverzügliche Abfolge des Bewußtseins-Blitzes, seine ABSOLUTE UNMITTELBARKEIT der ERFAHRUNG, seine Unabhängigkeit von Grenzen und seine ‘nicht auf Objekte’ Natur kennzeichnen sein zeitloses Wesen.

Ursache ist Bewegung, und es kann über DAS, was Vollkommen WIRKLICH ist, nicht gesagt werden, daß ES sich bewegt. Bewegung ist Vergänglichkeit der Natur, doch BRAHMAN ist EWIG. In dieser essentiellen WIRKLICHKEIT gibt es keinen Weltprozeß, denn jeder Prozeß bedeutet Veränderung. Alles, was keiner Veränderung unterliegt, hat keine ist Ursache. Das UNZERSTÖRBARE, - 'AKSHARA' -, ist ohne die geringste Spur von Handlung. In der BRIHADARANYAKOPANISHAD (VI.4.20) wird das ABSOLUTE als "das GROSSE EINE, Ungeboren, Veränderungslos, Ewig, Unermeßlich, Fehlerlos, über den Raum sich erhebend" beschrieben. UDDALAKA sagt, daß alle Veränderungen nur bloße Namen, Wortmaterial und ohne Bestand sind. ES wird als verschieden von dem, was ins SEIN kommt und dem, was nicht ins SEIN kommt und als über den Tod hinausgehend und ohne Vergänglichkeit beschrieben. ES ist das EINE, von dem die Weisen unterschiedlich sprechen, und ES schließt jegliche Mehrheiten aus. Alle Beziehungen im Raum und Zeitenlauf werden zur Ursache einer Wirkung, oder zur Wirkung einer Ursache und zur Gegensätzlichkeit von Subjekt und Objekt.

Die objektive Welt von Raum, Zeit und Ursache repräsentiert lediglich die Bedingung einer Erfahrung. Raum, Zeit und Ursächlichkeit sind gegenseitig voneinander abhängig und keines von ihnen scheint den Charakter der WIRKLICHKEIT zu haben. Ohne das eine, kann das andere nicht erklärt werden, und jegliche Beweisführung würde zu einem endlosen Teufelskreis führen. Eine vernünftige Begründung ist nicht möglich, da selbst die Vernunft an diese Vorstellungen gebunden ist. Raum, Zeit und Ursächlichkeit bedingen den Denkvorgang als solchen und sind somit das Arbeitsmaterial aller Erkenntnismethoden, - daher ist die menschliche Erkenntnis lediglich ein anderer Name für die bewußte Offenbarung dieser Beziehungen. Objektiv kann nichts, außer diesen Beziehungen erkannt werden. Raum, Zeit und Ursächlichkeit repräsentieren letztlich nur Ideen und nichts weiter. Sie sind die Selbst-Projektionen des Gedankenprozesses in der Form einer äußeren Welt, um die Denkhandlung als solche überhaupt zu ermöglichen und ihr einen besonderen Wert beizumessen. Das Naturgesetz gilt immer in Beziehung zu einem Individuum oder einer Gruppe von Individuen und ist niemals eine ewig existente Tatsache, außer natürlich im Sinne der EWIG VERÄNDERUNGSLOSEN UNTEILBAREN NATUR BRAHMANS. Raum, Zeit und Ursache sind bestimmte Wahrnehmungsweisen äußerer Objektbedingungen und stellen somit Beziehungen dar und nichts, was wirklich existent ist. Das wahrnehmende Denkorgan wünscht nicht in einer chaotischen Art und Weise, sondern immer in System- und Ordnungsbegriffen zu arbeiten. Zu diesem Zweck sind diese universell anerkannten Beziehungen namens Raum, Zeit und Ursächlichkeit von dem wahrnehmenden BEWUSSTSEIN, das individualisiert und veräußerlicht ist, formuliert worden. Das gesamte Universum setzt sich aus den drei Ideen von Raum, Zeit und Ursache zusammen. Sie sind die wirkliche Bedingung aller Erkenntnis und Erfahrung in einem Individuum, und aus diesem Grunde weigern sich diese Konzepte, selbst zu Objekten der Erkenntnis zu werden. Entweder erkennen wir alles in Begriffen von Raum, Zeit und Ursache, oder wir erkennen überhaupt nichts. Die Individualität unterliegt diesen Kategorien der relativen Erfahrung und daher ist die gesamte Erkenntnis im Universum relativ und phänomenal, - ein Notbehelf ohne letztendliche Gültigkeit. Da Raum, Zeit und Ursache die idealen und notwendigen Konstruktionen aller empirischen Erfahrung sind, sind die Objekte der Erfahrung ebenso nur bloße Bedingungen, 'Paßformen', die relativ zur WIRKLICHKEIT des Erfahrenden sind und keine Unabhängige EXISTENZ haben. Das Objekt der Wahrnehmung existiert nur für die Dauer der jeweiligen geistigen Zustände der Individuen, in denen das Objekt wahrgenommen wird. Unabhängig von dem Gedankenspiel des Wahrnehmenden gibt es keine beständige Wirklichkeit einer Objektform. Obwohl die ESSENZ der Welt und die der Individuen ABSOLUT WIRKLICH ist, - denn zu dieser essentiellen EXISTENZ gehört alles, was unbestechlich und unbegrenzt ist -, entbehren die Objekte in ihrer abgeschiedenen Natur jeglicher Wirklichkeit. Die Welt der Objekte in ihrem gegenwärtigen Zustand ist falsch und abhängig von relativen Wahrnehmungen; ihre 'Formen ' sind unwirklich, denn 'Form' als solche ist die eingebildete Konstruktion des auf Objekte ausgerichteten Zentrums des BEWUSSTSEINS im Universum, angetrieben von machtvollen Wunschimpulsen. Der KOSMISCHE GEIST handelt als das letztendliche Subjekt, dessen BEWUSSTSEIN der Schöpfer aller Formen auf allen Offenbarungsebenen ist. Die Welt, wie sie  sich manifestiert, oder anders ausgedrückt, die Handlung bzw. der Offenbarungsprozeß selbst ist sozusagen im Sinne einer Illusion aufzufassen, obwohl das Wesen der Welt oder die letztendliche SUBSTANZ der Welt ewig ist. Es ist die 'Form ' und nicht die 'ESSENZ', die unwirklich ist. Über die Natur eines jeden Objektes kann gesagt werden, daß sie fünffach ist: EXISTENZ, BEWUSSTSEIN, WONNE, Name und Form. Von diesen fünf Kategorien bilden EXISTENZ-BEWUSSTSEIN-WONNE die Selbst-identische UNMITTELBARE WIRKLICHKEIT von allem, so daß dieser SEIN-Komplex niemals aufhören wird zu sein. Diese unaufhörliche SELBST-VOLLKOMMENHEIT ist das ABSOLUTE. Name und Form der Welt sind, zusammen mit ihren Inhalten, nur eine Erscheinung in der WIRKLICHKEIT. Wenn das ABSOLUTE die alleinige WIRKLICHKEIT ist, können Raum, Zeit und Ursache nur bedeutungslose Begriffe sein.

"All dies ist, was das SELBST ist."

-BRIH.UPANISHAD, II.4.6.

 

"Dies ist das SELBST, dies ist das UNSTERBLICHE,

dies ist das ABSOLUTE, dies alles ist EXISTENZ."

-BRIH.UPANISHAD, II.5.1.

 Daß alle Beweismittel zur Bestimmung der exakten Natur der WIRKLICHKEIT und ihr Verhältnis zur Erscheinung scheitern, deutet auf den nicht erkennbaren Charakter der WIRKLICHKEIT hin. Deshalb wird ES auch als 'weder dies noch das' definiert. Im Eingeständnis unserer begrenzten Erkenntnis und unserer Unfähigkeit die WIRKLICHKEIT zu erkennen, ist unser Anspruch, ES zu erkennen mit eingeschlossen. ES wird durch relative Mittel (als unbegreifliches Objekt) erkannt, verwirklicht aber wird ES nur in der UNMITTELBAREN ERFAHRUNG, die über der relativen Erkenntnis angesiedelt ist.

  

BRAHMAN ALS GOTT ODER ISHVARA

 Das Verhältnis zwischen JIVA und ISHVARA wirft die weitere Frage nach der Rolle, die der 'Freie WILLE' und die 'NOTWENDIGKEIT' in der Evolution spielen, auf.  Wie erhebt sich die richtige Erkenntnis in JIVA ?  Es sollte mittlerweile klar sein, daß die Ursache der Entstehung von Erkenntnis letztlich keine wirkliche, sondern eine unwirkliche Gegebenheit ist. Da jegliche Unwissenheit oder Fesselung des BEWUSSTSEINS eine bloße Erscheinung ist, sollte deren Auflösung gleichermaßen eine Erscheinung sein. Tatsache ist, daß BEWUSSTSEIN immer frei ist. Wenn ES gebunden oder beschränkt erscheint, muß dies als falsch gelten. Eine falsche Beschränktheit wird durch eine falsche Freiheits-Ursache beseitigt, wobei nichts absolut WIRKLICHES benötigt wird. Traum-Erfahrungen sind unwirklich (vom Standpunkt des Wach-Zustandes aus gesehen), und die Ursache des Erwachens aus dem Traum mag ebenso etwas Unwirkliches sein wie entweder die leidvolle Erfahrung, von einem Tiger gejagt zu werden, von einem Baum oder Berg zu fallen, im Wasser zu ertrinken, von irgendwelchen Leuten überfallen zu werden, oder aber wie die wundervolle Erfahrung, an Festmahlen, Belustigungen usw. teilzunehmen. Ähnlich wird die Auflösung der Unwissenheit nicht durch ein ABSOLUTES PRINZIP verursacht, sondern durch eine relative Erscheinung in Form des auslaufenden PRARABDHA'S (karmische Bedingtheit), der Wirksamkeit von PURUSHARTHA (mensch­liches Streben nach Vollkommenheit) oder dem WILLEN ISHVARAS als handelnder 'NOTWENDIGKEIT'. Alle zusammen, einschließlich dem WILLEN ISHVARAS, sind lediglich Erscheinungen und keine WIRKLICHKEIT, womit sie nur empirischen Wert besitzen, was wiederum bedeutet, daß ihre Existenz durch die Erscheinung des individualistischen Bewußtseins bewirkt wird. ISHVARA muß solange als Tatsache akzeptiert werden, solange alle Erkenntnis in Begriffen der Individualität und des Welt-Bewußtseins ausgedrückt wird. Wenn das Individuum als solches transzendiert wird, sind auch ISHVARA und die Welt transzendiert. ISHVARA ist von regulierendem Nutzen, um die Gegebenheiten des empirischen Universums zu erklären. ER ist BRAHMAN, das in Beziehung zu den Erfahrungen des Individuums  erdachte ABSOLUTE.  Wenn also die Fesselung und die 'Gelegenheit' der SELBST-VERWIRKLICHUNG eine Tatsache sind, folgt daraus, daß die Ursache der Fesselung und die 'Gelegenheit' der Befreiung ebenfalls wahr sein müssen. In der Annahme der Fesselung als einer Wirklichkeit, ist die Wirklichkeit der Erfahrungs-Welt inbegriffen. Fesselung entspricht der Abwesenheit der UNENDLICHKEIT des BEWUSSTSEINS oder einer Begrenzung des BEWUSSTSEINS. Dieser Zustand kann nicht durch JIVA verursacht werden, da JIVA selbst die Wirkung (das Ergebnis) von Unwissenheit ist. Ebensowenig kann diese Fesselung nicht durch die Welt verursacht werden, solange wir mit Welt entweder eine Ansammlung von Individuen oder bloß träge Materie meinen. BRAHMAN kann diesen Zustand auch nicht verursacht haben, da ER Einzigartig ist. Um Fesselung zu erklären, bedarf es eines ISHVARA, der in Sich Selbst das BEWUSSTSEIN von BRAHMAN und des Universums kombiniert. Wenn ER die Ursache der Fesselung ist, kann auch nur ER allein die Ursache für die Befreiung sein. Doch die Hl. Schriften plädieren entschieden dafür, daß ISHVARA niemals die Ursache für das Böse oder für das Leid in der Welt ist. ISHVARA verursacht keine Bindung, da ER die Verkörperung der VOLLKOMMENHEIT ist. Es ist daher unlogisch, ISHVARA zur Ursache der Fesselung des JIVA' zu machen. Zweifellos ist Bindung in dem Sinne 'kosmisch', als sie von allen JIVAS im Kosmos erfahren wird, und dennoch können wir ISHVARA nicht die Urheberschaft dafür zur Last legen. Tatsache ist, daß die Ursache der Bindung nicht nur aus irgendeinem Faktor allein besteht, sondern, daß es eine wechselseitige Handlung  zwischen dem Subjekt und dem Objekt ist, die zur Erfahrung der Fesselung führt. Das ist der Grund, warum man sagt, daß Fesselung relativ ist.

 Irgendwie beinhaltet das Bindungsbewußtsein des JIVA die Vorstellung von der Existenz eines KOSMISCHEN ISHVARA. ISHVARAS EXISTENZ wird postuliert, nicht um IHM die Ursache der Bindung zuzuschreiben, sondern um eine Bedeutung und Erklärung für die Erfahrung einer Welt der Gebundenheit zu finden. Diese Erklärung ist allerdings relativ; Bindung, ihre Ursache und alles was damit in Zusammenhang steht ist relativ; und umgekehrt sind ISHVARA und das Universum ebenfalls relativ. All diese Dinge haben eine empirische Wirklichkeit und eine transzendentale Unwirklichkeit. Es ist das BEWUSSTSEIN von der Wirklichkeit einer letztlich falschen Gebundenheit, das die Zustimmung des Bewußtseins von seinen letztlich unwirklichen Wechselbeziehungen, d.h. der Welt und ISHVARA, erfordert.

 

Nun, hinsichtlich des 'Freien WILLENS' und der 'NOTWENDIGKEIT' muß gesagt werden, daß der normale JIVA aufgrund seines Bewußtseins von der Unvollkommenheit seiner Erkenntnis und Glückseligkeit  auch ein BEWUSSTSEIN von der Bemühung hat, die ihn auf die Beseitigung der Unvollkommenheit hinweist. Dies ist durch das im JIVA gegenwärtige BEWUSSTSEIN verständlich. Aber was ist es, was das Aufsteigen der rechten Unterscheidung und der Kraft der Vernunft im JIVA verursacht ? Man kann nicht sagen, daß dies von der Bemühung herrührt, da die Bemühung ohne eine solche unterscheidende Erkenntnis nicht möglich ist. Außerdem kann man nicht sagen, daß alle JIVAS diese Erkenntnis besitzen, da sie nicht in allen zu sehen ist. Tiere haben nicht eine solche Unterscheidungsfähigkeit. Wer verhilft ihnen auf eine höhere Bewußtseinsebene? Können wir sagen, daß ursprünglich alle JIVAS mit Unterscheidungskraft ausgestattet waren und all die Tiere, Pflanzen und unbelebten Dinge lediglich gefallene JIVAS sind? Das kann nicht sein, denn derjenige, der unterscheidungsfähig ist, kann nicht fallen. Außerdem, wie kamen nicht-unterscheidungsfähige JIVAS und Steine usw. in die EXISTENZ? Diese Fragen können nur gelöst werden, indem ein allmächtiger und allwissender ISHVARA oder die 'ABSOLUTE NOTWENDIGKEIT' bzw. das 'GESETZ des ABSOLUTEN'  als existent im Verhältnis zum Universum akzeptiert wird.

 Hat nun ISHVARA, - oder die 'ABSOLUTE NOTWENDIGKEIT' bzw. 'das GESETZ des ABSOLUTEN', wie wir IHN zu nennen pflegen, um frei zu sein von einer vermenschlichten Wirklichkeitsvorstellung, -volle Macht über JIVA , oder hat JIVA ein wenig Freiheit für sich selbst? Es hat keinen Zweck, die Schwierigkeiten, die durch die Idee der Unterscheidung zwischen ISHVARA und JIVA aufgrund der 'Regel von der Einheit der beiden' verursacht werden, zu erläutern. Das wäre ein unnützer Vorgang, da für ein fehlerhaftes Problem keine wirkliche Lösung gefunden werden kann. Selbst die Lösung müßte sich letztlich, aus logischen Gründen, als unwirklich zu erkennen geben. Wie die Wirkung beschaffen ist, so muß auch die Ursache sein. Somit haben jene JIVAS ohne die erforderliche Unterscheidungskraft oder Vernunft weder Unabhängigkeit noch eigene Freiheit, geschweige denn irgendwelche Verantwortlichkeit. In ihrem Fall ist es allein die 'ABSOLUTE NOTWENDIGKEIT', die wirkt. Bis hoch zur Ebene der vernunftbegabten menschlichen Wesen gibt es, - unabhängig von der 'NOTWENDIGKEIT' oder dem Zwang des Instinktes, über den der JIVA keine Kontrolle hat -, keine moralische Verantwortlichkeit und keine Handlungs-Freiheit. Das Göttliche Element ist in den subhumanen Wesen zugedeckt, was im Fall der vernunftbegabten menschlichen Wesen anders ist. JIVA, auf der Stufe des Menschen, wächst allmählich in das Angesicht der WAHRHEIT hinein, wo der Göttliche Funke zu blitzen beginnt und einen bestimmten Umfang an Freiheit und Verantwortlichkeit vermittelt. Da die Göttlichkeit jedoch noch nicht vollständig offenbar ist, ist diese Freiheit nicht voll, sondern begrenzt. Das träumende Subjekt lebt mit der Freiheit, in der Traumwelt zu handeln, wo es auch eine Traumwelt-Vernunft oder Traumwelt-Unterscheidungsfähigkeit gibt. Es muß hier daran erinnert werden, daß die Vernunft im Traum eine schwache Erinnerung an die wachende Vernunft ist, und die wachende Vernunft wiederum eine begrenzte Reflexion des ISHVARA-BEWUSST­SEINS. Im Traum sind Fortschritt, Rückfall, Freude und Leid erfahrbar, doch diese Erfahrungen des träumenden Individuums werden dann vom wachenden Individuum nicht erkannt. Tatsache ist, daß es zu diesem Zeitpunkt kein wachendes Individuum gibt, das vom träumenden gesondert existiert, da es mit Träumen beschäftigt ist. Und doch herrscht das Gesetz des wachenden Individuums über das träumende. Diese Analogie darf jedoch nur mit größter Vorsicht auf ISHVARA angewendet werden, da ER weder der Traumwelt JIVAS entleert, noch in diese verwickelt ist. Das ist eine Tatsache, da JIVA als Wahrnehmer der Welt, - der ISHVARA nicht kennt - , keine direkte Antwort von IHM (d.h., von BRAHMAN im Verhältnis zu JIVA) erhalten kann. Deshalb kann ISHVARA nicht für die besonderen Erfahrungen JIVAS in dessen Traumzustand der Welt-Wahrnehmung verantwortlich gemacht werden, obwohl ISHVARAS UNIVERSELLES GESETZ ganz allgemein jeden JIVA regiert.

 Folglich ist allein im Menschen eine wechselseitige Handlung des 'Freien WILLEN' und der 'NOTWENDIGKEIT' vorhanden, wobei beide ihre eigene Rolle im Erwachen aus dem träumenden oder gebundenen Individuum spielen. Diese Stellung muß akzeptiert werden, solange unsere Erläuterungen an das rein Empirische gebunden sind. Das Erwachen aus dem Traum muß nicht bloß im Sinne des Erwachens zum ABSOLUTEN SELBST, sondern ebenso in jede Höhere Stufe des empirischen Zustandes oder der Erfahrung verwendet werden.

 Die Unterschiede zwischen den unterscheidenden Kräften unterschiedlicher Menschen werden durch das Vorrecht von einigen von ihnen in der Skala ihrer Entwicklung gegenüber den anderen erklärt, und zwar in Abhängigkeit davon, ob sie vom tierischen Zustand aufgestiegen oder vom himmlischen 'Status quo' herausgefallen sind. Es erheben sich weder zwei Individuen zur gleichen Zeit vom animalischen Zustand, noch fallen sie gleichzeitig vom Göttlichen Zustand heraus, da es sich ansonsten um eine Identität dieser Individuen handeln würde. Das ist der Grund, weshalb keine zwei Denkstrukturen jemals übereinstimmen können. Im reinen selbst abgestimmten Zustand der Individualität entsteht nicht die Frage nach 'Freiem WILLEN' oder KRIYAMANA-KARMA, da es dort nur die 'NOTWENDIGKEIT' oder 'ISHVARAS SEIN-GESETZ ' gibt. Doch sobald das Ego zu arbeiten beginnt, übt sich das Individuum im 'Freien WILLEN' und kann diesbezüglich Zeichen des Leides und der Schmerzen offenbaren, wenn seine Bemühungen nicht korrekt auf ein nicht-selbstsüchtiges Ziel gerichtet werden, und zwar in dem Umfang, wie dies jeweils möglich ist. Im Ich-losen Zustand kann es keine leidvollen Erfahrungen geben, da eine solche Geburt direkt vom 'GESETZ der NOTWENDIGKEIT' verursacht worden ist und nicht durch den individuellen 'Freien WILLEN'. Der Mensch ist eine Mischung aus Göttlichem BEWUSSTSEIN und rohem Instinkt, so daß er mit der zuerst genannten Ausstattung ein wenig Wahlfreiheit hat, während er im zweiten Fall der 'NOTWENDIGKEIT' unterworfen ist. Bei jenen, durch ihre eigenen Handlungen in niedere Geburten gefallenen Menschen, funktioniert weder der frische 'Freie WILLE', noch ISHVARAS GESETZ, sondern das Ergebnis des vorangegangenen 'Freien WILLENS', der die Ursache zum Fall geworden war. Wenn wir 'Mensch' sagen, müssen wir ebenso alle Individuen wie die GANDHARVEN, DEVAS usw. hierin mit einschließen. Diese Wesen sind nicht nur aufgrund von gutem KARMA aufgestiegene Menschen, die deshalb auch sicherlich nach der Erschöpfung der Kraft ihrer Tugenden wieder fallen werden, sondern auch jene, die direkt durch ISHVARAS ursprünglichen WILLEN sich manifestiert haben. Selbst diese letztgenannten tragen den Egoismus in sich und unterliegen somit einem weiteren Abstieg, obwohl sie nicht fallen müssen, wenn sie ihre Unterscheidungsfähigkeit nutzen. 'Freier WILLE' ist die Funktion des HÖHEREN BEWUSSTSEINS, das jedoch immer mit einem Ego verknüpft ist, - denn in untermenschlichen und überindividuellen Wesen, die weder Egoismus noch konsequenterweise einen 'Freien WILLEN' abgesondert vom WILLEN ISHVARAS oder des UNIVERSELLEN GESETZES haben, ist dieser 'Freie WILLE' nicht vorhanden. In untermenschlichen Wesen ist es die vollständige Unterwerfung unter die Unwissenheit gegenüber dem 'GESETZ'. In überindividuellen Wesen ist es die Erkenntnis der WAHRHEIT und die vollkommene FREIHEIT, die die Abwesenheit von Egoismus und eines abgesonderten 'Freien WILLEN' bedingt. Solange dieser Egoismus verharrt, kommt es zu einer Verquickung des 'Freien WILLENS' und der 'NOTWENDIGKEIT', einem Mittelweg zwischen vollständiger Unterwerfung und vollkommener Freiheit. Die Freiheit oder der 'Freie WILLE' verhält sich umgekehrt proportional zur Empfindung der Individualität, die jemand von sich hat, und der, auf jemanden eindringende 'WILLE ISHVARAS' oder die KOSMISCHE KRAFT in Form der 'NOTWENDIGKEIT' ist direkt proportional zur Individualität. 'Freier WILLE' ist ein Anzeichen der Wunschlosigkeit und der Ausdehnung des Bewußtseins in Abhängigkeit von deren angedeutetem Umfang, die 'NOTWENDIGKEIT' hingegen ist ein Anzeichen, das auf das Gegenteil hinweist. ABSOLUTE FREIHEIT ist das BEWUSSTSEIN davon, selbst identisch zu sein mit der 'ABSOLUTEN NOTWENDIGKEIT' oder dem 'GESETZ', das, - solange das Individuum noch leer ist vom BEWUSSTSEIN der EINHEIT und immer noch angezogen ist vom dualen Bewußtsein -, zwingend auf dieses einwirkt. Genau genommen ist das Minimum an Wahlfreiheit, welches das menschliche Wesen zu besitzen scheint, eine begrenzte Reflexion des 'ABSOLUTEN GESETZES' auf einer bestimmten Stufe.

 Die Frage des 'Freien WILLENS' und der 'NOTWENDIGKEIT' kann nur mit dem Verständnis von der Beziehung JIVAS zu JAGAT (Welt) und ISHVARA verstanden werden, denn es besteht immer eine sehr intime Verbindung von Einem zum Andern. Keiner hat eine Vorrecht gegenüber dem Andern. Diese Drei erheben sich gleichzeitig im BEWUSSTSEIN und versinken auch gemeinsam wieder in diesem. Es gibt keine Ursache-Wirkung-Beziehung zwischen diesen notwendigen Merkmalen der Erfahrung. ISHVARA ist der Name, der dem HÖCHSTEN ABSOLUTEN verliehen wird, wenn ES im Universum der dualen Erfahrung erscheint, um dort zu operieren und um allen Vorstellungen und Wahrnehmungen innerhalb des Universums einen Wert zu verleihen.

 Für das Individuum, das durch die Begrenzungen des Intellektes, der wiederum in den Prozeß von Raum, Zeit und Ursächlichkeit, - den schweren und unleugbaren Tatsachen des Lebens -, eingebunden ist, ist der unbestimmbare BRAHMAN ein Gegenstand der Spekulation. Dem Menschen, der auf diese Welt beschränkt ist, wird die ESSENTIELLE WIRKLICHKEIT als  außerhalb der ERKENNTNIS befindlich erscheinen, da sein Höchstes (Ideal)  stets seinem höchsten Denken entspricht. Der menschliche Verstand kann von seinem begrenzten Standpunkt aus die WIRKLICHKEIT nicht verstehen. Wir können nicht durch das WIRKLICHE sehen und sagen, "das ist das WIRKLICHE", da das WIRKLICHE dem WIRKLICHEN nur in Selbst-identischer, Nicht-objektiver ERFAHRUNG bekannt ist. Die ABSOLUTE WAHRHEIT kann nicht ausgedrückt, ja nicht einmal gedacht werden; ansonsten würde ES seine WAHRHAFTIGKEIT verlieren und unwahr werden. 'Unser ABSOLUTES '  ist das 'konzeptionelle ABSOLUTE ', und dieses Höchste BEGRIFFLICHE ist 'GOTT ' oder 'ISHVARA ', das unbestimmbare WIRKLICHE, das Objekt der Frommen MEDITATION und der Höchsten Form der VEREHRUNG, - PARA-BHAKTI -, während BRAHMAN das EWIGE SUBJEKT REINER UNBESTIMMBNARER ERKENNTNIS ist. Der relative Intellekt sucht nach einer Lösung der Schwierigkeiten, die durch die Vorstellung von der Unabhängigkeit dieser Welt und den darin stattfindenden Erfahrungen des Individuums gegenwärtig sind. Die kausale Beweisführung zwingt den Intellekt dazu, sich auf eine 'konzeptionelle WIRKLICHKEIT ' zu stützen, die diese Welt ohne Preisgabe der Idee der Ursache zu erklären versucht. Der Intellekt, der unentrinnbar durch die Kausalität gebunden ist, kann diese WIRKLICHKEIT, die sich über der Ursache und deren Helfershelfern befindet, nicht verstehen. Das reine UNTEILBARE SEIN kann nicht das Objekt der Verstandesmühen mittels phänomenaler Merkmale sein. Die menschlichen Wesen neigen im allgemeinen zu dem Gefühl der Notwendigkeit eines HÖCHSTEN HERRSCHERS, der Gerechtigkeit walten läßt und die Früchte ihrer Gedanken und Handlungen an sie verteilt. Dieses Empfinden erfordert einen barmherzigen und liebenden GOTT, der auf diese Gefühlsäußerungen eingeht und sie von allen Sorgen befreit. Der religiöse Geist beteuert, daß die Welt einen GOTT benötigt, der nicht als ein bloßer logischer Irrtum verbreitet werden kann. Er zollt den Gesetzen der Vernunft nur wenig Beachtung und unterwirft dieselben den Gesetzen der Gefühle des Menschen. Für ihn kann 'ERKENNTNIS, die nur SICH ALLEIN kennt' und sonst gar nichts, die Bestrebungen des Individuums nicht befriedigen. Die innere (geistige) Verfassung (des Individuums) wird auf das Universum ausgedehnt, was das natürliche Gefühl zur Folge hat, daß eine solche WIRKLICHKEIT, - in der 'Vielheit und Einheit', 'Tod und Unsterblichkeit' bloße Schatten der WIRKLICHKEIT und deren gegensätzliche konzeptionellen Aspekte sind -, für immer unlenkbar und nicht erkennbar für das, im Universum der Erfahrungen existierende, Individuum sein wird. Einen ganzheitlichen Einblick in das WIRKLICHE zu haben, entspricht dem Versuch, über den Intellekt hinaus zu gelangen; einen teilweisen Einblick zu nehmen, heißt, eine Niederlage im Erkenntnisversuch des WIRKLICHEN hinzunehmen. Dies verdeutlicht die Verfahrensweise des begrenzten menschlichen Verstandes, die tiefsten Probleme des Lebens und was darüber hinaus führt, zu lösen.

 Das relative Individuum kann in der HÖCHSTEN WAHRHEIT nur relative Tatsachen deuten, wie großartig und überwältigend seine Vorstellungen auch sein mögen. Für den individuellen Menschen ist GOTT ein Überdimensionaler MENSCH, - die KOSMISCHE PERSON -, die alles Wissen und Macht innehat. ER ist der Schöpfer, Erhalter und Zerstörer des Universums, der in Seiner unübertrefflichen Herrlichkeit über die Erde und den Himmel herrscht, der die Sonne, den Mond und die Sterne gestaltet, und der sich weit über den grenzenlosen Raum hinaus ausdehnt. ER ist die Höchste Vollkommenheit und Herrlichkeit; das vollständige Gegenteil dessen, was das begrenzte Individuum ist. GOTT ist in jedem erdenklichen Sinne Unbegrenzt. ER ist die HÖCHSTE SEELE, der VATER der gesamten Schöpfung. ER schließt nichts aus; alles befindet sich in Seinem Übermenschlichen KÖRPER.ER ist 'VIRAT ', der Universale KÖNIG, die Absolut Vereinigende FORM, in der alle Wesen zusammengebunden sind wie Perlen auf einer Schnur. ER ist 'HIRANYAGARBHA ', das innere belebende Lebensprinzip von allem. ER ist 'ISHVARA ', das UNIVERSELLE BEWUSSTSEIN, das die gesamte Offenbarung erhält. Es gibt nichts neben IHM. ER triumphiert und strahlt in Seiner eigenen GRÖSSE. ER ist der OZEAN von allem, das zu allen Zeiten und an jeglichem Ort immer das Beste ist.  ER ist die Unmittelbare VORAUSSETZUNG und GEGENWART von allem, was jemals sein kann. ER ist 'ANTARYAMIN ', - der Innere ÜBERWACHER; 'AVYAKRITA ', der, über der Sinneswahrnehmung befindliche UNMANIFESTIERTE; 'SUTRATMA ' oder die alle miteinander verknüpfende FADEN-SEELE; das 'MAHAPRANA ', die Kosmische LEBENSENERGIE. ER dient als Höchstes OBJEKT aller Verehrung und Anbetung.

 ISHVARA ist die manifestierte Form der WIRKLICHKEIT. ER ist SAGUNA-BRAHMAN, das mit allen glorreichen Attributen ausgestattete ABSOLUTE. Diese Qualifizierte WIRKLICHKEIT ist trotz ihrer, für jeden von uns zugänglichen Größe, nicht das HÖCHSTE in Sich Selbst. Solange in unserem Denkprozeß, unserem Leben und unseren Handlungen das WIRKLICHE in Sich Selbst von keinem praktischen Nutzen ist, ist es hinsichtlich unseres Lebens unwesentlich, ob die HÖCHSTE WIRKLICHKEIT qualifiziert ist oder nicht. Solange wir innerhalb der Grenzlinien des Intellektes leben, kann das HÖCHSTE in Sich Selbst nicht als Bestandteil unserer Lebensbetrachtungen Verwendung finden, so daß wir mit dem zufrieden sein müssen, was das HÖCHSTE von unserem Standpunkt aus ist.

 Die KOSMISCHE PERSON, die vom Standpunkt der Intuition BRAHMANS aus keine unabhängige Existenz darstellt, ist wirklicher als das Universum und dessen individuelle Bestandteile. Obwohl unterhalb BRAHMANS (angesiedelt), ist GOTT über der Welt und beherrscht diese als deren vollendeter MEISTER. Solange unsere Persönlichkeit wirklich ist, ist GOTT ebenso wirklich und sollte der Persönliche GOTT als unwirklich zurückgewiesen werden, dann haben wir nicht länger das Recht, als Individuen weiterzuleben. Der persönliche ISHVARA steht dem unpersönlichen BRAHMAN nicht gegenüber, sondern 'ist BRAHMAN, wie wir IHN verstehen '. Als Individuen sind wir jedoch relativ, so daß unsere relative Sicht in eine höhere Erfahrung verfeinert und transzendiert werden muß. Die Genauigkeit der unterscheidenden Fähigkeit wird dringend benötigt, um das äußerste an spiritueller Nicht-Weltlichkeit anzunehmen, - ob dies unserer schwächeren menschlichen Verfassung nun angenehm ist oder nicht. Unsere Unfähigkeit, die strengste WAHRHEIT anzunehmen, erfordert einen GOTT, der relativ ist zur empirischen Welt. Eine vernünftige Wahrnehmung akzeptiert nicht einfach die beständige Wirklichkeit eines kosmisch objektiven GOTTES, da die Form der objektiven Existenz nicht unabhängig vom Prozeß des subjektiven Bewußtseins ist. Wenn alle Erscheinungen unverständlich sind, dann ist ISHVARA, der auch nur eine Erscheinung des WIRKLICHEN sein kann, ebenfalls unverständlich. Es ist nicht BRAHMAN, der Sich in 'GOTT und die Welt' verwandelt, sondern das erkennende Subjekt, das BRAHMAN als solchen benutzt. Wenn das Denken aufhört, erlischt das Individuum und mit ihm zusammen versinken ISHVARA und die Welt ins REINE SEIN. Es ist nicht möglich, restlos damit zufrieden zu sein, daß ein Persönlicher GOTT die letztendliche WIRKLICHKEIT ist, wie unerfreulich dies auch für all jene sein mag, die nicht darauf verzichten können, in weltlichen Begriffen zu denken. Der Philosophie-Anwärter, der von der brennenden Leidenschaft, sich selbst in die EXISTENZ zu integrieren, erfaßt ist, hat nicht die stumpfsinnige Geduld, sich in dem langsamen Prozeß der fortschreitenden Selbst-Transzendenz durch die Kanäle der unterschiedlichen Stadien der WIRKLICHKEIT hindurch, aufzuhalten. Der höchste wissenschaftliche Geist versucht immer, das GANZE zu erfassen, und zwar nicht im Sinne des größten Teiles, da Teilhaftes innerhalb der EXISTENZ unlogisch und eine unwissende Vorstellung ist. Die, von ihrem eigenen SELBST abhängige WAHRHEIT, transzendiert selbst die Ideen von der Allwissenheit und Allmacht, da diese in Beziehungen verwickelt sind, die wiederum Begrenzungen des ABSOLUTEN sind. In den VEDAS und den UPANISHADEN finden wir dennoch ausführliche Beschreibungen über einen PERSÖNLICHEN PURUSHA, -PURUSHOTTAMA-, der QUELLE, SEIN und ENDE des Universums, die uns eine Idee von der unparteiischen Haltung der alten SEHER (RISHIS) gegenüber den unterschiedlichen Vorstellungen von der WIRKLICHKEIT und von den glänzenden Visionen des 'EINEN' in ihren vielen Visionen, die sie hatten, vermitteln, und die sie in den feinsten Zuständen des BEWUSSTSEINS von der 'GESAMTHEIT DER SCHÖPFUNG' zum Ausdruck brachten.

 Die erste Offenbarung des KOSMISCHEN PURUSHA wird in der dargebrachten Hymne des RIGVEDA, 'PURUSHA-SUKTA' genannt, folgendermaßen ausgedrückt:

 "Tausendköpfig war PURUSHA, tausendäugig und tausendfüßig. ER, der die Erde nach allen Seiten hin bedeckt, dehnt SICH SELBST ‘Zehnfinger lang’ darüber hinaus. All dies ist PURUSHA allein, - was immer war und was immer sein wird. Ein Viertel von IHM sind alle Wesen, (doch) dreiviertel von IHM erstreckt sich unsterblich in den (Höchsten) Himmel."   -RIGVEDA, X.90.            

