Antwort auf deine Fragen

von Swami Krishnananda

Swami Krishnananda im Dialog mit seinen Besuchern zu verschiedenen Themen des Leben.

- übersetzt von Divya Jyoti (1997)

© THE DIVINE LIFE Trust SOCIETY, Rishikesh, Indien -

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Inhaltsverzeichnis:

        Vorwort
        .. frei nach Dr. Faust

  1. Auf freiem Willen
  2. Die Schönheit und die Psychologie des Wünschens
  3. Über die Meditation und das Dienen
  4. Der vollkommene Gedanke und Meditation
  5. Was ist das Selbst
  6. Das höhere Selbst
  7. Das Gute und das Schlechte
  8. Wo befindet sich die Seele
  9. Das Absolute

10. Buße und Strenge
11.
Universelle Handlungsweise und Pflichten gegenüber anderen
12. Wie man Gott in sein Herz läßt
13. Nur Gott allein als Wunsch
14. Die Unzulänglichkeiten der Wissenschaft
15. Sexualtrieb kontra Meditation
16. Diagnose über die Krankheit des Lebens und wie man sie besiegen kann
17. Bewahren von Energie
18. Die Suche nach Glück
19. Spirituelle Atmosphäre und Verwirklichung der Welt Gottes

20. Wie man sich Gott vorstellt

21. Die Entwicklung der Welt vom Materialismus hin zur Spirit

22. Das Erscheinungsbild und sein Name

23. Das wahre Herz

24. Die Verbindung zwischen Körper und Verstand: Der geliebte Gott

25. Gott und Befreiung

26. Der letzte Gedanke

27. Weibliche Berge

28. Religiöses Bewußtsein

29. Die Schönheit der Gedanken

 

30. Östliches und westliches Denken

31. Die Sinne: Zwei Arten des Opfers

32. Intellektuelles Verstehen

33. Das zehnte Hindernis

34. Vier Konfliktarten

35. Aktivitäten nach der Erleuchtung

36. Über Patanjalis Yoga

37. SATSANGA

38. Prüfen unseres Fortschritts auf dem spirituellen Weg

39. Nach der Selbstverwirklichung

 

40. Die Schöpfung der Welt

41. Karma

42. Fragen der Suchenden

43. Hindu-Götter und der eine Gott

44. Über Arbeit und Meditation

45. Über Krisen in der Welt

46. Das Selbst im Zustand des Tiefschlafes

47. Wissen und materielle Macht

48. Die Beziehung zwischen Gehirn und Verstand

49. Die Höhere Wirklichkeit und der ständige Impuls

 

50.  Was ist Yoga?

51.  Methodische Werkzeuge

52.  Wer ist Dein Nachbar?

53.  Krieg

54.  Wer ist ein Guru?

55.  Die Notwendigkeit eines Gurus

56.  Nachdem der Guru seinen Körper verlassen hat

57.  Die Guru-Schüler Beziehung

58.  Die Wahrheit leben.

59.  Zuneigung und die Natur der Unwissenheit
 

60.  Wenn Gott Dich wünscht

61.  Stufen des Karmas

62.  Das Ziel der Erziehung

63.  Das Gleichgewicht der Natur

64.  Drei Arten der Meditation

65.  Der erste und der wichtigste Gedanke

66.  Sadhana kann überall stattfinden

67.  Verzicht und Umwandlung

68.  Die Furcht, die Welt zu verlieren

69.  Die sieben Stufen der Erleuchtung

70.  Der Segen Sivanandas

 

Anhang

Vorwort

Die täglichen Sitzungen, die Swamiji mit unterschiedlichen Besuchern des Ashrams abhält, zieht die Menschen aus den verschiedenen Regionen Indiens und aus dem Ausland an, da sich ihnen hier in heimischer Atmosphäre die Mög­lichkeit bietet, ihre Wünsche und Fragen, ihre Nachforschungen und Schwie­rigkeiten, die das weite Feld des menschlichen Lebens betreffen, zu äußern.  

Der Inhalt besteht aus den, über einen Zeitraum von mehreren Jahren auf Tonband aufgezeichneten, abgeschriebenen und zum Zweck der Veröffentlichung nunmehr herausgegebenen Antworten Swamijis auf all die Fragen und Zweifel der Besucher. Es war der Wunsch von jedermann, daß eine Textzusammenstellung (Buch) dieser Art, - nachdem sie/ es die Hände des Suchers nach Erkenntnis erreicht -, diesen als interessanter Führer, als Nachschlagewerk und auch als Unterhaltung auf intellektueller und geistiger Ebene dienen möge.

Wir hoffen, daß diese Veröffentlichung, - die neu ist in ihrer Art - , eine angemessene Hilfe für den geistigen Sucher, der nach Erleuchtung strebt, ist.

Wir bitten um Ihr Verständnis, daß diese Texte, die 1997 übersetzt wurden, noch nach den alten Rechtschreibregeln hier im Internet veröffentlicht wurden.

Shivanandanagar
17. März 1995        
THE DIVINE LIFE SOCIETY

 

... frei nach Dr. Faust

 [Diese Zeilen erklären den Gegensatz zwischen dem Selbst und der weltlichen Existenz]

Als Faust, der Doktor, strebt nach größtem Wissen,
Macht und Herrlichkeit in höchster Form,
weitübertreffend jedes menschliche Ermessen,
tauscht er seine Seel’ gegen weltlich’ Schätze ein,
zum Wert des Inneren, des Friedens wesenhaft und spirituell,
die dem sterblich’ Schatz als Hypothek entsprechen.

