Aitreya Upanishad
Auszug aus dem Buch „Principle Upanishads“ von Swami Sivanandabearbeitet von Divya Jyoti
Copyright © THE DIVINE LIFE Trust SOCIETY, Rishikesh, Indien -
Bei der vorliegenden Übersetzung aus dem Englischen von Swami Sivananda, wurde die eigentümliche Ausdrucksweise des Originals auch in der Übersetzung weitgehend erhalten, was teilweise zu tiefem Nachdenken über den wahren Inhalt herausfordert!
Inhaltsverzeichnis:
Einführung
I
Hari OM! Die Philosophie, die von den Upanishads gelehrt wird, wurde für Tausende von Menschen in Ost und West zur Quelle des Trostes. Es ist außerordentlich schwer, die Upanishads ins Englische und weiter ins Deutsche zu übertragen. Ihr Zauber und ihre Schönheit geht weitestgehend durch Übersetzung verloren.
Der Wunsch Brahman zu kennen bedeutet, alle Wünsche auf einmal zu erfüllen. Jene, die Brahman kennen, haben das höchst Erreichbare erreicht.
Die letztendliche Befreiung besteht darin, in der Mitte Brahmans zu ruhen, was sich in Glückseligkeit und Freude ausdrückt, nachdem die Unwissenheit ausgelöscht wurde, die die Ursache von Wunsch und Karma ist. Unwissenheit wird durch das Wissen von Brahman vertrieben.
Die Aitareya Upanishad bildet den Teil der Aitareya Aranyaka der Rig-veda. Sie besteht aus fünf Abschnitten, Khandas genannt. Wenn man das Lied über den Frieden als einen gesonderten Abschnitt ansieht, sind es sechs. Durch die Zählart wird diese Upanishad manchmal auch als Atmashatka bezeichnet, d.h. die sechsfache Dissertation von Atman. Sie ist in drei Kapitel aufgeteilt. Das erste Kapitel beinhaltet drei Abschnitte, das zweite und das letzte je nur einen.
Die Upanishad erhielt ihren Namen von ihrem Autor Mahidasa Aitareya, dem Sohn Itaras.
Die Upanishad beschreibt die Schöpfung des Universums auf symbolische Art und Weise. Sie handelt von Atman als einzige Wirklichkeit. Sie handelt von der Evolution durch Hunger und Durst, von Nahrung, vom Betreten des Selbst in den Körper. Sie handelt über die Vorstellung und die drei Geburten des Menschen.
Sie lehrt, dass der Mensch von Geburt und Tod befreit wird, und durch die Kenntnis von Brahman Unsterblichkeit erlangt. Sie beinhaltet die Aussagen Rishi Vamadevas, der durch die Kenntnis des Selbst Unsterblichkeit erlangt. Sie lehrt, dass Atman und nicht Prana die letzte und einzige Ursache von allem ist. Sie lehrt, dass das gesamte Universum eine Offenbarung Brahmans ist, dass die individuelle Seele mit der absoluten Seele identisch ist, und dass das Ziel des Lebens in der Verwirklichung der Einheit des individuellen mit dem absoluten Selbst liegt. Die Kernlehre der Upanishad liegt darin, das Wissen einzupflanzen, dass Atman und Para-Brahman ein- und dasselbe sind.
In allen Upanishads steht geschrieben, dass letztendlich durch die Verwirklichung der Einheit des Selbst Unsterblichkeit erlangt wird.
Mit den Devas eins zu werden, führt letztendlich nicht zur Befreiung. Die Devas, wie z.B. Agni, sind Subjekt für das Samsara, denn sie sind Subjekt für Fehler, wie z.B. Hunger. Alle Subjekte für Hunger sind nur Samsaras. Im Text heißt es, dass das höchste Brahman über dem Hunger usw. steht. Die Verwirklichung dieses absoluten Brahmans allein wird zur Befreiung von Samsara, d.h. von Geburt und Tod, führen.
Die zentrale Lehre dieser Upanishad beschreibt die Einheit von Atman und Paramatman. Das kann nur durch Kenntnis des Selbst und nicht durch Rituale verwirklicht werden. Atman-Jnana allein kann die Saat von Samsara verbrennen und Moksha schenken.
II
Die Kenntnis von Brahman sollte an jene weitergegeben werden, die im Herzen rein sind, indem sie dem Karma, wie in den Schriften beschrieben, Pflichten auferlegt haben, und die daher für die Instruktionen bereit sind. Sie sollte an jene weitergegeben werden, die in den Sastras versiert sind, die das Vertrauen besitzen, die in Brahman ruhen, und die das Gelübde von Sirovratam (Sannyasa) praktizieren.
Es heißt, man sollte in die vierte Ordnung des Lebens eintreten, da es ohne absolutes Zurückziehen schwierig ist, Brahma-vidya zu praktizieren. Sri Sankara stimmt allerdings zu, dass es auch einem Familienvater möglich sein sollte, die Vedanta zu studieren und zu praktizieren. Doch er sagt auch, dass Sannyasa erforderlich wäre, um Selbstverwirklichung zu erlangen. Ein Sannyasin könnte sich ausschließlich dem Studium und der Meditation widmen. Nur er könnte genügend Muße finden und sich die Freiheit nehmen, um nicht von weltlichen Dingen abgelenkt zu werden. Und doch wäre das Zurückziehen selbst für jene wünschenswert, die Jnana nicht erlangt hätten. Nichtwissende, die unbedingt Befreiung erlangen möchten, sollten sich einem Sannyasa-Orden anschließen.
Sri Sankara betont, Meditationspraxis auf das Selbst ist nicht intensiv praktizierbar, wenn das normale weltliche Leben nicht aufgegeben wird. Die Kontrolle der äußeren und inneren Aktivitäten der Sinne und andere Hilfen zur Verwirklichung von Atman sind laut Sri Sankara mit anderen Lebensordnungen, außer dem Mönchtum, unmöglich.
In der Kaivalya Upanishad heißt es: ‚Weder durch Karma noch Nachkommenschaft oder Besitz, sondern durch Zurückziehen allein ist Unsterblichkeit erreichbar.’ In den Schriften heißt es: ‚Lass den Gottsucher in der Lebensform leben, die dem Wissen Brahmans entspricht.’ In Ashrams können nur Brahmacharyas und Gleichgesinnte miteinander harmonieren und bestehen. Diese Lebensform ist für Familienväter, weltliche Menschen, unmöglich.’ - Es gab jedoch immer wieder Heilige, auch aus einfachen Verhältnissen, mit und ohne Familie, die ein einfaches würdevolles Leben führten, zurückgezogen, als Yogis, und die schließlich Selbstverwirklichung erlangten. Doch ohne einen Guru und Lehrer war und ist dies unmöglich. Bei allen diesen wundervollen Persönlichkeiten stand/ steht das große beseelte Verlangen nach Selbstverwirklichung.
In den Schriften heißt es darum: „Lass den Sucher, den Junggesellen usw., sein Zuhause verlassen und in den Wald gehen, um als Sannyasin zurückzukehren.“ Mithilfe des Sannyasin-Ordens können die Pflichten eines Familienvaters eingeschränkt werden, damit er Selbstverwirklichung erlangen kann. Dieses anfänglich freiwillige Zurückziehen wird den Sucher zum Studium der Vedanta qualifizieren. Es heißt auch: „Man sollte sein Heim verlassen, wenn Leidenschaftslosigkeit aufkeimt.“
Der Sannyasin ist frei von allen weltlichen Ablenkungen, Bindungen und Verhaftungen. Seine Tracht kontrolliert den Strebenden, vom Wege aufzuweichen oder Übles anzurichten. Wenn eine innere Veränderung stattfindet, wenn jemand bereit ist, die vierte Stufe des Lebens einzugehen, warum sollte er sich davor fürchten, die orange Robe überzustreifen? Warum sollte er sagen, er hätte sein Herz gefärbt? Das wäre eine Art von Schüchternheit oder gar Scheinheiligkeit. Subtile Wünsche wird er weiter im Herzen bewegen. Warum wurden große Heilige Sannyasin?
Sannyasa hat seine eigene Schönheit und Vorteile. Die Freiheit eines Sannyasin ist kaum zu beschreiben. Nur ein Sannyasin kann sich aller Bindungen vollkommen entledigen. Obwohl man sich aus tiefsten Herzen verändert haben mag, die Mitglieder der Familie haften bis ans Ende des Lebens wie Kletten an den Gottsucher. Man kann die Familienbande nicht völlig auflösen. Wenn man krank wird, ist man versucht, zu ihr zurückzukehren und um Hilfe nachzusuchen. Die alten Samskaras erhalten ein neues Leben und wiederholt versuchen alte Familienbande durch noch stärkere Ketten zu binden. Nur wenn man Sannyasin wird, werden sie loslassen. Erst dann werden sie alle Hoffnungen aufgeben, man wird nutzlos für sie und nicht weiter berührt.