 Das Wort 'tausend' wird hier verwendet, um 'zahllos' oder 'unendlich' anzudeuten und nicht, um damit irgendeine Zahl festzulegen. Diese Beschreibung vermittelt eine Idee von der Allumfassenden NATUR des HÖCHSTEN PURUSHA. ER offenbart Sich nicht vollständig in der Form des Universums; nur ein kleiner Aspekt von IHM kommt in der Relativität zum Ausdruck. Der größere Aspekt von IHM existiert unmanifestiert und verweilt als das leuchtende UNVERÄNDERLICHE. Dies heißt nicht, daß GOTT in Aspekte unterteilt oder in Teile geschnitten werden kann, vielmehr bedeutet es sprichwörtlich, daß GOTT in keiner Weise begrenzt, sondern über jeder Offenbarung befindlich und ebenso das SELBST all dessen ist, was offenbar ist. GOTT ist beides, 'Immanent und Transzendent', da ER in jeder Ecke dieses Universums gegenwärtig ist und dieses außerdem in einem unvorstellbaren Ausmaß transzendiert. Die WAHRHEIT ist weder in der Philosophie des >PANTHEISMUS< noch in der des >DEISMUS< zu finden, die GOTT entweder als völlig in der Welt sich erschöpfend oder als gänzlich über der Welt befindlich anschauen. Das Universum ist eine ORGANISCHE EINHEIT, die durch das einfache SEIN GOTTES aufrechterhalten wird, von DEM alles ein Teil ist und DER die innere und äußere Wirklichkeit von allem ist. Die Philosophie des >ABSOLUTISMUS< ist der wahre Gipfel, die Verdichtung aller wirklichen Philosophie, der gemäß der ABSOLUTE GEIST oder der ABSOLUTE GOTT die einzige WIRKLICHKEIT ist.

 Die nebensächlichen Attribute, die sog. 'TATASHTA-LAKSHANAS ' des ABSOLUTEN, lassen ES als ISHVARA erscheinen, dessen EXISTENZ im Verhältnis zum offenbarten Uni­versum besteht.

 

"Die Sonne geht in IHM auf und wieder unter." "Die leuchtenden Reiche der Himmel sind Sein Haupt, die Sonne und der Mond sind Seine Lebensenergie, das Universum ist Sein Herz, die Erde ist Sein Fußpaar, - DIES ist das innerste SELBST aller Wesen"   

-MUND.UPANISHAD, II.1.4.

 Die uns bekannte Wirklichkeit ist im Verhältnis zu diesem SELBST begrenzt. Wir lieben und besitzen Dinge, wir sprechen, handeln und denken deshalb, weil wir das SELBST sind, DAS geliebt, besessen, ausgesprochen, getan und gedacht wird. Die Welt existiert in unserem BEWUSSTSEIN, welches das GROSSE SELBST von allem ist. Etwas anderes als unser SELBST gibt es nicht; das SELBST ist 'VAISHVANARA ', der GOTT von allen, und alle 'sind', weil ER 'ist'. Unser SELBST und Sein SELBST sind eins; was immer außerhalb von uns ist, ist ebenso in uns:

 "In WIRKLICHKEIT ist dieser Raum im Herzen so groß wie dieser äußere Raum; in IHM sind beide enthalten, sowohl Himmel und Erde, Feuer und Luft, Sonne und Mond, Blitz und Sterne, was immer hier ist und was nicht hier ist, - all das ist in IHM enthalten."         

-CHH.UPANISHAD, VIII.1.3.

 Darin ist eine Erklärung enthalten, die für Aufruhr im weltlichen Menschen sorgt, nämlich, daß >das Individuum und der Kosmos, die Seele und GOTT eins sind< ! "DAS BIST DU, o SVETAKETU!" Dies mag nicht so leicht akzeptiert werden, doch nur das allein kann die unauslöschliche WAHRHEIT sein, die alle Widersprüche im Leben beseitigt. "PURU­SHA ist, was ist und was nicht ist." "DERJENIGE, der in allen Wesen wohnt und etwas anderes ist als die Wesen; den die Wesen nicht kennen, dessen Körper alle Wesen sind, der alle Wesen von innen her beherrscht, - dies ist Dein SELBST, der Innere HERRSCHER, der UNSTERBLICHE" (BRIH.UPANISHAD,III.7.15). "Im Inneren des Herzens ruht der HERRSCHER von allem, der HERR von allem, der KÖNIG von allem..., ER ist der HERR aller Wesen, der KÖNIG aller Wesen, der BESCHÜTZER aller Wesen" (BRIH.UPANISHAD, IV.4.22).

 "ETAD VAI TAT, - DIES ist wahrlich DAS."

 Der HÖCHSTE HERR ist die KRAFT der Kräfte. "Ohne den WILLEN des HÖCHSTEN kann AGNI (Feuer-Gott) keinen Strohhalm verbrennen und VAYU (Wind-Gott) keinen Strohhalm wegblasen" (KENA UPANISHAD, III). Alle Wesen, selbst Götter, die größten Kräfte, üben ihre Funktionen gemäß der Verbindung zu diesem HÖCHSTEN aus. Der GROSSE HERR kann alles geschehen oder ungeschehen machen oder das gesamte Universum im Bruchteil eines einzigen Momentes aufblitzen lassen! ER ist der ungebundene OZEAN der ERKENNTNIS. Selbst die Götter können IHN nicht sehen. Auch durch Buße und Opfergaben kann ER nicht erkannt werden. "Dieser ATMAN ist durch bloße Diskussion, den Intellekt oder durch angespanntes Zuhören nicht zu verstehen; ER wird nur durch denjenigen erreicht, den ER (zur Offenbarung Seiner NATUR) auswählt" (KATHA UPANISHAD, I.2.23). Das alles heißt aber nicht, daß GOTT ein selbstherrlicher Tyrann ist, der ohne Rücksicht auf die Gefühle und Beschwerden anderer, handelt wie ER will. Dies käme einer kärglichen Auslegung dieses Satzes gleich. GOTT erwählt alle und schließt niemanden aus, der zu IHM aufschaut; ER hilft selbst denjenigen, die IHN nicht kennen! Selbst ein Schurke und ein Kastenloser erreichen IHN durch Seine GNADE. GOTT ist der OZEAN der BARMHERZIGKEIT. ER ist der gerechteste HERRSCHER, der meist geliebte VATER von allen. Die Bedingung >den ER auserwählt<, markiert den höchsten Faktor der Selbst-Aufopferung, der Selbst-Ver­leugnung und das eigene Miteinander mit der GÖTTLICHEN KRAFT wider die egoistischen Unternehmungen des Individuums, - einschließlich der sog. Wissenschaft usw. -, die zu Eigendünkel und zu unangemessenem Stolz führen. Dieser Absatz bedeutet auch, daß ER nur durch DAS zu erreichen ist, was jemand zu erreichen sucht, d.h., der SUCHER ist selbst das Höchste OBJEKT und somit auch das GESUCHTE. Das Subjekt und das Objekt sind in WAHRHEIT EINS. Man sollte keine getrennte Unabhängigkeit mit der Hoffnung auf ein erfolgreiches Ergebnis geltend machen. Wir werden auch darauf hingewiesen, das BEWUSSTSEIN eines EINZIGEN PURUSHA zu haben, selbst wenn wir verschiedenen Gottheiten Opfergaben anbieten. Die Vielzahl der Götter in den VEDAS entstammen keineswegs den kindischen Vorstellungen unreifer Schwärmer, die lediglich den übermenschlichen Kräften zu schmeicheln wußten; vielmehr handelt es sich hierbei um die Visionen der SEHER und deren überfließende ekstatische Freude beim Anblick des GROSSEN PURUSHA, der Sich in der wonnevollen Offenbarung Seiner SELBST in Seiner Universalen FORM übertrifft. Den VEDISCHEN SEHERN erschien diese Welt als die seligmachende Flut des übervollen Reichtums GOTTES. Dieses HÖCHSTE EINE ist das OBJEKT spiritueller Liebe. Alle Wesen haben ein angeborenes Verlangen, ja eine Liebe, ES zu erreichen. "ES wird großes Verlangen, - LIEBE -, genannt und ES wird als solches verehrt, und derjenige, der ES kennt, wird von allen Wesen geliebt und nach ihm wird verlangt" (KENA UPANISHAD,IV.6.). Dem transzendentalen Wunsch dieses GROSSEN WESENS gemäß, wird das gesamte Universum systematisch hervorgebracht, gerecht beschützt und von der Wurzel bis zum Zweig wieder ausgelöscht. ISHVARA  ist der ABSOLUTE BRAHMAN, der im Universum wirkt.

 Dies ist die NATUR der WIRKLICHKEIT, wie sie erscheint, um all die Namen und Formen anzulegen, obwohl diese drei Aspekte das EINE SEIN sind, - das SELBST (BRIH.UPANISHAD, I.6). Die UPANISHADEN machen keinen großen Unterschied zwischen ISHAVARA und BRAHMAN; sie halten daran fest, daß "BRAHMAN beides ist, das Geformte und das Ungeformte" (BRIH.UPANISHAD, II.3.1). Damit stimmen sie beiden Standpunkten zu, dem phänomenalen und dem absoluten. Die Beweise für die Existenz ISHAVARAS kehren sich in Beweise für die Existenz BRAHMANS um. Tatsächlich kann es keinen strengen logischen Nachweis für die Existenz ISHVARAS geben, der verschieden von BRAHMAN ist. In dem Moment, wo wir etwas zulassen, das ISHVARA von BRAHMAN unterscheidet, fördern wir damit eine Wirklichkeit, die weder ISHVARA noch BRAHMAN ist. Das ABSOLUTE, das immer angefüllt ist mit SICH SELBST, erlaubt keinerlei zusätzliches Prinzip, das die REINE EXISTENZ begrenzen würde. ISHVARA ist BRAHMAN, ausgezeichnet durch den Schöpferischen Willen.

 Wenn es kein Ende der innewohnenden Natur BRAHMANS gibt, und wenn BRAHMAN als ISHVARA so erscheint wie ein 'Seil als Schlange erscheinen kann', dann kann ISHVARA keine von BRAHMAN verschiedene Wirklichkeit haben. BRAHMAN erscheint als die Höchste PERSON (PURUSHA-VIDHA) und mit diesem 'Werden' würde 'DAS was IST' als etwas erscheinen, das, zumindest zeitweise, aufhört zu sein. Eine solche Vorstellung wendet sich jedoch gegen den wahren Kern der WIRKLICHKEIT BRAHMANS. Daß BRAHMAN auf irgendeine Weise zu ISHVARA 'wird ', ist keine Tatsache, denn wäre dies so, dann würde die gesamte Philosophie, die die EXISTENZ der ABSOLUTEN WIRKLICHKEIT postuliert, in einen Selbst-Widerspruch und Absurdität einmünden. BRAHMAN in eine andere Form zu gießen, heißt, BRAHMAN zu verleugnen. Diejenige Theorie, die an ISHVARAS Schöpfung von Individuen festhält, - die für die Natur der manifestierten Welt, die wiederum durch die Kräfte vorausgegangener Zyklen der Welten bestimmt wird, verantwortlich sind- , macht ISHVARA zu einem Geschöpf der Zeit, entblößt IHN seiner Allmacht und Freiheit, und erzeugt eine ewige Dualität zwischen ISHVARA und den Kräften der Schöpfung in Form von stofflicher Materie, zusätzlich zu einer wirklichen Vielfalt an Individuen. Ein solch künstlicher Blickwinkel auf ISHVARA zeigt, daß sie (die Theorie) nur als praktische Erfindung zur Erklärung der Schwierigkeiten des Individuums einen Wert besitzt, und daß sie nicht dazu in der Lage ist, ISHVARA so zu 'begreifen', wie ER wirklich 'in Sich Selbst' ist. Diese Schöpfungsansicht stellt ein bedauerliches Echo der SANKHYA-Philosophie dar, die so kühn eine Mehrzahl von Wirklichkeiten behauptet, daß sie für all die Schwierigkeiten blind wird, die durch solch eine Behauptung entstehen. Eine ewige Vielheit oder Dualität widerspricht der ABSOLUTHEIT der WIRKLICHKEIT, was der Verleugnung der WIRKLICHKEIT gleichkommt. Wenn gesagt wird, daß ISHVARA nicht direkt mit der Schöpfung verknüpft ist, sondern nur bei der Offenbarung der Welt behilflich ist, die durch die schlafenden Potenzen der unbefreiten Individuen erzwungen wird, dann entsteht die Frage, - wer erschuf die Individuen?

 Selbst die Ansicht, daß ISHVARA allein durch seine bloße Existenz als eine Ursache der Manifestation sämtlicher Potentiale vorangegangener Weltzyklen handelt, rechtfertigt nicht die Position eines ISHVARA, der vollständig getrennt von BRAHMAN ist. Denn dies könnte ebenso durch BRAHMAN SELBST bewirkt werden, da ISHVARAS Anteil (an der Manifestation) lediglich darin beruht, Handlung durch SEINE bloße 'EXISTENZ' hervorzurufen. Wenn gesagt wird, daß Handlung ein möglicher Anteil ISHVARAS ist, der nicht dem UNVERÄNDERLICHEN BRAHMAN zugerechnet werden kann, dann bleibt die Frage, "was bringt ISHVARA dazu, überhaupt zu handeln", weiterhin unbeantwortet. Dieser Einwand gilt ebenso für die Theorie, daß ISHVARA SICH SELBST als Viele vorstellt. Mitleid, Notwendigkeit und Spiel (LILA) können keine befriedigende Antwort geben, da BRAHMAN weder Mitleid mit SICH SELBST haben kann, noch zu irgendeiner Handlungs-Notwendigkeit gezwungen wird und auch nicht als HÖCHSTE VOLLKOMMENHEIT ein Bedürfnis nach Unterscheidung oder Spiel empfindet. Ohne die Wahrnehmung von Dualität können weder Mitleid gezeigt, noch Notwendigkeiten (zu irgendeiner Handlung) empfunden, geschweige denn Spiele (LILAS) gewünscht werden. Diese Ansichten sind unvereinbar mit der Nicht-Dualität BRAHMANS.

 Es wird gesagt, daß die Individuen nur die Formen sind, die ISHVARA Sich vorstellt, Selbst zu sein. Wenn ISHVARA allmächtig ist, dann kann ER jederzeit damit aufhören, Sich so etwas vorzustellen. Wenn ER die Schöpfung zu jeder Zeit, nach jedem Zyklus der Welten erschaffen und wie eine Uhr arbeiten muß, dann kann ISHVARA nur eine Maschine sein und scheint keine Freiheit vom Denken und Handeln zu haben. Mehr noch, - ER scheint in strenger Übereinstimmung mit den Regeln, die ER Selbst aufgestellt hat, arbeiten zu müssen! Wenn sich ISHVARA der Zustand der Auflösung des Universums am Ende eines Zyklus als erzwungene Erfahrung aufdrängt, dann ist ER nicht weiter ISHVARA, der HERR. Wenn ER dies andererseits freiwillig auf sich nimmt, besteht kein Grund dafür, warum ER Zyklus für Zyklus weiter erschaffen sollte, gerade so, als sei dies Seine verbindliche Pflicht. Freiheit und das Gefühl der Pflicht stehen sich unvereinbar gegenüber. Wenn ISHVARA nichts mit der Schöpfung zu tun hat und lediglich die Individuen ihre Fesselung und Befreiung irgendwie durch eine Art von Beziehung zum ABSOLUTEN herstellen, dann besteht kein Grund dafür, weiterhin einen ISHVARA zu postulieren, der von BRAHMAN verschieden ist.

 Es kann kein Verharren der befreiten SEELEN bis zum Ende des Weltzyklus in ISHVARA geben, es sei denn, der Weltzyklus ist eine objektive Tatsache in Relation zum ABSOLUTEN. Es gibt allerdings keinen zuverlässigen Beweis für die Existenz eines objektiven ewigen Prozesses, außer in Beziehung zu den JIVAS oder den Individuen des Universums. Ist die Welt ewig oder nicht ewig? Wenn sie ewig ist, was geschieht mit ihr, nachdem JIVA SELBST-VERWIRKLICHUNG erreicht hat? Wenn sie weiterhin besteht, würde das ABSOLUTE SELBST zu einem Subjekt werden, das eine äußere Welt erkennt, was wiederum bedeuten würde, daß es etwas Zweites zum SELBST gäbe. Ist die Welt nicht ewig, dann hätte sie ein Ende und ISHVARA wäre nur ein anderer Name für BRAHMAN und keine weitere Möglichkeit, da die Welt als besondere Form ISHVARAS nicht-existent wäre. In solch einem Fall kann es kein Verharren der JIVAS in ISHVARA bis zum Ende des Weltzyklus geben, vorausgesetzt, die Individualität ist vollständig transzendiert worden. Diese unmittelbare Selbst-Transzendenz ist 'SADYO-MUKTI'. Sollte aber etwas von dem Individuum in JIVA zurückbleiben, was es noch vom UNMITTELBAREN KAIVALYA (Zustand der Befreiung) zurückhält, dann kann es nicht sein, daß es (das Individuum) bis zum KALPA (Kosmische Schöpfungs-Zeitspanne) einer anderen Person warten muß, da das KALPA-Ende das Ende seiner eigenen Individualität ist, wonach es nicht mehr von der ERFAHRUNG des ABSOLUTEN abgehalten werden kann. Daher kann es so etwas wie 'SARVA-MUKTI' oder UNIVERSELLE BEFREIUNG außerhalb der Befreiung aller JIVAS, und zwar unabhängig und zu allen Zeiten, nicht geben. Dies steht jedoch nicht im Widerspruch zur Theorie des 'KRAMA-MUKTI ' (fortschreitende Befreiung), da letztere nur die vorübergehend vom JIVA angenommene Form eines feinstofflichen und durchdringenden geistigen Wesens ist, bis die Kräfte einer solchen objektiven Erfahrung durch die ERFAHRUNG als solcher erschöpft sind. ISHVARA ist solange wirklich, solange JIVA wirklich ist; sobald letzterer REINES BEWUSSTSEIN verwirklicht, kann ihn niemand mehr von dieser VERWIRKLICHUNG zurückhalten. Doch bis dieser Zustand erreicht ist, muß es akzeptiert werden, daß ISHVARA, - das 'GESETZ des ABSOLUTEN '-, JIVA eindeutig kontrollieren wird. Wenn wir andererseits der Behauptung zustimmen sollten, daß selbst der befreiten Seele im Zustand ISHVARAS der Zutritt zur VOLLSTÄNDIGEN VOLLKOMMENHEIT verwehrt wird, dann entspräche dies der Zulassung eines Tyrannen, der unabhängig von den befreiten Seelen handeln kann wie er will, - selbst gegen die befreiten Seelen, die mit der WAHRHEIT vereint sind - , was einer Theorie entspräche, die indirekt die Möglichkeiten der Parteilichkeit ISHVARAS, der ewigen Verdammnis der Seelen und weitere solcher unhaltbarer Positionen auferstehen ließe. Solch ein ISHVARA mag diese Seelen ewig in Sich Selbst festhalten und braucht sie ohne ersichtlichen Grund nicht einmal am Ende des KALPAS freizulassen. Wenn gesagt wird, daß sie wegen der Existenz eines objektiven ISHVARA' bis zum Ende des KALPA' festgehalten werden, dann entsteht die Frage erneut, "was veranlaßt ISHVARA bis zum Ende des KALPA' zu verweilen?", außerdem ist es ohne Bedeutung (zu sagen), daß es ein Objekt im Verhältnis zum befreiten SELBST geben kann. Solch eine Theorie, bis zu ihren logischen Grenzen ausgedehnt, verhilft sich in ihrer Gesamtheit selbst zur Absurdität.

 Weiterhin würde die Ansicht, daß die befreiten Seelen im ISHVARA-Zustand bis zur Auflösung von ISHVARA nach dem Universellen Zyklus warten sollten, lediglich anzeigen, daß ISHVARA selbst vom Prozeß der Schöpfung, Aufrechterhaltung und Auflösung des Universums beherrscht wird, und daß ER nicht die Freiheit hat, diesen Prozeß zu beenden, obwohl dies Sein eigener Wille ist. Wenn der Weltprozeß nur ein Spiel ISHVARAS ist, kann dieses nicht zu einer strengen Regel werden, da die Regel einer Pflicht kein Spiel sein kann. Wir können nicht sagen, daß ISHVARA am Prozeß der systematischen Weltmanifestation festhalten sollte usw., da Offenbarung und alles, was damit zusammenhängt innerhalb der Zeit ist und ISHVARA selbst als die Bedingung von Zeit erachtet wird. Die Theorie, daß die Schöpfung von ISHVARA unabhängig ist von jener der Individuen, wobei die letztere die Ursache von Bindung ist, stellt eine Überstülpung von relativen Werten auf universell existente und eigenschaftslose Objekte dar und ist nicht überzeugend. Diese Theorie zieht scheinbar in Betracht, daß der menschliche Verstand etwas denken oder erkennen kann, selbst wenn er von allen Wünschen und ihren Eindrücken entschlackt ist. Denken ist ein aktiver Prozeß und dasselbe wie die Bewegung eines Wunsches oder Willens; seine Abwesenheit allein kann der Zustand des reinen Gleichgewichtes und der Harmonie über den Bewegungen des erkennenden Prozesses sein. Jede Form von Erkenntnis in einem Individuum ist ein Prozeß, und REINES GLEICHGEWICHT, das frei von allen Bewegungen ist, - die allein dem Prozeß seinen Wert verleihen -, kann kein Prozeß sein. Was die Schöpfung des Individuums genannt wird, ist nur eine äußere Beziehung. In dem Moment, wo seine Schöpfung, d.h. wo die äußere Beziehung durch das Geistorgan hindurch ein Ende findet, ist es für das Individuum nicht möglich, äußerlich zu leben oder irgend etwas äußerlich zu erkennen. Das Individuum ist nichts als das, was es durch seine tätigen Organe hindurch macht; wenn es nichts mehr macht, d.h., wenn seine Schöpfung ruht, dann ist es (als Individuum) nicht länger existent, da das Individuum, - wie alles Erschaffene - , lediglich eine Masse von unverständlichen Beziehungen ist. Von den tätigen Organen kann auch nicht gesagt werden, daß sie unabhängig sind von ihren eigenen Tätigkeiten und den Beziehungen, in die diese unausweichlich verwickelt sind, so daß in dem Moment, wo diese Tätigkeiten ruhen, auch die Instrumente ruhen. Das Individuum ist kein selbständig existierendes Etwas. Es ist nur ein Name, das einem Bündel von Beziehungen gegeben wird. Sobald die Beziehungen zurückgenommen werden, löst sich das Individuum in REINES SEIN auf.

 Individuen sind Objekte der Wahrnehmung und ihre Wirklichkeit bleibt solange unbegründet, solange sie nicht in einer wirklich bewußten Ursache oder einem wirklich bewußten Wahrnehmer verankert sind. Diese Ursache ist wahrlich nicht irgend etwas, das direkt durch die Sinne oder den Verstand wahrgenommen wird. Es kann einzig auf der Grundlage der Hl. Schriften und der empirischen Notwendigkeiten gefolgert werden. Die Wirkung erweist sich aufgrund einer Ursache als wirklich, die als wirklich vorausgesetzt wird, und die Existenz der Ursache erweist sich erst durch die Wahrnehmung der Wirkung als wirklich. Die Überzeugung endet in einem endlosen Kreislauf, so daß keine objektive Wirklichkeit als Wahrheit bestand hat, - denn nichts Objektives kann Bestandteil des BEWUSSTSEINS sein.

  ISHVARAS Schöpfung kann nicht in Begriffen der verschiedenen Individuen des Universums erklärt werden da die Existenz der Individuen als solche nicht logisch nachgewiesen werden kann. ISHVARA ist das, was ER aufgrund des Universums und dessen Inhalte ist, und wenn letztere nicht beweisbar sind, dann ist ISHVARA ebenfalls nicht beweisbar; es sei denn, man argumentiert mit einer völlig unhaltbaren und willkürlichen Behauptung in der Form, daß man ISHVARA Sich aus reiner Objektivität oder aus einem Nicht-Sein heraus begreifen und Sich vorstellen kann, daß ER Selbst als ein absolutes Individuum existiert, auch wenn IHM kein zweites Objekt neben Sich bekannt ist. Es ist wahrlich verwunderlich, daß ISHVARA allmächtig ist und sich zur gleichen Zeit von BRAHMAN unterscheiden kann. Wenn in BRAHMAN ein unterscheidendes Prinzip existiert, dann kann weder BRAHMAN noch ISHVARA allgegenwärtig sein. Wenn es nichts gibt, was die beiden voneinander trennt, dann ist allein BRAHMAN und keine andere PERSON wie ISHVARA vorhanden. Vom Standpunkt des relativen Universums aus gesehen, ist ISHVARA eine Erscheinung BRAHMANS.

 Weiterhin wird gesagt, daß ISHVARA Sich Selbst aufteilte und zu vielen JIVAS (indiv. Seelen) wurde. Wenn ISHVARA nicht wirklich die Vielfalt geworden ist, sondern lediglich als vielfältige Welt erscheint, dann kann die Ursächlichkeit ISHVARAS ebenso nur eine Erscheinung sein, so daß kein wirklich Zweites neben BRAHMAN verbleibt. Wie konnte dies ISHVARA tun, ohne seine angeborenen Merkmale (der Allmacht, Allgegenwart usw.) zu verlieren? Wie erdachte Sich ISHVARA die vielen Individuen, ohne zu erkennen, daß sich ein Individuum vom anderen unterscheidet? Wie kann es eine Bewußtheit der Vielfalt geben, ohne das sich eine vom anderen zu unterscheiden? Wenn ISHVARA keine Unterscheidungs-Idee hat, wie kommt es dazu, daß ER die vielgestaltige Welt erschuf? Wenn die Idee der Unterscheidung nur dem relativen Individuum zu eigen ist und nicht ISHVARA, und wenn Schöpfung ohne die Idee der Unterscheidung nicht möglich ist, bedeutet dies, daß ISHVARA überhaupt nichts erschaffen hat, und daß es deshalb auch keine Schöpfung gibt. Wenn ISHVARA nicht wirklich die Vielfalt geworden ist, sondern lediglich als vielfältige Welt erscheint, dann kann die Ursächlichkeit ISHVARAS ebenso nur eine Erscheinung sein, so daß kein wirklich Zweites neben BRAHMAN verbleibt.

 ISHVARA ist das Objekt eines logischen Verständnisses der WIRKLICHKEIT, die dem Universum zugrundeliegt - nicht mehr und nicht weniger. ER hat einen Platz einzunehmen, weil das Universum wahrgenommen wird. Die Gegenwart eines ISHVARA drängt sich auf dem Weg der Notwendigkeit über die Erfahrung des Universums auf. Wenn SELBST-VERWIRKLICHUNG stattfindet, löst sich ISHVARA in REINES BEWUSSTSEIN auf. Diese Schwierigkeiten in der Beweisführung von der Existenz ISHVARAS als einer, von BRAHMAN unterschiedlichen Wirklichkeit, erscheint deshalb, weil das Individuum versucht, seine eigenen (begrenzten) Werte an die Universale WAHRHEIT der Dinge anzuhängen. Solange das Individuum existiert, muß ein ISHVARA als dessen notwendiger Gegenpol postuliert werden, da es  bedeutungslos ist, zwar an der Existenz von Individuen oder der Welt  festzuhalten, aber an der Existenz ISHVARAS nicht. Wo eine Wirkung ist, muß auch eine Ursache sein. Die Ursache kann nur dann geleugnet werden, wenn auch die Wirkung geleugnet wird. ISHVARA ist die notwendige objektive Vergegenwärtigung der Schußfolgerungen aus den Erfahrungen der Individuen. In der Bestätigung der Welt und der Individuen ist die Existenz des Höchsten SCHÖPFERS mit einbezogen. Wo es keinen GOTT gibt, kann es auch keine Welt geben. Die begrenzte Intelligenz des Individuums kann die Bedeutung des Universums nicht verstehen, außer auf der Grundlage eines ISHVARA, der es beherrscht. ISHVARA und JIVA sind die beiden Seiten von ein und derselben Münze. Die beiden haben eine wechselseitige Beziehung. Wird das Eine geleugnet, dann wird das Andere automatisch mit geleugnet. Wird das Eine bestätigt, dann wird das Andere ebenfalls bestätigt. Für das Individuum ist ISHVARA die kosmische Seite der Annahme von der Wirklichkeit seiner eigenen Erfahrungen. Die Transzendenz der Individualität, des Zeitlichen oder der Relativität ist gleichzeitig die Transzendenz des ISHVARA-Zustandes. Beide, JIVA und ISHVARA, finden in der Oberhoheit BRAHMANS ein Ende. Solange die Welt als Wirklichkeit erfahren wird, wird die Wirklichkeit ISHVARAS nicht abgelegt. Die Stufen der Wirklichkeit und der Erfahrungen, die allesamt Gegebenheiten im Leben des Individuums sind, zählen nicht; es sei denn, ISHVARA wird als URSACHE der Welt angenommen. Die qualitative Unterscheidung zwischen Wach- und Traumzustand kann nur eine Bedeutung haben, wenn die Existenz von ISHVARA als eine Tatsache angenommen wird. Von der Wahrheit und Falschheit weiß man, daß sie verschieden voneinander sind, weil es in der menschlichen Einbildungskraft ein äußeres Universum gibt. ISHVARA ist folglich eine relative Wirklichkeit. ER ist in diesem Sinne mehr eine Erklärung für die Erfahrung des Universums, als eine wahre Existenz. Und wo immer ISHVARA mit dem HÖCHSTEN SELBST identifiziert wird müssen wir verstehen, daß es sich damit um die ESSENTIELLE EXISTENZ ISHVARAS und nicht um Seine relative Form handelt, die auf diese Weise identifiziert wird.

 ISHVARA wird in den UPANISHADEN häufig als BRAHMAN SELBST bezeichnet, da sie jede WIRKLICHKEITS-Stufe, - ANNA (mater. Körper), PRANA (Lebensatem), MANAS (Denkorgan), VIJNANA (Intelligenz) usw. - , als BRAHMAN betrachten, der SICH auf einer Höheren oder niederen Stufe offenbart. Manchmal erachten sie diese Dinge als den gesamten BRAHMAN. Sie pflegen nichts anderes zu sehen als BRAHMAN in Allem. Häufig machen sie keinerlei Unterschied zwischen der Form und der ESSENZ; für sie ist alles ESSENZ; selbst die Form ist nichts als ESSENZ. Dies ist eine sehr hoch entwickelte Sicht. Doch wenn ISHVARA als ein wirkliches Bindeglied in der Ursächlichkeits-Kette existiert, dann sind wir gezwungen, einen Unterschied zwischen dieser erfahrungsbedingten Vorstellung, die wir von BRAHMAN haben und BRAHMAN, wie ER SELBST IST, zu machen. Wenn die ursächliche Vorstellung abgelegt wird, gibt es keinen Anlaß, ISHVARA mit BRAHMAN zu identifizieren. Manchmal wird ISHVARA das SELBST aller Wesen genannt, der HÖCHSTE HERR, die WIRKLICHKEIT des UNIVERSUMS usw., wobei auf diese Weise das in ISHVARA vorhandene BEWUSSTSEIN und nicht SEINE URSÄCHLICHE NATUR identifiziert wird. In der empirischen Beurteilung erscheint ISHVARA als ein Wesensmerkmal, das mit dem Universum verwickelt ist.

  

DIE KRAFT BRAHMANS

 Wenn BRAHMAN als ISHVARA erscheint, wird diese Erscheinungsform durch die KRAFT der Erscheinung hervorgebracht. Wir müssen in unserer Absicht sehr zögerlich sein, irgend etwas über die 'KRAFT' im ABSOLUTEN zu sagen, da unsere kühnen Schlußfolgerungen bezüglich der Unteilbaren, Nicht-dualen Natur von BRAHMAN sehr leicht in Vergessenheit geraten könnten. Wenn BRAHMAN dazu fähig ist als ISHVARA, und in Folge davon auch als Welt, zu erscheinen, müssen wir uns mit der Frage beschäftigen : "Wie wird das EINE zwei und mehr?" Wir können nicht einfach antworten, daß ISHVARA und die Welt von BRAHMAN aus einer Substanz erschaffen worden ist, die anders als ES SELBST ist, denn ES ist einmalig. Daraus müssen wir entnehmen, daß ES diese Dinge aus Sich Selbst erschafft, was jedoch bedeutet, daß dadurch Seine ansonsten veränderungslose und ewige Natur Schaden erleidet und ES Selbst zu einem phänomenalen Wesen werden läßt. Mehr noch, - in BRAHMAN kann es weder Raum, noch Zeit und Ursächlichkeit geben, die allesamt für eine Schöpfung notwendig sind. Schöpfung wird somit zu einem Selbst-Widerspruch. Die ESSENTIELLE VOLLKOMMENHEIT BRAHMANS, - die BRAHMANHAFTIGKEIT -, verschwindet in dem Moment, wo wir ES als Schöpfer, Aufrechterhalter und Auflöser benutzen. Außerdem erhebt sich die Frage, falls es eine tatsächliche Schöpfung gibt,- wie bringen die UPANISHADEN  dies in Einklang mit ihrer Position, daß in der VERWIRKLICHUNG des ABSOLUTEN jegliche Objektivität verschwindet? Ein wirkliches 'Etwas' kann niemals seine eigene EXISTENZ leugnen. Lediglich falsche Vorstellungen können durch Erkenntnis beseitigt werden. Selbst die schöpferische Handlung kann nicht einmal Idee oder Gedanke genannt werden, da in BRAHMAN Gedanke und Wirklichkeit EINS sind. Schöpfung, die verschieden vom ABSOLUTEN ist, kann nicht existieren. Ist sie jedoch mit IHM identisch, dann gibt es nur das ABSOLUTE und nichts, was (zusätzlich) erschaffen worden ist. Daher muß Schöpfung, vom Höchsten Standpunkt aus, falsch sein, - ein bloßer Mythos. Obwohl nicht wirklich vorhanden, scheint dieses mysteriöse Spiel durch die sogenannte Brahmische KRAFT (abgeleitet von Brahma, dem Schöpferaspekt Brahman’s des Absoluten), auf deren Erscheinung in den UPANISHADEN hingewiesen wird, das ABSOLUTE BEWUSSTSEIN zu verdecken und ein objektives Bewußtsein zu projizieren. Von INDRA (Himmelsherrscher) wird gesagt, daß ER durch Seine gauklerische Kraft in vielen Formen erscheint (BRIH.UPANISHAD, II.5.19). Die SVETASVATARA UPANISHAD sagt, das Höchste SEIN ist der Gaukler, und das erschaffene Universum ist Sein Gauklerspiel(IV.10).

 Diese KRAFT ist sozusagen nur eine objektivierende Kraft, die die SELBST-ERFAHRUNG verhütet,  indem  sie  das BEWUSSTSEIN,  - der Erscheinungen wegen -, durch die Verschleierung und das Abziehen des BEWUSSTSEINS von Sich Selbst, täuscht. Doch da diese KRAFT mit BRAHMAN so identisch ist wie Hitze mit Feuer, erheben sich die Fragen: wie kann Sich BRAHMAN Selbst täuschen und woher stammt die Existenz der KRAFT im TEILUNGSLOSEN SEIN? Und außerdem, - wie kann es eine objektive KRAFT in der UNBEGRENZTEN BEWUSSTSEINSMASSE geben? Dies ist der unerklärliche Zauber, der irgendwie vorhanden sein muß, obwohl er eigentlich gar nicht sein kann und der irgendwie DAS täuscht, was auf ewig frei von Täuschung ist. Doch das Unerklärbare ist keine Entschuldigung dafür, wenn es darum geht, daß die Philosophie ihren Zweck zu rechtfertigen hat. Keine Spekulation ist jemals dazu fähig gewesen, die Bedeutung einer Ungeteilten Schöpfung, die von Ewigkeit zu Ewigkeit ist und von daher gar keine Schöpfung sein kann, herauszustellen. Wir können nicht sagen, warum wir in Unwissenheit gefangen zu sein scheinen. Dieses Geheimnis ist jenseits der Logik. Unsere größte Intelligenzleistung besteht darin, zuzulassen, daß wir tatsächlich nichts verstehen können. 'ANIRVACHANIYATVA ' oder das 'Unerforschliche' ist unsere letzte Ruhestätte; und dies ist alles, was die stolze philosophische Vernunft nach zahllosen Jahren des Nachdenkens als Ergebnis erreicht hat. Einige kühnere Geister hatten jedoch den unglaublichen Mut, unter gnadenloser Mißachtung aller Tatsachen der relativen Erfahrung und ohne deren Widersprüche und auffallend schwierigen Wirklichkeiten, die alle nur ihre Gültigkeit im Reich der Individuen besitzen, energisch auf der WEISHEIT zu beharren, daß es nichts außer dem EINEN BRAHMAN, dem ABSOLUTEN gibt. Sie erscheinen dem leidenschaftslosen Urteil als die wahren und größten Helden der Menschheitsgeschichte. Es kann keinen besseren Weg geben, als denjenigen, den diese Helden genommen haben. Die UPANISHADEN erklären:

 "SARVAM KHALU IDAM BRAHMA ";

"All dies, ist wahrlich BRAHMAN."