Als Dr. Faust, gebildet, viel Ding erscheinen ließ
und voll Freud’ entdeckte,
was Besitz von Macht für ihn bedeutet,
es seine größte Leidenschaft erweckte.
Objekte werden zur Lebendigkeit,
wenn dies zur Absicht des Verstandes wird,
so daß Brut und Wünsche selbst zum Meister werden. 

Dann beginnt die „Meute“ (der Wünsche),
die man, der Armut wegen, zurückgezogen hat,
sich zu erheben und zu sprechen
mit Gedanken allerliebst,
die für das eig’ne Ohr nur wahrnehmbar erscheinen.
Das Bewußtsein, heiß geliebt, gießt aus seinem Inhalt nun,
eine Brücke zur Form des Äußeren hin,
zu den Perspektiven, die von Faust erwartet werden.

Eine Gestalt, so dunkel, und von Ängsten arg, umgeben
als Gott des Schenkens stellt er sich ihm vor,
und wendet sich an Faust, der höchst aufmerksam ihn fragt:
„Wer bist Du, der Du vor mir stehst?“
„Ich bin der Wunsch, Erfüller aller Wünsche
und frag’ nach Vorlieben, Gier, Vergnügen,
Hoffnungen, die sich in Dir hegen,
und Deinen Wünsche hier und jetzt
werden sofort erfüllt im Überfluß.“ 

Faust, hoffnungsvoll, erfreut ob dieser Chance
allmächtig zu werden schnell,
in dieser Form geschmeichelt und so überwältigt sehr,
hört nunmehr sagen den Dämonen er:
„Du sollst mir zum Ausgleich etwas geben,
obgleich armselig im Vergleich und in der Menge,
was ich ergieße über Dich, dem fürwahr Königlichen.“ 

Faust dachte nach und überlegte,
was er dem dunklen Dämon nun wohl gäbe,
als Gegenleistung für die dargebotene Welt,
mit all ihren Farben, Klängen und auch Freuden.
„Worüber denkst Du nach, Du hast doch Deine Seel’.
Gib sie mir und nimm der Schönheit all dafür,“
so sprach die schwarz’ Gestalt zum aufmerksamen Faust,
der nicht wußt’, ob es eine Seel’ wohl gäbe,
und falls doch, wo sie sich überhaupt befände. 

Noch darüber grübelnd, ob eine Seel’ es gibt oder ob nicht,
denn, wenn er diese Seele für die Welt verlöre,
würde gar nichts er verlieren,
was ihm in all der dargebotenen Schönheit
ausgebreitet, wie tausend Himmel hier auf Erden,
auf einem goldenen Tablett serviert. 

„Nimm die Seele von mir,
welchen Wert Sie auch immer haben mag.
Du sagtest „Gib“, und ich bitt’ Dich nimm,
denn ich seh’ nicht das Ding,
was Seel’ Du nennst;
nimm sie, wenn Du sie wirklich sehen kannst.“ 

Das Genie nur lachte und betätigte den Stab zum Zauber,
und ächzendes Krachen, den Faust zerriß sogleich,
sich im versprochenen Land vom „Tod“ nun wähnte,
wo „Nichtsein“ ist die Inthronisation der Herrlichkeit,
und „Nichtselbstsein“ das Ziel der Ziele,
wo Objekte scheinen, wie das teure Herz von Faust,
dessen Herz entfernt nun aus dem eigenen Selbst,
wo Berge zerbersten von selbst zu Staub,
seine Spitzen splittern,
Erdinneres seine lodernden Flammen ausspeit,
um der festen Substanz, in Gas verwandelnd,
eine Ende zu bereiten,
wo der Ozeane Wellen die Gestad’ verlassen, 

die Schöpfung schließlich sich selbst verspeist,
und dann über das Mahl des eigenen Selbst voll Freude tanzt.
Was geschieht, kann niemand vorstellen sich,
noch darüber zu sprechen er in der Lage ist,
wenn der „Tod“ als König der Könige zieht umher,
und das Leben ganz zerstört,
alles Licht löscht aus,
tiefe Dunkelheit, Verlust der Sinne und Verstand,
eine schnell leergefegte Bühne, kaum berührt,
wäre das, was Faust müßt’ letztendlich erfahren,
wenn das Selbst, zu „Nichtselbst“ transformiert,
seelenloses Leben wird,
wo Mitternacht, wie feurig’ Sonnenhitze scheint,
Vorwärtsbewegung wird rückwärts dann,
rechts wird links, und links wird rechts,
aus oben unten, das Tiefste zum Höchsten
und in etwas „Anderem“ zu sein ist dann „Selbst zu sein“. 

Solcher Art ist das Schicksal von jedermann,
der etwas „Anderem“ nachläuft, als dem,
was wirkliches Bewußtsein ist,
Dort merkt man und wird sich dessen wohl bewußt,
was wirklich und was wertvoll ist,
es ist das Selbst und nicht das „Nichtselbst“,
das Du bist.

 

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