Wer Abgeschiedenheit liebt, wer frei von Leidenschaften, weltlichen Ambitionen, karmischen Neigungen und Ablenkungen durch das Weltliche ist, wer zurückhaltend und gelassen ist, sich in der Welt diszipliniert hat, wer mit einfacher Ernährung zurechtkommt, ein entbehrungsreiches Leben führen möchte, über eine gute Konstitution verfügt, nicht sehr gesprächig ist, ohne menschliche Gemeinschaft auskommt, ein meditatives Temperament oder eine reflektive Natur besitzt, alle Schwierigkeiten des spirituellen Weges ertragen, ein asketisches Leben bis zum Endes des Lebens führen mag, kann sich auf den Pfad des Zurückziehens begeben. Nur dann ist man in der Lage Sannyasin zu werden. Man sollte ein oder zwei Jahre lange das Leben eines Sannyasin in der Welt führen. Man muss ich in der Welt vorbereiten. Ansonsten ist es außerordentlich schwer, den spirituellen Pfad eines Sannyasin zu beschreiten. Für einen Menschen der Leidenschaftslosigkeit, Unterscheidungsfähigkeit und einen starken Willen hat, ist dieser Pfad voller Freude und Glückseligkeit.
Mögen die Sucher und Leser dieser Zeilen den Durst entwickeln, um sich von den Bindungen des Samsara zu lösen! Mögen die Herzen von der Liebe des Atman erfüllt sein! Mögen sie wirkliche Leidenschaftslosigkeit entwickeln und das leuchtende Königreich ewiger Glückseligkeit betreten!
Mögen alle Sucher die alte Weisheit der Upanishads erkennen! Mögen alle die Einheit des Selbst erkennen! Mögen alle im erleuchteten Zustand in den Ozean der Glückseligkeit eintauchen!
OM! Mein Sprechen fußt in meinem Geist. Mein Geist ist in meinem Sprechen verwurzelt; Brahman offenbart sein Selbst in mir. Geist und Sprechen befähigen mich, die Wahrheit, die die Schriften lehren, zu erfassen. Lass das, was ich erfahren durfte, nicht von mir weichen. Ich verbringe Tag und Nacht im Studium. Ich denke die Wahrheit und spreche die Wahrheit. Möge ES mich beschützen. Möge ES den Lehrer und mich beschützen.
OM Shanti, shanti, shanti, - Friede, Friede, Friede!
1. Abschnitt
1. Anfangs war alles nur Atman allein. Es gab keine anderen Aktivitäten. (Nichts Lebendes existierte. Es gab nichts, was irgendwie zum Vorschein kam.) ER dachte: ‚Nun sollte ich die Welt erschaffen.’
Kommentar:
Atman ist das erste Prinzip oder die erste Ursache. ES ist die einzige Wirklichkeit. ES kommt aus der Wurzel, was soviel heißt wie: erlangen, essen, erfreuen oder alles durchdringen. Atman ist das Höchste, Weiseste, Mächtigste. ES bzw. ER ist frei von Charakteristiken des Samsara, wie Hunger, Illusionen, Sorgen usw. ER ist ewig, rein, intelligent und frei. ER ist ohne Geburt, ohne Verfall, ohne Alter, unsterblich, furchtlos und einzig.
Das Universum, das als Purva Kanda bezeichnet und durch Name, Form und Karma unterschieden wurde, war anfangs als der eine Atman allein, d.h. vor der Schöpfung.
Zu Anfang, d.h. bevor die Schöpfung begann, gab es nichts, was durch Atman beschützt wurde. In Wirklichkeit existierte keine Schöpfung. Sie war lediglich eine Projektion dessen, was zu Beginn eines neuen Zyklus als potenzieller Zustand im Avyakta oder den Nichtoffenbarten liegt. Ist ER nicht jetzt dasselbe, das eine Ganze? Gibt es irgendetwas neben IHM? Nein. Warum heißt es dann: ‚ER war, existierte’? Wie kam es, dass man heutzutage von Vergangenem spricht? Obwohl ER selbst jetzt existiert und nicht nur ‚existierte’, da ist ein Unterschied.
Atman und das Universum waren vor der Schöpfung eins. Es gab keine offenbarten Unterscheidungen in Namen und Formen. Es gab nur eine Bezeichnung, nämlich Atman, doch jetzt existieren neben Atman aufgrund der Offenbarung der Unterschiede von Namen und Formen viele Begriffe. Als Schaumkronen, Luftblasen, Wellen usw. durch die Offenbarung von Namen und Formen des Wassers offenbart wurden, wurde aus der Bezeichnung für das Wasser mehr als ein Wort für dieselbe Substanz, nämlich Schaumkrone, Luftblase, Welle usw. Die Vorstellung von Schaumkrone, Luftblase usw. waren im Begriff ‚Wasser’ enthalten, bevor man sie in den gegebenen Namen und Formen unterschied. Die Vorstellung der Schaumkrone wurde mit dem Wort ‚Wasser’ verstanden.
Es existierte keine andere Einheit außer Atman, wie z.B. Materie oder Atome unabhängig oder neben Ishvara, wie von einigen Schulen behauptet wird. In der Vedanta wird keine unabhängige Einheit neben Atman zugelassen. Es heißt in den Schriften: ‚es gibt nur Atman’. Maya kann nicht aus sich selbst heraus existieren. Maya ist keine unabhängige Existenz. Darum ist Atman einzig, ohne ein Zweites, und die Welt hat nur eine relative Existenz, denn sie existiert nur, weil Atman sie erschaffen hat.
Atman in seiner allwissenden Natur dachte: ‚Ich werde die Welten erschaffen’. Wie hat ER (ohne Organe und Körper) vor der Schöpfung etwas wahrnehmen oder denken können? Hier liegt kein Gedankenfehler vor, denn ER war von Natur allwissend. Die Schriften sagen: ‚ER läuft ohne Füße und greift ohne Hände’.
Welches Objekt hat ER verfolgt oder welchen Zweck hatte es für IHN, die Welten zu erschaffen? Die Antwort lautet: ‚Ich werde die Welten, genannt Ambhah usw., die Regionen, zum Vergnügen über die Ergebnisse des Karmas des lebendigen Seins erschaffen.’
2. ER erschuf die Welten, d.h. Ambhas, Marichi, Maram und Apah. Die Ambhas stehen über den Himmeln, als Unterstützung. Die Marichayahs strahlen vom Himmel. Das Maram (die Region der Welt) ist die Erde. Danach, d.h. unterhalb der Erde, ist Apah (das Wasser).
Kommentar:
Als Atman es auf diese Weise reflektiert hatte, erschuf ER die Welten. Ein intelligenter Baumeister überlegt zuerst einmal: ‚Ich sollte den Palast soundso erbauen.’ ER plant. Dann erst fängt ER an zu bauen. Genauso erschuf Ishvara die Welten.
Der Baumeister baut seinen Palast mithilfe geeigneter Materialien. Wie könnte Atman ohne das richtige Material die Welten erschaffen? Diesen Einwand kann man nicht gelten lassen, denn ER ist allwissend und allmächtig.
So wie mit Schaumkronen etwas Bestimmtes bezeichnet wird, obwohl es nur eine Besonderheit des Wassers ist und mit einem bestimmten Namen belegt wurde bevor die Veränderung eintrat, genauso ist ein und derselbe Atman die Ursache des offenbarten Universums, das den differenzierten Schaumkronen auf dem Wasser entspricht.
Brahman ist beides, die materielle und funktionelle Ursache. Der allwissende Atman ist die Basis des Universums. ER war die materielle Ursache und erschuf das Universum. Auf dieses Weise besteht keine Inkonsistenz. Brahman ist nur Vivartopadana (eine materielle Ursache, die keiner Veränderung unterworfen ist, jedoch einen untrennbaren phänomenalen Effekt hat).
Wie ein Zauberkünstler, der sich selbst in anderer Form erschafft, so als würde er ohne materielle Ursache durch die Luft schweben, so erschafft ER, der allmächtige und allwissende Herr, der mächtige Magier, sich in anderer Form selbst, d.h. als Universum. Und doch sind die Positionen derer, die daran festhalten unhaltbar, ihre Sichten widerlegbar, d.h. entweder ist die Ursache oder die Wirkung unwirklich oder beides.
Welche Welten ER erschuf, wird als nächstes beschrieben. ER erschuf die Welt in einer bestimmten Abfolge. ER begann mit dem Äther. ER erschuf die Welten Ambhas usw. In den Schriften werden diese Welten detailliert beschrieben. Ambha steht über der himmlischen Welt. Sie wird Ambhas genannt, da sie das Wasser als Lebenselixier enthält. Der Himmel beinhaltet die Wasserwelt, genannt Ambhas. Der Himmel oder Zwischenraum unterhalb Dyauloka wird als Marichayah bezeichnet. Obwohl es nur ein Bereich ist, wird ‚Marichayah’ in Plural benutzt, da er mehrere Regionen umfasst und von einer Vielzahl von Sonnenstrahlen durchdrungen wird. Die Erde wird als Maram bezeichnet, denn hier sterben alle Kreaturen (Mriyante). Die Welten unterhalb der Erde werden als Apah bezeichnet, d.h. aus der Wurzel ‚Ap’, was soviel wie ‚erlangen oder erzielen’ bedeutet. Die Menschen, die hier leben, sind voller Freude. Obwohl die Welten aus fünf Elementen bestehen, werden sie aufgrund des Übergewichts des Wassers in Verbindung mit dem Wasser benannt, wie z.B. Ambhas usw.