-CHH.UPANISHAD, III.14.1

 Letztendlich kann es keine Täuschung, Unwirklichkeit, 'MAYA', Fehler oder irgendein objektives Konzept oder erkennbares Prinzip geben, sondern einzig das ABSOLUTE BEWUSSTSEIN. Es kann nichts anderes als BEWUSSTSEIN da sein. Dies ist die WAHRHEIT. Selbst Stufen in der WIRKLICHKEIT würden Objektivität und darin enthaltene Dualität bedeuten, da sie die WIRKLICHKEIT auf eine phänomenale Erscheinung vermindern würden. WIRKLICHKEIT, wie Sie in SICH SELBST IST, kann nur das 'ABSOLUTE' sein, das frei von allen unterscheidenden Elementen ist, einschließlich der sogenannten Stufen. Das ABSOLUTE ist immer ES SELBST, niemals ein Objekt, niemals ein Subjekt und somit Ewig Unteilbar.

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Kapitel 5

 DER PROZESS DER WAHRHEITS-VERWIRKLICHUNG

  

DIE METHODE DER REINEN ERKENNTNIS

 Die philosophische Untersuchung und das angeborene Verlangen des Herzens stimmen darin überein, daß der EINE ABSOLUTE BRAHMAN die ALLEINIGE WIRKLICHKEIT ist. Wenn BRAHMAN die WAHRHEIT ist, dann können alle äußeren Formen der Erfahrung nur Erscheinungen sein. BRAHMAN ist kein zu erreichendes Objekt, das im Raum angesiedelt ist, denn ES ist das SELBST und kein äußeres Sein, das als zweites neben dem SELBST existiert. ES ist nicht einmal das Objekt der Erkenntnis, denn ES allein ist das EWIGE SUBJEKT der ERKENNTNIS und jeglicher Erkenntnisprozeß ist lediglich eine Gedankenbewegung, d.h. eine bloße Erscheinung. Es gibt nichts, was BRAHMAN erkennt, da der BRAHMAN-Erkennende nicht getrennt von IHM sein kann. ES ist kein Objekt der MEDITATION, denn MEDITATION ist Gedanke, der in eine duale Funktion verwickelt ist und BRAHMAN ist kein duales Wesen. BRAHMAN wird nicht durch das Denken erreicht. BRAHMAN ist kein Objekt der Liebe, der Anbetung oder Verehrung, da all diese Dinge relative Kategorien voraussetzen, die der sich verändernden Welt angehören, die wiederum nicht der ESSENTIELLE BRAHMAN sein kann. Das WIRKLICHE kann niemals der Gegenstand irgendeiner Spekulation sein. ES kann weder gesehen, gehört, verstanden oder erkannt werden, - auch nicht nach Millionen von Jahren schwerer objektiver Bemühungen in der Raum-Zeit-Welt. Das ABSOLUTE transzendiert jede Funktion, jedes Werden und jeden Prozeß. ES ist über dem Denken, Fühlen, Wollen, Empfinden, Feststellen, und über Name, Form und Handlung. Ein Individuum kann als Individuum niemals erkennen, was kein Individuum ist. Wir können nicht erkennen, was wir nicht im KERN unserer HERZEN sind. All das, was wir erkennen und erfahren, reicht nicht über das hinaus, was wir potentiell oder offenbar sind. Jedes Wesen ist im Käfig seiner eigenen Erfahrung eingesperrt und kann nichts anderes als sich selbst erkennen. Doch 'ERKENNEN ' und 'SEIN ' sind ein und dasselbe und daher können wir ein Ding nicht erkennen, ohne dieses Ding zu sein. Alles, was außerhalb von uns ist, ist eine Reflexion unseres Bewußtseins, und es gibt letztendlich nichts, was nicht unser BEWUSSTSEIN ist. Was immer wir sind, das allein ist alles. In der Bewußtseinswelt des relativen Individuellen ist diese Art der Ausdehnung 'psychologischer', vom Standpunkt des BEWUSSTSEINS Selbst aus 'metaphysischer' Natur. Entsprechend den Handlungsweisen seiner eigenen erkennenden Organe, ist für ein relatives Subjekt die Form, in der ein Objekt erkannt wird, eigentümlich, während die der Form zugrundeliegende WIRKLICHKEIT nicht von den Kategorien beherrscht wird, mittels derer die erkennenden Organe des Subjektes operieren, um die Form zu erkennen. Die EXISTENZ der Person, die wahrgenommen wird, ist weder in den Bedingungen, denen das auf Objekte ausgerichtete Bewußtsein der wahrnehmenden Person unterworfen ist, enthalten, noch wird sie von ihnen beherrscht. Die Welt ist nicht die Schöpfung von irgendeinem besonderen individuellen Denkprozeß, obwohl all die Besonderheiten, die das erkennende Subjekt vom erkannten Objekt erhalten hat, genau den Merkmalen entsprechen, die in die Gußform der inneren Organe des erkennenden Subjektes geschüttet worden sind. Obwohl es da eine objektive Wirklichkeit gibt, die durch das Subjekt mittels einer psychologischen Veränderung als 'geformt' erkannt wird, muß es, soweit es das Subjekt betrifft, akzeptiert werden, daß seine Erfahrung auch seine (vermeintliche) Wahrheit darstellt, ob nun äußere Objekte als Wirklichkeiten in sich selbst vorhanden sind oder nicht. Von der Ebene des relativen Subjektes aus gesehen wird deutlich, daß die, vom objektiven Bewußtsein dieses Subjektes untrennbaren Erfahrungen dessen private Bedingungen sind, wobei dennoch von seinem Standpunkt aus gesehen äußere Objekte existieren, da ohne deren Zulassung seine eigenen Erfahrungen keine Erklärung fänden. Wo kein wirkliches Objekt ist, kann auch kein wirkliches Subjekt sein. Der Wirklichkeitsgrad, der durch das Subjekt offenbart wird und der die Existenz des Subjektes beweist, ist in seinem Objekt ebenso gegenwärtig, obwohl diese relative Wirklichkeit des Objektes ausgelöscht sein mag, wenn diese Bedingung, in der das Subjekt das Objekt wahrnimmt, durch eine HÖHERE ERKENNTNIS mit tieferer ESSENZ ersetzt wird. Dies ist die individuelle Bedeutung der Abhängigkeit des Objektes vom Subjekt.

 Im BEWUSSTSEIN hat die gesamte objektive Natur der Welt keinen Bestand, und es existiert auch nicht die geringste Spur von Unwissenheit in Form der Vorstellung einer zweiten Wirklichkeit zum BEWUSSTSEIN Selbst. Was immer erkannt wird, ist BEWUSSTSEIN und nichts anderes. BEWUSSTSEIN ist das ABSOLUTE und folglich kann IHM auch keine objektive Wirklichkeit gegenüberstehen. Obwohl vom Standpunkt des Subjektes aus eine objektive Welt, die der Wirklichkeit des relativen Subjektes entspricht, als existent erkannt wird, - was auch immer der, durch diese objektive Welt offenbarte Wirklichkeitsgrad sein mag, und ungeachtet der Kategorien, in die das Subjekt eingebunden ist, aufgrund derer allein es seine Erfahrung hat -,  kann eine solche äußere Welt nicht für das REINE BEWUSSTSEIN existieren, da ES weder durch das Verstandesorgan noch den Intellekt oder die Sinne erkennt und wahrnimmt, - denn SEINE ERFAHRUNG ist Unmittelbar und Nicht-relativ. ES ist SELBST-ERKENNTNIS und nicht die Erkenntnis eines Objektes oder eines Erfahrungszustandes. Im ABSOLUTEN gibt es weder ein äußeres Bewußtsein, noch einen objektiven psychologischen Prozeß und auch keine duale Wirklichkeit. Im Zustand des Individuums gibt es jedoch eine subjektive Erfahrung von einer objektiven Wirklichkeit, die von zweigeteilter Natur ist, nämlich die der Erkenntnis oder der Erfahrung des Subjektes von seinen eigenen Bedingungen und den Bedingungen der äußeren Welt, wobei die äußere Welt unabhängig von den Erfahrungen des Subjektes ist. Diese äußere Welt hat nur für das Individuum einen Wert, nicht aber für das ABSOLUTE.

 Somit beruht die 'Vorstellung ' von der Natur der Wirklichkeit auf einer Veränderung innerhalb des inneren (erkennenden) Organs, das im Rahmen der Kategorien von Raum, Zeit und Ursächlichkeit arbeitet. In dem Augenblick, wo ein Gedanke diese Kategorien kreuzt, ist es kein (reiner) Gedanke mehr und die erkennende Funktion setzt aus. Solange wir fühlen, daß wir nicht BRAHMAN sind, ist BRAHMAN für uns lediglich das, was wir von IHM denken. Deshalb sind all diese 'Prozesse ', die dazu gedacht sind, uns zur WAHRHEITS-VERWIRKLICHUNG zu führen, begrenzt und in sich nicht vollständig.

 "Das EWIGE wird nicht durch das Nicht-ewige erreicht"                                                                                                                                                                                                                -KATHA UPANISHAD, II.10.

 "So wie jene, die immer wieder über einen verborgenen Goldschatz laufen und ihn nicht finden, weil sie den Ort nicht kennen, genauso gehen täglich diese Wesen zum Aufenthaltsort BRAHMANS und finden IHN nicht; denn wahrlich, sie werden beständig durch das Falsche abgelenkt".                                

-CHH.UPANISHAD, VIII.3.2.

 Jene, die im Reich der Gedanken leben, können die Tiefen der WIRKLICHKEIT nicht ergründen. Da Gebundenheit aus der bloßen Unwissenheit von einer gegebenen TATSACHE resultiert, besteht BEFREIUNG im REINEN WISSEN von der WAHRHEIT. Dieses WISSEN ist nicht das 'APARA-VIDYA' oder das 'geringere Wissen', das mit dem Denkprozeß zusammenhängt, sondern 'PARA-VIDYA', das 'HÖHERE WISSEN', "durch das DAS UNZERSTÖRBARE EINE erreicht wird", was wiederum gleichbedeutend mit der direkten Nähe des SELBST-IDENTISCHEN BEWUSSTSEINS ist. REINES WISSEN ist nicht eine 'VRITTI ' (Gedankenbewegung) des 'MANAS ' (Denkapparat), sondern das 'SVARUPA' (die Form) ATMANS (des SELBST). ES ist nicht so sehr 'erkennen', sondern 'sein ' und keinesfalls ein 'werden'. Falsches Wissen kann man nicht durch dessen VEREHRUNG und ANBETUNG beseitigen, - auch nicht durch MEDITATION auf das falsche Wissen. Das Mißverständnis (beim Anblick) des Seiles, das als Schlange angesehen wird, kann nicht durch MEDITATION auf die Form der Schlange oder über deren Verehrung aufgehoben werden. Unwissenheit, mit Furcht und Schmerz im Gefolge, wird ausschließlich durch WISSEN beseitigt. Unter WISSEN, das UNMITTELBARE BEFREIUNG, - 'SADYO-MUKTI'-, verschafft, ist ein von allen Handlungen und Objekten befreites WISSEN gemeint. BRAHMAN ist durch keinerlei Mittel, die irgendeinem Zweck dienen, erkennbar. REINES WISSEN ist nicht 'Mittel zum Zweck', sondern der ZWECK Selbst. ES ist nicht das 'Wissen von etwas', sondern einfach 'WISSEN'. In dem Moment, wo REINES WISSEN aufsteigt, findet gleichzeitig eine ERLEUCHTUNG der EXISTENZ und das plötzliche Verschwinden von Unwissenheit und Fesselung statt. "Wer IHN alleine kennt, erreicht das UNSTERBLICHE; es gibt keinen anderen Weg" (SVET.UPANISHAD, III.8).  WISSEN allein ist 'MOKSHA ' (Befreiung).

 

"Derjenige, der den Höchsten BRAHMAN kennt, wird BRAHMAN"

-MUND.UPANISHAD, III.2.9.

 Wenn jemand wünscht, sich selbst zu erreichen, bedarf dies nicht einer Bewegung hin zu sich selbst oder eines Annäherungsversuches an sich selbst mittels irgendwelcher relativer Funktionen. Sich zu erreichen, heißt, Sich zu erkennen, wobei 'erkennen' nicht ein Mittel ist, um sich selbst zu erreichen; vielmehr ist das 'sich erkennen' identisch mit 'erreichen', was vergleichbar ist mit einem schlafenden Menschen, der aufwacht, sich (als Person) erkennt und somit auch sofort er selbst ist. Im Fall der ERKENNTNIS von ETWAS, das das WESENHAFTE von demjenigen ist, der ES zu erkennen versucht, sind Mittel und Zweck identisch. Dieses WISSEN ist nicht abhängig von dem erkennenden Subjekt, sondern von der Natur des Objektes namens 'BRAHMAN', das EWIG WIRKLICH ist. Keine Handlung, die in eine objektive Tätigkeit verstrickt ist, kann die zugrundeliegende Unwissenheit beseitigen, da eine solche Handlung der Unwissenheit nicht zuwiderläuft. Unwissenheit kann Unwissenheit nicht beseitigen, wie auch wenig Dunkelheit durch Dunkelheit nicht beseitigt werden kann. Die Methode der REINEN ERKENNTNIS ist der absolute Weg zur VERWIRKLICHUNG des ABSOLUTEN. Hier sind Weg und Ziel dasselbe. BEWUSSTSEIN, selbst wenn es im Zustand scheinbarer Begrenzung ist, wird durch das absolute GESETZ Seiner HÖHEREN, WIRKLICHEN NATUR beherrscht, die nicht innerhalb der Sphäre individueller Bedürftigkeit angesiedelt ist. Alle Gedanken beruhen notgedrungen auf dem Prinzip der BEWUSSTEN INTEGRATION der EXISTENZ. Das Richten von Gedanken gegen die ABSOLUTE NOTWENDIGKEIT, die, den VOLLKOMMENHEITS-REGELN der EXISTENZ gemäß, jeden Zustand des individuellen Bewußtseins zur Anpassung an Sich Selbst verlangt, bewirkt Schmerz. REINE ERKENNTNIS erleuchtet uns, ohne uns dazu aufzufordern, etwas bestimmtes nach dieser ERLEUCHTUNG zu tun. REINE ERKENNTNIS ist keine Handlung, denn sie ist nicht unabhängig von dem, was es zu erkennen gilt. Selbst 'SHRAVANA' (das Hören der Schriften) 'MANANA' (das Reflektieren über das Gehörte) und 'NIDIDHYASANA' (tiefe Meditation über das Gehörte und Reflektierte) sind keine Handlungen im wirklichen Sinne, denn sie setzen die ERKENNTNIS dessen, was ihr Ziel ist, voraus. Die NATUR der WIRKLICHKEIT zu ermitteln, stellt bereits in sich selbst den Beginn des Prozesses der WAHRHEITS-VERWIRKLICHUNG dar. Intellekt und INTUITION sind nicht gegensätzlich, sondern unterscheiden sich nur im Grad und der Natur ihres Verständnisses von der WAHRHEIT. Die direkte ERKENNTNIS der WIRKLICHKEIT ist der Höhepunkt der Erfahrung, die ihren Höhepunkt im Aufleuchten des Höheren Gereinigten Intellektes hat, was jedoch nicht heißt, daß die intellektuelle Würdigung der WIRKLICHKEIT das Ziel der Philosophie ist, denn die Suche nach der WAHRHEIT endet hier nicht. Dennoch kann nicht verleugnet werden, daß unsere Wahrnehmung von der WIRKLICHKEIT irgendwie einen direkten Bezug dazu hat, inwieweit wir die Überzeugung, daß die Welt als Erscheinung wirklich ist, abzuschütteln vermögen. Der Intellekt wird in der Intuition erhoben und nicht außer Kraft gesetzt. 'VIVEKA' ist nicht die Intuitionelle WAHRHEIT, sondern eine intellektuelle Unterscheidungsfähigkeit, die dennoch als gereinigte Wahrnehmung den Weg zur HÖCHSTEN INTUITIONS-ERFAHRUNG ebnet. VIVEKA verschmilzt in 'JNANA' (Wissen). Die intellektuelle Erkenntnis der WIRKLICHKEIT ist der fundamentale Bestandteil zur Auflösung der Gedanken im Intuitionellen WISSEN der WAHRHEIT. Allein das rein entschlossene und intelligente Erfassen von der NATUR der WAHRHEIT, verändert den Geist des Menschen im Leben und läßt seine Empfindungen in jedem Moment tiefer, weiter und feiner werden. Der Intellekt ist die Pforte zur INTUITION. Die VERNUNFT ist notwendig, um den Glauben in die WAHRHEIT zu rechtfertigen. Metaphysischer Scharfsinn ist die Grundlage, auf der das Gebäude der transzendentalen ERFAHRUNG des ABSOLUTEN errichtet ist. Der wahre Philosoph ist kein Geschöpf seines Intellektes, sondern ein aufbauender Weiser. Seine Methode kann in drei aufeinanderfolgende Hauptpunkte eingeteilt werden; der vierte Punkt ist die letztendliche VERWIRKLICHUNG selbst:

 1.  Integrales VERSTÄNDNIS von der NATUR der WIRKLICHKEIT;

 2.  Wiederholtes Festhalten am INTEGRALEN VERSTÄNDNIS;

 3.  Fortschreitende Auflösung des INTEGRALEN GEDANKEN' im integralen Bewusstsein;

4.  ABSOLUTE ERFAHRUNG, die alle Beziehungen transzendiert.

 

Dies entspricht den folgenden Stufen der VEDANTA-Terminologie:

 1. 'SHRAVANA',

2. 'MANANA',

3. 'NIDIDHYASANA' und

4. 'SAKSHATKARA'.

 Jede weiterführende Stufe ist hier die vertiefte und erweiterte Wirkung der vorangegangenen Stufen. Selbst der INTEGRALE GEDANKE oder die UNENDLICHE GEDANKENBEWEGUNG (BRAHMAKARA-VRITTI ) der dritten Stufe ist nur eine 'Stufe', ein 'Schritt', der die Unwissenheit und schließlich sich selbst auch in DEM auflöst, was über dem Sein und Nicht-Sein, über Wissen und Unwissenheit, über Freuden und Sorgen, über Substanz, Qualität und Verhältnismäßigkeit, über Raum, Zeit und Ursache, - über allem ist.

 "Derjenige, der durch den FRIEDEN der ERKENNTNIS das REINE LICHT geworden ist, das durch die Behauptung des EIGENSCHAFTSLOSEN SEIN' erreicht wird, schaut ES".

-MUND.UPANISHAD, III.1.8.

 Das WISSEN von BRAHMAN entspringt keiner Handlung, sowenig BRAHMAN das Ergebnis einer Handlung oder einer Wirkung ist, die durch eine Veränderung im Wesen dessen, der ES erkennt, hervorgerufen wird. Das Seil, das aufgrund der Auflösung der Unwissenheit, die die 'falsche Schlange' heraufbeschworen hat, als solches wahrgenommen wird, ist nicht das Ergebnis irgendeiner Handlung, vielmehr ist es bloße Unberührte EXISTENZ, wie sie bereits vor der Auflösung der Unwissenheit und deren scheinbaren Beziehung zu ihr, war. Das WISSEN von BRAHMAN ist unabhängig von menschlicher Anstrengung und kann deshalb nicht mit irgendeiner Handlung in Verbindung gebracht werden, die von Natur aus relativ ist, die immer als das 'erkannt' wird, was außerhalb von Erkenntnis ist, und die niemals dasselbe ist wie bzw. verwandt ist zum BEWUSSTSEIN, welches von Natur aus über-empirisch und unveränderlich ist. Auch steht BRAHMAN in keinerlei Beziehung zu einer Handlung als dem Objekt einer Wissens-Handlung, da WISSEN keine Tätigkeit ist. WISSEN ist SEIN. Wenn Wissen zu einer Handlung wird, wer ist es dann, der diese Wissens-Handlung erkennt? Der Versuch, solch einen Erkennenden zu erkennen, würde zu einer unendlichen Wiederholung ohne jegliche Aussicht auf Befreiung führen. BRAHMAN zu 'kennen ' ist BRAHMAN 'sein', was  MOKSHA oder BEFREIUNG ist. MOKSHA ist nicht herstellbar, da ES ewig ist. Die VERWIRKLICHUNG von BRAHMAN ist die VERWIRKLICHUNG von ATMAN oder dem Inneren SELBST, und da im Erkennen von sich selbst keinerlei Handlung hilfreich ist, ist MOKSHA oder SELBST-VERWIRKLICHUNG auch nicht das Ergebnis irgendeiner Handlung. Handlung oder Bewegung hat nur eine Bedeutung, wenn etwas außerhalb im Raum erreicht oder bewirkt werden will; wenn es aber darum geht, etwas zu erreichen, was der Erreichende selbst ist, - der wiederum nicht irgend etwas ist, das irgendwo im Raum angesiedelt oder dem Zeitenlauf unterworfen ist, sondern wenn es das BEWUSSTSEIN ist, das erreicht wird und Selbst der Erreichende ist -, dann ist Handlung oder Bewegung völlig ungeeignet. Der Erkennende kann nicht durch eine Erkenntnis-Handlung erkannt werden, außerdem kann es keinen Erkenner des Erkennenden oder einen Erkenner der Erkenntnis geben. Individuelle Erkenntnis ist eine geistige Handlung, doch die ABSOLUTHEITS-ERKENNTNIS, die das SEIN SELBST ist, kann keine Handlung sein. Erkenntnis erscheint im Erkennen eines äußeren Gegenstandes als ein geistiger oder intellektueller Prozeß, doch da BRAHMAN nicht irgend etwas Äußerliches ist, kann ER auch nicht durch irgendeinen Prozeß oder Handlung erkannt werden. ERKENNTNIS, die BRAHMAN erkennt, ist BRAHMAN SELBST; der Erkennende, die Erkenntnis und das Erkannte sind EINS in BRAHMAN.

 Jede Tätigkeit ist eine Offenbarung der fehlerhaften Natur des unvollkommenen Individuums. Eine Handlung, die ein Mittel zum Erreichen eines unerreichbaren Zieles ist, ist unvereinbar mit der VOLLKOMMENHEIT, die HÖCHSTE ERFÜLLUNG ist. Handlung ist nicht die innewohnende Natur der Dinge; vielmehr ist das, was Handlung genannt wird, der Aufstand der täuschenden Verschleierungen, in die die Dinge eingehüllt sind. Den Verlauf einer Handlung zu verändern ist möglich, doch SELBST-ERKENNTNIS ist stets unveränderlich. Handlung ist relativ; ERKENNTNIS ist ABSOLUT. Handlung ist abhängig vom individuellen Täter; ERKENNTNIS ist unabhängig vom Individuum und ruht allein im unveränderlichen Erkenntnisobjekt 'BRAHMAN', mit dem sie identisch ist. ERKENNTNIS ist nicht wie die Handlung und deren Ergebnis dem Prozeß der Entstehung, Aufrechterhaltung, Reinigung oder Wandlung unterworfen. Die Folge einer Handlung ist etwas, das als etwas anderes als die (vorausgegangene) Handlung erkannt oder erreicht wird; wird jedoch ERKENNTNIS erreicht, dann  braucht nichts mehr getan oder erreicht zu werden. Handlung stammt aus der Anziehung oder Anregung durch irgend etwas außerhalb; doch ERKENNTNIS ist ERLEUCHTUNG, die unverzüglich als ERFAHRUNG der VOLLKOMMENHEIT des ABSOLUTEN die Fesseln des 'SAMSARA' (Kreislauf von Geburt und Tod) durchbricht. Da er auf eine Verschmelzung der Mittel mit dem Zweck hinzielt, ist 'JNANA-MARGA' oder der 'Pfad der ERKENNTNIS' für diejenigen extrem schwer zu begehen, die nicht mit der notwendigen Ausrüstung ausgestattet sind. Die Schwierigkeiten kommen in solchen Hinweisen wie "auf des Messers Schneide" und "der pfadlose Pfad" usw. zur Geltung, was darauf hinweisen will, daß ERKENNTNIS auf einer eigenen und einmaligen Fährte voranschreitet, die weder vom Denkapparat noch dem Intellekt erkannt wird, da beide mit dem Material arbeiten, das ihnen die Sinne liefern. "Der Pfad der Erkennenden ist unauffindbar wie die Fährte der Vögel am Himmel und die der Meerestiere im Wasser."

 Der große ACHARYA SHANKARA sagte:

 "Diejenige intelligente und gelehrte Person, die ein Experte in der Beweisführung zugunsten der WAHRHEIT und im Widerlegen dessen ist, was falsch und der WAHRHEIT abträglich ist; diese, mit den oben erwähnten Qualitäten ausgestattete Person ist zur Wahrnehmung der SELBST-ERKENNTNIS fähig. Nur derjenige hat die Fähigkeit, BRAHMAN zu erforschen und zu erkennen, der im Besitz der Unterscheidungsfähigkeit zwischen dem WIRKLICHEN und dem Unwirklichen ist, dessen BEWUSSTSEIN vom Unwirklichen abgewendet ist, der die innere GELASSENHEIT und die anderen Tugenden besitzt, und der nach BEFREIUNG verlangt"                                                                                                                                                                                                                                      

-VIVEKACHUDAMANI, 16, 17.

 Nur diejenigen, die eine durchdringende Einsicht haben und vollständig leidenschaftslos sind, können den PFAD der ERKENNTNIS gehen.

  

DIE VERNEINUNG UND DIE BEJAHUNG

 Der Strebende sollte eine tiefgründige MEDITATION auf das Nicht-duale BEWUSSTSEIN mittels der 'VERNEINUNG' des objektiven Bewußtseins, das mit der EWIGKEIT des WIRKLICHEN unvereinbar ist, praktizieren. Das Meditierende BEWUSSTSEIN sollte sich fest in seiner QUELLE gründen, und zwar durch das klare Verständnis davon, daß Dualität nicht wirklich sein kann, und die Unterscheidung zwischen JIVA, JAGAT und ISHVARA unwahr ist, da

(1) all diese Dinge relativ sind und aus Gründen der empirischen Existenz  nichts aus seiner Vereinzelung heraus unabhängig oder tatsächlich existent ist, sondern das Eine vom Anderen abhängt;

(2) alles einen darstellenden oder objektiven Charakter hat; alles in Raum, Zeit und Ursächlichkeit verwickelt ist und nicht wirklich mit dem EWIG ERFAHRENDEN BEWUSSTSEIN verknüpft ist; und daß nichts sicher oder ohne Zweifel ist, außer dem tiefsten BEWUSSTSEIN von der eigenen EXISTENZ;

(3) die Wach-Zustands-Erfahrungen alle den Charakter von Traum-Erfahrungen haben und umgekehrt, - ungeachtet einer Höheren WIRKLICHKEITS-Stufe, wie sie in der Wach-Zustands-Welt offenbar ist;

(4)  keine empirische Erfahrung für alle Zeiten besteht, sondern einer jeden durch eine andere widersprochen wird;

(5) Ursächlichkeit lediglich ein Glaube ist, der sich auf praktische, relative Erfahrungen stützt und weder logisch verbürgt, noch durch irgendeinen gewichtigen Beweis begründet werden kann, und

(6) in der SELBST-VERWIRKLICHUNG das gesamte duale Universum verneint wird.

 Der oben beschriebene dreiteilige Prozeß der WAHRHEITS-VERWIRKLICHUNG wird von den Methoden der 'VERNEINUNG'  und der 'BEJAHUNG' getragen. Die 'VERNEINUNG' ist die verstärkte Leugnung der mikro- und makrokosmischen Objektivität, die sich als eine Transzendenz der übergestülpten phänomenalen Hüllen darstellt, und zwar in Form der physischen, vitalen, mentalen, intellektuellen und unbekannten Ebenen der Existenz, welche sich sowohl individuell als auch kosmisch aus den groben, feinen und kausalen Offenbarungen, die sich im Grad der Intensität ihrer auf Objekte ausgerichteten Kraft voneinander unterscheiden, zusammensetzen. All diese Dinge werden als

 "nicht dies, nicht das"

 verneint, denn, - DAS, was das WIRKLICHE ist, ist nicht Das, was gesehen wird und was scheinbar einen Unterschied in der Existenz hervorruft. Selbst die Verehrung von GOTT als außerhalb des Verehrers befindlich, ist letztendlich unzulässig, da GOTT auf diese Weise zu einem Objekt wird, das dem verehrenden Subjekt gegenübersteht. Alles, was ein Objekt von Erkenntnis ist, ist letztlich unwirklich, - ein 'Nicht-DAS' - , "derjenige, der eine zweite Gottheit neben seinem eigenen SELBST verehrt und dabei denkt 'Ich bin das Eine, ES ist das Andere', kennt (die WAHRHEIT) nicht; derjenige ist wie ein Opfertier"                                     (BRIH.UPANISHAD, I. 4.10)

 

und

 

"Allein das SELBST sollte als das Liebste verehrt werden"

(BRIH.UPANISHAD, I.4.8).

 Selbst ein objektiver GOTT ist eine Selbstbegrenzung des ABSOLUTEN und somit ein Wesen, das der subjektive Kenner einer objektiven Existenz und das objektive Ideal des subjektiven Devotees (Gottesverehrer) ist. GOTT ist die KOSMISCHE VOLLSTÄNDIGKEIT des physischen, feinstofflichen und kausalen Universums, wohingegen der Mensch eine, in den physischen, feinstofflichen und kausalen Körper hinein begrenzte individuelle Teilselbständigkeit darstellt. Deshalb sind sowohl ISHVARA als auch das Individuum phänomenale Wesen, wobei ISHVARA weitaus wirklicher als das Individuum ist. Jedenfalls sind alle objektiven Wesen, ob individuell oder kosmisch, durch die Kraft des ergänzenden Gedankens, der sich auf die EINHEIT der EXISTENZ zubewegt, zu verneinen. Die TAITTIRIYOPANISHAD (II.8; II.2-6) erklärt diese Methode der SELBST-TRANSZENDENZ, mit der die fünf objektiven Schichten des Bewußtseins zum Zweck der ERFAHRUNG des ABSOLUTEN zu durchqueren sind. Jede innere Schicht ist feiner und ausgedehnter als die äußeren und durchdringt diese als deren SELBST oder wahres SEIN. Wenn durch diese Methode der negativen Behauptung, unterstützt von Glaube und Vernunft, all die äußeren Bewußtseinsschichten durchschritten werden, wird das innere wirkliche SELBST, - BRAHMAN - , das all diese Dinge als das Einzige SEIN in Sich einschließt und transzendiert, verwirklicht. Hier werden der Körper und die Welt in all ihren Stufen der Offenbarung gleichzeitig verneint, womit die WIRKLICHKEIT in Ihrer ESSENZ erfahren wird.

 Die 'bejahende Methode' ist ein direkter Versuch, sich selbst mit dem ABSOLUTEN zu identifizieren. Sie beginnt mit der bewußten Übereinstimmung von sich selbst mit jedem Wesen des Universums und setzt sich fort mit den Ideen der EWIGKEIT, UNENDLICHKEIT, UNSTERBLICHKEIT, UNVERÄNDERLICHKEIT, VOLLKOMMENHEIT, UNABHÄN­GIGKEIT und ABSOLUTHEIT. Hier handelt es sich um eine weitaus kühnere Methode als die der verneinenden, da Positives im Gegensatz zu Negativem immer eine schwieriger zu erfassende WIRKLICHKEIT ist, die einen weitaus größeren Aufwand an Mut, Ausdauer, Geduld, Standhaftigkeit und strenger Willensstärke erfordert.

 

(1) "Ich bin das ABSOLUTE",

und

(2) "All dies ist das ABSOLUTE",

 

sind die beiden Formen der positiven Behauptung der WIRKLICHKEIT. Das sind die beiden Formen der positiven Behauptung der WIRKLICHKEIT, wobei die letztgenannte (2) der erstgenannten (1) folgt.  Die erste bezieht sich auf das Individuum und die folgende enthält die ENDGÜLTIGE GEWISSHEIT. Die erste entsteht in Beziehung zum subjektiven Körper, während die zweite in Beziehung zum gesamten Universum steht. Zuerst stellt sich (1) die Erfahrung ein: "ICH BIN die WIRKLICHKEIT" und nachfolgend (2) die erweiterte Erfahrung: "All dies ist die WIRKLICHKEIT; ICH BIN DAS ALLES; ALLEIN die WIRKLICHKEIT IST".

 

(1) "AHAM BRAHMA ASMI" und (2) "SARVAM KHALU IDAM BRAHMA"

 

(1) und (2) (siehe auch oben!) bilden den großen 'bejahenden Prozeß' der SELBST-VERVOLLKOMMNUNG, in dem selbst die UNENDLICHE GEDANKENBEWEGUNG (BRAHMAKARAVRITTI) , die durch die erste Erfahrung ausgelöst wird, im REINEN EXISTENZ-BEWUSSTSEIN, das durch die zweite Erfahrung erreicht wird, aufgelöst wird. Dies ist eine Art von Versuch, sich sogleich selbst im ABSOLUTHEITS-BEWUSSTSEIN zu ertränken, indem alle fremden dualen Gedanken (VIJATIYAVRITTINIRODHA) angehalten werden und dem ESSENTIELLEN VEREINIGENDEN BEWUSSTSEIN erlaubt wird, sich selbst voll zu behaupten (SAJATIYAVRITTIPRAVAHA). Gedanken werden in bewußter ABSOLUTHEIT durch die Abwehr der Idee von jeglicher Vielfältigkeit und Dualität zu Grabe getragen. Die individuelle Bemühung endet mit der 'ERFAHRUNG von der UNENDLICHEN GEDANKENBEWEGUNG', denn hier beginnt die Auflösung des individuellen Getrenntheit-Bewußtseins im BEWUSSTSEIN der UNENDLICHEN VOLLKOMMENHEIT. Über dieser Ebene der UNENDLICHEN ERKENNTNIS kann nur das Wirken von der KRAFT der WAHRHEIT der ABSOLUTEN EINHEIT, die den Wechsel der Erfahrungen verursacht, funktionieren, denn anders kann eine solch mühelose Transformation nicht erklärt werden. Bemühung ist solange erforderlich, bis die objektive Vervollkommnung oder die Vervollkommnung des wahrnehmbaren Universums bewirkt ist; die ABSOLUTE VERVOLLKOMMNUNG dagegen, in DER selbst die Persönlichkeit oder das Individuum in das UNENDLICHE SEIN aufgesaugt wird, kann nicht die Wirkung irgendeiner Bemühung seitens des Individuums sein. Dies ist ein, über der Vernunft angesiedeltes Geheimnis und folglich kein Thema für philosophische Diskussionen.

 Die Ideen vom ABSOLUTEN MEER des LICHTES, der MACHT, WEISHEIT, WONNE, UNBEDINGTER VOLLKOMMENHEIT, UNBEGRENZTER ZUFRIEDENHEIT und des FRIEDENS sind die Wege der 'positiven BEJAHUNG'. Es gibt zahllose Sätze in den UPANISHADEN, die diesen Prozeß der WAHRHEITS-VERWIRKLICHUNG herausstellen. Gedanken materialisieren sich durch intensive Bejahung selbst in die (erwünschte) Wirkung, so daß ein höherer und ausgedehnterer Bewußtseinszustand, der durch die Bejahung der „über-individuellen“ WAHRHEIT erfahren wird, zur Entfaltung des unmittelbar darüber befindlichen Zustandes verhilft, was zum Erreichen und zur VERWIRKLICHUNG der ABSOLUTEN VOLLKOMMENHEIT führt. Dies ist die Methode des 'BRAHMABHYASA' oder 'BRAHMABHAVANA', der UNVERZÜGLICHE BEFREIUNG bewirkt, - hier und jetzt.