Ambha, Maha, Jana, Tapa und Satya Lokas befinden sich über den himmlischen Bereichen, wo sich zu Beginn der Schöpfung das Wasser befand.
3. ER reflektierte: „Dieses sind die Welten, die ich erschaffen habe. Ich werde die Bewahrer oder Regenten der Welten erschaffen.“ Dann hob ER aus dem Wasser das absolute Sein (Purusha) und formte Es.
Kommentar:
Aus dem Wasser offenbarten sich die kausale Materie, die fünf Elemente, von denen das Wasser das Wichtigste ist, - aus dem absoluten Sein offenbarte sich die makrokosmische Purusha.
Nachdem ER die vier Welten erschaffen hatte, in denen sich alle Wesen der Früchte ihres Karmas erfreuen, dachte der Herr wiederum nach: „Diese vier Welten, die ich erschaffen habe, müssen ohne Regenten vergehen. Darum erschaffe ICH zu ihrem Schutz Regenten.“ Mit diesem Gedanken hob ER die Purusha aus dem Wasser, d.h. von den fünf Elementen, von denen das wichtigste das Wasser war, erschuf ER die Welten Ambhas usw. und verlieh ihnen ihre geeigneten Formen, Glieder, so wie ein Töpfer aus einen unförmigen Klumpen Ton die Erde formen würde.
4. Dann brütete Atman über das Erschaffene, d.h. den Klumpen. ER wollte ihm die Form eines Menschen geben. Es offenbarte sich, machte ein Loch in Form eines Mundes, genauso wie ER es sich vorstellte, so wie das Ei eines Vogels zerbricht, wenn es ausgebrütet wird. Aus dem Mund kamen Laute, die Sprache, und aus dem Sprechen wurde Feuer. Dann entwickelten sich die Nasenlöcher, aus den Nasenlöchern kam der Geruchsinn (Prana), vom Geruch kam der Atem.
Seine Augen kamen zum Vorschein, mit den Augen die Sehfähigkeit, aus der Sicht die Sonne. Seine Ohren entwickelten sich, von den Ohren kam das Hören und vom Hören die vier Himmelsrichtungen. Die Haut und das Haar kamen nacheinander hervor, aus den Haaren die Kräuter und großen Bäume. Sein Herz entwickelte sich, aus dem Herzen der Verstand, und aus dem Verstand der Mond. Der Nabel trat hervor, aus dem Nabel Apana (die Nerven) und aus Apana der Tod. Seine Fortpflanzungsorgane entwickelten sich, der Samen, und aus dem Samen das Wasser.
Kommentar:
Die Sinne, Organe und die vorausgehende Gottheit offenbarten sich in einer bestimmten Reihenfolge selbst. Aus den Nasenlöchern ging Prana hervor. Mit Prana ist hier der Geruchssinn gemeint. Das Verdauungsorgan wird in Verbindung mit den abwärts gerichteten Winden als Apana bezeichnet. Aus der Berührung kommen die Haut und schließlich das Haar. Aus dem Gefühl für den Sitz Gottes - das Herz - entwickelt sich der Geist.
Die Hände entwickelten sich, aus Ihnen kam Indra. Dann entwickelten sich die Füße, aus denen Upendra oder Vishnu hervortrat. Der Anus entwickelte sich, aus dem Niriti und Yama hervorkamen. Ähnlich verhielt es sich mit der Zunge, aus der sich der Geschmack entwickelte und aus dem Geschmack kam Varuna.
2. Abschnitt
1. Jene Gottheiten, die auf diese Weise erschaffen worden waren, fielen in diesen großen Ozean von Samsara (der Welt). Dann gab ER ihnen Hunger und Durst. Sie sagten zu IHM: „Gib uns einen Platz, wo wir in der Lage sind, unsere Nahrung zu verzehren.“
Kommentar:
All die Gottheiten, die der Herr zum Schutz der Welten erschaffen hatte, fielen in den großen Ozean von Samsara, der vom Wasser des Elends erfüllt war, das von Unwissenheit, Wunsch und Karma herrührte. Sorge und Elend haben ihre Ursache in den Handlungen der Menschen, die aus den Wünschen der Menschen entstehen. Wünsche und Handlungen entstehen aus primitiver Unwissenheit, Avidya. Der Ozean des Samsara ist von Krokodilen in Form chronischer Krankheiten erfüllt, hohem Alter und Tod befallen. Er ist anfanglos, endlos und uferlos. Es gewährt keine Hilfestellung, keinen Zufluchtsort. Erleichterung erhält man nur durch ein wenig Vergnügen, das durch den Kontakt der Sinnesorgane mit Objekten hervorgerufen wird. Der Ozean wird durch mächtige Wellen von 1001 Übeln aufgepeitscht, die durch den Angriff der Winde der Wünsche nach Befriedigung des Verlangens der fünf schreienden Sinne und dem Geschrei des Ha hervorgerufen werden, die wiederum aus einer Vielzahl von Höllen, wie Maharourava usw. stammen. Nur das Floß des Wissens und die Anhäufung guter Qualitäten des Herzens, wie Wahrheit, Rechtschaffenheit, Einfachheit, Großzügigkeit, Wohltätigkeit, Loslösung, Mut, Entschlossenheit usw. können helfen. In Verbindung mit den Heiligen gibt es die Möglichkeit zum Zurückziehen und zur Befreiung für das andere Ufer. In diesen Ozean waren die Gottheiten gefallen.
Das Beschreiten des Pfades aus Wissen und Wirken, der den Menschen befähigt, mit den Gottheiten eins zu werden, ist nicht genug, um all dem Elend von Samsara ein Ende zu setzen. Das muss man hier richtig verstehen.
Man kann sich nur vom Elend der Wiedergeburten befreien, wenn man Brahman, den Schöpfer, Erhalter und Zerstörer des Universums kennt. ER ist das innere Selbst allen Seins. In den Schriften heißt es: „Dieses ist der Weg, das muss getan werden, dieses ist Brahman, das ist die Wahrheit. Dieses ist das Wissen von der Einheit von Praramatma und Jivatma. Es gibt keinen anderen Weg der Befreiung.“
Das Wissen um die Einheit von Jivatma und Parabrahman ist die eigentliche Möglichkeit zum Erreichen der Glückseligkeit. Arbeit und Meditation sind eine Grundvoraussetzung. Sie sind nicht der direkte Weg zu Moksha.
Die Purusha, die Erstgeborene, ist die Quelle für die Sinne. Die Organe und die vorsitzende Gottheit wurden zu subjektiven Fehlern, wie Hunger und Durst. Die Devas wurden von Hunger und Durst gequält. Sie sprachen zu ihrem Vater und Schöpfer: ‚Gib uns eine Wohnstätte, wo wir uns der Nahrung erfreuen können.’ Sie beteten zu Ishvara, damit er individuelle Körper zu ihrer Wohnstatt erschaffen möge, denn sie waren nicht wirklich mit dem Körper von Virat Purusha (dem makrokosmischen Sein) zufrieden. ‚Nahrung zu sich zu nehmen’, bedeutet, Objekte, die mit den Sinnen korrespondieren, wahrzunehmen.
Hunger und Durst beschränken das Leben. Atman kennt weder Hunger noch Durst. Die Welt (Samsara) wird immer mit dem Ozean verglichen, dessen Schwierigkeiten man überqueren muss. Samsara besteht aus dem Kreislauf ständiger Wiederkehr von Geburt und Tod.
2. ER brachte ihnen eine Kuh. Sie sagten: ‚Die ist nicht genug für uns’. ER brachte ihnen ein Pferd. Sie sagten: ‚Das reicht uns nicht’.
Kommentar:
Der Herr hob einen Klumpen Erde aus dem Wasser und gab ihm die Form einer Kuh und zeigte sie den Göttern. Die Götter sagten: ‚Sie ist für unsere Heimstatt und Nahrung unzureichend. Sie ist für uns ungeeignet’. Die Schöpfung hatte mit der Tierwelt noch keine Vollkommenheit erreicht.
3. ER brachte ihnen einen Menschen. Sie sagten: ‚Wunderbar! Der Mensch allein ist ein Meisterstück. Der Mensch ist wirklich eine Heimstatt für alle guten Handlungen’. ER sagte zu ihnen: ‚Betretet eure akzeptierte Heimstatt’.
Kommentar:
Die Götter waren mit der Form des Menschen außerordentlich zufrieden. Sie sagten: ‚Das ist wirklich eine wundervolle Form für uns.’ Der Mensch ist die beste Kreation, denn alle tugendhaften Handlungen gehen allein von ihm aus. Da der Mensch direkt durch die mysteriösen Kräfte von Ishvara erschaffen wurde, heißt es, er sei wirklich formvollendet: Nur der Mensch wurde mit einer höheren Intelligenz, Kräften zur Unterscheidungsfähigkeit und Vernunft ausgestattet. Darum waren die Gottheiten so sehr davon angetan, in ihm zu wohnen. Tiere verfügen weder über eine Unterscheidungsfähigkeit noch über eine höhere Intelligenz. Darum wollten die Gottheiten nicht in ihnen wohnen. Der menschliche Körper wird Karmayatana genannt, denn Karmas können mit diesem Körper erfüllt werden. Alle anderen Körper werden als Bhogayatanas, bezeichnet, d.h. Körper, die nur der Sinnesfreude dienen.