 

"Derjenige erfährt hier BRAHMAN". -KATHA UPANISHAD, VI.14.

 

"Seine LEBENSENERGIEN scheiden nicht dahin;

vielmehr verschmelzen sie genau hier (und jetzt)".

-BRIH.UPANISHAD, IV.4.6.; III.2.11.

 

Der BRAHMAN-KENNER durchschreitet nicht verschiedene Ebenen oder Regionen; - Er 'IST '.

  BRAHMAKARA-VRITTI oder der UNENDLICHE GEDANKE

 Das BRAHMAKARA-VRITTI ist der feinste, reinste und ausgedehnteste Zustand des Höheren Verstandes, der in sich das BRAHMAN-BEWUSSTSEIN reflektiert. Selbst dieses VRITTI, obwohl das Höchste von allen psychischen Funktionen, ist letztlich relativ, da es dazu gedacht ist, die anfängliche Unwissenheit, welche ebenso relativ ist, zu zerstören. Es kann keine Beziehung zwischen dem Zerstörer und dem Zerstörten geben, es sei denn, beide nehmen denselben relativen Platz ein. Ein ABSOLUTES PRINZIP kann nicht zerstört werden, noch kann DAS, was ABSOLUT und BEZIEHUNGSLOS ist, der Zerstörer von irgend etwas sein. Unwissenheit ist nicht absolut, sondern relativ. Es ist 'VRITTI-JNANA' oder die psychische Intelligenz, die ein Objekt vor sich hat und die somit auch der Zerstörer von Unwissenheit ist, im Gegensatz zu 'SVARUPA-JNANA' oder dem ESSENTIELLEN BEWUSSTSEIN, das nichts Zweites neben SICH hat. Wenn sein Werk der auflösenden Unwissenheit vollendet ist, versinkt im BRAHMAKARA-VRITTI der Wunsch nach einem Objekt und es verbleibt einzig die ABSOLUTHEITS-ERFAHRUNG.

 'BRAHMAKARA-VRITTI' ist die Höchste Ausdehnung der Gedankenkraft in die Unendliche NATUR des ABSOLUTEN, in der die Gedankentätigkeit des Geistes von der Wahrnehmung einer Vielheit und Dualität zurückgezogen wird und in die Wahrnehmung des UNENDLICHEN fixiert ist. Dies ist der Höchste Geisteszustand, das Ende all seiner Veränderungen, wo er die Form unbegrenzter, raum- und zeitloser Existenz annimmt, und wo nichts mehr neben der grenzenlosen Ausdehnung des BEWUSSTSEINS besteht. Es ist nicht nur das bloße Empfinden eines UNENDLICHKEITS-Zustandes, sondern eine POSITIVE UNMITTELBARKEIT, wo das denkende Subjekt sich ins UNENDLICHE ausdehnt. Dort verschwindet die Individualität gänzlich und die Erkenntnis der ESSENZ findet statt. Es ist das Spirituelle Auge, die intuitive Einsicht, die durch die wiederholte Praxis der ABSOLUTHEITS-BEJAHUNG erlangt wird. Es ist die letzte 'VRITTI' (Gedan­kenwelle), deren Objekt ihre eigene unendliche Form ist, die durch nichts gestützt wird, die nichts außerhalb kennt und die allein auf der KRAFT ihrer potentiellen und gegenwärtigen Inhalte ruht. Selbst diese Erfahrung wird durch die ABSOLUTHEITS-ERFAHRUNG, welche auch das ZIEL der 'BRAHMAVRITTI' ist, transzendiert, indem sich die VRITTI selbst, aufgrund der Erschöpfung ihrer Inhalte mittels dieser Erfahrung, durch sich selbst auflöst und somit in EINHEIT mit dem ABSOLUTEN ist.

 

BRAHMASAMSTHO-AMRITATVAMETI :

 

"Derjenige, der in BRAHMAN gegründet ist,

erreicht UNSTERBLICHKEIT."

-CHH.UPANISHAD, II.23.1.

 

DER UMSTAND ANDÄCHTIGER MEDITATION

 MEDITATION sollte sitzend in einem ASANA, vorzugsweise im sog. PADMASANA praktiziert werden, wobei entweder die Finger das CHINMUDRA formen und die Arme dabei, geradeaus gestreckt, die Knie berühren oder aber die geöffneten Handflächen bei angewinkelten Armen noch oben zeigen und übereinandergelegt zwischen den beiden Fersen (im PADMASANA ) liegen sollten. Obwohl es für die Praxis des JNANA-YOGA keinerlei Beschränkungen hinsichtlich der jeweiligen Stellung gibt, ist es hilfreich, zu Beginn der MEDITATION oder von MANANA (Reflexion) und NIDIDHYASANA (Eintauchen in den Gegenstand der Reflexion) im PADMASANA zu sitzen. Die MEDITATIONS-Praxis sollte bis zum physischen Tod oder bis zum Aufsteigen der SELBST-ERKENNTNIS fortgesetzt werden. Am Anfang ist es ratsam, sich einen geeigneten Platz und die notwendige Zeit für die MEDITATION auszusuchen, und zwar in dem Ausmaß, wie dies den psychologischen Faktoren, die die MEDITATION unterstützen, dienlich ist. Wenn der SADHAKA jedoch fest verankert ist in der MEDITATION, kann diese  durch bloßen Rückzug des Denkorganes vom Bewußtsein der Äußerlichkeiten zu jeder Zeit und an jedem Ort praktiziert werden.

 Erfahrungsbedingte Vernunft ist nicht in der Lage, in geeigneter Weise über ihre eigene Unabhängigkeit nachzudenken. Es geschieht nicht immer, daß der analytische Intellekt von der richtigen Erfahrung geleitet wird, und solange dies der Fall ist, passiert es häufig, daß man am Rande der Grube wandelnd, in Selbstbetrug und Täuschung verfällt. Allein ein sorgfältig bewachter Intellekt kann die Fackel der korrekten Unterscheidung halten, um den Pfad zum HÖHEREN BEWUSSTSEIN sicher ausleuchten und fortsetzen zu können. Der Glaube scheint die unbeholfene Vernunft zu transzendieren. Der Glaube kann direkt an der, in den SHRUTIS (Heiligen Schriften) verkündeten WAHRHEIT festhalten, während die theoretische Vernunft dies, - ohne das Durchschreiten der niederen Phänomene in Form von wissenschaftlichen Erklärungen darüber, was stets durch den Intellekt gefordert wird -, nicht kann.  Der Intellekt will selbst Täuschung und Phantasie  verstehen. Der formalistische Intellekt ist wie ein ungezogenes Kind, das nicht auf die Worte der Älteren hören will. Er wünscht immer selbständig zu sein. Doch diese Autonomie bestrebte Haltung ist nicht immer erfolgreich, zumal, wenn es sich um Dinge handelt, die zu den übersinnlichen und transempirischen Bereichen gehören. Vernunft, die sich gegen die angenommene Tradition der intuitiven Offenbarungen der SHRUTIS  wendet, muß abgelehnt werden, - wie gerecht solch eine Vernunft auch erscheinen mag! Vernunft ist dazu gedacht, den Glauben, den wir in die Erklärungen der  Heiligen Schriften haben, zu stärken. Wenn die philosophische Untersuchung zu einer anderen Schlußfolgerung kommt, die diesen Offenbarungen der Schriften nicht entsprechen, kann man durchaus davon ausgehen, von irgendwelchen Schatten in die Irre geführt worden zu sein. Ausgenommen von jener seltenen HÖHEREN UND REINEN VERNUNFT, die unabhängig über der Ursache und den Kategorien (von Raum und Zeit) angesiedelt ist, liegt selbst in der sogenannten Vernunftmäßigkeit, mit der der Mensch in der Welt im allgemeinen ausgestattet ist, ein verstecktes Element des Glaubens, der Hingabe und der Unterwerfung gegenüber den, - durch 'Beziehungen', die zu Erfahrungen im Individuum führten -, hervorgebrachten eigenen Überzeugungen und Ansichten. Die niedere logische Vernunftmäßigkeit wird nicht durch die REINE UNABHÄNGIGE VERNUNFT, sondern durch die instinktive Erfahrung kontrolliert, die wiederum untrennbar von der Kausalkette und den Kategorien ist, die den Lebensgrund des Individuums formen. Vernunftmäßigkeit geht von Erfahrungen aus, die ihrerseits nicht als vernünftig zu bezeichnen sind. Sinnliche Wahrnehmung formt die Basis der 'relativen' Vernunftmäßigkeit und der Logik, welche in Begriffen der Ursache-Wirkung-Beziehung argumentieren. Die Gültigkeit dieser Art von Wahrnehmung kann nicht durch die Vernunft begründet werden.  Wahrhaftig, unsere Sinneserfahrungen halten uns jederzeit zum Narren, wobei wir noch stolz darauf sind, diesen Täuschungen nachzulaufen. Unsere gestrigen wohldurchdachten Tatsachen und Überzeugungen werden durch die heutigen widerlegt und die heutigen durch diejenigen von morgen. Wo ist dann die Gewißheit, daß das, was wir intellektuell annehmen und instinktiv glauben, nicht ein Irrtum des verdrehten Geistorganes ist? Das, mit großem Aufwand an Ernsthaftigkeit und wirklichem Eifer vollzogene, intellektuelle und sorgfältige Durchsieben der empirischen Kategorien ist in sich selbst Beweis genug dafür, wie der Intellekt und der Instinkt uns täuschen, indem sie uns etwas lieben und tiefes Interesse an etwas haben lassen, was in einer HÖHEREN und WAHREN EWIGEN ERFAHRUNG vollständig widerlegt und verneint wird. Der GLAUBE in das IDEAL, wie es durch die intuitive Eingebung, - den SHRUTIS -, empfangen wurde, scheint die einzige Zufluchtsstätte für das Individuum zu sein, das das HÖHERE LICHT nicht direkt erschauen kann.  Die GNADE des HÖCHSTEN WESENS wird herabsteigen und ...

 "Derjenige, der vom persönlichen Willen befreit ist, wird IHN erschauen und frei von allen Sorgen sein, - durch die GNADE des SCHÖPFERS wird er die Herrlichkeit des SELBST erschauen."                      

-KATHA UPANISHAD, II.20.

 SHRI SHANKARACHARYA erläutert den letzten Teil des MANTRAS folgendermaßen: "Wer wunschlos ist, d.h., wessen Intellekt keine äußeren Objekte, - zu sehende gleichermaßen wie nicht zu sehende - , mehr wahrnimmt, und in wem, wenn er in diesem Zustand ist, die DHATUS (Elemente/Lebenskraft) oder die Organe wie Verstand usw., die den Körper aufrechterhalten, befriedet sind, - derjenige erblickt, aufgrund des durch diese DHATUS erreichten Friedens, die Herrlichkeit des SELBST, welches frei ist von Veränderungen, die von KARMAS (Handlungen) hervorgerufen werden und erkennt direkt 'ICH BIN DAS', frei werdend von allen Sorgen."

  Die angeborene Natur aller vereinzelter Wesen beruht in der Liebe zu einem äußeren Wesen.  Ein Individuum kann nicht leben, ohne irgend etwas oder irgendeinen Zustand das es bzw. der es nicht selbst ist, zu lieben. Die Liebe zu äußeren Dingen ist ein unwillkürlicher innerer Drang, der, um die Kluft im eigenen Wesen aufzufüllen, die Vereinigung mit allem (außerhalb) sucht, um dadurch zur WAHRHEITS-ERFAHRUNG zu finden. Doch dies ist ein nutzloser Versuch, da die EINE WAHRHEIT nicht durch objektiven Kontakt, gleich welcher Art, erfahren werden kann. Der Mensch ist mit einer Art 'objektiver Neigung' bestraft. "Der SCHÖPFER legte die Sinne mit nach außen gerichteter Handlungsweise an" (KATHA UPANISHAD, IV.1), und diese KOSMISCHE BEWEGUNG wird in allen Individuen, ihrer ungeachtet, empfunden. Allein der Denkapparat ist das wahre Sinnesorgan aller Wahrnehmungen, und seine Freude beruht daher im objektiven Streben.

 Unsere Torheit beruht darin, diesem Denkapparat (bzw. Geistorgan) zu erlauben, in alle Richtungen zu eilen. Die zerstreuten Strahlen des Geistorganes sind an zahllosen Objekten des Universums interessiert, - sowohl den sicht- als auch den hörbaren. Die dem Geistorgan innewohnende KRAFT offenbart Sich Selbst nur dann, wenn Sie in das Objekt namens 'UNENDLICHKEIT' zentriert wird. Es ist der, durch eine Linse fallende, konzentrierte Sonnenstrahl, der die im Brennpunkt vereinigten Dinge verbrennen läßt und weniger die Strahlen, die in alle Richtungen verstreut sind. Das Geistorgan sollte auf die EINE SUBSTANZ konzentriert sein, die nicht im Raum angesiedelt ist, sondern die gesamte Existenz ausfüllt. Diese EINE SUBSTANZ ist das HÖCHSTE WESEN, - GOTT - , das Objekt der andächtigen MEDITATION. Liebe zu den Objekten des SAMSARA hat einen selbstsüchtigen Ursprung, wodurch sie zur Fessel wird, die das Selbst an Geburt, Leben und Tod innerhalb einer vorübergehenden Existenz bindet. Die Liebe zu GOTT ist ein wahrhaftiges Selbst-Opfer, das dem UNIVERSELLEN dargebracht wird und das erlösend auf das phänomenale Bewußtsein wirkt. Die Liebe zum UNIVERSALEN WESEN ist der HÖHEPUNKT der LIEBE. Das Ego kann sich (auf Dauer) nicht selbst behaupten, denn GOTT ist überall. Das Geistorgan kann sich nicht in verschiedene Gedankenbewegungen aufteilen, da es letztlich kein anderes Objekt als GOTT gibt. Wo immer es sich hinbewegt, fühlt es die Gegenwart des EINEN WESENS. Die gesamte Welt ist bedeckt von der Herrlichkeit GOTTES. ER, der höchst Machtvolle und Weise, durchdringt auf einen Streich die Erde und den Himmel. Das Denkorgan, das nicht mit sinnlicher Nahrung gefüttert wird, stirbt von selbst, so daß das Selbst GOTT, die VOLLENDUNG aller Wünsche und Bestrebungen erreicht.

 "ER ist das letztendliche ZIEL, von DEM sie (die Seelen) nicht zurückkehren; ER ist der Endpunkt (des SAMSARA )."

-PRASH.UPANISHAD, I.10.

 

Dies ist das Selbst-Ertränken im WAHRHEITS-BEWUSSTSEIN. Dies ist das Eintauchen ins MEER der WONNE. Dies ist das Baden im SEE des AMBROSIA. Dies ist das tiefe Trinken der UNSTERBLICHEN ESSENZ.

 MEDITATION auf das EWIGE WESEN ist die Höchste Liebesform. Durch den Umstand, daß das Universum als eine stufenweise Verkörperung des GEISTES erscheint, ist der Glaube in die Stufen der WAHRHEIT und der WIRKLICHKEIT notwendig. Auf ein vollständig transzendentes, mit dem Meditierenden Unverbundenes SEIN zu meditieren, ist unmöglich, da eine anfängliche Verneinung der Dualität eine Hemmung der Denkfähigkeit und somit einen trägen Zustand hervorbringt, der sich frustrierend auf den meditativen Prozeß auswirkt. MEDITATION beginnt in der Dualität und endet in der EINHEIT; sie beginnt mit der Anbetung GOTTES und mündet in das SEIN GOTTES.

 Die PURUSHA-SHUKTA der RIG-VEDA beschreibt eine der größten Visionen des HÖCHSTEN WESENS (RIGVEDA, X.90), welches das Höchste Formhafte Objekt der spirituellen MEDITATION ist und in der VISHNU-SHUKTA folgendermaßen zum Ausdruck kommt:

 "Wie das Auge sich in den Raum ausbreitet (und die Ausdehnung sieht), so schaut der Weise immer DAS, - VISHNUS HÖCHSTEN ZUSTAND. Die weisen BRAHMANEN, die stets spirituell erwacht sind, singen davon in unterschiedlicher Weise und erleuchten DAS, - den HÖCHSTEN ZUSTAND VISHNUS."

-RIGVEDA, I.22. 20,21.

 Eine spätere, diese RIGVEDA-Verse erwähnende UPANISHAD (SKANDA) sagt, "dies ist die Lehre der VEDAS zum Erwerb der BEFREIUNG, und dies ist die geheime Lehre." Viele andere kleinere UPANISHADEN führen diese Verse als Zusammenfassung ihrer Belehrungen am Ende auf; und ebenso finden sie als Schlußakkord vieler Vedischer Hymnen Verwendung. Die oben zitierte und die berühmte PURUSHA-Hymne mit der NASADIYA-SHUKTA sind sozusagen die Summe und Substanz der VEDISCHEN VISIONEN vom HÖCHSTEN WESEN, ausgestattet mit den besten konzeptionellen Qualitäten und auf die Stufe der VOLLKOMMENHEIT emporgehoben. Eine der Methoden, auf das HÖCHSTE WESEN zu meditieren, geschieht durch den Rückzugsprozeß aller Wirkungen in die HÖCHSTE URSACHE. Die ERDE wird durch WASSER aufgelöst; das WASSER wird durch FEUER ausgetrocknet; das FEUER erlischt durch die LUFT; die LUFT wird im RAUM (Äther) absorbiert; der RAUM verliert sich im VIRAT-PURUSHA oder dem GOTT des Universums. Selbst dieser PURUSHA ist ein Ausdruck der Kosmischen Feinstofflichen ENERGIE, die wiederum ein Ausdruck des KOSMISCHEN GEISTES ist.  Der KOSMISCHE GEIST verschmilzt in der KOSMISCHEN INTELLIGENZ, die wiederum in das UNMANIFESTIERTE, - jene Unbeschreibliche, Uranfängliche NATUR, genannt MULA-PRAKRITI, die Undifferenzierte Transzendentale KRAFT der OBJEKTIVITÄT -, eintaucht. Das Überschreiten dieses letzten Kausalzustandes enthüllt das REINE SEIN-BEWUSSTSEIN und somit das ABSOLUTE, - BRAHMAN. Diese Meditationspraxis zeichnet sich unter Aufbietung einer unaufhörlichen und ernsthaften Beständigkeit durch eine fortschreitende Transzendenz der niederen Stadien und dem Versuch, andauernd in einem tieferen und weiteren Bewußtsein zu verweilen, aus. Jedes menschliche Wesen hat die Fähigkeit dies zu vollbringen, doch hängt der Erfolg weitgehend davon ab, inwieweit sich jemand damit zufrieden geben kann, daß dies seine einzige Pflicht im Leben ist.

 Es dürfte nicht verkehrt sein, an dieser Stelle die Essenz dessen, was PATANJALI (ind. Philosoph) über YOGA  (Einheit mit GOTT) gesagt hat, verdichtet anzumerken:

 "YOGA  ist die Hemmung der Veränderungen im Inneren des Denkorganes. Dies führt zum Ruhen des Selbst in Seiner innewohnenden Natur. Die Kontrolle der geistigen Veränderungen wird durch (spirituelle) Praxis und Leidenschaftslosigkeit  bewirkt. Von diesen beiden ist die Praxis diejenige Bemühung, die zur Sicherung der Festigkeit in der MEDITATION dient. Diese wird stabil, wenn sie ohne Unterbrechung über einen langen Zeitraum und mit vollständiger Hingabe praktiziert wird. Leidenschaftslosigkeit  ist das Bewußtsein von der Herrschaft (über Wunsch und Verlangen), die durch das Nichtverlangen gegenüber sicht- als auch hörbaren Objekten, erreicht wird. Höher noch als dies alles ist die Wunschlosigkeit selbst gegenüber den uranfänglichen Formen der Existenz, was durch das Selbstbewußtsein erreicht wird. Schneller Erfolg ist denen gewiß, die intensiv mit Leidenschaftslosigkeit üben. Danach stellt sich das Innere BEWUSSTSEIN und gleichfalls die Abwesenheit aller Schwierigkeiten ein. Es sollte die Praxis der BEJAHUNG von der EINEN WIRKLICHKEIT vollzogen werden. Dann wird das Bewußtsein mit WAHRHEIT erfüllt sein, und das samenlose ÜBER-BEWUSSTSEIN wird auf diese Weise durch den Rückzug aller geistigen Veränderungen und Eindrücken erreicht."

-YOGA-SUTRAS'SAMADHI-PADA'.

 Für diejenigen, die nicht auf die GOTTHEIT, auf ISHVARA, meditieren können, beschreibt PATANJALI  Meditationen auf 'die Leidenschaftslosen', d.h., auf PERSONEN, die das HÖCHSTE SEIN verwirklicht haben. Wir können den UPANISHADEN auch entnehmen, daß die Suchenden nicht gewohnt waren, sich immer dem REINEN ABSOLUTEN hinzugeben, doch daß es viele gab, die sich mit den relativen Verwirklichungen der Kosmischen Kräfte anfüllten, obwohl diese letztlich dazu bestimmt waren, sie ebenso zum ABSOLUTEN zu führen.  Einige Mystiker praktizieren MEDITATION anhand eines zweigeteilten Prozesses: (1) sie erachten das gesamte Universum als die EINE MASSE des KÖRPERS der KOSMISCHEN GOTTHEIT, die sie anbeten, und (2) sie nehmen das Universum als die GOTTHEIT ihrer Anbetung wahr, die angefüllt ist mit einer unendlichen Anzahl identischer Formen. Hier verhilft nach dem Erreichen der objektiven Vervollständigung die GNADE des UNIVERSELLEN WESENS zur ABSOLUTEN VERVOLL­KOMMNUNG. GÖTTLICHE GNADE ist der Bewußtseinsschub oder die Anziehung des Teiles durch das GANZE, das mächtiger und wirklicher als der Teil ist; das gilt auch für den natürlichen spirituellen Drang, der die SEELE zur ERKENNTNIS ihrer eigenen ESSENZ treibt, wenn sie ihr Teilbewußtsein dem GANZHEITS-BEWUSSTSEIN unterwirft, d.h., wenn sie die anziehungskräftige Region der zerstreuenden und unterscheidenden Natur überquert und in das Reich der VEREINIGENDEN BEWEGUNG eintritt, die als MACHT des WAHRHEITS-BEWUSSTSEINS mit ihrer spirituellen Anziehungskraft beschleunigt zum ABSOLUTEN WIRKLICHEN SEIN hin eilt. Die verschiedenen Ebenen des Höheren Bewußtseins durchquerend, erreicht der Meditierende fortschreitende Befreiung.

 DIE SYNTHESE

 Die Methoden der 'BEJAHUNG des ABSOLUTEN' und die 'MEDITATION auf das UNIVERSALE GÖTTLICHE SEIN' sind in ihrer Essenz nicht wirklich voneinander verschieden. Das Äußerste an rationalem Denken gelangt zu der Erklärung, daß die Umstände der objektiven MEDITATION und die der GÖTTLICHEN GNADE ihre Gültigkeit dadurch verlieren, da Veränderung und Dualität unwirklich sind; was wiederum besagt, daß die bewußte 'BEJAHUNG des REINEN WISSENS' keine MEDITATION auf einen äußeren GOTT ist, da die WISSENS-Methode sich nicht vom Objekt der Erkenntnis unterscheidet, während die letztgenannte MEDITATIONS-Methode nicht vom Objekt der Meditation unabhängig ist. Im erstgenannten Fall ist das WISSEN abhängig von der 'ESSENTIELLEN NATUR des Objektes' (VASTU-TANTRA), die 'selbst-seiend und ewig' ist, während im zweiten Fall die MEDITATION von der Idee des (meditierenden) Subjektes (PURUSHA-TANTRA ) abhängt, die 'launisch und phänomenal' ist. Das Objekt des REINEN WISSENS befindet sich seiner Natur nach mit sich selbst in einer Beziehung der gleichzeitigen und unverzüglichen IDENTITÄT, während die Natur des Meditationsobjektes mit der Idee des Meditierenden in einer Subjekt-Objekt-Beziehung verknüpft ist und je nach Wunsch des Meditierenden wechselt. Auf diese Weise wird MEDITATION zu einem Notbehelf für das REINE WISSEN.

 Es kann nicht viele WAHRHEITS-Sucher auf Erden geben, die der Methode des REINEN WISSENS folgen, da solch eine rigorose Ermittlung und Bejahung (der WAHRHEIT) die hellste Intelligenz und das reinste Herz erfordern, das frei von jeglichem Wunsch nach irgend etwas anderem außer dem SELBST ist. Die Mehrheit der Sucher ist dazu fähig, die Methode der 'andächtigen MEDITATION auf GOTT', wie ER von ihnen empfangen wird, zu folgen. Darüber hinaus ist die GNADE GOTTES eine TATSACHE der GÖTTLICHEN OFFENBARUNG, die, entsprechend der MACHT des WAHRHEITS-BEWUSSTSEINS, durch die totale Unterwerfung des persönlichen Willens erfahren wird. Das läuft praktisch auf das hinaus, was der Philosophie-Sucher durch das REINE WISSEN und das Verschmähen aller relativen Konzepte befolgt. Selbst in den UPANISHADEN finden wir nicht viele Menschen, außer SANATKUMARA und YAJNAVALKYA, die solch einer strikten Methode des REINEN WISSENS in deren höchstem, logischem Sinne folgen. Die Mehrzahl der VIDYAS (Wissen) der UPANISHADEN behandeln im allgemeinen die 'Qualitativen MEDITATIONEN' auf das ABSOLUTE, und es ist sehr schwierig, VIDYAS zu finden, die sich der Methode der WAHRHEITS-VERWIRK­LICHUNG durch SELBST-IDENTISCHES WISSEN widmen. Einzig der REINE ABSOLUTISMUS YAJNAVALKYAS legt diese Methode vor. Dies verdeutlicht die Seltenheit von Suchern, die darauf vorbereitet sind, unbarmherzig die Fesseln der Qualitäten und Beziehungen mit der unnachgiebigen Axt des REINEN WISSENS zu durchtrennen. Dieses UNMITTELBARE WISSEN steht in präziser Beziehung zur UNBESTIMMBAREN ABSOLUTEN WIRKLICHKEIT, wohingegen sich der meditative Prozeß auf eine Bestimmbare Kosmische WIRKLICHKEIT bezieht. Soweit es die angewandte Religion betrifft, scheinen diese beiden Methoden den praktizierenden Menschen nicht von zwei entgegengesetzten Seiten zu bedrängen, vielmehr handeln sie, vom Standpunkt des ABSOLUTEN aus, als die HÖHERE WEISHEIT und das niedere WISSEN.

 

SELBST-REINIGUNG UND SCHÜLERSCHAFT

 WISSEN und MEDITATION sind für jemanden, der weltlich, sinnlich, getäuscht, stolz, egoistisch und selbstsüchtig ist, nicht möglich. Es ist der reine und klare Spiegel, der die leuchtende Sonne reflektiert und nicht die aus Schlamm und Steinen gebauten Wände. Die Liebe für das UNENDLICHE bedeutet Loslösung von allen Besonderheiten, einschließlich der Entsagung objektiver Nachgiebigkeit. Durch ENTSAGUNG wird die Gültigkeit eines mehrfachen und dualen Bewußtseins im Lichte der WAHRHEIT, daß es nur 'EINE EXISTENZ' gibt, verneint. Das unterscheidende Erfassen von der Natur der innewohnenden EXISTENZ erfordert die Verneinung des Zustandes der Erscheinung, der sich im Gegensatz zur Natur der WIRKLICHKEIT befindet. Ein Streben nach Höheren Zwecken im Leben benötigt eine Transformation und Transzendenz der niederen Bedingungen des begrenzten Lebens. Das Sterbliche und das UNSTERBLICHE stehen sich gegensätzlich gegenüber. Die instinktive Selbstbehauptung des individuellen Ego' kann niemals mit der Natur des ABSOLUTEN übereinstimmen. Vertrauen in die objektive Welt entspricht dem Verlust des Höchsten Zweckes im Leben. Vollständige ZUFRIEDENHEIT und GÖTTLICHES LEBEN kann es nur in der Verwirklichung der TRANSZENDENTEN GEGENWART geben. Dazu bedarf es eines Rückzuges von der Welt als Form samt ihren Inhalten. Zu- und Abneigungen, Anziehung und Abstoßung sind Störungen, die den Fortschritt der Seele auf ihrem Weg zur EWIGKEIT behindern. Bevor der Innenhof der WIRKLICHKEIT betreten wird, müssen die Knoten des Herzens, die das Individuum an die Erde binden, gelöst werden. Die vollständige Übergabe jeglicher Selbstbezogenheit und -gefälligkeit ist, um der SPIRITUELLEN VOLLKOMMENHEIT willen, die Bedingung, die von dem Prozeß der WAHRHEITS-VERWIRKLICHUNG gefordert wird. Die WAHRHEIT achtet nicht auf lahme Entschuldigungen und Verdrehungen der letztendlichen Tatsachen zugunsten eigener materieller Vorteile. Die selbstsüchtige Indidvidualität weiter zu füttern und das BEWUSSTSEIN auf ein ABSOLUTES ZIEL hin auszudehnen, sind die Dinge, die den Weg zur Letztendlichen BEFREIUNG ebnen.

 

In den UPANISHADEN finden wir eine wissenschaftliche und psychologische Darstellung dessen, was die größten Hindernisse auf dem Weg zur SELBST-VERWIRK­LICHUNG sind. Sie werden in drei verschiedene Hauptpunkte eingeteilt:

 

"Wunsch nach Nachkommenschaft; Wunsch nach Wohlstand;

 Wunsch nach der Welt."          -BRIH.UPANISHAD, III.5

 

Der erste Wunsch ist einer der beiden vitalen Impulse des Lebens, die beiden anderen entspringen dem Instinkt nach Selbsterhaltung. Vom Ausdruck des schöpferischen Impulses wird gesagt, daß er nach der Loslösung vom Ursprünglichen Schöpferischen WILLENS des UNIVERSALEN SEIN' immer zu arbeiten hat. Verschiedenheit ist die Bedeutung von Offenbarung. Jede individuelle Kraft ist eine, im Zustand der ausgelassenen Entartung und der unkontrollierbaren Tätigkeit befindliche Kopie der KOSMISCHEN SCHÖPFERISCHEN KRAFT. Diese sich selbst-vervielfältigende Natur (AVIDYA / Unwissenheit) zu lenken, ist nicht einfach, es sei denn, man fängt mit Unterstützung der Höheren Sich Selbst-vollendenden NATUR (VIDYA / WISSEN) dagegen an zu kämpfen. Der Wahrheitssucher schreitet zur wahren Wurzel dieser selbst-vervielfältigenden Energie und zwingt sie, sich selbst im Grund-Gedanken aufzulösen. Derjenige, der die schöpferische Kraft verströmen läßt, wird in den endlosen Prozeß der unterscheidenden und vervielfältigenden Existenz verwickelt und bleibt dem ABSOLUTHEITS-BE­WUSSTSEIN für immer fern.

 

Jene, die die spirituelle WIRKLICHKEIT erkannt haben, enthalten sich dem täuschenden Schöpfungsinstinkt und stehen fest im WAHRHEITS-BEWUSSTSEIN.

 

"BRAHMANEN, die das SELBST erkannt haben, erheben sich über den Wunsch nach Nachkommenschaft, dem Wunsch nach Wohlstand und dem Wunsch nach der Welt und leben das Leben von Bettlern."                                                                 

-BRIH.UPANISHAD,III.5.

 

Die Sucher, die die objektivierende Energie genügsam in die BEWUSSTE KRAFT transformieren, - die das Erblühen des Egos in das Objektlose BEWUSSTSEIN hinein bewirkt -, sind die ins ABSOLUTE einbezogenen Anwärter und Nutznießer dieser Höchsten KRAFT, die zu einer gründlichen spirituellen MEDITATION weiterführt. Die CHHANDOGYOPANISHAD sagt, daß ein stabiles BEWUSSTSEIN, das die Ego-Knoten zertrümmert, dann entsteht, wenn REINHEIT und LICHT aufsteigen. Solch glorreiche Anwärter erglühen in leuchtender spiritueller STÄRKE, die es leicht mit den furchtbarsten Naturgewalten aufnimmt. Dies sind die wahren Helden, die sich ihr Gewand (der Entsagung) mit dem Schwur umgegürtet haben, über alle Phänomene hinweg direkt ins HERZ der EXISTENZ zu springen. Liebe, die ein Objekt begehrt, ist nicht vollkommen. Wahre LIEBE kommt niemals zum Ausdruck, sondern verschmilzt einfach in ERFAHRUNG. Nur vergängliche Zuneigung und ungenügender Glaube schütten sich selbst über die Sinnesobjekte aus. Sobald sich Liebe den flüchtigen Erscheinungen zuwendet, ergießt sie sich auf (leblose) Asche. Wahre LIEBE ist selbst-vervollkommnend und niemals das Medium der Begegnung von Subjekt und Objekt. Die gesamte Energie ist schöpferisch, doch wir müssen sie von der unterscheidenden Kreativität hin zur vereinigenden Kreativität lenken. AVIDYA (Unwissenheit) und VIDYA (WISSEN) sind beides schöpferische KRÄFTE des ABSOLUTEN; die erstgenannte ist ein Abstieg in die Unwissenheit und Trennung, während die zweite ein Aufstieg zu WISSEN und EINHEIT ist.

 Der Wunsch nach Wohlstand ist der Wunsch nach Besitz und die Gier nach materiellem Gewinn, welche die Wirkung der instinktiven Liebe nach dem Leben, der selbsterhaltende Impuls der individuellen Natur ist. Da das 'SEIN' wirklicher ist als das 'Werden', ist der Wunsch nach Selbst-Erhaltung ein stärkerer Instinkt als die Selbst-Vervielfältigung. Beide sind sehr innig miteinander verbunden. Sie arbeiten hauptsächlich über die Sinne und das 'Wasser-Prinzip' als ihrer Hauptenergie-Quelle und sind die wirkenden Kanäle für den Wunsch nach phänomenaler Existenz und formgebender Handlung. Die ganze Geschäftigkeit des einfachen grobgerasterten Lebens besteht im Wesentlichen aus dem Spiel der zwiefältigen individuellen Natur, - die Individualität zu schützen und wachsen zu lassen. Diese eindeutig schädlichen Impulse finden ihren negativen Ausdruck in 'Trägkeit und Schlaf', - beides sind Zustände einer vorübergehenden Aufwärtswindung und Verlagerung der erhaltenden und schöpferischen Handlung, da die Sinne  entweder erschöpft sind oder ihnen die, von der äußeren Natur geforderten Objekte verweigert werden. Geschwätzigkeit und physische Betätigung sind zwei der anderen dynamischen Formen des vitalen schöpferischen Impulses, die, wenn ihnen die Ausübung ihrer normalen Schaffensfunktion nicht gestattet ist, in gewaltsamen Methoden des Selbst-Ausdruckes ihren Verlauf nehmen. Die eigensinnige und unbezwungene niedere schöpferische Natur  fließt ungestüm durch tausend Kanäle nach außen und verstrickt das Individuum durch zahllose Beziehungen in das soziale Leben dieser Welt. Der Wunsch 'als ein Individuum in Verschiedenheit' zu den relativen Verknüpfungen mit den anderen Individuen zu leben, stellt die gesamte Szenerie des weltlichen Lebens dar, das durch diesen mächtigen Prozeß der aufspaltender NATUR aufrechterhalten wird. Wenn ein solcher Prozeß gewaltsam angehalten wird, kommt es zu einer allgemeinen negativen Reaktion der aktiven Kräfte in der Art, daß entweder alles durch das Eintreten des Tiefschlafes im Individuum in Vergessenheit geraten soll, oder daß die Kräfte zu Überreaktionen verleiten. Die Aufgabe des Schülers beruht daher in der doppelten Wachsamkeit gegenüber jeglicher positiver Betätigung und negativer Trägheit.