Der Herr wusste, dass der menschliche der richtige Körper für die Gottheiten war. ER dachte, dass diese Heimstatt von ihnen gemocht wurde, weil alle ihr natürliches Zuhause lieben, denn alle mögen das Zuhause, von dem sie beginnen. ER sagte zu ihnen: ‚Darum möge jeder von euch in seine favorisierte Heimstatt für seine Aktivitäten und sein richtiges Funktionieren eintreten.’
4. Das Feuer wurde zur Sprache und betrat den Mund, die Luft wurde zu Prana (Geruch) und betrat die Nase, die Sonne wurde zur Sicht und betrat die Augen, die Gottheiten der (räumlichen) Viertel wurden zum Klang und betraten die Ohren, die Kräuter und Bäume wurden zu Haaren und betraten die Haut, der Mond wurde zum Geist und betrat das Herz, Der Tod wurde zu Apana und betrat den Nabel, Wasser wurde zu Samen und betrat die Fortpflanzungsorgane.
Kommentar:
So wie Armeegeneräle eine Stadt als souveräne Kommandeure betreten, so hatten sie auch die Erlaubnis des Herrn bekommen und sagten: ‚So sei es, wie du befohlen hast’, Agni, die Gottheit, die der Sprache vorausgeht, wurde zur Sprache und betrat den Mund, seine Quelle oder den Ort seiner Geburt. Ähnlich geschah es bei allen anderen.
Die Organe oder Sinne können ihre Funktion nicht ohne Impuls, ausgehend vom bewussten Sein, der vorhergehenden Gottheit, wahrnehmen. Jedes Organ hat seine eigene Gottheit oder sein eigenes intelligentes Sein.
5. Hunger und Durst sagten zu IHM: ‚Gib uns einen Platz.’ ER versprach ihnen einen Platz in diesen Gottheiten, einen Platz, den sie mit ihnen teilen sollten. Als irgendwelche Opfer für die Gottheiten stattfanden, wurden Hunger und Durst zu Teilhabern der Gottheiten gemacht.
Kommentar:
Als die Gottheiten ihre Behausung sicherten, blieben Hunger und Durst ohne Ruheplatz. Sie baten den Herrn: ‚Gib uns einen Platz.’ Der Herr antwortete: ‚Ihr seid lediglich Gefühle. Es ist euch nicht möglich, Nahrung ohne ein intelligentes Wesen zu erfahren. Darum gebe ich euch einen Platz in diesen Gottheiten, d.h. in beiden, Agni und den Rest, innerhalb und außerhalb des menschlichen Körpers, und mache euch zu ihren Partnern.’
Da der Herr sie von Anbeginn der Schöpfung den Gottheiten als Partner zugeteilt hatte, sind Hunger und Durst immer noch Teil der Opfergaben im Reiskuchen usw., um sie den Gottheiten darzubieten.
Die Gottheiten freuten sich über die Opfergaben durch Hunger und Durst und wünschten sich durch sie zu essen und zu trinken. Aus diesem Grund wurden Hunger und Durst zu ihren Partnern.
3. Abschnitt
1. Der Herr dachte wiederum: „Die Welten und die Beschützer der Welten wurden erschaffen. Nun lass mich ihnen die Nahrung erschaffen.“
Kommentar:
ER dachte: „Diese Welten und ihre Regenten wurden von mir erschaffen und mit dem Gefühl für Hunger und Durst ausgestattet. Sie können nicht ohne Nahrung leben. Darum muss ich die Nahrung für die Beschützer der Welten erschaffen.“
In dieser Welt üben die Menschen ihre Macht aus, idem sie belohnen oder bestrafen. Genauso hat auch der Herr die Freiheit zu belohnen oder zu bestrafen, denn in allem ist ER der absolute Herrscher. Der Herr kann geben oder nehmen. ER ist allmächtig. Seine Kraft ist grenzenlos.
2. Dann dachte ER über das Wasser nach, und weiter dachte ER darüber nach, wie man aus Wasser eine Form bilden kann. Die Form, die ER schuf, war Nahrung.
Kommentar:
Dass der Herr über die Schaffung der Nahrung nachsinnte, wurde bereits erwähnt. Das Wasser sollte IHM als materielle Grundlage dienen, etwas hervorbringen, das eine feste Form haben sollte, empfindungsfähig bzw. nicht empfindungsfähig, es sollte beweglich und zugleich unbeweglich sein. Diese Form mit diesen Eigenschaften. wurde als Nahrung erschaffen.
Der Herr sinnte über das Wasser nach, wobei Wasser hier als die fünf Elemente zu verstehen ist. Organische Materie war hier beides, vegetarisch und tierisch. Die gröberen Objekte wurden als Nahrung bezeichnet, denn die Organe und die vorherrschenden Gottheiten hatten ihre Freude daran.
3. Dann wollte sich diese Nahrung davonmachen. ER versuchte sie durch die Sprache einzufangen, doch es war IHM nicht möglich. Wenn ER sie durch die Sprache hätte einfangen können, hätte es ausgereicht, über Nahrung zu sprechen und man wäre zufrieden gestellt gewesen.
4. ER wollte sie über den Atem oder Prana einfangen. Doch es war IHM nicht möglich. Wenn es geglückt wäre, hätte das Riechen der Nahrung ausgereicht und man wäre zufrieden gestellt gewesen.
5. Er wollte sie mit den Augen einfangen. Doch es war nicht möglich. Wenn ER sie hätte mit den Augen einfangen können, wäre man durch bloßes Sehen der Nahrung zufrieden gestellt gewesen.
6. ER wollte sie mit den Ohren einfangen. Doch es war nicht möglich. Wenn ER sie hätte mit den Ohren einfangen können, dann wäre man durch bloßes Hören der Nahrung zufrieden gestellt gewesen.
7. ER wollte sie durch Berühren einfangen. Doch es war nicht möglich. Wenn ER sie hätte durch Berühren einfangen können, dann wäre man durch bloßes Berühren der Nahrung zufrieden gestellt gewesen.
8. ER wollte sie mit dem Geist einfangen. Doch es war nicht möglich. Wenn ER sie hätte mit dem Geist einfangen können, dann wäre man durch bloßes Denken an die Nahrung zufrieden gestellt gewesen.
9. ER wollte sie mit den Fortpflanzungsorganen einfangen. Doch es war nicht möglich. Wenn ER sie hätte mit den Fortpflanzungsorganen einfangen können, dann wäre man durch bloßes Ausscheiden (Samenerguss) zufrieden gestellt gewesen.
10. ER wollte sie mit Apana (Nerven zur Steuerung der Ausscheidungsfunktion) einfangen und ER fing sie ein. Mit Apana war es also möglich. Dieses Apana ist also der Spender des Lebens durch Nahrung.
Kommentar:
So wie Ratten und Mäuse vor Katzen davonlaufen, so läuft auch die Nahrung davon, wenn sie ihres Essers gewahr wird. Der Herr bekam Probleme als er versuchte, die Nahrung durch Sprache, Prana, die Augen, Ohren, durch die Berührung, durch den Geist und durch die Fortpflanzungsorgane einzufangen. Er fing sie schließlich durch Apana, und mithilfe des Holraums des Mundes konnte die Nahrung aufgenommen werden. Darum ist Apana der Fänger der Nahrung. Apana hat ihr Leben in der Nahrung.
11. ER (der Herr) dachte: ‚Wie kann all dies ohne mich leben?’ Darum fragte ER sich: ‚Auf welche Weise sollte ich dort eintreten?’ ER dachte wiederum: ‚Wenn gesprochen wird, durch die Sprache, Riechen durch die Nase, Sehen durch die Augen, Hören durch die Ohren, Berühren durch die Haut, Denken durch den Geist, Essen durch Apana und Verlassen durch die Fortpflanzungsorgane. Wer bin ich dann?’
Kommentar:
Als ER die Welten, deren Regenten und die Individuen, die von Nahrung abhängig waren, ebenso wie die Städte, deren Bewohner und Beschützer erschaffen hatte, dachte ER darüber wie ein König nach. Wie kann das alles, diese Kombination aus Ursache und Wirkung, ohne mich existieren, außer zum Wohle für sich selbst? Wenn die Sprache und der Rest aus sich selbst heraus funktionierten, wären ihre Aktivitäten nutzlos, so wie das Fasten und Beten von Subjekten eitel wäre, wenn es keinen König gäbe, der es akzeptieren würde. Darum muss ICH, wie ein König einer Stadt, der sich von der erschaffenen Welt unterscheidet, derjenige sein, der sich der Erfüllung der Früchte durch den Menschen erfreuen darf.
Wenn diese erschaffenen Menschen (Folgen) miteinander existieren können, wenn das Funktionieren der für einander bestimmten ‚Aggregate’ ohne Mich auskommt, wären die Aktivitäten dieser Menschen ohne Regenten.