 Der Wunsch nach der Welt liegt im Wunsch nach dem eigenen Namen, nach Ruhm, Macht, Herrschaft und Genuß in dieser oder in einer himmlischen Welt. Die beiden ersten Wünsche sind aus der hohen Einschätzung von der Größe des individuellen Daseins geboren, wodurch sowohl das Verlangen nach werbender und verkündigender Mitteilung an, als auch die Verleihung von herausragendem Lob und Ehre durch die anderen Individuen gestärkt wird. Diese Selbst-Beweihräucherung wird noch durch den Wunsch, über andere Individuen zu herrschen und im Unterschied zu ihnen als besondere Wissens- und Machtgröße über ihnen zu stehen, gesteigert. Dieser Prozeß der egoistischen Beziehung zu äußeren Wesen, der dazu verwendet wird, den Sinn der individuellen Wirklichkeit noch zu verstärken, ist das Ergebnis der großen Einbildung, geboren aus dem doppelten Mißgeschick, nämlich - das WIRKLICHE zu vergessen und nach dem Unwirklichen zu greifen. Der Höhepunkt der selbstsüchtigen Natur wird durch das Verlangen nach großem Namen, umfassendem Ruhm und gewaltiger Macht erreicht, welches das Ego-Bewußtsein daran hindert, sich selbst in das UNENDLICHE BEWUSSTSEIN auszudehnen. Die ursprüngliche universale Schöpfungs- und Erhaltungstriebkraft wird irgendwie verdreht und verdorben, wenn sie im Individuum, das hinter dem WIRKLICHEN zurückbleibt, zu arbeiten beginnt. Die Verdrehung der WAHRHEIT beginnt in gewissem Sinne schon bei ISHVARA Selbst, obwohl ER durch Seine immense Nähe zum ABSOLUTEN ungefesselt bleibt und weil ER insbesondere kein Zweites Wesen neben Sich hat, auf das ER Sich beziehen könnte.  Die Tränen fließen erst dann, wenn Dualität und Mannigfaltigkeit ihr verwüstendes Spiel spielen und wenn das Individuum aufgrund von Leidenschaft und Dunkelheit unfähig ist zu erkennen, was wirklich die WAHRHEIT ist und in welcher Beziehung es zur Welt und zu deren Inhalte steht. Die Allmacht der ABSOLUTEN NATUR erniedrigt sich selbst im Individuum und in dessen Verlangen nach Selbst-Erhebung und Vormacht über andere, was die Wirkung des Mißverständnisses hinsichtlich der wahren Beziehung zwischen den Individuen ist. Die UNIVERSALE NATUR der ALLGEGENWART UND ALLWISSENHEIT wird in den Zustand des 'sich an das individuelle Leben klammern' und nicht zuletzt den dem 'individuellen Eingebildetsein' heruntergezogen. Verblendete Liebe ist die unbewußte und blinde Bewegung auf dem falschen Pfad parallel zu dem einen Band GANZHEITLICHER LIEBE, das die Wesen des Universums in einem einzigen 'SELBST-WONNE-SEIN' zusammenhält. Die SELBST-LIEBE des UNIVERSALEN SEIN' entartet in relative Verhaftungen zwischen Seinen individuellen Teilen. Selbstsucht und Egoismus sind die rohen und verdorbenen Formen des Instinktes der EWIGEN-SELBST-EXISTENZ, die durch die Handlungen der verborgenen und verwirrenden Kraft der WIRKLICHKEIT verdreht dargestellt wird. Das ganze Drama des phänomenalen Lebens ist ein blinder Kampf des sich entzweienden BEWUSSTSEINS in seinem Versuch, sich selbst in der WAHRHEIT der absoluten Natur der WIRKLICHKEIT zu finden. Der Lebenskampf kann solange nicht aufhören, solange das ABSOLUTE BEWUSSTSEIN nicht verwirklicht ist, denn die EWIGE NATUR der WIRKLICHKEIT wird nicht aufhören, Sich Selbst, - auch nicht für den Zeitraum eines einzigen winzigen Augenblickes -, im Individuum zu behaupten. Doch der ABSOLUTE DRANG scheint im Individuum kein Gehör zu finden, solange dieses unfähig ist, die wahre Bedeutung der unfreiwilligen Rufe und die höheren Erfordernisse des Lebens, die durch die phänomenale Natur und die SCHUBKRAFT der WAHRHEIT auferstehen, zu erkennen. Die Unwissenheit des Individuums hinsichtlich der wahren Grundlagen der Erfahrung entspricht der Gegenwart von Kräften intensiver Bewußtseinsumwölkung und -selbstaufspaltung, was besser bekannt ist als AVIDYA (Unwissenheit) oder TAMAS (Trägheit) und KAAMA (Wunsch/Lust) oder RAJAS (Leidenschaft). Die Ursache für das Lebensleid ist das mangelnde Wissen von der eigenen Beziehung zur 'ABSOLUTEN SELBST-IDENTITÄT aller Individuen'. Es gibt da eine Art Torheit in jedem Individuum, die es an die Vielgestaltigkeit der Individuen glauben läßt, wodurch die bittere Frucht der vorübergehenden Existenz mit ihren furchtbaren begleitenden Gesetzen von Handlung und Gegenhandlung, von Ursache und Wirkung usw. heranreift, die unaufhörlich den endlosen Kreislauf von Geburt und Tod in den individuellen Bewußtseinszuständen vorantreibt. Das Durchbrechen dieser zerstreuten Ausdauerbeziehung der Welt (zur Ewigkeit) kann nur durch das HÖHERE WISSEN angeregt werden, das sich über die Beziehungen von Raum, Zeit, Ursache und Wirkung hinausbewegt. Ohne die Schwankungen dieser phänomenalen Beziehungen zu transzendieren, darf niemand darauf hoffen, irgendeinen Erfolg im Erwerb des REINEN WISSENS oder in der MEDITATIONS-PRAXIS auf GOTT zu haben. Wahrhaftig, es gibt keine andere Beziehung zwischen den Individuen als 'die Fülle der bewußten Identität von sich selbst zu sein'. Es sollte keine andere Haltung zwischen den Individuen geben als die Bewußtheit der SELBST-IDENTITÄT des VOLLKOMMENEN SEINS. Es gibt keine Unwissenheit und Sorgen, solange das Individuum zumindest ein absolutes Individuum, d.h. ISHVARA ist, in dem es keinen Subjekt-Objekt-Gegensatz gibt; die Leiden entstehen in dem Moment, wo das Dualitäts-Bewußtsein heraufdämmert und das Vielfältigkeits-Bewußtsein die Dinge erschwert. Die Sünden, die durch individuelle Gedankenbeziehungen gezüchtet werden, handeln als 'MALA' oder Schmutz, der das REINE SELBST-BEWUSSTSEIN überzieht. Die Beziehungen selbst sind 'VIKSHEPA' oder die schleudernde Kraft, und die Täuschung, die die Beziehungen verursacht, ist 'AVARANA' oder die betörende Unwissenheits-Wurzel. Dieser Schmutz, dieses Schleudern und dieses Bedecken sind die Ursachen der Fesselung und müssen durch intensive 'MEDITATION' und 'WISSEN' beseitigt werden.

 

ETHIK   

 Die UPANISHADEN betonen, daß ein Anwärter auf das ABSOLUTE ausgestattet sein sollte mit:

 "Ruhe des Denkorganes, Selbstkontrolle, Aufgabe der (Vorstellung) Handlungen (auszuführen), Seelenruhe, Glaube und Gedankenkonzentration."

-BRIH.UPANISHAD, IV. 4.23.

 Selbst-Reinigung, Selbst-Beherrschung und strenge Bußübungen bestehen aus der Verneinung der individuellen Beziehungen, die durch völlige Selbst-Verleugnung und den Verzicht auf Subjekt-Objekt-Beziehungen erreicht werden. Auf die Schwierigkeiten, dies zu erreichen, wird warnend hingewiesen:

 "Dies ist ein schwieriger Pfad, der, wie die Schneide   einer scharfen Klinge, schwer zu begehen ist";

 und deshalb wird uns angeraten:

 "Steht auf! Erwacht!

Werdet Menschen der WEISHEIT, erkennt (ES)."        -  KATHA UPANISHAD, III.14.

 weiterhin:

 "Denen gehört diese makellose Wohnstätte BRAHMANS, die frei sind von Falschheit, Verworfenheit, List und Ränkespiel."                          

-PRASH.UPANISHAD, I. 16.

 "Der die Unwahrheit spricht, trocknet aus bis zur innersten Wurzel."                     

-PRASH.UPANISHAD, VI.1

 "Dieser ATMAN ist durch (praktizierte) Wahrheit, Strenge, vollständiges Wissen, Selbstbeschränkung, Beharrlichkeit erreichbar."                          

-MUND.UPANISHAD, III.1.5.

 Die UPANISHADEN werden nicht müde, immer wieder darauf hinzuweisen, daß WAHRHEIT (SATYA) und SELBST-BESCHRÄNKUNG (BRAHMACHARYA) die wichtigsten Mittel zum Erwerb von REINHEIT und WISSEN sind. Wir finden überall in ihnen den Verweis darauf, daß BRAHMAN durch BRAHMACHARYA erreicht wird. PRAJAPATIS Anweisungen für Götter, Menschen und Dämonen, - die von Natur aus eine Neigung zur Leidenschaft, Gier und Zorn haben -, liegen die Mittel der 'Selbst-Beschränkung (Mäßi­gung), Nächstenliebe und  Leidenschaftslosigkeit' als Heilmittel für die erwähnten drei Übel zugrunde (BRIH.UPANISHAD, V.2.). Auf die vollständige Entsagung dieser Welt wird in den folgenden Erklärungen ebenso hingewiesen: "BRAHMANEN, die das SELBST kennen, wandern als Bettler," und "praktizieren Verzichtsübungen in den Wäldern, von Almosen lebend." Der Schüler wird gebeten "dem Lernen überdrüssig zu werden und sich zu wünschen, wie ein Kind zu leben", doch darüber hinaus "selbst von dem kindlichen Zustand angewidert zu sein" und "ein Weiser zu werden", um dann "sowohl den Weisheits- als auch den Nichtweisheits-Stand zu transzendieren" und "ein wirklicher BRAHMANE (BRAHMAN-KENNER) zu werden." "Alles gereicht der Liebe des SELBST," und deshalb sollte gegenüber allem Seh- und Hörbaren eine völlige Unentschiedenheit entwickelt werden. Im UNENDLICHEN wird nichts gesehen, nichts gehört, nichts erkannt. Wenn das (individuelle) Selbst entleert ist, wird Es vom ABSOLUTEN mit Sich Selbst gefüllt. "Alle Wünsche, die im Herzen angehäuft sind, sollten ausgemerzt werden" und "die fünf Sinne der Erkenntnis sollten zusammen mit dem Denkorgan aufhören zu arbeiten, und der Intellekt sollte stillstehen." " Weder derjenige, der sein schlechtes Verhalten nicht abgelegt hat, noch derjenige, der nicht ruhig ist, noch derjenige, der das Denkorgan nicht geordnet hat, kann DAS durch Intelligenz erreichen."

 Die Verwirklichung der Wertlosigkeit von irgendwelchen Verbindungen hin zu den Objekten des Universums ist ein einziger fataler Schlag gegen alle bösen Verhaltensweisen. Eine Handlung oder ein Ding kann nicht durch seinen objektiven Wert beurteilt werden. Materieller Besitz wird nicht zum entscheidenden Kriterium von Wahrheit und Gerechtigkeit. "Es besteht keine Hoffnung auf UNSTERBLICHKEIT durch Wohlstand." Der wahre Wert einer Person oder einer Sache hängt nicht davon ab, als was er oder es gegenüber anderen erscheint. Nichts, was durch eine Person erreicht wird, wie lobenswert und groß es auch sein mag, ist auch nur einen blanken Heller wert, wenn diese Person nicht im Wissen der WAHRHEIT ist. "Wenn jemand Opferhandlungen und Gottesdienst und Bußübungen in dieser Welt vollzieht, und sei es für viele Tausende von Jahren, ist das, was er getan hat, ohne das WISSEN vom UNZERSTÖRBAREN SEIN wahrlich vergänglich." Der Sucher sollte sich nicht durch freudenspendende Schönheit und ein würdevolles Leben in der Sinnenwelt betören lassen. Wo keine Katze ist, ist die Ratte der König. Solange die ozeangleiche Flut des BRAHMAN-BEWUSSTSEINS den Baum des SAMSARA nicht entwurzelt, scheint die Welt eine diamantene Wahrheit zu sein. Eine gedankenvolle Person sollte dahingehend unterscheiden, daß ihre Fähigkeiten, ihre Größe, Kraft, ihre verschiedenen Wünsche und Vorhaben ins Reich der UNZERSTÖRBAREN WIRKLICHKEIT hineinreichen und nicht in diese Welt der Sterblichen,- auch nicht in die Götterhimmel. Alle spaltenden Versuchungen sollten geprüft und dahingehend transformiert werden, daß sie eine Kraft bilden, die die INNERE ESSENZ des Lebens offenbart. Diese Leidenschaftslosigkeit wird durch die Einsicht in die unterschiedslose (innere) Natur von Subjekt und Objekt kultiviert. Die Unentschiedenheit gegenüber der wahrnehmbaren Vielfalt sollte immer aus einer intelligenten Überzeugung von der WAHRHEIT  und nicht aus dem bloßen Scheitern im Leben geboren werden. Wahre ENTSAGUNG ist untrennbar von einer intensiven LIEBE zum WIRKLICHEN. Leidenschaftslosigkeit gegenüber dem relativen Leben bedeutet Leidenschaft für das, was absolut wahr ist. Der Widerwille dem phänomenalen Leben gegenüber entspricht dem Wunsch nach SELBST-VERVOLLKOMMNUNG und der MYSTISCHEN INNENSCHAU.

 Es ist nicht möglich, das endliche Leben zu transzendieren, wenn der Sucher nicht alle wechselnden Formen zurückweist und das natürliche Fließen des Offenbarungsstromes boykottiert. Je vollständiger das Werk der sich offenbarenden Natur ist, desto mehr entzieht sich die WAHRHEIT dem Blick. Das Geheimnis des Triumphes über die überwältigend ausdrucksstarke Gewohnheit des Lebens liegt im festen Zurückhalten des objektiven Flusses. Die Regel der Selbstkontrolle verschont selbst die Ausdruckskraft des höchsten Intellektes nicht. Selbst eine brillante Auslegung von der Natur der METAPHYSISCHEN WIRKLICHKEIT ist mit dem Makel eines gewissen Mangels an Zurückhaltung seitens des Philosophen behaftet. Die WAHRHEIT ist unbarmherzig gerecht und exakt, und auch nicht zur geringsten Abweichung von Sich Selbst geneigt. BRAHMACHARYA ist ein 'kategorischer Imperativ', der gemäß der CHHANDOGYOPANISHAD (VIII. 5) nicht nur die allgemein verstandene Studentenperiode der Enthaltsamkeit und des Studiums der VEDAS unter einem Lehrer, sondern den gesamten Lebenslauf des BRAHMANEN umfaßt und als der Weg zur SELBST-VERWIRKLICHUNG betrachtet wird. Die ANU-GITA sagt, daß derjenige ein BRAHMACHARI ist, der völlige Selbstkontrolle erwirkt hat, der in BRAHMAN ruht und der sich in der Welt als eine Form BRAHMANS umherbewegt. Er ist ein Anhänger völliger Gewaltlosigkeit und Liebe. Mitleid ist der Prozeß der SELBST-ERFÜLLTHEIT des essentiellen GEISTES durch einen spontanen Ausfluß Seiner Selbst zu egolosen bewußten Wesen. Der Mensch mit Selbstkontrolle ist vorsichtig gegenüber dem Bösen, das häufig auch im Gewand der Heiligkeit und Frömmigkeit daherkommt. Sein spirituelles Auge ist immer offen.

 Der Sucher mag, falls notwendig, die unterschiedlichen Methoden der Annäherung an das ABSOLUTE kennenlernen, um seine Zweifel bezüglich den letztendlichen Tatsachen zu klären. Doch für den Anwärter ist dies, aufgrund der Möglichkeit, hinsichtlich fundamentaler Gegebenheiten in Verwirrung zu geraten, nicht ganz ungefährlich. Kein Philosoph war jemals dazu fähig, die Wege, die zur VERWIRKLICHUNG BRAHMANS führen, zu standardisieren. Es gibt immer sogenannte 'letzte Zweifel', die kein menschliches Wesen klären kann. Selbst wenn es Millionen verschiedener Methoden gibt, vereinigen sich diese in dem Moment zu einer einzigen Methode, wenn sie bis zu ihrer ABSOLUTHEIT ausgeweitet werden. Unabhängig von all Seiner Natur ist das ABSOLUTE immer EINS. Für den Sucher ist es daher das beste, eine Methode aufzugreifen und diese solange anzuwenden, bis ihre eigene ABSOLUTHEIT erreicht wird. Dabei wird verwirklicht, daß das ABSOLUTE des Einen das ABSOLUTE von Allen ist.

 "Wie Regenwasser, das durch enge Rinnen die Berge herunter, hierhin und dorthin läuft, so verläuft sich derjenige, der viele DHARMAS (Tugend/Pflicht) getrennt wahrnimmt und ihnen allen nachzulaufen versucht"

-KATHA UPANISHAD, IV.14.

 Es entspricht der Natur der UNENDLICHEN WIRKLICHKEIT, auf unendlich vielen Wegen erreichbar zu sein, die alle richtig sind, wenn sie zum UNENDLICHEN führen, "wie reines Wasser, das, in reines Wasser gegossen, zu reinem Wasser wird, so rein wird das Selbst des Schauenden, der das WISSEN erlangt hat

(KATHA UPANISHAD,IV.15).

 Scharfsichtigkeit, Leidenschaftslosigkeit, Gelassenheit, Selbstbeschränkung, Unentschie­denheit gegenüber der Welt, Seelenruhe, Glauben, Geistessammlung und das Ver­langen nach Befreiung von den Fesseln, sind die Vorbedingungen der Spirituellen MEDITATION

  

DER LEHRER UND DER SCHÜLER

 Wie intelligent der Sucher auch sein mag, es ist ihm, - von seltenen Ausnahmen völlig weltfremder Wesen abgesehen -, nicht möglich, die exakte Meditationstechnik auf das zu erreichende IDEAL hin zu ergreifen. Die besten Ergebnisse bei der Weitergabe des spirituellen Wissens werden nicht so sehr über die Präzision des Verstandes und der Logik als vielmehr durch Bildhaftigkeit, Kunst und Schönheit erreicht. Was das Wesen des Menschen berührt sind eher die Veränderungen des Herzens als die des intellektuellen Verständnisses. ADHYATMA-VIDYA ist die Wissenschaft von der innersten ESSENZ des Universums, und dieses Wissen fällt nicht unter die Kategorien der objektiven Urteilskraft. Die Lehren der Weisen sind immer vom deutlichen Charakter der Ansprache an die gesamte Natur der Person und nicht nur eines Aspektes beschaffen. Die höchsten Lehren werden von Herz zu Herz weitergegeben. Die Sorgen des Lebens werden nicht durch blumige Ausdrucksweisen und feine Haarspaltereien vermindert. Die Ursache der Sorgen ist in der wahren Beschaffenheit des Individuums angelegt und nicht nur in dessen übergestülpten Hüllen. Die innere Erkrankung wird nicht durch das einfache Waschen der äußeren (Körper-) Hülle geheilt. Die Wurzel des Übels muß ausgegraben werden.

 Der beste Vollzug ist immer dann möglich, wenn beide, - Subjekt und Objekt -, eine bewußte Interaktion bilden, und nicht so sehr dadurch, daß das Bemühen allein durch das Subjekt erfolgt. Das Denkorgan ist das objektivierte Universale BEWUSSTSEIN. Das bewußte Subjekt und das bewußte Objekt sind beides Bewußtseinsausdehnungen, die sich im Grad der Feinheit und der Ausdehnung ihrer Bedingungen voneinander unterscheiden. Jeder höhere, feinere und ausgedehntere Zustand ist stärker und einschließlicher als die niederen. Keine Handlung oder sonstige Gegebenheit ist im niederen begrenzten Sinne ihrer Individualität vollkommen subjektiv oder vollkommen objektiv. Die WAHRHEIT liegt in der Mitte zwischen beiden. Handlung und Gegenhandlung arbeiten gleichzeitig als subjektive und objektive Kräfte, die innig miteinander verbunden sind. Das Innere und das Äußere sind die beiden gegensätzlichen Seiten des EINEN GANZEN SEIN'.  Es ergibt keinen Sinn, wenn es Augen gibt, aber kein Licht, oder wenn es Licht gibt, aber kein sehendes Auge. Der gegenseitige Kontakt ermöglicht die Wahrnehmung. Wenn die ganze individuelle Subjektivität die Wahrheit wäre, würde das Individuum der absolute Herrscher über das gesamte Universum sein; wenn dagegen die ganze Objektivität die Wahrheit wäre, könnte kein Individuum jemals Befreiung erlangen und die Freiheit wäre ein bloßes Hirngespinst. Das Subjekt und das Objekt haben deshalb die gleichen Anteile beim Festlegen der Wirkung innerhalb ihrer Interaktion. Die inneren und äußeren Formen der einen KRAFT verschmelzen miteinander, um eine Wirkung zu erzeugen.

 Diese Tatsache erklärt zufriedenstellend den wunderbaren Übermittlungsprozeß, mit dem das Wissen vom Lehrer auf den Schüler übertragen wird. Die Transformation des Schülerbewußtseins ist die verbindende Handlung der wahrnehmbaren Fähigkeit und die bewußte Anwendung durch den Schüler, getragen von der BEWUSSTSEINS-KRAFT des Lehrers, der dies ausstrahlt. Der Lehrer sollte

 "ein SHROTRIYA (Schriftkundiger) und BRAHMANISHTHA (BRAHMAN-Kenner) sein"               

-MUND.UPANISHAD, I.2.12.

 Die kräftigere SPIRITUELLE ENERGIE des Lehrers wird in den weniger gereinigten geistigen Zustand des Schülers gegossen, was zur Auflösung der Dunkelheit und zur ERLEUCHTUNG des letzteren führt. Das BEWUSSTSEIN des Lehrers betritt die dunklen Ecken im Bewußtsein des Schülers, der dies mit der Kraft der Reinheit und Wahrheit erträgt, und im Umfang des, von RAJAS (Leidenschaft) und TAMAS (Trägheit) gereinigten Denkorganes empfängt.

 Wir hören von ernsthaften Suchern, die zum Lehrer gehen und ihn flehentlich bitten:

 "ADHIHI BHAGAVO BRAHMA "   -  

"O großer MEISTER, lehre mich BRAHMAN."

 BHRIGU erlernte BRAHMA-VIDYA (Wissen von BRAHMAN) von seinem Lehrer VARUNA; NACHITEKAS von YAMA; SUKESHA  und andere von PIPPALADA; SHAUNAKA von ANGIRAS; SVETAKETU von UDDALAKA; NARADA von SANATKUMARA; INDRA von PRAJAPATI; MAITREYI von YAJNAVALKYA.

Die Schüler werden im allgemeinen gebeten, sich für etliche Jahre der Stille und Abgeschiedenheit hinzugeben, bevor sie in die HEILIGE WAHRHEIT eingeweiht werden. Spirituelle Übungen praktizierend, erfreuten sie sich eines natürlichen Lebens an abgeschie­denen Orten. Das transzendentale Mysterium kann nicht so einfach zwischen der zerstreuenden Geschäftigkeit des sozialen Lebens verinnerlicht werden. Die dichten, grünen und entfernten Wälder, die abseits von der unmittelbaren Berührung mit der Luft des geschäftigen, weltlichen Lebens liegen, haben seit jeher die Liebhaber von Stille und Frieden angezogen. Die Wälder atmen ein neues, dem gewöhnlichen Menschen unbekanntes Leben aus und sprechen in der Sprache der Ewigkeit. Sie scheinen sich glücklicherweise der revoltierenden Kräfte und den brutalen Konflikten in der Natur, über die der Mensch sich so sehr beklagt, nicht bewußt zu sein.  In diesen Wäldern verbringen die Sucher ihre Zeit in stiller Meditation, ganz der HÖCHSTEN WIRKLICHKEIT ergeben. "Glaube, Enthaltsamkeit, Verzicht und Wissen" (PRASH.UPANISHAD, I.10) sind die Schlüsselwörter für diese Gesegneten, die mit eiserner Bestimmtheit SELBST-VERVOLLKOMMNUNG praktizieren. Die aufrechten Anwärter auf die WAHRHEIT, ausgestattet mit allen spirituell ethischen Qualifikationen,

 "wurden verwirklichend, daß das Nicht-Getane niemals durch das, was getan wird, zu erreichen ist, der handlungsgebundenen Welt überdrüssig,"

 und gingen demütig und ergeben zum Lehrer, um von Ihm jenes WISSEN zu erhalten, das ihnen das UNZERSTÖRBARE offenbart. Und der herrliche Lehrer offenbart ihnen das WISSEN von BRAHMAN. Die Schüler waren "jene Hochbeseelten, die die höchste Hingabe zum Höchsten SEIN, und für ihren Lehrer nicht weniger als für das Höchste SEIN hatten." UDDALAKA veranschaulicht seine Anregung, daß nur "derjenige, der einen Lehrer bekommen hat (die WAHRHEIT) erkennen kann" damit, daß jemand ohne spirituelle Führung wie ein Mensch ist, der mit verbundenen Augen seinen Weg verfehlen und irgendwelche unerwünschten, dem Mangel an eigener Einsicht entsprechenden, Bestimmungsorte erreichen kann. Die MUNDAKA-UPANISHAD  sagt, daß derjenige, der sich nach wirklichem Wohlstand sehnt, den KENNER des SELBST verehren soll. Es wird der Spitzfindigkeit des Intellektes nicht erlaubt sein, das Wachstum der Göttlichen Beziehung, die zwischen dem GURU und dem SISHYA (SCHÜLER) besteht, zu behindern.

 "Selbst die Götter hatten darüber Zweifel, denn wahrhaftig, ER (der GURU) ist nicht leicht zu erkennen; diese Angelegenheit ist sehr fein.

-KATHA UPANISHAD, I.21.

 

"ER ist nicht leicht anhand der Erzählung einer untergeordneten Person zu erkennen, obwohl (ER) auf vielfältige Weise beschrieben sein mag; solange (ER) nicht durch jemand anderes (der höchst weise ist) erklärt wird, gibt es keinen Weg (zu IHM); ER ist unfaßbar feiner als das Feinste und unbeweisbar."        

-KATHA UPANISHAD, II.8.

 Selbst der stolze INDRA und der große NARADA erschienen demütig vor ihren Lehrern. Das spricht für die majestätische Transzendenz des ABSOLUTEN, die mit normalen Mitteln nicht erkennbar ist. Wie arglos und einfach war jener SATYAKAMA, der, als er nach seiner Herkunft gefragt wurde, zu seinem Lehrer sagte:

 "O Gebieter, aus welcher Familie ich stamme, weiß ich nicht; ich fragte meine Mutter und sie erwiderte mir: "Ich habe dich in meiner Jugend empfangen, als ich eifrig in Diensten war und ich weiß nicht, aus welcher Familie du bist"."

 Daraus schlußfolgerte der Lehrer, daß SATYAKAMA ein BRAHMANE sein muß und sagte zu ihm, daß "ein Nicht-BRAHMANE nicht fähig sein wird, das (die WAHRHEIT) auszusprechen", und nahm ihn als Schüler an.

 NARADA  wiederum verbeugt sich und sagt, "O HERR, ich bin in Sorge; mag mich der HERR meiner Sorgen entbinden."

 "Durch die Vernunft wird dieses WISSEN nicht erreicht; über die Anleitung eines anderen ist ES leicht zu erkennen."                             

-KATHA UPANISHAD, II.9.

 Das erklärt deutlich, daß SELBST-ERKENNTNIS nicht durch ein individuelles, der eigenen Unwissenheit ausgesetzten, Streben ohne einen Lehrer erreicht werden kann. Niemand kann ES aufgrund seiner eigenen persönlichen Bemühung ohne geeignete Führung  erreichen, - so geheimnisvoll und fein ist ES. Bücherstudium ist totes Wissen; das, direkt vom Lehrer kommende WISSEN ist dynamische BEWUSSTSEINS-KRAFT. Darauf verweisend, wird gesagt:

 "Der Vater sollte das BRAHMAN-Wissen dem ältesten Sohn oder einem geeigneten Schüler anvertrauen und sonst niemandem; selbst wenn ihm jemand diese meer­umschlungene Erde, angefüllt mit ihren Reichtümern anbieten sollte, wahrlich, - 'Dieses' (WISSEN) ist größer als 'das' (die Erde)."                                                                                                                                                                                                 

-CHH.UPANISHAD, III.11.5.

 Die Einweihung gewährt dem Schüler lediglich die Zulassung in den Spirituellen Strom; das wirkliche Bemühen zur Erhebung in das ABSOLUTE muß durch den Schüler erfolgen, und zwar durch fortgesetzte "MEDITATION im Sinne konzentrierter Disziplin der Sinne, mit Wachsamkeit und Demut, - denn der meditative Zustand kommt und geht."            

-KATHA UPANISHAD, VI.11.

 Es gibt keinen größeren Fehler als den des spirituellen Stolzes. Selbst der Zustand Hoher MEDITATION ist vergänglich und zieht rasch vorbei. Laßt keinen Stolz aufkommen, keine Eitelkeit, auch wenn sich das Gefühl ausbreiten mag, befreit zu sein. Das Licht der Unterscheidung sollte immer hell leuchten. Wenn der Prozeß der praktischen Bemühung vollendet ist, stellt sich schnell die Höchste WIRKLICHKEITS-ERFAHRUNG ein.

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 KAPITEL 6

 EINTRITT IN DIE BEFREIUNG

 DIE NATUR VON SADYO-MOKSHA

 Alle Bemühungen richten sich auf das gemeinsame Ideal mit dem Ziel der fortwährenden Aufhebung aller Sorgen und der Erfahrung Unendlicher WONNE. Wahre WONNE ist nur im UNENDLICHEN  und Sorgen stets im Endlichen zu finden. Daher ist der Erwerb des UNENDLICHEN LEBENS der Höchste Zweck im endlichen Leben. Das teuerste Ziel von 'WISSEN'  und 'MEDITATION’ ist die VERWIRKLICHUNG des ABSOLUTEN. MOKSHA (Befreiung) ist die höchste Ausdrucksform des SELBST in seiner ursprünglichen Natur der Höchsten VOLLKOMMENHEIT. Wahre Emanzipation (Befreiung) ist das BEWUSSTSEIN von der WIRKLICHKEIT und weder das Gefühl, irgend etwas zu werden, was vorher nicht vorhanden war, noch in eine andere 'Welt der größeren Freude' zu reisen. ES ist die Erkenntnis der EWIGEN EXISTENZ, die Bewußtheit der innewohnenden Natur des REINEN SEIN. ES ist die FREIHEIT, die durch das WISSEN davon, daß wir immer frei sind, gewonnen wird. WISSEN ist nicht nur die Ursache für Freiheit; ES ist die FREIHEIT Selbst. MOKSHA ist in JNANA (WISSEN) enthalten und somit nicht die Wirkung oder das Produkt von JNANA. JNANA ist EXISTENZ in Sich Selbst und kann daher nicht ein Mittel zum Erwerb von JNANA, bzw. vom WISSEN von der EXISTENZ, welche MOKSHA ist, sein, da sich ein existentes Ding nicht selbst erreicht (sondern 'ist'). 'CHIT ' (WISSEN) ist dasselbe wie 'SAT ' (SEIN). MOKSHA ist 'das zu sein, was ist'. Das eigene SELBST, - das SELBST-SEIN - , ist zu verwirklichen, und SELBST zu sein, heißt, ALLES zu sein.

 "Es gibt kein Bewußtsein nach dem Tod (der Individualität)," sagt YAJNAVALKYA. Da BEWUSSTSEIN allein die Gesamtheit des Wesens ist, gibt es im HÖCHSTEN ZUSTAND kein Bewußtsein von irgend etwas Objektivem. ES ist die FÜLLE der VOLLKOMMENEN EXISTENZ. ES ist, doch ES ist nicht irgend etwas; ES sieht, doch ES sieht nicht irgend etwas; ES hört, doch ES hört nicht irgend etwas; ES erkennt, doch ES erkennt nicht irgend etwas. ES begibt Sich nirgends hin, wo ES nicht bereits ist, und ES bekommt nichts, was ES nicht schon hat. Selbst der Ausdruck "ES kennt nur Sich Selbst" (BRIH.UPANISHAD, I.4.10) ist nur eine Verlautbarung über die WAHRHEIT, die Selbstbewußtheit anzeigt, was typisch ist für ISHVARA, jedoch nicht für BRAHMAN. BRAHMAN weiß nicht, denn ER ist WISSEN; ER erfreut sich keiner Dinge, denn ER ist die FREUDE; ER  'existiert' nicht, denn ER ist 'EXISTENZ'. ER ist nicht-körperlich und hat keine Berührung mit irgendeinem Objekt. "ER ißt nichts und niemand ißt IHN". ER ist das Höchste "Unverkörperte, das unberührt von Leid und Freuden ist". Die VERWIRKLICHUNG des SELBST ist vergleichbar mit der strahlenden Sonne, die von keinen Wolken mehr verdeckt wird. ES ist die Wiedergewinnung der URSPRÜNGLICHKEIT im absoluten Sinne. ES ist "das Löschen der Flammen des Todes mit dem Wasser der Erkenntnis" (BRIH.UPANISHAD, III. 2.10). ES ist die Unpersönlichkeit der bewußten Natur - frei von Tod -, die nicht nur als EWIGE PERSON lebt. Eine Person, selbst die ABSOLUTE PERSON (ISHVARA) ist nicht-ewig. In der VERWIRKLICHUNG der WAHR­HEIT geschieht nicht wirklich eine Veränderung, aber es scheint so, als sei alles verändert! "Auch wenn aus der FÜLLE die FÜLLE entnommen wird, verbleibt die FÜLLE unverändert". Selbst das höchstmögliche Auslöschen der Persönlichkeit bewirkt nicht die geringste Veränderung in der wahren EXISTENZ. ES ist das einfache WISSEN, das große WISSEN, geheimnisvoll und kompliziert, das immer ungelöste Problem, das einzige Problem des gesamten Universums, - und dennoch ist ES die einzige WAHRHEIT für den WISSENDEN. Irgendwie läßt dieses kuriose Rätsel das Gefühl aufkommen, daß im UNENDLICHEN wahrhaftig nichts 'geschieht', obwohl sich Welten in IHM aufrollen. DAS, was so einfach mit 'EXISTENZ-BEWUSSTSEIN' bezeichnet wird und DAS so leicht zu verstehen ist, ist letztlich eine harte Nuß, die geknackt werden muß, - niemals verstanden, niemals erkannt, durch kein Individuum verwirklicht, die Höchste IDENTITÄT der größten POSITIVITÄT und der größten NEGATIVITÄT in einem. Das ABSOLUTE ist wahrhaftig überrelativ, übergeistig, überrational. Was immer gesprochen oder gedacht wird, ist nicht die WAHRHEIT, wie Sie IST. WAHRHEIT ist die Vereinigung von Kosmischem Denker und Kosmischem Denken.

 Das Eingeständnis eines KOSMISCHEN DENKERS oder ISHVARA ist zweifellos notwendig, um eine Erklärung des Universums der Erfahrung und der darin bestehenden Übereinstimmung anzubieten. Die Existenz ISHVARAS kann nicht als eine Vorstellung JIVAS oder des empirischen Individuums angesehen werden, da sie in der Existenz ISHVARAS inbegriffen ist. Die Argumente, die die Existenz JIVAS begründen, können wie folgt, kurz angemerkt werden: Es gibt eine Welt der Erfahrung. Wer (oder was) ist die Ursache dieser Welt? Ist es der individuell Erfahrende? Das kann nicht sein, da das Individuum nicht die Macht über die anderen Individuen hat, die den größeren Teil der Welt bilden; außerdem wird der individuell Wahrnehmende zu einem Großteil durch die äußere Welt der Wahrnehmung beeinflußt. Es gibt da etwas außerhalb, - wo aber ist es? Das Individuum weiß es nicht. Wenn es keine Wirkung ohne Ursache geben kann, und wenn die Welt aufgrund ihrer veränderlichen Natur als eine Wirkung wahrgenommen wird, müßte die Welt eine Ursache haben, die vollständiges Wissen und Macht über die Welt hat. Daß diese Ursache intelligent und nicht träge ist, steht über jedem Zweifel; ansonsten würde die Welt als Wirkung blind und selbst das 'Bewußtsein von der Welt als einer Erscheinung' nicht möglich sein. Diese Ursache, die notwendigerweise aufgrund der Gegenwart der Welt erforderlich ist, wird mit ISHVARA oder GOTT, der All-Wissenheit und Allmacht besitzt und der Höchste HERR von allem Geschaffenen ist, bezeichnet. Die Endlichkeit der Erkenntnis bezüglich der Welt zeigt, daß es einen UNBEGRENZTEN WELT-KENNER gibt, der identisch ist mit der UNENDLICHEN WELT-ERKENNTNIS, d.h. der All-Wissenheit oder dem KOSMISCHEN BEWUSSTSEIN. Wenn ich als Individuum existiere, sollte ISHVARA als der UNIVERSALE KENNER ebenfalls existieren. Die Tatsache, daß 'ich bin', beweist, daß GOTT als die Wechselwirkung des Bewußtseins von meiner Existenz da ist. Wenn GOTT oder ISHVARA nicht ist, kann weder ich noch die Welt sein. Weder meine Existenz noch die Existenz der Welt und die gegenseitigen Beziehungen zwischen uns ergeben einen Sinn, wenn ISHVARA nicht existiert. Meine Existenz als Subjekt beweist, daß die Welt als ein Objekt existiert, und daß ISHVARA als das VEREINIGENDE BEWUSSTSEIN, das meinem Sein und dem Sein der Welt zugrundeliegt, existiert. Wenn eine letztendlich ursachenlose Ursache all dieser Dinge nicht existiert, kann nichts, was bewirkt wird, existieren oder dem Bewußtsein erscheinen.