Wer bin ICH dann? Was ist meine Natur? Wessen Regent bin ICH? Wenn ICH den menschlichen Körper nicht betrete und mich der Früchte der Sprache usw. erfreue, ich nicht Zeuge körperlicher und mentaler Aktivitäten bin, wie ein König, der die Stadt betritt und dem Begehren von Bürgern und Auslassungen von Kommissionen beiwohnte, würde niemand Kenntnis von mir haben oder sich um mich kümmern. Man sollte mich als Kenner der Natur der Sprache achten, auch für wen die Sprache und alles andere funktioniert, in Kombination mit allen anderen Funktionen, wie die Säulen, die Wände eines Hauses zum Wohle von jemand da sind, der nicht mit jedem Teil verbunden ist.
ER dachte darüber nach: ‚Wie soll ich ihn betreten? Die zwei Eingänge in diesen Körper, diesem Aggregat bestehend aus mehreren Teilen, an einem Ende die Füße am anderen Ende das Haupt des Kopfes. Auf welchem der beiden Wege sollte ich die Stadt, dieses Bündel aus Ursache und Wirkung, dieses körperliche Aggregat betreten?’
Die Existenz dieses Körpers lässt auf einen Besitzer schließen, für dessen Wohl es existiert. Die Sinne üben ihre verschiedenen Funktionen mithilfe der intelligenten Seele aus, die in diesem Körper wohnt. Diese Seele führt den Körper. Diese Seele führt und dirigiert den Geist und die Sinne. So wie ein Haus, das aus verschiedenen Materialien erbaut wurde, als Residenz für den Menschen gedacht ist, der sich von den Materialien unterscheidet, aus denen das Haus besteht, so dient auch der Körper, der aus verschiedenen Materialien erbaut wurde, als Residenz für ein intelligentes Sein (Atman), das sich von den Elementen unterscheidet, aus denen der Körper besteht.
Atman ist wie ein König, der in einem Palast mit neun Eingängen wohnt. Die verschiedenen Organe erfüllen ihre Pflichten, um zu dienen und den König zu erfreuen.
12. Dann öffnete ER die Schädelnaht und stieg durch dieses Tor ein. Dieses Tor wird Vidriti, die Spalte, genannt. Es ist Nandana, der Ort der Glückseligkeit. ER hat drei Wohnplätze im Körper und drei Traumzustände. Dieses ist sein Wohnort.
Kommentar:
Der Herr dachte sich: ‚Ich sollte nicht über die Füße eintreten. Mein Diener, der meine Befehle ausführt, kann auf diesem Weg eintreten. Ich sollte über die Schädelnaht eintreten, d.h. über die Sushumna. Der Herr öffnete den Kopf und trat dort ein, wo linke und rechte Schädelplatte aneinander stoßen. Dieser Eingang ist allen gut bekannt, denn man spürt die Kühlung am Haupt des Kopfes, wenn der Schädel mit Öl eingerieben wird.
Die anderen Öffnungen, wie Augen, Ohren usw. sind allgemeine Wege, die für Agni usw. von Bedeutung sind, und die als Diener des Herrn gelten. Darum sind sie nicht vollkommen, und können darum auch kein volles Vergnügen bereiten. Dieses Tor ist allein dem Herrn vorbehalten. Darum wird es auch Nandana oder das Tor der Glückseligkeit genannt. Es wird Nandana genannt, weil sich die Seele durch dieses Tor (Brahmarandhram) entfernt, um sich in Parabrahman zu erfreuen.
Für Ishvara, der dieses erschaffen hatte, betrat ER als Jivatman diesen Körper. Er nennt drei Wohnstätten sein eigen, wie ein König, der in drei Städten seines Reiches residiert: das rechte Auge für den Wachzustand, der Geist oder Rachen für den Traumzustand und das Herz für den Tiefschlaf. Aber auch folgende drei Wohnstätten werden benannt: der Körper des Vaters, der Schoß der Mutter und sein eigener Körper.
Die drei Zustände des Traums sind der Wach-, der Traumzustand und der Tiefschlaf. Man mag einwenden, dass der Wachzustand bei normalem Bewusstsein nicht als Traum bezeichnet werden kann. Doch, es ist ganz sicher ein Traum. Wieso? Es gibt keine Verwirklichung des einen wahren Atman, und die Objekte und Erfahrungen der Welt, verglichen mit der Erfahrung der Selbst-Verwirklichung, sind so unwirklich wie die Objekte und Erfahrungen der Traumwelt. Selbstverwirklichung allein ist absolutes Bewusstsein, die real, unveränderlich und ewig ist. Alle anderen Zustände des Bewusstseins sind relativ und unwirklich. Es sind lediglich Träume, verursacht durch Maya.
Das rechte Auge ist die erste Heimstatt, der Geist die zweite und die Kammer des Herzens die dritte.
‚Dieses ist der Wohnort’. Es ist nur eine Wiederholung dessen, was bereits gesagt wurde. Dieses wird wiederholt, um es zu verdeutlichen, besonders zu betonen. Ishvara nimmt sich selbst irrtümlich als Jiva und lebt alternativ in diesen Orten. ER schläft für lange Zeit mit seiner selbst-geborenen Unwissenheit und erwacht nicht, obwohl ER intensiven Sorgen ausgesetzt ist, die durch Hunderte, Tausende von Kalamitäten verursacht wurden.
13. Geboren als Jiva, der als das höchste Selbst den Körper betreten hatte, reflektierte ER in Bezug auf die Elemente, schaute auf die Kreaturen. Wie sollte ER andere/s ansprechen? Was, außer IHN selbst, Atman, gab es für IHN zu benennen? Es gab nichts. Wie sollte ER sich festzulegen wünschen, dass es noch etwas anderes als IHN selbst gab? (ER fand nichts anderes als die Wirklichkeit der Seele). ER sah diese Purusha, Brahman, all-durchdringend. ER sagte zu sich selbst: ‚Oh, ICH habe dies gesehen.’
Kommentar:
Er wurde geboren, d.h. ER hat den Körper von Jiva oder der individuellen Seele betreten, wusste und sprach von Bhutas (wie das Sein in die Welt einging). ER gab allen Objekten Namen. ER erkannte, dass alle Objekte, alle Elemente mit IHM identisch waren. In diesem Mantra wird jegliche Sicherheit einer Existenz neben Atman verweigert. Was gibt es außer Atman zu benennen? Nichts! Der Jivatma sitzt zu Füßen des Meisters, erhält spirituelle Instruktionen, diszipliniert sich, lauscht den Srutis und meditiert. Auf diese Weise bekommt er die richtige Kenntnis über das Selbst. Er erkennt, dass alles nur Brahman ist, und dass diese Welt und der Körper lediglich Überlagerungen dessen sind.
Wenn der Meister, der ein großes Mitgefühl hat, dem Schüler den Klang der großen Vedanta-Texte ins Ohr haucht, d.h. Mahavakya, wie Tat-tvam-asi, dessen Klang das Wissen Brahmans weckt, erkennt die individuelle Seele sein Selbst als Brahman, den Schöpfer, der im Körper wohnt, und doch all-durchdringend wie der Äther ist. ER ruft: ‚Ich habe Brahman gesehen, das wirkliche Wesen meines Atman. Ich habe erkannt, dass dieser Brahman von gleicher Natur ist, wie mein eigenes Selbst. Brahman und mein Atman sind identisch.’ – Das Mantra weist auf die große Freude hin, die einem durch die Erfahrung nach intensiver Suche widerfährt.
Der Hintergrund dieser Welt ist Brahman. Brahman wird aufgrund von Unwissenheit überlagert. Wenn diese Überlagerung durch das Wissen von Brahman vom Sucher erkannt wird, ruft er: „Alles ist nur Brahman. Es gibt nichts außer Brahman. Brahman ist die einzige Wirklichkeit. Brahman ist all-durchdringendes reines Bewusstsein.“
Die individuelle Seele möchte herausfinden, ob es andere Prinzipien neben seinem eigenen intelligenten Selbst hinter dieser Welt der Phänomene gibt. Sie sieht den all-durchdringenden Brahman und gibt ihrer Verwunderung Ausdruck: ‚Ich habe ihn gesehen!’
14. Darum wird er Indandra genannt. Indandra ist sein eigener Name. Obwohl er Indandra ist, wird er indirekt Indra genannt. Die Gottheiten lieben es, indirekt mit Namen angerufen zu werden, so wie es auch geschieht.
Kommentar:
Indandra bedeutet ES-sehend. Da er den all-durchdringenden Brahman als absolutes Selbst als (Idam) gesehen hatte, wurde das absolute Selbst auch als Idandra bezeichnet. Die Kenner Brahmans fürchten sich, Brahman direkt anzusprechen, denn ER ist das höchst verehrte Sein. Darum wird Brahman, der in Wirklichkeit Indandra ist, indirekt als Indra angebetet oder verehrt. Die Srutis beschreiben Brahman als Indandra.
Selbst heutzutage werden alle Persönlichkeiten als Vater, Mutter, Meister, usw. und niemals mit ihrem wirklichen Namen angesprochen. Sie werden Swamiji, Guruji usw. angesprochen. Jeder akzeptiert das in Indien. Die Gottheiten lieben es, indirekt angesprochen zu werden, denn sie sind es Wert verehrt zu werden.
4. Abschnitt
1. An erster Stelle steht der Kern im Menschen. Das ist der Samen, das Wesen der Stärke, die von allen Organen, Gliedern bestimmt wird. Er trägt sich allein selbst. Im Körper einer Frau ist er die Ursache geboren zu werden. Dieses ist seine erste Geburt.
Kommentar:
Jivas (Individuen) haben aufgrund ihrer Unwissenheit den Wunsch, Karmas oder Rituale hervorzubringen, die sie schrittweise auf dem Pfad des Rauches in die Region des Mondes (Chandraloka) führen, um die Früchte ihres Karmas reifen zulassen. Wenn das Karma erfüllt wurde, kommen sie wieder mit dem Regen hinab in die Welt. Eingebettet in Nahrung wird es dem Feuer des Menschen geopfert. Das Individuum (Jiva) nimmt die Körner von Getreide zu sich. Diese Getreidekörner werden zur Nahrung des Menschen und werden zu Lebensenergie (Samen) verflüssigt.
Der Reisende in Samsara (ständiger Kreislauf von Tod und Wiedergeburt) wird im Menschen erst durch das Blut zu Samen bzw. zur Eizelle. Samen und Eizelle sind die Quintessenz aller Körperorgane und Glieder dieses Körpers, ein Ergebnis der Nahrung. Doch der erste Baustein des menschlichen Individuums liegt im Körper des Vaters.
Die Saat oder der Samen besteht in erster Linie aus sich selbst. Die eigentliche Männlichkeit des Menschen beruht auf ihn allein. ER wird Atman genannt, da ER das absolute Wesen des Menschen ist.
ER unterstützt diesen Atman. ER selbst ist in der Form des Samen enthalten, in seinem Atman, dem Körper. ER trägt sich selbst, in sich selbst, denn nur sein körperliches Wesen wird in den Samen verwandelt und logiert in ihm. Wenn ER in den Leib einer Frau gelangt, und sie bereit ist zu empfangen, wird ER in das Feuer der Frau gelegt. (Dieses ist eine Form des Opfers.) Dann gewährt der Vater die Geburt dessen, was ER in Form des Samens geboren hatte, als ER sich in Form des Samens in den Leib der Frau ergoss. Dieses ist die erste Geburt des Jiva oder Menschen, der in Samsara reist. Dieses ist der erste manifestierte Zustand.
2. Die Saat wird (nach der Befruchtung) eins mit der Frau, d.h. ihr zu eigen, Teil ihres eigenen Körpers. Darum verursacht es für sie auch kein Leid. Sie ernährt in sich das Selbst ihres Ehemannes.
Kommentar:
Wenn die Frau den Samen des Mannes empfangen hat, wird er zu ihrem eigenen Selbst. Er wird untrennbar von ihr, so wie der Samen zuvor vom Vater untrennbar war. Der Samen ist wie ein Teil von ihr, wie die Hand oder der Fuß. Aus diesem Grund erzeugt der Fötus für die Mutter weder Schmerz noch Verletzung, so wie ein Karfunkel oder Abszess ihn verursacht. Die Schwangere weiß, dass des Mannes Selbst ihren Leib betreten hat, und sie ernährt es, indem sie ihm keine Nahrung gibt, die den Fötus verletzen könnte und nimmt nur zu sich, was für ihn gut ist.
3. Da sie zum Ernährer seines Selbst in sich wird, muss auch sie ernährt werden. Sie gebiert den Sohn (die Tochter) in ihrem Leib. Der Vater ernährt das Kind vor und nach der Geburt. Indem er das Kind vor und nach der Geburt ernährt, ernährt er allein sich selbst, damit die Welt weiter besteht. Auf diese Weise werden diese Welten immer weiter am Leben erhalten. Dieses ist (ihre und) seine zweite Geburt.
Kommentar:
Der Vater ernährt das Kind (seinen Sohn) vor und nach der Geburt, indem er einige Zeremonien vollführt. Durch solche Zeremonien für das Kind ernährt er auch sich selbst, denn das Neugeborene ist ein Muster seines eigenen Selbst. Diese religiösen Samskaras, die während der Schwangerschaft und nach der Geburt zelebriert werden, sollen das Kind in die Lage versetzen, den Pfad der Rechenschaft zu beschreiten.
Es heißt in den Schriften: ‚Der Mann betritt die Frau usw.’ Dieses dient der Erhaltung der ungebrochenen Fortführung seines und ihres Welt-Zyklus, dass der Vater sich selbst in Form seines Kindes zeugt und ernährt. Doch auch die Mutter trägt durch ihre Eizelle, das sie zur Befruchtung zur Verfügung stellt, ihren Teil dazu bei. Wenn niemand Kinder zeugen würde, käme der Welt-Prozess zum Erliegen. Die Welten setzen sich aufgrund der Zeugung von Kindern als kontinuierlicher Strom fort. Darum müssen Kinder gezeugt werden.
Wenn das Individuum, der neue Erdenbürger, den Leib der Mutter verlässt, nimmt es seine zweite Geburt oder zweite offenbarte Bedingung in Form des Samens und der Eizelle als Erbgut.
4. Das Kind (der Sohn/ Tochter), das Selbst des Mannes, wird zum Ersatz für tugendhaftes Handeln von Mann und Frau. Wenn der Vater seine Pflichten abgegeben und die Welt verlassen hat, ist das Kind (der Sohn/ die Tochter) sein anderes Selbst. Nachdem er die Welt verlassen hat, wird er wiedergeboren. Dieses ist dann die dritte Geburt.
Kommentar:
Kinder sind Ersatz von Vater und Mutter, um alle tugendhaften Handlungen der Schriften fortzusetzen. Sie repräsentieren ihre Eltern in ihren Handlungen.
Es heißt in der Vajasaneyaka: ‚Durch den Willen meines Vaters bin ich Brahman, bin ich Opfer.’ In der Brihadaranyaka Upanishad heißt es, wenn Vater oder Mutter sterben, rufen sie ihre Kinder und erzählen ihnen, wie sie weiterhin handeln würden. Der Vater sagt zu seinem Sohn: „Du bist Brahman. Du bist Yogin, du bist die Heimstatt. Rezitiere die Vedas, wie ich sie rezitiert habe, bereite die Opfer-Rituale, wie ich es tat. Bewahre die Welten, die von mir bewahrt wurden. Vollende mein Wirken in dieser Welt, indem was ich hätte tun müssen.“ Der gehorsame Sohn sagt dann: ‚Ja, ich bin Brahman, ich bin Opfer.’ Er verpflichtet sich die Arbeit fortzusetzen.
Wenn alle Verantwortung an den Sohn weitergegeben wurde, wenn der Vater seine Pflichten erfüllt hat, die drei Arten der Schuld (den Gottheiten Opfern, Sohn zeugen, Schriften studieren) erfüllt hat und alt geworden ist, stirbt er. Nachdem er seinen Körper verlassen hat, nimmt er sich, wie eine Raupe, einen neuen Körper, so wie es ihm durch sein Karma bestimmt wurde. Die Wiedergeburt nach dem Tod ist seine dritte Geburt.
Die erste Geburt eines Mannes als Subjekt des Samsara geschieht in Form des Samens vom Vater. Seine zweite Geburt geschieht in Form des Sohnes in Bezug auf die Mutter. Wenn die dritte Geburt desselben Menschen erklärt werden soll, wie sollte man erklären, dass die Wiedergeburt des Vaters nach dessen Tod, d.h. die dritte Geburt im Sohn stattfindet? Das ergibt keinen wirklichen Sinn, denn von der Identität zwischen Vater und Sohn wurde bereits gesprochen. Die Absicht liegt darin, dass Vater und Sohn ein und dasselbe sind. Der Vater, der alle Verpflichtungen an den Sohn übergeben hat, stirbt und wird als Vater im Sohn wiedergeboren.
Die Srutis sagen, dass alles, was zwischen Vater und Sohn gesagt wird, in Wirklichkeit so zu verstehen ist, als seien Vater und Sohn ein und dasselbe Selbst.
In der Brihadaranyaka Upanishad heißt es, dass die Seele einen subtilen Körper aus den subtilen Elementen des gegenwärtigen physischen Körpers formt, auch als Ativhika Sarira bekannt, bevor sie den gegenwärtigen Körper verlässt. Sie verlässt den physischen Körper, nachdem dieser subtile Körper gebildet wurde. Sie verbleibt in dieser subtilen Körperform solange, bis sie einen anderen physischen Körper bekommt. Dieses ist die dritte Geburt des Sohnes.
Es gibt drei Arten von Schuld: (1) Die Schuld gegenüber den Gottheiten (Devarina), die durch Opfer gesühnt wird. (2) Die Schuld der Vorväter (Pitri Yajna), die durch Zeugung eines Sohnes zur Fortsetzung der Linie bzw. Art gesühnt wird. (3) Die Schuld gegenüber den Rishis (Rishirina), die durch das Studium von Schriften und deren Verbreitung gesühnt wird.
5. Von einem Rishi, namens Vamadev, wird berichtet: Während er im Leib seiner Mutter weilte, erkannte er all die Geburten der Gottheiten. Einhundert eiserne Klammern wollten ihn aufhalten, doch er durchbrach sie.