 Aber es dürfte klar sein, daß die ganze Beweisführung auf der Tatsache des Bewußtseins vom individuellen 'Ich' und der objektiven Welt beruht. Die objektive Welt erscheint mir, weil ich ein bewußtes Wesen bin. Wenn ich also mein BEWUSSTSEIN erkenne, dann erkenne ich auch, warum und wie mir die Welt erscheint, und wie ISHVARA notwendigerweise in Beziehung zu mir und der Welt gefunden wird. Die Welt kann mir nur dann erscheinen, oder ISHVARA irgendeine Beziehung zu uns beiden haben, wenn ich ein individuell Erkennender bin. So mündet die Frage letztlich wieder in, "was bin ich?" ein. Während das 'Ich' normalerweise im Zustand der Nichtunterscheidung auf ein Individuum angewendet wird, drängen sich die rätselhafte Welt und ISHVARA ganz von selbst in die Erfahrung des Individuums. Durch eine korrekte Analyse ist jedoch herauszufinden, daß das 'Ich' kein Individuum, sondern das ABSOLUTE BEWUSSTSEIN ist, weshalb die Welt und ISHVARA nur empirische Notwendigkeiten und keine Absoluten Wirklichkeiten sein können.

 Die Ansicht, daß ISHVARA eine tatsächliche Reflexion BRAHMANS und keine rein experimentelle Erfordernis für JIVA ist, läßt JIVA nach dem Transzendieren der Individualität zu ISHVARA aufsteigen, womit die Möglichkeit des SADYO-MUKTI verleugnet wird. Aus diesem Grund kann der Hinweis, daß ISHVARA eine unabhängige Reflexion BRAH­MANS im Kosmos ist, nicht angenommen werden. Nun sind wir aber genötigt, einige Erläuterungen zum Charakter ISHVARAS anzubieten. Folgendes scheint als Tatsache zu gelten: Die Grundlage oder Hypothese, auf der alles Denken oder Spekulieren sich aufbaut, beruht auf der Annahme, daß JIVA tatsächlich 'ist', daß die Welt 'ist', und daß ISHVARA die notwendige Ursache der Welt sein sollte. Es gibt kaum eine Gelegenheit, einmal die Frage aufzugreifen, wer die Welt erschaffen hat, denn es entspricht dem vordersten Postulat aller Philosophien und Religionen, daß die Welt eine Ursache haben sollte, welche alle JIVAS umfaßt. Die Ideen von JIVA, JAGAT und ISHVARA sind die Regel und die Bedeutung des Universums der Erfahrung aufgrund der Arbeitsweise unseres Bewußtseins, das diese drei Kategorien in solchen Begriffen benutzt, um damit den ersten Gedanken als solchen überhaupt ermöglichen zu können. Diese drei Kategorien haben keinerlei transzendente Bedeutung, da sie lediglich praktische Kunstgriffe zur Ermöglichung von Erfahrung darstellen und der wahre Lebensatem und -stoff unseres Erkenntnis-Prozesses sind. Die Logik erklärt diese drei Kategorien nicht, baut aber auf ihnen auf und ist aus ihnen, - den anfänglichen Vorstellungen oder Bewegungen der Erkenntnis heraus -, geboren. Logik kann uns keine metempirische (aus der Erfahrung gewonnene) Erkenntnis vermitteln. Logik ist der Name, der dem Gedanken-System und der Auftrag des Universums als mögliche Erfahrung irgendeines Individuums gegeben wurde.

 Somit nimmt ISHVARA als eine Kosmische Realität Seinen Platz nicht deshalb ein, weil ER als unabhängige Ursache der Welt existierend erkannt wird, sondern weil ER eine der Erkenntnis-Kategorien und somit einen äußerst notwendigen UNIVERSALEN WERT darstellt, der allein die Werte und Existenzen innerhalb der gesamten Offenbarung und der in ihr vorzufindenden Harmonie und Einheit erklären kann. Ohne einen ISHVARA kann es keine Religion geben, so daß ER als eine Stufe innerhalb der VERWIRKLICHUNG der Nicht-Dualität handelt. Es ist kein Wunder, daß der Mensch als ein Zentrum des endlichen Bewußtseins den EWIGEN BRAHMAN als ein Objekt der Anbetung benutzt, indem er IHN zum Beschützer des Universums macht.

Es gibt da kein getrenntes Denkobjekt und nichts, über das nachgedacht wird, denn das Denken selbst ist das Denkobjekt; der Gedanke denkt sich selbst, alle Objekt sind nur Prozesse des Kosmischen Denkens und haben keine eigene Existenz. Der Gedanke und sein Objekt, Erkenntnis und das Erkannte, Sehen und das Gesehene, Beziehung und das darauf bezogene Objekt, Geist und Universum sind mit der UNIVERSALEN ESSENZ identisch. Das bewußte Transzendieren der fortgesetzten doppelten Beziehung im Kosmos, d.h. zum einen 'der Denker ', der identisch mit dem Denken ist, und zum anderen 'das Denken ', das identisch mit dem Gedachten ist, ist BEFREIUNG. Das Universum hat keine von seinem UNIVERSELLEN KENNER unabhängige WIRKLICHKEIT. Die ursprüngliche Täuschung bezüglich der Unterscheidung zwischen dem Denker und dem Denken ist nicht nur größer als die nachfolgende Täuschung bezüglich der Unterscheidung zwischen dem Denken und dem Gedachten, - sie ist auch deren Ursache. Das Denken hängt vom Denker und das Gedachte vom Denken ab. Das Denken ist das Objekt des Denkers, das Gedachte ist das Objekt des Denkens. Egoismus oder das Dualitäts-Bewußtsein sind die jeweiligen Wirkungen aus dem Fehler, daß in beiden Fällen das Objekt unabhängig und verschieden vom Subjekt ist. SAMSARA (Kreislauf aus Geburt und Tod) ist die Beziehung von Kenner zur Erkenntnis und dem Erkannten. Doch muß daran erinnert werden, daß zum Einen die Unterscheidung zwischen dem Denker und dem Denken, und zum Anderen die Unterscheidung zwischen dem Denken und dem Gedachten im KOSMISCHEN BEWUSSTSEIN von ISHVARA keine Gültigkeit hat. Diese Unterscheidung wird ISHVARA vom Individuum genau dann übergestülpt, wenn es als individueller Kenner seine eigene Verschiedenheit und die Vielfalt der Weltoffenbarung wahrnimmt (und als wirklich erachtet). Beziehungen sind nur für das Individuum von Bedeutung, nicht jedoch für das UNIVERSALE SEIN. Diese Unterscheidungen sind selbst in übermenschlichen Individuen gegenwärtig und sei dies in 'BRAHMALOKA' oder dem feinstmöglichen Zustand, der innerhalb der Reichweite des individualistischen Bewußtseins ist. DAS, was über allen Unterscheidungen und Beziehungen ist, ist BRAHMAN, das WISSEN dessen, was weder Denken noch Schlafen ist. DIES ist DAS, was durch endlose Verneinungen geltend gemacht wird, das unbeschreiblich und nicht vorstellbar ist, das Nichts ist und doch Alles! Die einzig annähernde Definition von der Natur der WIRKLICHKEIT ist vielleicht "DAS, was nicht irgend etwas , jedoch nicht Nichts ist; DAS, was ALLES ist und nichts als SICH SELBST kennt". DAS ist BRAHMAN! Deshalb sind 'Fesselung' und 'Befreiung' lediglich Mittel der 'Vergeßlichkeit' und der 'Bewußtheit' hinsichtlich dieser Tatsache und keine wirkliche Veränderung im SEIN. Die vollständige Transzendenz der eigenen Individualität bewirkt sogleich die VERWIRKLICHUNG des AB­SO­LUTEN. In dem Moment, wo JIVA (individuelle Seele) verneint wird, ist das Kosmische Spiel erklärt und Kosmos und ISHVARA versinken in BRAHMAN. MOKSHA ist weder eine Bewußtseinsmasse noch Selbst-Bewußtsein. ES ist das immer gegenwärtige und unveränderliche wahre Leben und die Ordnung des Universums. ES transzendiert selbst den Sinn der Unsterblichkeit, der ebenso konzeptionell ist. Das Licht des ABSOLUTEN setzt jeder relativen Existenz ein Ende, so daß die Welt nicht einmal als Erinnerung Bestand hat. So etwas wie träge, unbelebte und tote Materie oder blinde Kraft gibt es dort nicht. Alles ist HÖCHSTE KRAFT, WISSEN und WONNE ohne Bewegung oder Denktätigkeit. Es gibt dort keine Existenz-Ebenen, keine Bewußtseins-Zustände, keine abgestufte Wirklichkeit. ES ist der Gesegnete und Höchste ZUSTAND ABSOLUTER FREIHEIT und des BEWUSSTEN EWIGEN LEBENS, und dies nicht nur als eine Überzeugung, sondern als tatsächliches SEIN. ES ist die eindrucksvolle Aufhebung von aller Begrenzung und ERFAHRUNG der UNENDLICHKEIT und nicht bloß die Fortsetzung des persönlichen Lebens.  ES ist die vollständige Gedankenauflösung in einfache EXISTENZ, welche das mächtigste NICHTS ist! ES ist ein unmittelbares 'hier' und 'jetzt' der Raum- und Zeitlosigkeit; das Unausdrückbare, weit über 'Freude und Sorgen', 'Wissen und Unwissenheit', 'Leben und Tod', ja über allem, was darüber ist! ES ist die vollste WIRKLICHKEIT, das Vollkommenste BEWUSSTSEIN, die Ungeheuerste MACHT, die Intensivste WONNE. Wahrheit, Wissen, Kraft, Glückseligkeit und Unsterblichkeit sind bloße Schatten. Ungesehen, transzendent, unvermischbar, undenkbar, nicht verständlich, unbeschreiblich, unzerstörbar; das Luftigste, das Tiefste, die WAHRHEIT, das Große, - DAS ist das ABSOLUTE. In Seiner Gegenwart ist das Licht einer unbegrenzten Anzahl von Sonnen reine Dunkelheit. ES überschreitet die Grenzen des SEINS und hebt alle Ideen von der Existenz auf. ES ist der RIESEN-GEIST, der das Denkorgan und das Ego verschluckt und das individuelle Bewußtsein bis zum äußersten Extrem auslöscht. ES ist der DONNER, der das Herz des Universums bricht; das AUFBLITZEN, das alle Sinne der empirischen Wirklichkeit hinwegschmilzt. Die Blase zerspringt im Ozean und der Fluß betritt das Meer! Die Seele versinkt in der äußersten WIRKLICHKEIT.

 Die Erhabenheit des ABSOLUTEN ist größer als alle anderen Erhabenheiten. ES ist das krönende Gebäude der WAHRHEIT und HERRLICHKEIT. ES ist weder Form, noch Inhalt, noch Existenz. Die Seele versinkt im ABSOLUTEN mit einer Erfahrung der ALL-ERFÜLLTHEIT, - und ist weder Essenz noch Königreich, weder Stillstand noch Bewegung, weder Ungleichheit noch Gleichheit, weder sitzend noch ruhend, weder eins noch zwei, weder wahr noch falsch, weder Dies noch Das, weder etwas uns Bekanntes noch sonst irgendeinem Wesen bekannt. ES hat keinen Namen und es gibt keine Definition für ES! ES ist DAS, was IST! Es ist weder Liebe noch Gnade, weder Welt noch Seele, weder Gott noch Freiheit oder Licht, denn all diese Dinge sind relative Vorstellungen. ES ist nicht 'SAT-CHIT-ANANDA ' (Existenz-Wissen-Wonne), was nur ein Ideal ist, das 'anders ist' als das, was wir hier erfahren.  SATCHIDANANDA ist nur das logisch Höchste, ein rein intellektueller Anhaltspunkt. Die WIRKLICHKEIT reicht über SATCHIDANANDA hinaus. ES ist SELBST, die EWIGE SONNE, die im unendlichen Himmel der absoluten Welt scheint! ES transzendiert das KOSMISCHE BEWUSSTSEIN. ES ist die überessentielle ESSENZ. Ewigkeit und Unendlichkeit umarmen sich, um Sein ZENTRUM  der ERFAHRUNG zu sein. ES ist ein OZEAN, der die Erde, den Himmel und die Unterwelt hinwegschwemmt. Sonne, Mond und Sterne lösen sich in IHM auf. BRAHMA, VISHNU und SHIVA verschwinden in IHM. ES ist das LEBEN des Lebens, die WEISHEIT der Weisheit, die FREUDE der Freude, die KRAFT der Kraft, das WIRKLICHE des Wirklichen, die ESSENZ der Essenz. Geburtlosigkeit und Todlosigkeit fließen in IHM wie Wellenkronen. ES ist der Höchste TOD von allem und trotzdem der Höchste Gipfel wirklichen LEBENS. Die Gesamtheit aller Freuden des Universums sind lediglich ein verdrehtes Fragment DIESES HÖCHSTEN. ES macht dem Teufelskreis des vorüberziehenden Lebens ein Ende.

Es gibt keinen Stein, der von den UPANISHADEN in dem Versuch, dieser majestätischen ABSOLUTHEITS-ERFAHRUNG den besten Ausdruck zu geben, nicht aufgehoben, umgedreht und verworfen worden wäre:

 "Der Kenner des SELBST überquert die Sorgen." "Derjenige, der diesen Höchsten BRAHMAN kennt, wird BRAHMAN selbst." "Der Kenner von BRAHMAN erreicht das Höchste ." "Wer in BRAHMAN ruht, erreicht das HÖCHSTE." Wer in BRAHMAN ruht, erreicht UNSTERBLICHKEIT." "Niemand kehrt zurück, niemand kehrt zurück."

    "Nur wer IHN kennt, gelangt zu DEM, was über dem Tod ist. Das Höchste Wesen kennend, schüttelt der Weise sowohl Freude als auch Sorgen ab. Nur diejenigen, die IHN, den SELBST-EXISTENTEN, sehen, haben ewigen Frieden, - niemand sonst. Alle Wünsche lösen sich bei demjenigen ganz von selbst auf, dessen Wünsche vollständig zufriedengestellt sind und der vollkommen ist. Der Befreite wird einfältig, dreifältig, fünffältig, siebenfältig, neunfältig, elffältig, einhundertundelffältig, zwanzigtausendfältig! ER begibt sich vom Ufer der Dunkelheit ans andere Ufer (des Lichtes). Dort ist andauernde Erleuchtung und immer Tag. Furchtlosigkeit kennzeichnet den Zustand der BRAHMAN-WONNE. Selbst die Götter fürchten ihn (den Befreiten); selbst INDRA und PRAJAPATI können ihn, den zum SELBST-Herrscher werdenden, nicht zerstören. Der Herzensknoten ist durchtrennt, alle Zweifel sind verschwunden und jegliche (relative) Handlung erlischt, wenn DAS gesehen wird, was das Höchste und das Tiefste ist. Seine Lebensgeister verscheiden nicht, vielmehr versammeln sie sich hier. Schon BRAHMAN seiend, wird Er nun BRAHMAN Selbst. Er macht alles, Er ist der Schöpfer von allem, das Universum ist Ihm, Er Selbst ist das Universum. Dies ist der Höchste Schatz. Die befreiten Seelen betreten das ALL, sie treten in BRAHMAN ein und sind von der sterblichen Natur befreit. Die gesamte Konstitution der Individualität wird mit dem Höchsten UNZERSTÖRBAREN vereinigt. Wie die Flüsse, ihre Namen und Formen verlierend, in das Meer eintreten, so erreicht der Weise, von Name und Form befreit, das TRANSZENDENTALE GÖTTLICHE SEIN. Das ist UNSTERBLICHKEIT."

 Dies ist die UNMITTELBARE BEFREIUNG (SADYOMUKTI), die, - aufgrund der Auflösung durch AVIDYA (Unwissenheit), KAAMA (Wunsch) und KARMA aufgebauten Persönlichkeits-Fabrik -, augenblickliche Erfahrung des Absoluten. KARMA ist des Wunsches Kind, welches erst zufriedengestellt wird, wenn seine Quelle,  - die Unwissenheit, -durch die Verwirklichung BRAHMANS, - die Unübertroffene VOLLKOMMENHEIT -, vernichtet wird. Wie kann durch das Wissen um eine Sache, die andere erreicht werden? Erreichen und Wissen sind hier dasselbe, sie sind selbst-identisch. Das Höchste BRAHMAN ist ALLES.

 SADYOMUKTI ist die Prozeßlose Unmittelbare Erfahrung BRAHMANS, die aufgrund der Gewöhnung an die nicht-duale Erkenntnis des SELBST raum- und zeitlos stattfindet. Es ist nur wenigen Auserlesenen vergönnt, BRAHMAN auf diese Weise zu verwirklichen, da die Mehrzahl der Anwärter ohne eine Art von objektivem Inhalt in ihren MEDITATIONEN nicht fortschreiten können. Die schnelle und plötzliche Erleuchtung im SADYOMUKTI ist eine einzigartige Erfahrung, die den relativen Vorstellungen hinsichtlich ISHVARA (GOTT mit Eigenschaften), JIVA (indiv. Seele) und JAGAT (Welt) ein Ende bereiten. Somit gibt es in der BEFREIUNG weder die stufenweise Erfahrung von Erscheinungen noch das Ruhen im Reich ISHVARAS oder BRAHMALOKA. BEFREIUNG ist das sofortige SEIN BRAHMANS.

  

FORTSCHREITENDE BEFREIUNG

 Wir finden in den UPANISHADEN Andeutungen zu KRAMA-MUKTI oder dem fortschreitenden Prozeß der Seelen-Befreiung.

 Entsprechend den BRAHMA-SUTRAS (Aphorismen zur Beschreibung BRAHMANS) werden nur diejenigen durch das ÜBERMENSCHLICHE WESEN zu BRAHMALOKA (Wohnstätte BRAHMANS) geführt (siehe auch die CHHANDOGYA- und die BRIHADARANYAKA-UPANISHAD ), die keinerlei Symbol oder PRATIKA in ihrer MEDITATION auf das Qualifizierte BRAHMAN benutzen. Diejenigen, die auf Symbole meditieren, haben ihre Erkenntnis auf das Symbol reduziert, denn es ist die Regel, daß die Erfahrung identisch mit der Art der MEDITATION ist, so daß derjenige, der auf ein Symbol meditiert, BRAHMALOKA (Wohnstätte BRAHMAS) nicht erreichen kann. Die Verehrer des 'PANCHAGNIS' oder der '5 Feuer' (siehe auch CHHANDOGYA UPANISHAD ) jedoch gelangen zum BRAHMALOKA, von wo sie wieder zurückkehren müssen und somit das HÖCHSTE BRAHMAN nicht erreichen können. Die in der MEDITATION verwendeten verschiedenen Symbole geben zu verschiedenen, mit ihnen korrespondierenden, Erfahrungen Anlaß. Der auf das Qualifizierte BRAHMAN Meditierende erreicht SAGUNA BRAHMAN (das Formhafte BRAHMAN) und fährt von dort aus weiter zum HÖCHSTEN (Formlosen) BRAHMAN (NIRGUNA BRAHMAN ). Wenn die SHRUTIS (Hl. Schriften) sagen, daß die befreiten Seelen bis zum Ende des Weltzyklus im BRAHMALOKA warten und am Ende der Zeit zusammen mit BRAHMA in das Höchste BRAHMAN eingehen, kann dies nur bedeuten, daß die Erfahrung in BRAHMALOKA

a) nur eine Stufe in der Abgeltung der Ergebnisse früherer Wünsche oder qualifizierter MEDITATIONEN ist, oder

b) die Fortsetzung des Lebens aus einem früheren Existenzzustand aufgrund der Abgeltung der Wirkungen solcher Wünsche oder MEDITATIONEN bzw. relativer Erfahrungen ist, welche die Ursachen der Erfahrung von BRAHMALOKA sind, und wo nichts mehr vorhanden ist, was die Seele an relative Erfahrungen bindet, so daß sie BRAHMALOKA transzendieren und das ABSOLUTE verwirklichen kann. Das bedeutet jedoch nicht, daß die Seele, trotz erreichter SELBST-ERKENNTNIS, auf das Erwachen einer anderen Person warten müßte. In dem Moment, wo die ERKENNTNIS aufsteigt, erfährt die Seele das ABSOLUTE und nichts, - selbst das gesamte Universum nicht - , kann sie dann von dieser Erfahrung abhalten.

 Die BRAHMA-SUTRAS bemerken, daß die erlöste Seele in BRAHMALOKA ihren, wie auch immer befindlichen, Zweck allein durch Reinen WILLEN erreicht, ohne irgendein anderes Instrument oder operative Hilfe. Diese befreite Seele hat keinen anderen MEISTER (obwohl sie nicht im Sinne von ISHVARA allmächtig ist); sie ist so weit ihr eigener MEISTER, soweit ihre möglichen Erfahrungen gehen. Diese Seele kann mit oder ohne Körper existieren, ganz wie es ihr gefällt. Selbst der Körper, den sie durch ihren WILLEN annimmt, ist nur die GEIST-SUBSTANZ, die diese Form trägt; tatsächlich hat sie aber weder Körper noch Sinnesorgane, sondern nur diese GEIST-SUBSTANZ für sich selbst, über die sie diese Manifestationen zu verschiedenen Zeiten für bestimmte Zwecke annehmen kann. Die befreite Seele kann gleichzeitig, ihrem WILLEN gemäß, mehrere Körper annehmen und beseelen, und durch diese gleichzeitig arbeiten und sich erfreuen; sie kann jedes Wesen beeinflussen oder in ihm arbeiten und sich erfreuen, und zwar in jeder Welt, wie sie es mag, - denn sie ist nahezu so allmächtig und allwissend wie ISHVARA. Wahrnehmung von Verschiedenheit und Freuden in BRAHMALOKA gelten für jene, die nicht das siebte BHUMIKA oder ERKENNTNIS-Stufe erreicht haben. In einem anderen Zustand als dem des siebten BHUMIKA ist die Erkenntnis und die Macht einer befreiten Seele in BRAHMALOKA begrenzt und nicht absolut, da dort noch das Bewußtsein der Persönlichkeit oder Individualität besteht. Die MEDITATION auf das Qualifizierte BRAHMAN basiert auf der Erkenntnis der relativen Erscheinung des Höchsten BRAHMAN und führt somit zur begrenzten Erfahrung und nicht unmittelbar zum siebten BHUMIKA oder der ABSOLUTHEITS-ERFAHRUNG.

 Die Möglichkeit der Rückkehr des VIDEHAMUKTA zu einer verkörperten Existenz, um die Funktionen einer Schaltstelle im relativen Zustand des Bewußtseins zu erfüllen, kann nur verstanden werden, wenn der VIDEHAMUKTA als jemand gesehen wird, der seinen Körper verlassen hat und weiterhin in einem relativen Zustand des Bewußtseins entweder in BRAHMALOKA oder in einer der anderen überphysischen Reiche, - im vierten, fünften oder sechsten Erkenntnis-BHUMIKA -, verweilt und nicht ins HÖCHSTE BRAH­MAN eingetaucht ist. Hat jemand das HÖCHSTE BRAHMAN verwirklicht, ist die Rückkehr zu irgendeiner Verkörperung bedeutungslos. Eine Verkörperung ist für jemand möglich, der im vierten, fünften oder sechsten BHUMIKA der Erkenntnis verweilt, wo dann das geschieht, was er sich früher im Aufstieg der Erkenntnis gewünscht hatte, nämlich in irgendeinem Körper zu existieren und nach dem Verlassen des physischen Körpers damit fortzufahren, entweder im Zustand des SHUDDHA-SATTVA (Reines Sein) oder eines niedrigeren Zustandes, der jedoch über der materiellen Welt angesiedelt ist, zu verweilen. Diese Möglichkeit der verkörperten Erfahrung durch den VIDEHA (jemand, der den physischen Körper verlassen hat) kann auf gewisse Weise mit den PRARABDHA-KARMAS des JIVANMUKTA verglichen werden, der im Körper befindlich, noch weiterlebt. Doch die verkörperte Erfahrung des VIDEHA ist verschieden vom PRARABDHA, wie es gemeinhin verstanden wird, da es nach der Aufgabe des physischen Körpers erfahren wird, obwohl es dem PRARABDHA als dem Ergebnis der Möglichkeit einer feinen geistigen Erfahrung, wie im Falle der unfreiwilligen Fortdauer des PRARABDHA im JIVANMUKTA, ähnlich ist. SHRI SHANKARACHARYA verweist darauf, daß diese Pflicht des VIDEHA als selbstgewählt angesehen werden muß, da sie zu den Wünschen gehört, die vor dem Aufstieg der Erkenntnis vorhanden waren. Dieser VIDEHA kann in dem Moment das HÖCHSTE BRAHMAN erfahren, wo die erwünschte Funktion ausläuft und das siebte BHUMIKA der Erkenntnis erreicht wird. Die Erfahrung einer Pflicht kommt nach dem Abschütteln des physischen Körpers, weshalb man dies auch VIDEHA (körperlos) nennt. Obwohl sich die nächste Verkörperung in ein Körpergerüst hinein ereignen mag oder nicht, wird sie nicht mit All-Wissenheit oder All-Macht ausgestattet sein, es sei denn, die Seele hat zu dieser Zeit das siebte BHUMIKA der Erkenntnis erreicht und ist sich des verharrenden Körpers nicht bewußt.

 Daß die befreite Seele in BRAHMALOKA von einem individualistischen Bewußtsein besetzt ist, kann nur durch die Annahme erklärt werden, daß dort JIVANMUKTAS des vierten, fünften oder sechsten BHUMIKAS der Erkenntnis in ihren geistigen Körpern leben. Die CHHANDOGYA UPANISHAD sagt ausdrücklich, daß sich die befreite Seele den Objekten des Universums erfreuen mag, diese Freuden jedoch frei vom Körper-Bewußtsein sind. So werden wir zu der Schlußfolgerung geführt, daß diese Erfahrungen von der Seele im siebten Zustand der Erkenntnis gemacht werden, in dem der Körper, allein vom Standpunkt des außerhalb des Körpers befindlichen Beschauers aus, dem Anschein nach in Handlungen und Freuden verstrickt ist, obwohl der MUKTA selbst den Körper nicht fühlt und all seine Handlungen und Freuden die automatische Selbst-Erschöpfung des verbleibenden Restes vergangener Wünsche und Handlungen sind, die gegenwärtig nicht mit dem Bewußtsein verbunden sind. Dieser Rest benötigt nun nicht die Hilfe des Bewußtseins, da während der Fesselung des JIVA, die, der Hilfe durch das Bewußtsein beraubten Eindrücke ausreichen, um weiterzuarbeiten. Jene Wissende, die ihre Körper vor dem Erreichen des siebten JNANA-BHUMIKA  verlassen haben, sind zweifellos VIDEHAS, aber sie sind nicht im Höchsten VIDEHAMUKTI angelangt, das nur nach der ERKENNTNIS-VOLLENDUNG erreicht werden kann. Es handelt sich hier um jene Personen, die nicht im siebten BHUMIKA sind und wegen der Möglichkeiten weiterer Erfahrungen im Universum die zugehörigen Formen oder Pflichten annehmen und mittels Erfahrung bis zu deren Erschöpfung ausarbeiten. Wie auch immer, diese Seelen verlieren nicht ihre Pesönlichkeits-Identität oder ihre Übereinstimmung mit BRAHMAN , selbst wenn sie sich von einem zum anderen Körper bewegen, denn selbst während des Ex- und Inkarnationsprozesses verweilen sie aufgrund der Erkenntnis, die sie erreicht haben, ungetäuscht. Ihre Erfahrungen basieren auf dem WAHRHEITS-BEWUSSTSEIN und sind lediglich die letzten Spuren der Objektivität vor dem Eintauchen in BRAHMAN.

 Die Seele erreicht KARYA-BRAHMAN oder PARAMESHVARA, der selbst die Dreieinigkeit von BRAHMA, VISHNU und SHIVA transzendiert. Dieser große HERR des Universums wird PARAMA-PURUSHA genannt. ER ist das ABSOLUTE INDIVIDUUM, die als Höchster BRAHMAN URSACHE für die Entstehung, Aufrechterhaltung und Auflösung des Universums offenbart ist. Die UPANISHADEN erklären ausdrücklich, daß derjenige, der durch selbstlose MEDI­TATION und WISSEN diese Höchste URSACHE erreicht, nicht mehr auf die sterbliche Ebene zurückkehrt, sondern sich weiter zur ABSOLUTEN WIRKLICHKEIT hinbewegt. Die MUNDAKA UPANISHAD sagt, daß die Weisen in der Welt BRAHMAS (Schöpfer-Gott) über den Tod hinaus, am Ende der Zeiten, befreit sind. Jene, die die Welt des KARYA-BRAHMAN erreichen, verweilen dort bis zur Auflösung des Universums und erfreuen sich der Wirkungen ihrer 'SATYAKAMAS ' und 'SATYASANKALPAS', d.h. den Früchten ihrer, auf der WAHRHEIT beruhenden Wünsche und Absichten. Was immer sie sich dort wünschen, entsteht dann sofort, da sie sich in Harmonie mit dem UNIVERSALEN SEIN befinden. Sie erfreuen sich der Höchsten Nähe zur WONNE des HERRN des Universums. Ihre Wünsche unterscheiden sich von denen der Sterblichen (im Kreislauf) des SAMSARA', da deren Wünsche wie Flammen krankhafter Leidenschaften sind, die auf der Unwahrheit beruhen, die aus intensiver Selbstsucht und Egoismus heraus entstehen und die meist im Widerstreit zu den anderen Individuen des Universums sich befinden, wohingegen die zuerst erwähnten Wünsche absolut wahrheitsstrebend und auf das GESETZ des UNIVERSALEN GOTTES abgestimmt sind, trotz der von ihnen dort aufrechterhaltenen Individualität. Praktisch ist der Wunsch einer befreiten Seele kein Wunsch im allgemeinen Sinne, da er nicht die Wirkung von AVIDYA (Mischung aus getäuschter Leidenschaft und Dunkelheit), sondern von MAYA (Schleier vor dem Licht der Wahrheit und Erkenntnis) ist. Der Wunsch einer befreiten Seele kann nicht im Widerspruch zu dem Wunsch einer anderen befreiten Seele stehen, da sie alle mit dem EINEN GOTT zusammenwirken; ganz im Gegensatz zu den Wünschen eines Menschen, die sich meistens gegen andere Individuen richten, da diese, - aufgrund der abgespaltenen Egos, deren Ursprung die Dunkelheit der Unwissenheit ist -, alle verstreut und voneinander abgeschnitten sind. Die befreiten Seelen denken und arbeiten durch den Höheren Spirituellen Gedanken und nicht durch das Verstandes- und die Sinnesorgane der niederen Natur. Sie atmen das UNIVERSELLE LEBEN und existieren als Teilhaber an den Freuden des HERRN des Universums. Sie besitzen die nichtendende UNMITTELBARKEIT des BEWUSSTSEINS von allem, eine Bewußtheit von den innersten objektiven Essenzen des vollständigen Universums. Ihre Erfahrungen sind zweifellos objektiv, da sie nicht mit dem ABSOLUTEN identisch sind, doch können sie anhand von Selbstidentifikation mit allem und zu jeder Zeit ein umfassendes Wissen vom Universum haben, obwohl sich dieses Wissen von dem gleichzeitig bestehenden KOSMISCHEN BEWUSSTSEIN GOTTES oder ISHVARAS unterscheidet. Sie sind dem SEIN GOTTES nicht entgegengesetzt, sondern arbeiten wie GOTT arbeitet, leben wie GOTT lebt und wollen wie GOTT will, obgleich dies alles ganz spontan geschieht. Sie sind die spielerischen Formen des ABSOLUTEN SELBST. Sie wünschen nichts und sind mit sich selbst zufrieden. Sie sehnen sich nicht nach einem zweiten Wesen neben sich, vielmehr verlangen sie einzig nur nach Sich Selbst. Selbst wenn sie sich der Objekte des Universums erfreuen, dann geschieht dies mit einem allumfassenden EINHEITSBEWUSSTSEIN. Sie sind wie verschiedene Kreise mit einem gemeinsamen Zentrum und gleichlangen Radien innerhalb des Großen Kreises des UNENDLICHEN. Die Unterschiede zwischen diesen Seelen sind dem UNENDLICHEN nicht abträglich, da sie völlig auf ES abgestimmt sind. Trotzdem können selbst Wahrheitswille und Freuden mit dem Bewußtsein der Identität von Dingen nicht als die HÖCHSTE BEFREIUNG, sprich BRAHMANUBHAVA, herangenommen werden.

 Es heißt, daß diese Seelen sich aller Kräfte außer denen der universalen Schöpfung, Erhaltung und Auflösung, die allein zu GOTT gehören, erfreuen, und daß Handlungskonflikte dann entstehen könnten, wenn alle mit derselben Kraft ausgestattet wären. Diese Erklärung ist nur verständlich, wenn das Verhältnis zwischen GOTT und den befreiten Seelen nicht auf Identität, sondern auf Unterscheidung beruht. Wenn BEFREIUNG das Höchste WISSEN von GOTT ist, dann kann das Leben in derselben Welt GOTTES, das Leben in der Nähe GOTTES oder die ähnliche Form GOTTES zu haben und trotzdem verschieden von GOTT zu sein, nur ein geringerer Zustand als der der BEFREIUNG sein, denn GOTT ist nicht eins von vielen Individuen, kein SAMSARI (im Kreislauf befindlich), sondern das einzig bestehende ABSOLUTE INDIVIDUUM. Mit IHM in irgendeiner Beziehung zu sein, heißt IHN zu kennen, und IHN zu kennen, bedeutet EINS mit IHM zu sein und folglich keine Dualität wahrnehmen zu können. Das Wissen von GOTT oder ISHVARA, welches diese Seelen im BRAHMALOKA auf dem Weg des KRAMA-MUKTI haben, ist lediglich eine Annäherung an das ISHVARA-BEWUSSTSEIN, jedoch nicht identisch mit diesem. Deshalb sind diese Seelen weder allmächtig noch allwissend, obwohl sie volle Freiheit genießen, - soweit dies die Freuden anbelangt, die sie innerhalb ihrer Kreise genießen. Wenn alle Seelen eins sind mit ISHVARA, dann entsteht nicht die Frage nach dem Konflikt, der ansonsten zwischen den befreiten Seelen, die mit der Kraft der Schöpfung, Erhaltung und Auflösung ausgestattet sind, auftauchen könnte. Mit derselben KRAFT und dem WISSEN GOTTES ausgerüstet zu sein, heißt, unterschiedslos eine EINZIGE GESAMTHEIT namens GOTT zu formen. Und da keine zwei Individuen das identische Wissen haben können, ohne dadurch selbst ihre verschiedenen (individuellen) Formen aufzulösen, um  ein einziges Sein zu sein, werden wir zu der Annahme geführt, daß es einen Unterschied in der Erfahrung zwischen diesen Seelen gibt. Weiterhin ist der Aussage, daß die befreiten Seelen erst am Ende des Universums die ABSOLUTHEITS-ERFAHRUNG erreichen, zu entnehmen, daß sie die ABSOLUTHEIT solange nicht erfahren können, solange ISHVARA als ein SELBST-BEWUSSTES WESEN existiert, was wiederum bedeutet, daß sie noch immer eine objektive Erfahrung machen, die nicht identisch mit ISHAVARA ist. Andererseits gibt es keinen Grund, warum sie ihre Individualitäten bis zur Auflösung des Universums aufrechterhalten sollten. Die richtige Sichtweise scheint jedoch die zu sein, daß all jene, die durch Positive, Qualitative Konzepte auf das ABSOLUTE INDIVIDUUM meditieren, in IHM ruhen, wobei ER am Ende der Zeiten Seinen Raum-Zeit-Universum-KÖRPER und SICH SELBST in der BEWUSSTEN KRAFT des ABSOLUTEN, die nicht verschieden vom ABSOLUTEN ist, auflöst. Diese relativ befreiten Seelen haben ihre Individualitäten hier noch nicht aufgelöst, sondern leben in der Welt ISHVARAS, d.h., ISHVARA wird nicht direkt von ihnen erfahren, sondern als ein 'objektiv bewußtes' UNIVERSUM, von dem sie integrale Aspekte sind. Diese SELBST-AUFLÖSUNG GOTTES ähnelt in einigen Beziehungen dem Tiefschlaf des weltlichen Individuums, das ebenso am Ende des Tages sein Körper-Be­wußt­sein aufhebt und sich in die UNBEWUSSTE KRAFT, die ATMAN zugrundeliegt und ATMAN übergestülpt ist, auflöst.  Der Unterschied zwischen den beiden Auflösungen ist im Falle GOTTES, daß es kein weiteres Drängen zurück zum Universums-Bewußtsein gibt und auch keinen späteren Traum- und Wachzustand, sondern die Erfahrung des ABSOLUTEN, wohingegen im Fall des weltlichen Individuums der Drang zurück zum Körperbewußtsein zum nachfolgenden Traum- und Wachzustand führt und nicht zur SELBST-ERFAHRUNG. KAAMA (Wunsch) und KARMA (Handlung) sind aufgrund von AVIDYA (Un­wis­senheit) im Individuum. In GOTT jedoch ist allein VIDYA (Wissen), UNIVERSALES BEWUSSTSEIN oder ABSOLUTES SELBST-BEWUSSTSEIN und daher kein begleitendes KAAMA und KARMA, welche die Ursachen des objektiven Vielheits-Bewußtseins und der Handlungen sind. Wunsch und Handlung im Individuum sind der Ausfluß der dunklen Unwissenheit. In VIDYA, dem Licht des Wissens kommen diese Dinge nicht vor. Die Seelen, die in der Welt ISHVARAS oder dem ABSOLUTEN INDIVIDUUM sich befinden, erfahren ES in Abhängigkeit zu ihren eigenen Persönlichkeiten, die aus derselben Substanz bestehen, als eine Intelligenz-Welt des SHUDDHA-SATTVA (Reinste Reinheit). Es wird gesagt, daß die Seele auf dem Weg über die Sonne zu GOTT gelangt (MUND.UPANISHAD, I.2.11), um schließlich das ABSOLUTE zu erreichen. Das scheinbare Problem der Möglichkeit einer vielfachen Herrschaft von befreiten Seelen resultiert einzig aus der Möglichkeit der Existenz vieler ABSOLUTHEITEN und Ewigkeiten. Wo Individualität ist, ist keine Allwissenheit oder Allmacht, doch wo diese vorherrschen, hat Individualität keinen Platz. Wenn wir für diejenigen Sätze empfänglich sind, die uns erklären, daß die befreiten Seelen "lachend herumgehen, spielen, sich mit Frauen, Fahrzeugen und Freunden vergnügen, sich dabei des Körperanhängsels nicht erinnern" (CHH.UPANISHAD, VIII. 12.3), dann können wir daraus nur die Überzeugung gewinnen, daß es sich dabei nicht um das ABSOLUTE BEWUSSTSEIN oder um den Zustand des JIVANMUKTA handeln kann, der geheimnisvolle und unverständliche Dinge tut, und der, obwohl ohne Körperbewußtsein, aufgrund einer schwachen Spur von (noch) vorhandenem Egoismus, - der keine Verbindung zum SPIRITUELLEN BEWUSSTSEIN hat-, dennoch seinen Körper beseelt. Hier handelt es sich um den restlichen Anteil seines PRARABDHA-KARMA (gegenwärtiges Karma), das dem WISSEN nicht abträglich ist. Der Zustand des JIVANMUKTA hat keine Verbindung mit dem physischen Körper; es ist ein Bewußtseinszustand, der auch noch erfahren werden kann, wenn der physische Körper abgefallen ist, - also auch noch in BRAHMALOKA. Der JIVAN­MUKTA mit seinem physischen Körper in dieser physischen Welt, ist in seinem BEWUSSTSEIN in BRAHMALOKA, obwohl der Körper in dieser Welt weilt.  Diejenigen, die in dieser Welt kein JIVANMUKTA erreicht haben und unmittelbar nach der Beendigung des PRANA-Flusses (Lebensatem) innerhalb des gegenwärtigen physischen Körpers nicht auf SADYO-MUKTI vorbereitet sind, erreichen diesen Zustand nach dem Tod des physischen Körpers durch KRAMA-MUKTI (fortschreitende Befreiung). Dies verdeut­licht, daß ein VIDEHA-MUKTI niemand ist, der in BRAHMA-LOKA existiert, sondern der mit dem ABSOLUTEN verschmolzen ist. Ansonsten müssen wir eine theoretische Unterscheidung machen zwischen zwei Definitionen des VIDEHA-MUKTI: (1) derjenige, der eine Individualität entweder in einer niederen übermenschlichen Erfahrung oder in BRAHMA-LOKA hat, und der sich am Rande der ABSOLUTHEITS-ERFAHRUNG im sich erschöpfenden PRARABDHA-KARMA bewegt, welches die Ursache seiner übermenschlichen Erfahrung und der Erfahrung in BRAHMA-LOKA ist (dem Aufstieg aus dem Zustand, der das 'Erwachen BRAHMAS' oder 'HIRANYAGARBHAS' (Kosmische Intelligenz) genannt wird), und (2) derjenige, der tatsächlich in BRAHMAN eingetaucht ist. In BRAHMALOKA ist die Seele wie ein perfekter JIVANMUKTA dieser Welt und all ihre Handlungen sind spontane Äußerungen der reinen SATSANKALPAS im Gegensatz zu den bewußten Willensäußerungen, wie sie aus einer bedachten egoistischen Persönlichkeit geboren werden. Wenn wir den Anforderungen an den JIVANMUKTI gerecht werden wollen, müssen wir bedenken, daß selbst die SATYAKAMAS und SATYASANKALPAS, d.h. die Wünsche und Willensäußerungen, die auf der WAHRHEIT beruhen, in der befreiten Seele des BRAHMALOKA nicht wirkliche bewußte Handlungen, sondern spontane Ausflüsse der gegebenen Handlungsmomente sind, wie sie früher im Aufstieg zur SELBSTERKENNTNIS ausgeführt worden sind und in diesem Prozeß nicht hinderlich waren. Sollten wir jedoch denken, daß die Handlungen der Seelen in BRAHMALOKA bewußt und überlegen ausgerichtete Handlungen sind, dann hätte dies zur Folge, daß diese Seelen nicht so entwickelt sind wie ein JIVANMUKTA der kein Identitätsbewußtsein mehr hat. Das PRARABDHA (auslaufendes KARMA) im JIVANMUKTA wird nicht durch dessen Bewußtsein erfahren; es existiert lediglich für die unwissenden JIVAS (Ein­zel­seelen), die die körperliche Existenz oder die Bewegungen seines Körpers wahrnehmen.

 Es gibt eine Passage  (CHH.UPANISHAD, VIII,14), in welcher über den Eintritt der Seele in die Wohnstatt und Empfangshalle PRAJAPATIS (anderer Name für BRAHMA) gesprochen wird. Die von der Seele erfahrene Freude im GOTTES-BEWUSSTSEIN kommt in glühenden Worten zum Ausdruck. Die TATTAITIRYOPANISHAD (II.1.) sagt, daß sich der Kenner BRAHMANS im BRAHMAN-BEWUSSTSEIN gleichzeitig all dessen erfreut, nach dem er verlangt. Die Schwierigkeit, die oft unser Verständnis von der exakten Natur der verschiedenen Ebenen im Prozeß der fortschreitenden Befreiung behindert, nimmt durch die Tatsache noch zu, daß sich die UPANISHADEN kaum darüber auslassen, sondern Freude daran finden, Andeutungen über die Unsterblichkeit zu machen, - selbst in Bezug auf einen Zustand, bei dem wir sehr zögerlich sein müssen, ihn als den HÖCHSTEN anzusehen, wenn wir überhaupt in unserer Verständnis- und Urteilsfindung irgendeine Vernunft anwenden wollen. Oftmals ist es schwierig zu erkennen, ob die UPANISHADEN eine metaphorische Erklärung über die Erfahrung des ABSOLUTEN, oder ob Sie eine wirkliche Beschreibung von jemandem im BRAHMA-LOKA-ZUSTAND, der sich auf dem Weg zu KRAMA-MUKTI befindet, abgeben. Die im ABSOLUTHEITS-BEWUSSTSEIN vorherrschende, unverzügliche Freude muß als ein Hinweis auf ISHVARA SELBST gedeutet werden, denn in BRAHMA-LOKA kann jemand nicht die gleichzeitige Erfahrung der gesamten Existenz haben; es sei denn, es handelt sich um einen freudevollen Ausbruch des BRAHMANUBHAVA (HÖCHSTE BEFREIUNG).

 Eine Sache ist zumindest wahr, nämlich, daß das Kriterium für die BEFREIUNG darin liegt, daß

 "Im GOTTESWISSEN ein Abfallen aller Fesseln erfolgt, alles Leid aufgelöst wird, Geburt und Tod ihr Ende finden, die Individualität (oder die körperliche Natur) zerbricht, Universale Herrschaft und Absolutheit erwächst und alle Wünsche befriedigt sind."               

-SVET.UPANISHAD, I.11.

 Wir können mit unserem Intellekt nicht verstehen, warum noch Wünsche und Freuden vorhanden sein können, wenn jedes Verlangen befriedigt worden ist. Es heißt, daß dies "einfach das LILA" oder SPIEL des GÖTTLICHEN ist, was keine (intellektuell befriedigende) Erklärung des Geheimnisses ist, sondern eher ein Eingeständnis dessen, daß der Mensch GOTTES WEGE nicht kennen kann. Für uns bedeutet der geringste Wunsch oder die geringste Handlung, wie universal diese auch sein mögen, einen Zustand unterhalb des HÖCHSTEN SEIN. Es ist klar, daß sich all die verschiedenen Verlautbarungen bezüglich der unterschiedlichen Erfahrungen, - von denen gesagt wird, daß sie die befreite Seele hat -, auf eine objektive Erfahrung beziehen muß, die sie in den einen oder anderen der drei Zustände des VIRAT, HIRANYAGARBHA und ISHVARA, oder aber in die VERWIRKLICHUNG BRAHMANS SELBST einführt. Die UPANISHADEN benutzen das Wort 'BRAHMAN' jedoch, um auf irgendeinen dieser vier (Zustände) hinzuweisen, und das ist auch der Grund dafür, warum es uns nicht gestattet wird, eine angemessenes Wissen über das, was sie tatsächlich als die endgültigen Stufen der WAHRHEITS-VERWIRKLICHUNG definieren, zu haben. Es erscheint uns zumindest so, als würde es sich um vier Hauptschwellen handeln, die es zu überschreiten gilt:

 (1) das Universelle, objektive Vielfalts-Bewußtsein

(2) das Universelle, subjektive Vielfalts-Bewußtsein

(3) das Universelle SELBST-BEWUSSTSEIN

(4) die TRANSZENDENTALE ERFAHRUNG

 Die MANDUKYOPANISHAD bezeugt die Existenz dieser vier Zustände. Die ersten drei Erfahrungen sind relativ und scheinen nur solange zu existieren, solange jemand als Erfahrender mit einer Spur von räumlicher Vorstellung im Universalen verweilt. Jenseits einer dualen Position kann es keinen logischen Beweis für die Existenz dieser drei objektiven Zustände geben. Wie ein späterer VEDANTIN (VEDANTA-Schüler) sagte: "Jene uneinsichtigen Menschen, die unfähig dazu sind, den UNBEDINGTEN EWIGEN BRAHMAN zu verwirklichen, zeigen Leidenschaft in der Beschreibung des Qualifizierten BRAHMAN'. Wenn deren Denkorgan durch die MEDITATION auf den Qualifizierten BRAHMAN, - das EINE SEIN - , von allen Begrenzungen befreit wird, offenbart ER SICH SELBST.


 

JIVANMUKTI

 Es ist sehr schwer, anhand der Verlautbarungen in den UPANISHADEN zwischen dem, was tatsächlich im lebenden Körper der 'ZUSTAND der  BEFREIUNG', und dem, was die ABSOLUTHEIT nach der Transzendenz des Körpers ist, zu unterscheiden. Oftmals wird für beides dieselbe Beschreibung verwendet. Das wiederum zeigt, daß die Unterscheidung zwischen JIVANMUKTI und VIDEHAMUKTI nur eine relative ist und keine weitere Bedeutung in sich selbst hat. Der MUKTA (Befreite) kennt keinerlei Unterschied in sich selbst. JIVANMUKTI ist die Höchste Spirituelle Erfahrung des Individuums im sterblichen Körper, der aufgrund des geringen Überrestes an SATTVIKA-AHAMKARA (Reines Ego) oder PRARABDHA aufrechterhalten wird. In diesem Zustand hören die gewöhnlichen empirischen Funktionen des Denkorgans auf zu arbeiten, selbst der Rest an PRARABDHA wird nicht empfunden und das Denkorgan nimmt die Form von SHUDDHA SATTVA, die ursprüngliche Natur des UNIVERSELLEN WISSENS, frei von den Relationen des Raumes, der Zeit und Ursache, an. Der JIVANMUKTA erfährt sich als HERR über alles und als Erkenner und Sich Erkennender von allem. Tatsächlich kennt jemand im siebten BHUMIKA nichts Zweites neben sich, und es erhebt sich keinerlei Frage bezüglich des HERRSCHAFTS- oder KRAFT-BEWUSSTSEINS  in diesem Zustand. Doch derjenige, der im vierten, fünften oder sechsten Zustand sich befindet, kann bewußte Macht erfahren. Er hat das BEWUSSTSEIN einer allwissenden und allmächtigen Persönlichkeit, die sowohl alles tun und sich allem erfreuen, als auch allem entsagen und zufrieden in Sich Selbst verweilen kann. Er ist ein MAHAKARTA (Großer Handelnder), ein MAHABHOKTA (Großer Sich Erfreuender) und ein MAHATYAGI (Großer Entsagender). Dieselbe Unterscheidung innerhalb der Erkenntnis-Stufen findet auch für die Seele in BRAHMALOKA Anwendung. Die gesamte Existenz gehört IHM; das gesamte Universum ist Sein Körper. ER befiehlt niemandem, noch wird IHM durch jemandem befohlen. ER ist der absolute Zeuge Seiner eigenen Herrlichkeit, ohne dies angemessen ausdrücken zu können. ER scheint gleichermaßen tief in das Meer einzutauchen und auf dem Meer zu treiben, mit dem Gefühl "ICH allein BIN", oder "ICH BIN ALLES". ER durchbricht die Grenzen des Bewußtseins und betritt den Schoß der UNENDLICHKEIT. Manchmal scheint ER das Bewußtsein der Relativität zu haben, wie eine schwache Erinnerung, die durch unbeendete individuelle Erfahrungen hervorgebracht wird. ER verkündet in freudigen Worten:

 "O wie wunderbar! O wie wunderbar! O wie wunderbar!

ICH bin Nahrung! ICH bin Nahrung! ICH bin Nahrung!

ICH bin Nahrungs-Esser! ICH bin Nahrungs-Esser!

ICH bin Nahrungs-Esser! ... ICH bin der Erstgeborene!...

Vor den Göttern bin ICH die Wurzel der UNSTERBLICHKEIT!...

ICH, der ICH die Nahrung bin, esse den Esser der Nahrung!

ICH habe das gesamte Universum überwunden!"

-TAITT.UPANISHAD, III.10.6.

 

"Derjenige ist der (wirkliche) BRAHMANE, der, nachdem er dieses UNZERSTÖRBARE erkannt hat, diese Welt verläßt"                                                                                                                                                                             -BRIH.UPANISHAD, III.8.10.

 "ER freut sich wie der HERR des Universums." ER ist der "Seher, der weder Tod noch Krankheit oder Leid sieht; der Seher, der allein das ALL sieht und das ALL gänzlich erhält"                             

-CHH.UPANISHAD, VII. 26.2.

    

Seine FREUDE ist im  SELBST, ER spielt mit dem SELBST und ist in Gesellschaft mit dem SELBST; ER genießt die WONNE im SELBST; ER ist autonom und ER hat grenzenlose Freiheit in allen Welten. Alles geschieht ihm durch das SELBST. ER hat das Meer der Dunkelheit überquert.

 "Wie die abgeworfene Schlangenhaut tot auf einem Ameisenhügel liegt, so liegt dieser Körper (eines JIVANMUKTA) danieder. Aber dieses körperlose, unsterbliche Lebens­prinzip ist BRAHMAN allein, - das LICHT allein."

-BRIH.UPANISHAD, IV.4.7.

"ER wünscht nichts, ER hat keinen Wunsch, ER ist von Wünschen befreit, sein Wunsch ist befriedigt, sein Wunsch ist das SELBST"                       

-BRIH.UPANISHAD, IV.4.6.

 "ER ist der Größte zwischen den Kennern"

-MUND.UPANISHAD, II.1.4.

 "IHN überwältigen weder der Gedanke 'daher handelte ich falsch', noch der Gedanke 'daher handelte ich richtig'; ER hat sie beide überwunden. Es berührt IHN weder, was ER getan hat, noch was ER nicht getan hat."

 "Diese ewige Größe des BRAHMANEN wächst nicht und schrumpft nicht durch Handlungen."

 "ER sieht das SELBST im SELBST und sieht alles als das SELBST. Das Böse überkommt IHN nicht, im Gegenteil, ER überwältigt alles Böse. Das Böse verbrennt IHN nicht; im Gegenteil, ER verbrennt alles Böse"

-BRIH.UPANISHAD, IV.4.22,23.

 Im Moment der Erkenntnis-Dämmerung kommen alle Fehler und Verdienste des individuellen Selbst zu einem Ende. Nach dem Erwerb von SELBST-ERKENNTNIS gibt es keine Erfahrung von der Wirkung, die von irgendwelchen Handlungen ausgeht, mehr. Weder vergangene noch zukünftige Handlungen können dem JIVANMUKTA anhängen. Was von ihm getan oder nicht getan wird, - beides verliert seine Kraft und hat keinerlei Wirkung auf ihn. Durch die SELBST-VERWIRKLICHUNG erfährt ER, daß ER niemals der Täter von irgendetwas war, ist oder sein wird. Die BRAHMASUTRA sagt, daß die Ergebnisse der , ohne selbstsüchtigen Wunsch vollzogenen Handlungen, die keine spezifische Wirkung hervorrufen, sondern zum Erwerb von ERKENNTNIS verhelfen, nicht zerstört sind, da sie das Zubehör zur ERKENNTNIS sind und im Falle des JIVANMUKTA bereits in Form von ERKENNTNIS gefruchtet haben.

 Der kluge Weise ist still und unentschieden gegenüber dem SPIEL des Lebens. Keine Kraft auf Erden oder im Himmel kann IHN berühren. Selbst die Götter können nichts für IHN tun, da ER das SELBST selbst dieser Götter ist. ER ist der Höchste Meister, der Herrscher aller. Wenn ER atmet, werden andere (auch) atmen; wenn ER den Atem anhält, werden andere sterben. Durch seinen bloßen Wunsch werden Berge zerschmettert und Meere ausgetrocknet. Sein Wunsch ist GOTTES Wunsch und Sein WESEN ist GOTTES WESEN.

 "Derjenige, der alle Wesen in seinem wahren Wesen, und das SELBST in allen Wesen sieht, - ER ist niemandem abgeneigt. Für IHN, den Weisen, für den alle Wesen nur das SELBST sind, - welche Täuschung und welche Sorgen kann es für IHN geben, der (überall) die Einheit sieht?"

-ISHA UPANISHAD, 6.7.

 JIVANMUKTA ist die äußerste JNANA-Bedingung, der Zustand der SELBST-Absorption, beziehungslos und SELBST-Identisch. Praktisch besteht kein Unterschied zwischen dem Höchsten JIVANMUKTI und dem VIDEHAMUKTI, obwohl im zuerst genannten Zustand der Körper unbewußt für eine kurze Zeit wegen des letzten Schwächemomentes der Wünsche, die in IHM in der Zeit vor der SELBST-ERFAHRUNG aufgestiegen sind, dahinsiecht. Hinsichtlich der Dinge, die das Leben betreffen, müssen wir zwischen diesen beiden Zuständen keinerlei Unterscheidung machen. Der Höchste JIVANMUKTA fühlt nicht, daß ER irgendeinen Körper hat und deshalb ist ER in keiner weise kleiner oder niederer als der VIDEHAMUKTA. Die Unterscheidung erfolgt nicht durch den MUKTA selbst, sondern durch andere unwissende Menschen, welche das Erscheinen oder das Ver­schwinden seines Körpers wahrnehmen.

 

DAS UNIVERSUM UND DAS BEFREITE SELBST

 Viel ist durch spekulative Genies über die Beziehung zwischen der VOLLSTÄNDIG BEFREITEN SEELE und dem Universum geschrieben worden. Wenn BEFREIUNG die ERFAHRUNG des UNENDLICHEN bedeutet, dann ist die Frage nach der Beziehung von der befreiten Seele zum Universum eine höchst kindische. Dies entspricht dem Spekulieren über das Verhältnis des Himmels zum Himmel. Einigen Verlautbarungen zufolge bedarf der befreite Zustand nicht der Aufhebung der Vielheits-Wahrnehmung. Wenn wir sagen, daß das ABSOLUTE eine Vielheit wahrnehmen kann, bewegen wir uns außerhalb jeglicher Sinnhaftigkeit und Vernunft. Oder können wir daran festhalten, daß die befreite Seele eine Individualität aufrechterhält? In solch einem Fall würde die Seele nicht-ewig werden, denn alles Individuelle ist Bestandteil des Universellen Prozesses. Weiterhin ist zu klären, was wir mit Vielheit meinen? Vielheit ist die Einmischung des Nicht-Seins oder des Raumes zwischen den Dingen, was darauf hindeuten würde, daß das ABSOLUTE  innere Unterscheidungen und äußere Beziehungen hat, womit die Unteilbarkeit und Einmaligkeit des ABSOLUTEN  verletzt würde. Wahrnehmung ist nicht ohne die Einmischung des Nicht-Seins in die NICHT-UNTERSCHEIDBARKEIT möglich. Wenn das SELBST das ALL ist, kann es kein Nicht-Selbst im SELBST geben, und solange es eine Wahrnehmung des Nicht-Selbst gibt, kann es keinen befreiten Zustand geben. Außerdem können wir das Argument nicht verstehen, daß es für die befreite Seele irgendeine Pflicht gäbe. Es ist ein Irrtum zu glauben, daß, solange nicht alle Individuen  befreit sind, kein Individuum Befreiung haben kann. Es gibt keine innere Beziehung zwischen dem KARMA des einen und dem eines anderen Individuums, außer in dem Sinne, daß es eine wechselseitig bestimmende Kosmische Beziehung aller Individuen gibt, solange diese in besonderen Bewußtseins-Stufen leben. Wo die Gedanken aufgelöst sind, sind alle Formen (sogleich) erloschen. Formen können ohne gegenseitige Unterscheidung nicht existieren und die Unterscheidung der Formen beruht auf der Arbeit des ERKENNENDEN BEWUSSTSEINS. Im ABSOLUTEN kann es kein objektives Erkennen geben. Obwohl es für andere Individuen eine Existenz von Formen geben kann, kann man nicht sagen, daß die Seele eines Individuums, das die Freiheit erreicht, objektive Beziehungen haben kann. Die Aussage, daß die befreite Seele irgendeine Beziehung zu irgend etwas haben kann, ist nicht überzeugend, da sie das Kosmische Verhältnis der geschaffenen Wesen, die als wechselseitig bestimmende Kräfte ineinander-fließen, transzendiert. Solange es Beziehungen gibt, existiert etwas außerhalb des SELBST' und solange es eine Erfahrung von etwas anderem als dem SELBST gibt, ist das keine ABSOLUTHEITS-ERFAHRUNG. Das ABSOLUTE ist in keiner Weise an die Regeln und Abmachungen der Welten und der Gedanken anderer Individuen gebunden. Die Tatsache, daß viele andere (Wesen) unbefreit verweilen, selbst wenn eine Seele befreit ist, zwingt die befreite Seele nicht dazu, irgendwelche Beziehungen mit anderen zu haben, aus dem einfachen Grund, weil die befreite Seele nichts anderes ist als das TRANSKOSMISCHE ABSOLUTE. Doch darüber hinaus: wenn der Denkprozeß im ABSOLUTEN erlischt, kann es keine Wahrnehmung anderer unerlöster Individuen geben. Es gibt keinen Grund dafür, darauf zu beharren, daß die Form der Welt nach der SELBST-VERWIRKLICHUNG existiert, da die Formen nur dann bestehen können, wenn die Existenz in sich selbst geteilt ist. Doch dies gilt nicht für das ABSOLUTE, das die 'EXISTENZ' SELBST ist. Teilung schafft Individualität, welche phänomenal ist.

 Solange ein Bewußtsein von der Wirklichkeit eines objektiven Universums und der Individuen vorhanden ist, kann derjenige nicht als ein Befreiter bezeichnet werden, da er dann, unabhängig in welch höherem Bewußtseins-Zustand er sich auch befinden mag, lediglich ein anderes Individuum ist. BEFREIUNG ist die ERFAHRUNG der HÖCHSTEN WIRKLICHKEIT. Derjenige, der andere (Individuen) wahrnimmt, die unbefreit sind, kann selbst keine befreite Seele sein, da der BEFREITE EINS ist mit dem BEZIEHUNGSLOSEN ABSOLUTEN. Ein BEFREITER 'denkt' nicht, ER 'ist'. Es kann keinen Kompromiß hinsichtlich einer Selbstbegrenzung in der Befreiung geben, - wie schwach diese Einschränkung auch sein mag.

 Die befreite Seele wird zum ALL. Die Erfahrung des REINEN SEIN' ist das Kriterium für die BEFREIUNG. Die befreite Seele wird das Eine SELBST aller; - wie kann Sie dann das Bewußtsein der Begrenzung oder das der Handlung zur Erlösung der Nichtbefreiten haben? Und noch einmal, wie kann eine unerlöste Seele eine andere unerlöste Seele erlösen? Der menschliche Geist ist stets von der Täuschung des sozialen Bandes, das die verschiedenen Individuen miteinander verbindet, besessen. Er kann nicht anders, als in Begriffen der Gesellschaft, der Familie, Verwandten usw. in Verbindung mit dem abgesonderten Ego zu denken. Derjenige, der mit der Welt beschäftigt ist, ist nur ein vergrößerter Familienmensch und nicht frei vom Gefühl der Abgesondertheit, durch die die sterbliche Natur charakterisiert ist. Selbst etliche kultivierte Denker sind durch die menschenfreundliche Sicht des Lebens begrenzt gewesen. Ihre Philosophien sind konsequenterweise durch humanistische und soziale Betrachtungen befleckt. Sie sind nicht leidenschaftslos genug in ihrem Versuch gewesen, die tieferen Wahrheiten zu verstehen und sind durch eine übermäßige Liebe zum menschlichen Wesen getäuscht. Diese Infektion hat sie sogar bis zu dem gefährlichen Punkt gebracht, wo die Versuchung groß ist, zu beweisen, daß niemand befreit werden kann, solange die soziale Erlösung nicht bewirkt worden ist! Dies ist eine Sichtweise, die der Verbindung des MATERIALISMUS mit dem SPIRITUELLEN ABSOLUTISMUS entspringt. Des Menschen Sicht ist so beschränkt, daß er lediglich mit den Dingen beschäftigt ist, die er sieht. Er scheitert darin, eine GANZHEITLICHE SICHT auf die ESSENZ der EXISTENZ, die vollständig ist, zu erwerben, da seine Erfahrung und seine Vernunft auf die empirische Wirklichkeit begrenzt sind. Für das ABSOLUTE ist die Welt kein historischer Prozeß, sondern reines 'SEIN'. Für das unwissende Individuum erscheint SAMSARA (Kreislauf von Geburt und Tod), - von einer zur anderen Ewigkeit -, als eine ungeteilte überrationale Erscheinung, obwohl im ABSOLUTEN das SAMSARA erlischt. Da sich verschiedene Individuen auf unterschiedlichen Stufen der Evolution befinden, und da es gleichfalls nichts gibt, was den Eintritt der Seele in das ABSOLUTE nach dem Aufstieg des WISSENS verhüten könnte, kann es so etwas wie eine soziale Erlösung oder die Beendigung des historischen Prozesses des Universums nicht geben.

 Wenn das ABSOLUTE keinerlei äußere oder innere Beziehung zu SICH SELBST hat, kann der Befreite auch keine solche Beziehung zum Universum haben, denn die Unterscheidung zwischen Individuum und Universum wird im ABSOLUTEN aufgehoben. Es ist unlogisch zur gleichen Zeit zu sagen, a) 'BEFREIUNG bedeutet ABSOLUTE ERFAHRUNG', und b) 'die befreite Seele ist mit dem Erlösungswerk anderer beschäftigt und behält selbst nach der Befreiung (noch) ihre Individualität bei '. Relative Handlung und ABSOLUTES SEIN stehen nicht im Einklang miteinander. Wenn argumentiert wird, daß diese beiden Positionen verträglich sind, so geschieht dies auf Kosten der Übereinstimmung. Das ABSOLUTE kennt nichts Zweites neben Sich und folglich auch keinen Wunsch und keine Handlung. Etwas, das weniger als das ABSOLUTE ist, kann nicht als der Zustand der BEFREIUNG angesehen werden. JIVA (die indiv. Seele) verbleibt ein Zentrum der UNIVERSELLEN HANDLUNG im Zustand des VIRAT, des HIRANYAGARBHA und des ISHVARA, nicht aber in BRAHMAN. Wenn das, was die Schriften sagen: "Er kehrt nicht mehr zurück", - wahr ist, kann es nach der ABSOLUTHEITS-ERFAHRUNG keine Rückkehr zur Individualität mehr geben. Jegliche Handlung resultiert aus einem Vielheits-Bewußtsein, was nicht die Natur des ABSOLUTEN ist. Alle Versuche, die WIRKLICHKEIT mit der 'Erscheinung' in Einklang zu bringen, sie als 'zwei Wirklichkeiten' zu sehen, basieren auf einem Glauben in die letztendliche Gültigkeit der empirischen Erfahrung. Wir Menschen möchten das Höhere erkennen, ohne den Schritt, der von den bindenden Erscheinungen wegführt, machen zu wollen. Wir wollen unsere Beine in zwei verschiedene Schiffe stellen, die in die entgegensetzte Richtung fahren, um auf diese Weise den Ozean zu überqueren. Wir wünschen etwas 'absolut' zu erkennen, ohne dieses Etwas selbst zu sein, - eine Unmöglichkeit! Die Neigung einiger moderner Denker, die darum kämpfen, eine Realität der objektiven Erfahrung und des Vielheits-Bewußtseins selbst in der HÖCHSTEN WIRKLICHKEIT zu veranschlagen, ist die Wirkung eines Fehlers in der Unterscheidung zwischen dem WIRKLICHEN und dem Scheinbaren und entspricht einer unweisen Anhaftung an eine phänomenale Verschiedenheit (der Dinge). Solange sich Philosophen damit begnügen, rein dogmatische Theoretiker zu sein, können sie niemals in der Bestimmung der wahren Natur der WIRKLICHKEIT bzw. im Prozeß der Bindung und Befreiung voranschreiten. Es ist eine rein intellektuelle Verdrehung, die einige Leute dazu veranlaßt, selbst die metaphysischen Wahrheiten zu verdrehen, um die empirischen Erfordernisse des Menschen zu beantworten. Die Tatsache, daß wir die Dinge sehen, ist noch lange nicht der Beweis für deren tatsächliche Existenz.

 Es heißt weiterhin, daß die BEFREITE SEELE für die Erlösung der anderen unbefreiten Seelen arbeiten muß, da das Individuum untrennbar ist von seiner Umgebung und somit die EIGENE BEFREIUNG erst durch diese Arbeit zu vervollständigen ist. Dieses Argument ist wiederum auf die Seelen, die sich noch im Kosmos befinden und die sich in den Reichen von VIRAT, HIRANYAGARBHA und ISHVARA bewegen, begrenzt, - was aber unwesentlich ist für BRAHMANUBHAVA. Es ist falsch zu denken, daß die BEFREITE SEELE irgendwelche äußeren Umgebungen hat, mit denen sie in irgendeiner Beziehung steht. SIE ist die UNENDLICHKEIT SELBST. Weiterhin wird jedes Individuum durch sein eigenes ANTAHKARANA (inneres Geistorgan) und die Art des objektiven Denkens beschränkt, so daß seine Welt der Erfahrung nicht identisch mit den Welten anderer sein kann. Der Mensch wird durch die Vorstellung betrogen, daß jedes Individuum denselben psychologischen Hintergrund und Konstitution hat wie die anderen Wesen, und daß die Umgebung eines Individuums jene Umgebung der anderen Individuen ebenso einschließt. Die Umgebung des einen unterscheidet sich von denen anderer und daher steht die Befreiung eines Individuums in keiner Beziehung zu dem Zustand anderer Individuen. Würde jeder so denken, dann gäbe es keine Unterscheidung zwischen den lebenden Wesen und es würde sich eine Massenbefreiung des Universums ereignen. Wenn die Individuen unterschiedlich denken, kann niemand eine wirklich innere Beziehung zu den anderen haben. Zweifellos wird im ABSOLUTEN alles verstanden, und so beeinflußt jedes Individuum, solange es als solches existiert, durch seine Existenz und sein aktives individualistisches Bewußtsein das Universum und umgekehrt, da es hinter allen Individuen eine wirkliche EINHEIT gibt. Doch diese gegenseitige Zusammenarbeit ist zweitrangig und berührt in keiner Weise den vorrangigen Umstand der BEFREIUNG. Mehr noch, wir haben nicht das Recht, dem Subjekt und dem Objekt unabhängige Wirklichkeiten zuzugestehen, denn die ganze Vielheit ist wie ein Traum im UNIVERSALEN BEWUSSTSEIN, und für dieses ergibt sich nicht die Frage nach der Existenz von unerlösten Seelen oder einer objektiven Wirklichkeit. Gebundenheit ist in jedem Individuum gesondert vorhanden, nicht jedoch in der UNIVERSELLEN EINHEIT. Auf alle Fälle entsteht das Problem der Erlösung unerlöster Seelen nicht durch die befreiten Seelen. Es gibt für den Befreiten nichts Falsches, was korrigiert, kein Irrtum, der aufgeklärt und nichts Schlimmes, was aus dem Leben verbannt werden müßte, außer, was sich auf das eigene Selbst bezieht. Wenn dieses (niedere) Selbst gereinigt ist, wird die ABSOLUTE WAHRHEIT in ihm offenbar, und ES kann das Universum in seiner unendlichen Erkenntnis dank seiner WAHREN EXISTENZ oder mit dem BEWUSSTSEIN der VOLLKOMMENHEIT richtig einordnen. Es gibt keine letzte Beziehung zwischen den scheinbaren Umgebungen der verschiedenen Individuen, auch wenn sich diese gegenseitig durchdringen. Sie haben alle eine TRANSZENDENTALE EINHEIT und ein empirisches Phänomen.

 Von einigen wird auch der Versuch unternommen zu argumentieren, daß die 'Nicht-weltlichkeit' nicht die eigentliche Essenz von irgendeiner wahren Philosophie sei, und daß die UPANISHADEN diese Nicht-weltlichkeit nicht lehren. Diese Ansicht entspringt dem Versuch der eigenmächtigen, nicht von der Erfahrung gestützten Vernunft, die Natur der WIRKLICHKEIT zu bestimmen. Im menschlichen Wesen ist selbst im Zustand der letztendlichen BEFREIUNG ein Wunsch nach Erhaltung der selben weltlichen Beziehungen vorhanden. Was wir auch immer empirisch erfahren, scheint eine feste Tatsache und Wirklichkeit zu sein, die wir nicht zu vernichten wünschen. Die Anhaftung des Individuums  an den Körper und an die Gesellschaft ist so intensiv, daß ein Bruch nicht als wünschenswert erscheint. Wenn 'Weltlichkeit' die Nichtanerkennung abgesonderter Formen der Erfahrung und der individuellen Beziehung bedeutet, dann ist BEFREIUNG tatsächlich 'nicht-weltlich'. Das ABSOLUTE ist in dem Sinne 'nicht-weltlich', als ES keine Unterscheidungen hat in Form von Raum, Zeit und Individualität, oder von Name, Form und Handlung, wie dies für die Welt zutrifft. BEFREIUNG ist der Besitz und die Erfahrung des UNBEGRENZTEN, UNGETEILTEN BHUMA-BEWUSSTSEINS, - der EXISTENTIELLEN FÜLLE.