Kommentar:
Der Mensch reist durch das Rad von Samsara, wandelt von einem der drei Zustände in den nächsten. Er ist in dieses Rad von Geburt und Tod eingebunden. Aufgrund seiner Unwissenheit wird er in den Ozean von Samsara geworfen. Auf eine der Ebenen erkennt er durch ständiges Bemühen den Atman wie in den Srutis beschrieben und erreicht Befreiung von der Knechtschaft, so wie Rishi Vamadeva. Er befreit sich selbst von den Fesseln von Maya, versteht das Mysterium von Geburt und Tod und erkennt die Schönheit seines eigenen Selbst. Er fühlt, dass all seine weltlichen Bindungen zerbrechen, und dass er das absolute Ziel des Lebens erreicht hat.
Als Vamadeva im Leib seiner Mutter weilte, wurde er sich aller Geburten aller Gottheiten, wie Vak, Agni usw., bewusst. Das geschah aufgrund seiner Meditation während seiner vielen Leben zuvor.
Rishi Vamadeva sagte, als er noch im Leib seiner Mutter weilte: Körper, wie undurchdringliche Eisenhäuser, hinderten mich daran, die Fußfesseln des Samsara abzustreifen. So wie ein Falke sich mit spitzem Schnabel aus der Gefangenschaft eines Netzes befreit und flieht, so entkam ich aufgrund meines Wissens von Atman.
Die Körper werden mit Eisenklammern verglichen, die den Jiva fest umklammert halten. Es ist schwer, diesem Körpergefängnis zu entkommen. Es ist schwer, diese Körperklammern zu durchbrechen oder zu überwinden. Allein das Wissen über Atman kann diesen Körper zerstören.
Rishi Vamadeva wurde aufgrund der Disziplin und Meditation in früheren Leben erleuchtet als er im Leib seiner Mutter war. Dieser Reinigungsprozess hatte bereits in früheren Leben begonnen. Aus diesem Grund dämmerte das Wissen über Atman in ihm bereits vor seiner Geburt. Auch Ashtavakra sprach zu seinem Vater während er noch im Mutterleib war.
6. Er (Rishi Vamadeva) wurde zum Wissenden des Atman, wurde eins mit dem absoluten Selbst. Er betrat seinen nach oben führend Pfad und nach Zerstörung seines Körpers, erreichte er alle himmlischen Wünsche und wurde unsterblich.
Kommentar:
Rishi Vamadeva erreichte Selbstverwirklichung durch Kenntnis des Atman. Er konnte seinen Körper, der wie starke Eisenklammern wirkte, und der durch Unwissenheit erschaffen wurde, durch den Nektar des Wissens des absoluten Selbst überwinden. Er befreite sich von dem Griff des Samsaras, der durch Hunderte verschiedener Übel und Krankheiten aus immer wiederkehrenden Geburten und Tode überwuchert wurde. Er erreichte die Freiheit aufgrund der Überwindung der Unwissenheit, der Saat für körperliche Existenz. Er erhob sich nach Auflösung des Körpers vom Samsara, der letzten Auflösung des fortgesetzten Stroms körperlicher Existenzen, die durch Unwissenheit verursacht wurden, wurde eins mit dem absoluten Selbst und erlangte in seinem eigenen Selbst Unsterblichkeit, was als unvergänglich, unsterblich, furchtlos, allwissend, ohne Anfang, zeitlos eins, endlos, alldurchdringend und verschweißt mit dem Nektar der Weisheit beschrieben wird.
Der befreite Heilige erfüllt alle Wünsche während er durch das Wissen Atmans lebte. Die Wiederholung des Samabhavat (des Erreichten) ist ein Indiz für das Wissen Atmans mit seinen Früchten und seinem Beispiel. Nachdem Vamadeva den Körper verlassen hatte, erreichte er Vidha Mukti oder körperlose Befreiung.
5. Abschnitt
1. Wer ist der Atman, den man verehrt? Welcher von beiden ist ER, jener Atman der Wirkliche oder das Phänomen, Nirupadhika oder Sopadhika? Ist ER der, durch wen man sieht oder hört, durch den man den Duft riecht oder durch den man spricht, oder durch den man erkennt, was schmeckt oder nicht schmeckt?
Kommentar:
Die Brahmansucher, die nach Unsterblichkeit streben, die Angst haben, ihr Ich-sein (Jivabhavatva) abzuschütteln, das vergänglich ist, Subjekt für die Funktion des Gesetzes von Ursache und Folge, und die sich wünschen, sich von der Bindung an Samsara zu lösen, und die sich wünschen, das Ziel des universalen Selbstsein (Sarvatbhava) mithilfe von Brahma-Vidya zu erreichen, d.h. dem Wissen des Selbst, das Lehrer wie Rishi Vamadeva und andere durch ihre Selbst-Verwirklichung und ihre Lehren in den Schriften klar umrissen haben und sich dabei gegenseitig befragten, um möglichst genau zu bestimmen, was Atman ist, sie fragten: „Wer ist dieser Atman? Wer ist dieser Atman, nach dem wir streben, um uns selbst zu verwirklichen. Wie unmittelbar Atman direkt verehrt werden könnte, jener Atman, den Vamadeva verehrte und Unsterblichkeit erlangte?“ Als sie sich auf diese Weise gegenseitig befragten, fiel ihnen ein alter Text ein, wo die beiden Purushas in den Körper eintraten. – „Brahman betrat die Purusha durch den vorderen Teil der Füße.“ – „ER öffnete die Schädelspalte und betrat die Purusha auf diesem Weg.“
Hier gibt es zwei Brahmans, die individuelle Seele und die universale Seele, die den Körper aus gegensätzlichen Richtungen betreten haben. Beide sind Atman dieses Körpers. Doch einer muss der Atman sein, der wirklich verehrt wird und auf den man meditieren sollte. Doch auf welchen von beiden sollte man meditieren?
Diese Situation wurde wiederum diskutiert. Sie dachten über den Unterschied der beiden nach. Wie? Zwei Ganze existieren im Körper, einer dient als Instrument der Erkenntnis, wodurch alles mithilfe der Sinne wahrgenommen wird, und ein anderer, der sich der Eindrücke der wahrgenommenen Objekte durch andere Sinne erinnert. Von den beiden, ist der Eine mit seiner instrumentalen Erkenntnis nicht fit, um Atman zu sein, denn er ist nur ein Instrument. Der Seher, der Atman, der hinter allen Sinnen und dem Geist steht, auf den muss meditiert werden.
Wer ist er, der erkennt? Durch wen wird etwas erkannt? Dieses ist die Antwort: Durch das, wodurch etwas sichtbar wird, Formen erkannt werden; durch das, wodurch etwas gehört werden kann, Klänge gehört werden; durch das, wodurch etwas gerochen werden kann, Düfte gerochen werden; durch das, wodurch ein Sprechorgan wird, gesprochen wird, Namen genannt werden können, wie z.B. Kuh, Pferd, gut oder böse usw.; und durch das, wodurch etwas ertastet, gespürt werden kann, erfährt man, was süß oder nicht süß ist.
5. Das, was als Herz, Geist, Bewusstsein, Beherrschung, Kenntnis der Kunst, Verständnis, das Bewahren von Buchinhalten, Wahrnehmung, innere Stärke, Reflexion, unabhängige Kraft des Denkens, Kümmernisse des Geistes verursacht durch Krankheiten, usw., Gedächtnis, Wille, Anwendung, jedes Streben nach der Erhaltung des Lebens, Wünschen, Verlangen nach dem anderen Geschlecht bekannt ist, sind in der Tat Namen des Bewusstseins.
Kommentar:
In der Kaushitaiki Upanishad heißt es: „Wenn man zum Kern des organischen Wesens des Menschen kommt, stellt man fest, dass der Geist das Wesen des Herzens ist, und dass das Herz vom Wasser des Geistes und Varuna erschaffen wurde; aber auch der Geist vom Herzen und vom Geist der Mond.“ Dasselbe Herz und der Geist sind eins, obwohl sie als viele erscheinen.
Durch diesen einen Geist wird das Auge, und der Mensch kann Formen und Farben erkennen, durch den Geist wird die Nase, und er kann riechen; durch den Geist wird die Sprache und er spricht; die Zunge, und er schmeckt. Er erkennt durch den Geist und beschließt durch den Intellekt. Der Wissende weiß alles durch seine Sinne. Dieser eine Sinn befreit die Funktionen aller Organe vom Wissen und bringt alle Verschiedenartigkeiten des Wissens.
In der Kaushitaiki Upanishad heißt es: „Wer das Sprechorgan durch Weisheit erreicht, kann alle Namen durch die Sprache ausdrücken. Wer das Auge durch Weisheit erreicht, kann alle Formen und Farben erkennen.“ In der Vajasaneyika heißt es auch: „Der Mensch sieht und hört ausschließlich durch den Geist. Er erkennt die Formen durch das Herz.“ Daher werden alle wahrgenommenen Objekte durch Herz und Hirn bestimmt. Es ist ein Instrument des Wissens, durch das der Mensch die Funktionen aller Sinnesorgane erkennen kann.