 Bezüglich der Stellung von Macht, Herrschaft usw., im Zustand der HÖCHSTEN BEFREIUNG, ergeben sich eigentlich keinerlei Fragen. Diese Dinge sind alles relative Vorstellungen von Individuen. Die Letztendliche WIRKLICHKEIT ist das ABSOLUTE, welches nicht-dual ist und somit auch keinen Raum läßt für die Operation einer objektiven Kraft. Das ABSOLUTE SELBST ist die Macht und nicht bloß ein Macht-Ausübender. Macht ist ein separater Umstand, ein Mittel zur Erzeugung von Dualität, die im ABSOLUTEN wegfällt. Der wirklich BEFREITE fühlt nicht, daß ER der HERR von etwas ist, da diese Vorstellung eine Unterscheidung in der EXISTENZ hervorruft; - ER hat jedoch die EWIGE ERFAHRUNG der ESSENZ des UNENDLICHEN.

 

ABSOLUTE BEFREIUNG ist eine TRANSZENDENTE ERFAHRUNG, jenseits von Vorstellung und Ausdruck, frei von der Unterscheidung in Kenner, Erkenntnis und Erkanntes. SIE ist die BEWUSSTE ERFAHRUNG der ABSOLUTEN 'SEIN-HEIT', welche die GROSSE WIRKLICHKEIT ist.

 SCHLUSSFOLGERUNG

 Ein Studium der Letztendlichen WIRKLICHKEIT der Dinge offenbart uns, daß ihre WAHRHEIT ein und dieselbe ist, wohingegen ihre Formen falsch sein müssen. DAS, was EINS ist, kann einzig durch die (gedankliche) Vorstellung als zwei oder viele (verschiedene) erscheinen. Sowohl das wahrnehmende Individuum als auch die Welt, die wahrgenommen wird, können lediglich Projektionen eines kraftvollen UNIVERSALEN GEDANKENS sein, während es in Wahrheit nur das EINE, UNDIFFERENZIERTE REINE SEIN gibt.                                 

Die gesamte Thematik der UPANISHADEN kreist um zwei grundlegende Konzepte von der WIRKLICHKEIT, und zwar um BRAHMAN und ATMAN. Beide Begriffe werden häufig zur Benennung von ein und derselben Sache verwendet. "Dieser ATMAN ist BRAH­MAN" (MAND.UPANISHAD, 2.). Die weiteren Folgerungen aus dieser Erklärung führen zu den verschiedenen Theorien der spirituellen Philosophie. Die Philosophie der Haupt-Verlautbarungen innerhalb der UPANISHADEN beinhalten jedoch im Wesentlichen die o.a. acht Schlußfolgerungen. Dies ist die LETZTENDLICHE WAHRHEIT, welche die Erfahrungs-Welt transzendiert und sich über den Egoismus der menschlichen Natur hinaus ausdehnt. Der gesamte Prozeß der WAHRHEITS-VERWIRKLICHUNG ist daher eine Opferung des Ego und folglich eine große Pein. Solange sich das Individuum noch in einem Zustand der Unvereinbarkeit mit dem UNENDLICHEN befindet, bleibt ihm das Leiden im Prozeß der UNENDLICHKEITS-ERFAHRUNG nicht erspart. Daher wird der Versuch, das vollkommen WIRKLICHE zu erreichen, im allgemeinen mit einem Gefühl der Furcht, des Abscheues, ja selbst des Hasses angeschaut. Der Mensch ist beständig mit den unmittelbaren Angelegenheiten des Lebens beschäftigt. Er richtet sein Auge nicht auf das Jenseitige und grämt sich beständig über die Vergangenheit, zweifelt an der Zukunft und sorgt sich um die Gegenwart. Er kränkelt andauernd im Geist aufgrund seiner Verletzungen des EWIGEN GESETZES (SANATANA DHARMA). Er ist im Strudel der Unwissenheit, Leidenschaft und Sünde gefangen und wird fortwährend von hohen Wellen unkontrollierbarer Sorgen überschüttet. Er befindet sich zu allen Zeiten in einer Klemme. Unaufhörlich stirbt er sich selbst in der Zeit, um danach anscheinend immer wieder einen neuen Sinn zu finden. Sein gesamtes Leben ist ein Dahinfließen von Zuständen, - gerade zerstört, schon wieder erneuert. Selten kommt ihm der Gedanke an etwas Erhabeneres und Wahreres als er selbst es annimmt zu sein. Er ist in seinem zerbrechlichen Körper, seiner launischen Verstandeskapazität, seinem kindischen Intellekt und in seiner eingebildeten Individualität eingesperrt. Ein kleiner Erguß übernatürlicher Erkenntnis in ihm erscheint wie 'Musik, die für einen Tauben erklingt'. Er denkt viel zu hoch von sich selbst und leckt sich selbst in hündischer Begierde mit zerrissener Zunge die spitzen Knochen (was wohl auf Selbst-Mitleid und Erhalt der eigenen Individualität hindeutet = Anm.d.Übers.).  Die UPANISHADEN sind sich der nutzlosen Versuche des Menschen, das UNBEGRENZTE SEIN zu erfassen, durchaus bewußt und warnen davor, dieses Geheimnis nur mit dem logischen Verstand begreifen zu wollen; vielmehr müsse ES durch einen Weisen gehört werden (KATHA UPANISHAD, II.8,9). Die Vernunft dient zur Stärkung des Glaubens in das, was aus zuverlässigen Quellen vernommen wird und nicht dazu, um ganz alleine voranzuschreiten. Zu denken, daß man nur von sich selbst abhängig ist und auf diese Weise das EWIGE erreichen zu wollen, ist leerer Stolz. Vernunft und Glaube sollten Hand in Hand gehen, um die erwünschte Frucht ernten zu können. Das, was momentan angenehm ist, kann im nächsten Moment anders sein, und das Unangenehme verschwindet auch nicht für immer. Die UNVERÄNDERLICHE WIRKLICHKEIT bleibt unbemerkt und unfühlbar, - lediglich IHRE Erscheinung scheint uns Leben, Licht und Freude zu geben. Der einzige Lehr-Zweck der UPANISHADEN besteht darin, den Menschen aus der Kette der Geburten und Tode (SAMASARA) zu befreien und ihm den Weg zu dem HERRLICHEN LICHT, das in ihm leuchtet, zu zeigen. In Wahrheit ist der Mensch kein sündiges sterbliches Geschöpf; vielmehr rufen ihn die UPANISHADEN  "Sohn des UNSTERBLICHEN", d.h. "AMRITASYA PUTRA" (SVET. UPANI­SHAD,II.5). Doch kann sich der Mensch nur selbst erkennen, wenn er sich selbst opfert. Das HÖCHSTE OPFER ist das OPFER des Selbst an das ABSOLUTE. Das größte YOGA ist das Versinken des Selbst in die Einheit mit dem ABSOLUTEN, indem das, was abgesondert erscheint, verleugnet und das EINE bestätigt wird.

 Solch eine Handlung, die dem individuellen Selbst-Gefühl mit all seinen unterschiedlichen Anforderungen die Nahrung verweigert, zwingt den relativen Eigensinn, sich im Interesse des ABSOLUTEN aufzulösen, das SICH hoch über die Begrenzungen von Raum und Zeit aufschwingt und SICH SELBST mit nichts anderem zufrieden gibt, als in der VOLLKOMMENEN ZUFRIEDENHEIT und unwidersprochenen ERFAHRUNG der VOLLSTÄNDIGKEIT und HÖCHSTEN WIRKLICHKEIT zu leben. Die Bewußtheit des Zustandes des REINEN SELBST, unbehindert durch phänomenale Gesetze oder trennende Einschränkungen und der, im freien Fluß der Gesetze des GEISTES sich ergießenden unendlichen FREUDEN, entspricht dem Leben des erhabenen SELBST-VERWIRKLICHTEN. ER existiert als das GÖTTLICHE SEIN im Höchsten Zustand der VOLLENDETEN FREIHEIT in EWIGKEIT. Ohne ein solches WISSEN von der fundamentalen Natur der EXISTENZ, wird das Leben mit Konflikten und Kriegen zwischen den entgegengesetzten Kräften angefüllt. Es ist dem Individuum nicht möglich, inmitten eines solchermaßen aufgeheizten Streites zwischen den störenden Kräften der Natur in die UNENDLICHKEIT hineinzublühen, ohne diese Kräfte in einem ausgedehnteren BEWUSSTSEIN und einem höheren Wirklichkeits-Sinn in Einklang zu bringen und zu befrieden; wo diese Kräfte letztlich ihre inneren Wahrheiten enthüllen und mit einer brüderlichen Umarmung im Busen des SEIN' miteinander verschmelzen können. Die Schwierigkeiten beim Heranbilden einer festen Überzeugung bezüglich der Dinge, wie wir sie täglich als Bedrängnis erfahren; die Verlegenheiten, in denen wir uns hinsichtlich der Bestimmung der ESSENTIELLEN WAHRHEIT und Falschheit des Lebens bewegen; die uns begleitenden selbstsüchtigen Wünsche, Fehler, Hiebe und Schläge; die brennenden Ängste, leeren Überzeugungen, trügerischen Erwartungen und Hoffnungen, mit denen der Mensch in seinem Existenzkampf konfrontiert ist; - sie alle geben ihm ausreichend Gelegenheit, das EWIGE davon zu unterscheiden und ihn auf den Weg zu geleiten, der zur VERWIRKLICHUNG des ABSOLUTEN führt.

  

ERKLÄRENDE ANMERKUNGEN

 DER ERSTE SCHRITT DES STREBENDEN

 VEDANTA ist die Wissenschaft von der WIRKLICHKEIT. WIRKLICHKEIT ist die unwiderrufliche ERFAHRUNG, die durch keine andere Erfahrung transzendiert oder ausgelöscht wird. WIRKLICHKEIT muß natürlicherweise unvergänglich sein, da Vergänglichkeit einen Zustand oder ein Ding als unwirklich markiert. UNVERGÄNGLICHKEIT bedeutet gleichsam UNBEGRENZTHEIT, denn Grenzen sind nicht unabhängig und nicht absolut, vielmehr wechselhaft. UNVERÄNDERLICHKEIT ist die Natur der WAHRHEIT. Die Welt, in der wir leben, zeichnet sich durch Veränderung und Zerstörung aus. Ebenso beinhaltet diese Welt auch das Individuum. Der Körper des Individuums ist als Ganzes ein Teil der Welt. Der wechselhafte Charakter der Welt wird durch wechselnde Ereignisse, wechselnde Handlungen, Gedanken und Gefühle aufrechterhalten. Deshalb muß die Suche nach der WIRKLICHKEIT notwendigerweise auf ganz anderen als den normalen Wegen in der Welt erfolgen. Der WIRKLICHKEITS-Sucher muß besonders mit der Kraft der Unterscheidung zwischen der WAHRHEIT und der Falschheit ausgestattet sein; zwischen der WIRKLICHKEIT und dem unwirklichen, vergänglichen Universum.

 Die notwendige Veränderung eines WIRKLICHKEITS-Strebenden findet nicht einfach nur äußerlich statt, sondern besteht aus einer völligen Umgestaltung des Lebens. Diese außergewöhnliche Veränderung im Leben ist schwer zu bewirken. Vom Sucher nach VOLLKOMMENHEIT wird verlangt, daß er sich auf diese große Veränderung zum Guten hin vorbereitet.

 Die unmittelbare, vor uns befindliche Wirklichkeit ist der physische Körper, wie er sich in der physischen Welt darstellt. Deshalb bestehen die ersten erforderlichen Übungen aus körperlichen Handlungen im Sinne von 'KARMA'. KARMA hat eine besondere Bedeutung in Religion und Philosophie. Zusätzlich zum Dienen, das frei von individuellen Motiven oder Wünschen ist, bedeutet KARMA 'selbstloser Vollzug der eigenen vorgeschriebenen Pflichten' ohne Murren oder Versäumnis. Es wird von jedem Menschen erwartet, daß er (gemäß den vier ASHRAMAS oder Lebensordnungen) entweder ein (1) BRAHMACHARI (Schüler, der der Enthaltsamkeit unterliegt), (2) GRIHASTA (Ehe- und Familienstand), (3) VANAPRASTHA (zurückgezogen ins spirituelle Leben nach Erfüllung der Familienpflichten) oder (4) SANNYASIN (Mönch) ist. Man sollte in keinem anderen als in einem dieser vier Stadien leben, und zwar in dem Umfang, wie dies möglich ist. Ebenso kann ein Mensch zur gleichen Zeit nur einem dieser vier ASHRAMAS angehören und nicht mehreren zugleich. Der Vollzug der eigenen Pflichten bedeutet die Beachtung dieser ASHRAMA-DHARMAS. 'NITYA' und 'NAIMITTIKA KARMAS' (hindu­isti­sche Zeremonien), die zu einem ASHRAMA gehören, bilden das 'SVADHARMA' (Erfüllung) der 'eigenen Pflichten', insofern dies die VEDANTA- Philosophie anbelangt. KAMYA-KARMAS (Wunsch-Handlungen) sind vom SVADHARMA ausgeschlossen.

 Die strikte Einhaltung des SVADHARMA reinigt das Geistorgan und befreit es von MALA (Schmutz), dem groben TAMAS (Trägheit) und RAJAS (Leidenschaft), d.h. den täuschenden und zerstreuenden Umständen in ihm. VEDANTA liefert all jenen, die bereits ihre innere Natur durch NISHKAMA-KARMA (selbstloses Dienen) gereinigt haben, eine Beschreibung über das sog. UPASANA oder die VEREHRUNG des PERSÖNLICHEN GOTTES und die MEDITATION  auf IHN (SAGUNA BRAHMAN). UPASANA beseitigt VIKSHEPA  (Geistesunruhe) und begünstigt CHITTA-EKAGRATA oder das ‘zielgerichtete Geistorgan'. Von einem solchermaßen vorbereiteten Strebenden, der mit CHITTA-SHUDDHI und CHITTA-EKAGRATA ausgestattet ist, ist zu erwarten, daß er damit das erforderliche SADHANA-CHATUSHTAYA, das ethische Rüstzeug, das direkt zur Haupthalle des VEDANTA-SADHANA führt, besitzt.

 SADHANA-CHATUSHTAYA ist die vierfache Ausstattung und unumgängliche Hilfe zum Erwerb von BRAHMA-VIDYA (WISSEN von BRAHMAN), das AVARANA oder den Schleier der Unwissenheit beseitigt. Die Diskussion um den ADHIKARI (qualifizierte Schüler) ist einer der Hauptaspekte im VEDANTA. Das erste dieser vier SADHANAS ist (1) VIVEKA oder die eindeutige Unterscheidungsfähigkeit zwischen dem EWIGEN PRINZIP und dem vergänglichen Universum der Namen und Formen. VIVEKA reift ganz allgemein durch PURVA-PUNYA oder die Wirkung verdienstvoller Taten in der Vergangenheit, was durch die aktuelle Wahrnehmung von Leid und Tod beschleunigt wird. 'SAT-SANGA ' ist ein anderes Mittel, das einen Menschen von dem weltlichen zum Göttlichen Leben hin transformiert. SAT-SANGA führt zu VIVEKA und VICHARA, dem Bewußtsein von dieser unangemessenen phänomenalen Welt und der Erforschung der WIRKLICHEN NATUR der WAHRHEIT.

 VIVEKA schafft eine Unentschiedenheit gegenüber der Welt und deren Inhalt. Diese Höchste, aus VIVEKA geborene Unentschiedenheit ist das zweite (2) der vier SADHANAS namens VAIRAGYA oder Leidenschaftslosigkeit. Wahres VAIRAGYA ist die Wirkung einer korrekten Unterscheidung und das nicht nur aufgrund eines bloßen Scheiterns im Leben. Wirkliche Leidenschaftslosigkeit ist die Konsequenz aus der Wahrnehmung von der Unbeständigkeit der Dinge, der falschen Existenz scheinbarer Glückseligkeit und der Erkenntnis von der Unterscheidung zwischen der WIRKLICHKEIT und den Erscheinungen. Dieses VAIRAGYA reicht hin bis zu BRAHMALOKA (Wohnstatt' GOTTES), der Höchsten phänomenalen Offenbarung, und legt selbst diese als mangelhaft beiseite. So gesehen ist VAIRAGYA die Abneigung gegenüber allem, was objektiv ist (einschließlich des eigenen Körpers). Es ist nicht möglich, das EWIGE zu lieben, solange es noch einen Glauben in das Vergängliche gibt. UNSTERBLICHKEIT und Sterblichkeit stehen sich unvereinbar gegenüber. Leidenschaft für die Welt und deren Objekte steht im Widerspruch zur Hingabe an das HÖCHSTE SEIN, unvereinbar wie Dunkelheit und Licht. Denn, wo letzteres ist, kann ersteres nicht sein. VAIRAGYA (Leidenschaftslosigkeit) ist der Zugang zum WISSEN dessen, was wahrhaft ist.

  

DAS AUSFÜHREN DER ÜBUNGEN

 Es gibt einige wichtige und allgemeine Prinzipien, die jeder Strebende vor dem eigentlichen Beginn der spirituellen Übungen beachten sollte. Andererseits besteht die Gefahr der verdrehten Vorstellungen und der falschen Praxis. Der Zweck spiritueller Übungen (SADHANA ) ist es, die HÖCHSTE WIRKLICHKEIT zu realisieren und nicht, sich einige psychische SIDDHIS (Kräfte) anzueignen, was die allgemeine Einschätzung gewöhnlicher Strebender zu sein scheint. Aus diesem Grund ist es notwendig, gleich von Beginn an den Zweck des SADHANA zu erkennen, was mit GOTT gemeint ist und was Leben bedeutet.

 Das Leben, wie es hier gelebt wird, ist ein beständiges Ringen zum Erwerb von physischer und egoistischer Glückseligkeit, und zwar durch die Aneignung von Objekten, wünschenswerten Bedingungen, Name und Ruhm, Macht, Ehre und Erhöhung usw. Jede Handlung, jedes Wort oder jeder Gedanke ist unabhängig von der jeweiligen Form, ob bewußt oder unbewußt, auf den Erwerb der Höchsten, Unbegrenzten, Unteilbaren FORM von GLÜCKSELIGKEIT hin ausgerichtet. Das ist die letztendliche Bedeutung aller Wünsche und der Liebe. Das Bestreben ist ohne Zweifel angeboren, doch die Methoden, durch die der Mensch diese Glückseligkeit zu gewinnen trachtet, sind närrisch, mangelhaft und ungeeignet zum Erreichen dessen, was erreicht werden möchte. Der Mensch wird von seinen Wünschen und der Liebe, die er für äußere Dinge hegt, getäuscht. Wie umfangreich sein Besitz und Ruhm, seine Ehre und Macht auch sein mögen, sie werden ihm nicht diese Glückseligkeit verleihen, die jemand tatsächlich benötigt. Ein jeder kennt die persönliche Erfahrung, daß das, was in der Vergangenheit als wünschenswert erschien, in der Gegenwart nicht so erscheint. Und jede denkende Person sollte dazu fähig sein, daraus zu schließen, wie die Natur solcher Erfahrungen von Gedanken, wie sie gerade jetzt gedacht werden, um die eigene Glückseligkeit zu fördern, sein würden. Man sollte sich stets daran erinnern, daß nur jene Bedingungen als wünschenswert erachtet werden, wie sie dem Glücksgefühl in der jeweiligen Form einer vergänglichen Transformation der Verstandesfunktionen entsprechen, und zwar nur für jene blitzartig vorüberziehende Zeitspanne, in der diese besondere geistige Veränderung (namens 'Glück') stattfindet. Eine Abweichung in dieser geistigen Veränderung würde eine andere, sich entsprechende Erfahrung erfordern, die sich natürlich gegenüber der vorangegangenen unterscheiden müßte. Diese Geistesveränderungen sind zahllos und unergründlich, weshalb kein Ende der Wünsche und ersehnten Objekte abzusehen ist. Das Denkorgan nimmt so viele Formen an und fordert ebenso viele Erfahrungen, wie es versteckte Wünsche und Eindrücke vorangegangener Erfahrungen gibt, die im Unterbewußtsein angehäuft sind. Und es kann kein Ende für diese versteckten und übriggebliebenen Eindrücke geben, da jede neue Erfahrung einen frischen Eindruck zum bereits bestehenden Vorrat dazugibt. Da jeder Eindruck eine andere, neue Erfahrung anregt, führt dies zu einer unendlichen Fortsetzung, womit das nie-endende Leid des sterblichen Individuums eine Erklärung findet, denn auf diese Weise würde es endlos gezwungen sein, die alten Körper abzuwerfen und neue anzulegen, um die Bedingungen dieser endlosen Wunsch-Eindrücke durch zähes Ringen, durch Liebe zum Körper und durch konsequentes Leid, zu erfüllen. Dieser Prozeß wird der Kreislauf des SAMSARA genannt. Eine endlose, aus Unzufriedenheit geborene Bewegung, die zeigt, daß ungebrochene Glückseligkeit nicht im Kontakt mit äußeren Formen der Existenz gefunden werden kann.

 Strebende werden ausdrücklich davor gewarnt, sich nach SIDDHIS zu sehnen. SIDDHI ist eine Kraft, und Kräfte sind nur nützlich zur Erfüllung der eigenen Wünsche und Erwartungen. Ein Wunsch ist stets ein Wunsch nach äußeren Besitztümern, Objekten, Zuständen und Bedingungen. Dies wird jedoch schnell als wertlos und ungeeignet für die Beschaffung beständiger SELBST-ZUFRIEDENHEIT verwirklicht, denn was das SELBST wirklich benötigt, ist weder ein Objekt noch eine äußere Umgebung, sondern reine GLÜCKSELIGKEIT. Wie kann diese GLÜCKSELIGKEIT in das SELBST verpflanzt werden, wenn sie in äußeren Formen gesucht wird? Was ist das Verhältnis zwischen dem SELBST und den Veräußerlichungen? In Wahrheit kann da weder eine Identität noch ein Unterschied bestehen, denn wenn es identisch ist, verliert das Objekt seinen Objektcharakter; ist es ein Unterschied, verbleiben die Objekte auf immer getrennt vom SELBST. Dies beweist die Unmöglichkeit, GLÜCKSELIGKEIT von wirklich äußeren Dingen zu erwerben und demonstriert ebenso den nutzlosen Charakter der SIDDHIS. SIDDHIS sind nicht dazu geeignet, GLÜCKSELIGKEIT zu verschaffen, vielmehr verhindern sie tatkräftig den Prozeß der SELBST-VERVOLLKOMMNUNG, indem sie den Strebenden zu der falschen Vorstellung verleiten, daß da objektiv etwas Wirkliches ist.

 Deshalb gilt es, den praktischen DRANG nach VOLLKOMMENHEIT, wie er im Leben vorzufinden ist, durch eine Methode der selbst-integrierenden Vollständigkeit zu erfüllen, welche jeden nur denkbaren Aspekt der EXISTENZ im eigenen SEIN beinhaltet. Der Kontakt des SELBST mit der Äußerlichkeit ist nicht der Weg zur wahren WONNE, vielmehr ist er der Schoß aller Sorgen. Das einzig richtige Rezept ist daher, Objekt bezogene Wünsche abzuschütteln, die Erscheinung des Universums, wie es sich äußerlich darbietet, nicht zu beachten und selbst zur gesamten EXISTENZ 'zu werden '. Dies muß eine Selbst-seiende, Selbst-offenbare, Andauernde, Selbst-bewußte und keinesfalls fragwürdige WAHRHEIT sein; andererseits kann der praktische Drang nach absoluter Vollkommenheit in den Individuen nicht als solcher angesehen werden. Es muß eine 'VERWIRKLICHUNG' und nicht eine 'ERRUNGENSCHAFT' von etwas, das das WAHRE SELBST von jedermann ist, sein. Das SELBST kann nicht erworben, erreicht oder besessen werden, da es kein Objekt ist, - ES kann nur verwirklicht werden. Man kann sein SELBST nur 'erkennen ' und nicht 'besitzen'. Der Zweck des Lebens ist einzig und allein diese VERWIRKLICHUNG, - SIE ist das Ziel der Handlungen, der Höhepunkt der Wünsche, das Ende allen Leides, das Eintreten in immerwährende FREUDE.

 Die vorangegangene Lebens-Analyse wird eine angemessene Vorstellung vom Zweck des SADHANA und der Beschaffenheit von der WIRKLICHKEIT, der Welt und Seele geben. Das SADHANA soll der VERWIRKLICHUNG nicht enden wollender, vollkommener WONNE dienen. Diese WONNE wird einzig im ABSOLUTEN und sonst nirgendwo gefunden. Diese Tatsache ist logisch geprüft und ebenso durch intuitive Verlautbarungen bestätigt. Das ABSOLUTE ist das SELBST von allem und deshalb ist die VERWIRKLICHUNG des SELBST dasselbe wie die VERWIRKLICHUNG des ABSOLUTEN. Es gibt keine andere Bedeutung für die 'Welt' und das 'Individuum', es sei denn in Form von Worten, die unterschiedliche Vorstellungen von der EINEN WAHRHEIT andeuten. Daraus läßt sich ziemlich klar entnehmen, daß die VERWIRKLICHUNG von BRAHMAN der absolute Höhepunkt oder die erhabenste Form von Selbstlosigkeit ist; ja mehr noch, sie ist die tatsächliche Auflösung des Selbst im GOTT-SEIN. Es ist offenkundig, daß das SADHANA, das zu dieser VERWIRKLICHUNG ausgeübt wird, mit Rechtschaffenheit, Moral und Tugenden beginnen sollte. DAS, was 'unteilbar' und 'absolut' ist, kann nur auf der Grundlage von unparteiischer und ungeteilter UNIVERSELLER LIEBE, Sinnesbeherrschung, vollkommener Selbstlosigkeit im Fühlen und HÖCHSTER WAHRHEIT verwirklicht werden. Feindschaft, Falschheit, Sinnlichkeit, Gram, Ärger, Stolz, Eifersucht, Herrschaftsstreben, Einbildung, Egoismus, Selbstverherrlichung und Anhaftung stehen im Widerspruch zur WAHRHEIT, daß GOTT das ABSOLUTE SEIN ist, womit diese Eigenschaften den Zugang des Individuums zum Pfad der VOLLKOMMENHEIT verhindern. Die Einhaltung der Moral-Gesetze und ethische Übungen sollten den ersten Schritt in allen SADHANAS darstellen. Ebenso sollte die eigene Disziplinierung mit dem geeigneten Verständnis für den Zweck und die SADHANA-Technik erfolgen; außerdem sollte die Natur des ZIELES und die vorstellbaren Störungen und Mittel zur Bekämpfung von Schwierigkeiten verwirklicht werden.

 

SADHANA-TECHNIK

 Das SADHANACHATUSHTAYA und die anderen Tugenden sollten aus den erläuterten Gründen heraus praktiziert werden, so daß sie als eine kraftvolle Hilfe im eigenen Rückzug vom vergänglichen Körper und der Welt handeln und das Bewußtsein zu der GROSSEN BESTIMMUNG lenken. Wenn am Anfang das Sinnenhafte dieser Übungen, die tatsächlich dazu geeignet sind, den Strebenden auf den Weg der BEFREIUNG zu führen, richtig verstanden wird, dann wird der praktische Vollzugsprozeß intelligent und unbeirrt ablaufen, d.h., die Praxis würde leicht fallen und durch ein Gefühl der Freiheit Ausdruck finden. Ohne die angemessene Kenntnis von der exakten Anatomie, Geschichte und der Zusammensetzung des SADHANA, wirken die Versuche von jemandem eher blind und können nicht viel Gutes bewirken. Ebenso führen solche gedankenlose Routinehandlungen den Strebenden häufig in große Bedrängnis, anstatt ihn zu erheben. Von einem SADHAKA (spirit. Übender) wird nicht erwartet, daß er idiotisch oder närrisch ist, obwohl er dazu aufgefordert ist, blinde Hingabe zu seinen ÜBUNGEN, zu seinem LEHRER und zu seiner GOTTHEIT zu haben. Ein SADHAKA sollte mit einer klaren Geistesgegenwart, Gemeinsinn und dem rechten unterscheidenden Intellekt ausgestattet sein, so daß er nicht durch seine Emotionen und den anderen Bereichen seiner schwächeren Natur abgelenkt wird.

 Um ein erfolgreicher Strebender zu werden, muß man sich selbst durch die Transformation der niederen menschlichen Instinkte in spirituelle Energie reinigen. Der natürliche Ausdruck dieser nicht-göttlichen Instinkte muß durch verschiedene intelligente Mittel zurückgehalten und in die gewünschte Richtung gelenkt werden. Die wichtigsten dieser selbst umzugestaltenden Methoden sind:

 (i)   OPPOSITION

(ii)  SUBSTITUTION

(iii) TRANSFORMATION und SUBLIMATION

 

'OPPOSITION' ist das Handeln in einer Weise, die einem umschriebenen Instinkt direkt durch Gedanke, Wort und Tat entgegenwirkt.

'SUBSTITUTION' ist das Zügeln eines Instinktes, indem er durch einen anderen, tugendhafteren ersetzt wird.

'TRANSFORMATION und SUBLIMATION' bewirken das Verschmelzen und Auflösen des Instinktes in spirituelle Hingabe, yogische Energie und GÖTTLICHES WISSEN.

 Die niederen Qualitäten und üblen Erscheinungen der menschlichen Natur wurzeln in dem Wunsch nach gieriger Befriedigung des eigenen egoistischen Selbst', auch dann, wenn es dadurch andere Individuen mit Sorgen überschüttet. Der, auf andere empfindende Wesen ausgelöste Kummer muß als Wirkung der GESETZES-Verletzung der UNIVERSALEN HARMONIE notwendigerweise gegen seine Ursache rebellieren, so daß das gestörte Gleichgewicht wiederhergestellt wird. Es ist hier nicht absolut notwendig, die Theorie von einem Außerkosmischen Transzendentalen VATER oder SCHÖPFER aufrechtzuerhalten, der im Nachhinein dem Sünder eine Strafe auferlegt. Es ist einleuchtend und selbst ohne einen solchen Glauben ziemlich verständlich, daß Sünden eine Verletzung der WAHRHEIT von der UNTRENNBAREN EINHEIT der EXISTENZ darstellen, hervorgerufen durch hartnäckige Ichbezogenheit, Anhaftung an den Körper und die Bereitschaft, sich dem Ego zu fügen. Die Wiederherstellung dieser WAHRHEIT, die sich allzeit weigert, unterdrückt zu werden, sollte logischerweise durch eine Niederlage der schädlichen Kraft erfolgen, was dem Fluß der umtriebigen Ereignisse gegen die individuellen Neigungen entspricht. Doch die Neigungen fordern auch energisch ihre Erfüllung und Sehnsucht nach Erfolg, und wenn ein Sieg über die WAHRHEIT unmöglich (für sie) ist, dann endet die unaufhörliche Schlacht, die zwischen der Unwahrheit der individuellen Natur und der ABSOLUTHEITS-WAHRHEIT tobt, in der leidvollen Wiederholung von Geburt und Tod des Individuums, das seinen Egoismus aufrechtzuerhalten versucht. Jeder Gedanke, der sich gegen die UNGETEILTE EXISTENZ richtet, ist wie eine giftige Lanze, die gegen den Absender dieses Gedankens geschleudert wird. Er ist wie eine Fessel, mit der man sich bindet, oder wie ein Gefängnis, in das man sich selbst wirft. Jeder Versuch einer physischen, verbalen oder psychologischen Handlung, der ein geistiges Bewußtsein vorausgeht, das direkt oder indirekt den UNTEILBAREN CHARAKTER des ABSOLUTEN verleugnet, ist Übel. Das ist Sünde und das ist das eigentliche Verbrechen. Das ist der Irrtum, der die Leiden des sterblichen Lebens entstehen läßt.

 Es ist nicht so leicht, das Böse im Inneren zu entdecken, da der Übende sehr oft mit der üblen Eigenschaft übereinstimmt, das BEWUSSTSEIN mit dem ehrgeizigen und nicht unterscheidenden Ego zu verbrüdern. In der Mehrzahl der Fälle mangelt es an Unterscheidungskraft, und selbst, wenn sich diese bemerkbar macht, geschieht dies erst nachdem das Falsche anerkannt wurde. Der Zweck des SADHANA besteht darin, das Denkorgan davor zu bewahren, sich in seinen gefährlichen Verirrungen zu verlieren, aus denen für das Individuum die bittere Frucht der Wiederverkörperung erwächst. Es wird nur nach durchdringender Erforschung für jemanden möglich sein, ein korrektes Wissen von der Arbeitsweise der inneren Kräfte zu bekommen, und das BEWUSSTSEIN zur Wahrnehmung seiner essentiellen WIRKLICHKEIT zu lenken. Die Methode, den Lebensinstinkten mit einer entgegen wirkenden Kraft zu begegnen, oder das Verfahren der SUBSTITUTION, wird letztendlich nicht dazu fähig ein, alleine den erforderlichen Erfolg zu haben. Das SADHANACHATUSHTAYA ist ein Mittel zur TRANSFORMATION und SUBLIMIERUNG der Relativität in die ABSOLUTHEIT hinein. VIVEKA (Unterschei­dungs­kraft), die Grundlage jeden SADHANAS ist eine äußerst kraftvolle, verändernde, belebende und erleuchtende Spirituelle KRAFT. Sie hilft den Strebenden zu 'verstehen' und zu 'erkennen'. Eine Handlung ohne Intelligenz ist wertlos und ein SADHANA ist unter diesen Vorzeichen nicht einmal seinen Namen wert. In dem Moment, wo das Licht reiner Intelligenz aufleuchtet, geschieht auch die TRANSFORMATION des Individuums von der niederen Natur in die Höhere ESSENZ. Sämtliche Detailpunkte des SADHANACHATUSHTAYA dienen der vollständigen Zerstörung all jener Merkmale, die dem wahrhaft andauernden WAHRHEITS-BEWUSSTSEIN entgegengesetzt stehen und die von ihnen abweichen, und zwar nicht zur Suspension ihres Einflusses durch kriegerischen Widerstand oder durch Ersatz anhand anderer Kräfte. Solange die niederen Hindernisse auch nur ein Minimum an Leben zeigen, kann nicht erwartet werden, daß die Höheren Reiche wirklich vollständig erobert worden sind.

 Die Liebe für das individuelle, begrenzte, selbstsüchtige Leben wird häufig durch die verwüstenden Wünsche nach Name, Ruhm, Macht, Wohlstand und Sex; durch die tyrannisierenden Forderungen des Körpers, durch den Hang nach Ehre, Anbetung, Erhöhung, Lob und Herrschaft und durch ehrgeiziges Streben in Verbindung mit der objektiven Welt, - was auch immer die spitzfindige Begründung und die raffinierte Verschleierung oder aufpolierte Erscheinung dieser Ambitionen sein mag -, falsch gerechtfertigt. Selbst die Sehnsucht nach Gelehrsamkeit oder Wissenschaftlichkeit ist ein Hindernis für den spirituellen Sucher. Dieser Haufen an Schwierigkeiten muß überwunden werden; alle Wünsche, Bestrebungen und Eigentümlichkeiten müssen im Keim erstickt werden. Je sorgfältiger und vorsichtiger ein SADHAKA ist, desto mehr kann er versuchen, seine Intelligenz zu schärfen und zu vertiefen. Der Notwendigkeit, wachsam zu sein und ein aktives BEWUSSTSEIN zu haben, sind keine Grenzen gesetzt. Genau vor dem Eingang zum Himmel kann es eine Durchgangspforte geben, die zur Hölle führt. Das Boot kann unmittelbar vor dem anderen Ufer sinken. Das Leben eines SADHAKA sollte von unerschöpflichem VIVEKA und VICHARA erfüllt und mit dem durchdringenden Licht des GEREINIGTEN BEWUSSTSEINS gekrönt sein, womit das WAHRE WISSEN und die Erfahrung der innersten Tiefe des Herzens, - dem Boden der WAHRHEIT seines eigenen Wesens -, erforscht und erreicht werden kann. Alle Gedanken, Worte und Handlungen, die nicht zur VERWIRKLICHUNG dieses SEINS beitragen, sollten unter Anwendung der SADHANACHATUSHTAYA-Praxis entlassen werden. Dann wird der Strebende geläutert zu den Füßen des (SROTRIYA) Schrift- und BRAHMAN-Kundigen (BRAHMAN­ISHTHA ) sitzen, um über die Natur der GROSSEN WAHRHEIT zu hören.

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