Prana unterscheidet sich nicht vom Herz. Die Brahmana sagt: „Was Prana genannt wird, ist in Wirklichkeit Prajna (Bewusstsein) und umgekehrt.“ Im Prana-Dialog heißt es, dass Prana nur die Kombination oder das Aggregat der Sinne ist. Darum ist Brahman, der durch die Füße eintritt, nicht als Meditationsobjekt geeignet, denn er ist nur ein Adjutant, spielt eine untergeordnete Rolle, dient dem Wissenden nur zur Wahrnehmung.
Der Wissende, Atman, für den die Funktionen der Sinne, wie beschrieben, in Form von Herz oder Geist zur Wahrnehmung dienen, könne nur der Atman sein, und damit ist ER zur Verehrung geeignet. So entschieden die Seher die Funktionen des Geistes, der sich auf Subjekt und Objekt bezieht, und der Brahman als Wahrnehmung dient, der wiederum das Bewusstsein selbst ist, und dessen Erkenntnis durch Antahkarana resultiert, so heißt es.
Samjnana (Bewusstsein, Intelligenz), Ajnana (Unwissenheit) usw. sind Funktionen des Geistes und dienen der Wahrnehmung des Wissenden. Sie beziehen sich auf Brahman.
Prana ist ein Sinnesorgan. Darum ist es nicht als Meditationsobjekt geeignet. Die Srutis gehen so weit, dass sie die Existenz Brahmans auszuschließen, der durch die Bewegung des Geistes, wie Samjnana usw., erkennt und Wissen erlangt. In den Operationen des Geistes muss es einen Zeugen geben. Dieser stille Zeuge ist Brahman. Die Sinne, der Geist und die Vrittis erwerben ihre Macht, Intelligenz und das Licht vom stillen Zeugen, der selbstleuchtend, all-mächtig und all-wissend ist. Brahman unterscheidet sich von den Sinnen, den Sinneswahrnehmungen, dem Geist und den verschiedenen Vrittis (Gedankenbewegungen) des Geistes. ER ist der unveränderliche, selbst-leuchtende, selbst-existierende, konstante Zeuge aller mentalen Modifikationen.
3. Brahman, Indra und der Schöpfer, all die Gottheiten, die fünf großen Elemente, wie Erde, Luft, Äther, Wasser und Feuer, all die kleinen Schöpfungen, und die Anderen, die Saat der Schöpfung, die aus dem Ei Geschlüpften, die Säugetiere, die im Schweiß Geborenen, die aus Saat Geborenen, Pferde, Kühe, Menschen, Elefanten, was auch immer, alles was atmet, sich bewegt, fliegt, und was unbeweglich ist, - all das wird durch Weisheit geführt und unterstützt. Das Universum hat zu seiner Führung Weisheit. Weisheit ist die Grundlage für alle. Weisheit (Prajnanam) ist Brahman.
Kommentar:
Atman, der die Natur des Bewusstseins ist, ist der niedere Brahman (Apara Brahman), Hiranyagarbha oder kosmisches Prana genannt, das Lebens-Prinzip (Prana oder Kriyasakti), das in allen Körpern zu Hause ist. ER (Hiranyagarbha) hat das reflektierende Medium der inneren Sinnesorgane (Antahkarana) betreten und erscheint wie in vielfacher Reflexion der Sonne auf der Wasseroberfläche und wird als Prana und Prajnanatma beschrieben. ER ist aufgrund seiner Qualitäten Indra oder Herr der Devas. ER ist Prajapati, der Erstgeborene, der einen Körper und eine Form hat, aus dessen Mundhöhle all die Beschützer der Welt, Feuer usw. geboren und in der Virat Purusha ausgestattet wurden, wie im 1. Abschnitt beschrieben. ER ist auch Agni und all die anderen Gottheiten. ER ist wiederum die fünf Elemente, deren materielle Ursache für alle Körper ist, wie z.B. die Erde. ER ist all die Nahrung und er ist auch dazu geeignet.
ER beinhaltet alle niederen Schöpfungsformen, wie Schlangen usw. Die verschiedenen Wesen sind in bestimmte Klassen unterteilt. Welche Klassen sind das? - die aus dem Ei Geschlüpften, die Säugetiere: wie die Menschen usw., die im Schweiß Geborenen: wie Läuse usw., die aus Saat Geborenen: wie die Bäume usw.; die Beweglichen: Pferde, Vieh, Menschen, Elefanten; die mit Flügeln durch die Luft schweben und die Unbeweglichen. All das wiegt sich unter dem Kopf von Prajna (Prajnanetram).
Prajna ist Bewusstsein. Prajna ist Brahman. Was durch IHN kontrolliert wird, ist Netram. Netram ist das, wodurch geführt wird. Prajnanetram bedeutet, dass ER die ganze Welt Prajna unter seiner Kontroller hat. Brahman ist die Ursache der Welt-Offenbarung. Brahman ist das Licht dieses Universums. Das Universum beruht während seiner Schöpfung, Erhaltung und Zerstörung auf Brahman.
Alle Objekte Brahmans, bis hin zum kleinsten Wurm oder Erdklumpen, die ganze subjektive und objektive Welt, sind alles verschiedene Offenbarungen desselben Brahman. Sie alle sind seelisch von Brahman abhängig. Doch all das wurde hier als Prajnanetra bezeichnet, d.h., was durch Prajnana oder Weisheit offenbart wurde. Darum ist Weisheit (Prajnanam) Brahman.
Brahman, der frei von allen Bedingungen ist, unverdorben, rein, ohne jede Aktivität, friedvoll, einzigartig, erkennbar durch das Eliminieren aller bestimmten Attribute (nicht dies, nicht das), jenseits aller Worte und Gedanken, wird zum allwissenden Ishvara, dem Herrn von allen, Antaryamin, der innere Regent oder universale Kontroller, und durch seine Assoziation zu Maya wird ER zum Lenker der normalen Saat der gesamten nicht-offenbarten Welt.
Derselbe Brahman wird zu Hiranyagarbha, wenn ER sich selbst mit dem Intellekt identifiziert, der Saat der gesamten offenbarten Welt. ER wird Virat, als Prajapati bekannt, der dem Körper aus dem inneren kosmischen Ei Ausdruck verleiht. ER ist das erste verkörperte Sein. ER wird zu Devata, wobei ER aus demselben kosmischen Ei schlüpft und den Namen von Agni trägt. Auf ähnliche Weise bringt Brahman alle Namen entsprechend den verschiedenen begrenzten Körpern hervor. Von Hiranyagarbha bis zum kleinsten Wurm empfängt Brahman, unter der Bedingung der unterschiedlichen Körper, verschiedene Namen und Formen.
Nicht nur normale Menschen, sondern selbst gebildete Menschen beziehen sich auf diese eine Einheit, die auf diese Weise, jenseits aller Bedingungen, durch verschiedene Eigenschaften, verschiedene Anhängsel, voneinander unterschieden und betrachtet werden. In den Srutis heißt es: „Einige nennen IHN Agni, andere Manu, Prajapati, Indra, Prana und wieder andere den ewigen Brahman, usw.“
Wenn man Kenntnis von Brahman erreicht, verschwinden Erscheinungen und Vielheit sofort, Brahman allein bleibt. Der Heilige erkennt, dass der im Körper innewohnende Atman derselbe ist, wie das, was das ganze Universum (Sarvatmabhava) durchdringt. Alle Beschränkungen, Unterschiede, Bestimmungen und wasserdichten Schubfächer, Klassifizierungen, verschwinden vollständig.
Brahman ist reines Bewusstsein. Dieses ist eines der bedeutenden Aussagen Mahavakyas in den Upanishads. Dieses ist die Lakshana Vakya, denn sie gibt eine Beschreibung der Natur Brahmans. Die anderen drei Mahavakyas sind: 1. Aham Brahmasmi: Ich bin Brahman. Das ist Anusandhana Vakya. So steht es in der Brihadaranyaka Upanishad der Yajurveda geschrieben. 2. Tat-tvam-asi: Du bist Das. Dieses ist Upadesa Vakya. Der Lehrer sagt zu seinem Schüler: ‚Du bist Brahman’. So steht es in der Chhandogya Upanishad der Sama Veda geschrieben. 3. Ayatma Brahma: Der Strebende erkennt die Identität von Atman und Para-Brahman, der individuellen und der absoluten Seele. Dieses wird in der Mandukya Upanishad der Atharva Veda beschrieben.
Die Aitareya Upanishad beginnt mit ‚Atma va idameka evagra asit’, d.h. ‚Am Anfang war nur Atman allein’ und sie endet mit ‚Prajnanam Brahma’, ‚Brahman ist reines Bewusstsein’.
4. Er wurde aufgrund seines Wissens von Atman in den Zustand Brahmans erhoben. Er verließ diese Welt und bekam alles, was er sich von dieser Welt der absoluten Glückseligkeit erhofft hatte und erreichte Unsterblichkeit.
Kommentar:
Jeder Sucher nach der Wahrheit, der das Selbst in der erklärten Weise erkennt, kann wie Rishi Vamadeva Unsterblichkeit erlangen. Ein befreiter Heiliger bewegt sich in keine andere Welt, nirgendwo hin. Er löst sich in dem all-durchdringenden Brahman auf. Er erkennt, dass die individuelle Seele mit Para-Brahman identisch ist. Mit Samabhavat endet dieses Kapitel.