zusammengestellt und bearbeitet von Divya Jyoti
Quellen: diverse Nachschlagewerke
Copyright © THE DIVINE LIFE Trust SOCIETY, Rishikesh, Indien –
Inhaltsverzeichnis:
§
Mahabharata
Die Bhagavadgita, ein
Kapitel der Mahabarata
Inhaltsangabe der Mahabarata
§
Bhagavad Gita
Einführung
Die Episoden der Bhagavadgita
Die
Bhagavadgita, ein Kapitel der Mahabharata:
Die Mahabarata ist ein
Heldenepos, zu dem auch die Bhagavadgita gehört. Die Mahabharata ist sowohl ein
philosophisches als auch ein religiöses Werk, dessen Ursprung in der vedischen
Zeit liegt. Vyasa, der in der Geschichte selbst eine Rolle spielt, wird als
Autor angenommen. Es heißt, dass er sie komponiert und dem elefantenköpfigen
Ganesha diktiert hat. In alter Zeit gab es nur mündliche Überlieferungen des
Gesamtwerkes.
Die Mahabarata besteht aus
diversen Kapiteln nebst Anhängen. Sie
enthält neben der Hauptgeschichte vielen Nebengeschichten und kleineren
Episoden. Das umfangreiche Epos beschäftigt sich mit allen Themen des Lebens,
d.h. Leben und Tod, Wiedergeburt, Karma, Dharma (Rechtschaffenheit), Glück und
Leid, gute und schlechte Taten, Opfer, die verschiedenen Zeitalter, Gottheiten.
Inhaltsangabe der
Mahabharata:
Die Brüder Pandu und Dhritarastra regieren gemeinsam ihr Reich. Nach Pandus Tod,
teilt der blinde König Dhritarastra sein Reich unter seine 100 Söhne, Kauravas
genannt, und die fünf Söhne des Pandu, Pandavas genannt, auf. Die Pandavas
(Yudhisthira, Arjuna, Bhima, Nakula und Sahadeva) sind in Wirklichkeit Söhne der
großen indischen Götter.
Die Pandavas gehen nach längeren Streitigkeiten mit den Kauravas in die
Verbannung und auf Abenteuersuche. Die fünf Brüder, die sich alles teilen,
heiraten gemeinsam die Prinzessin Draupadi. Als sie in ihr Land zurückkehren,
verlieren sie durch die Spielleidenschaft Yudhisthiras alle ihre
Besitzansprüche. Sie werden in eine 13-jährige Verbannung geschickt, nach der
ihre alten Ansprüche wieder hergestellt werden sollen. Die Kauravas sind jedoch
nach Ablauf der Verbannungszeit entgegen der Vereinbarung nicht bereit, den
Pandavas ihr Reich zurück zu geben.
Und so kommt es zum großen Kampf zwischen den Pandavas und Kauravas, an dem die
größten Helden mit übermenschlichen Eigenschaften, ja selbst Götter maßgeblich
teilnehmen. Während einer Schlachtszene wird der Held Arjuna vom Gott Krishna
entführt, um ihn über das Wesen der Welt zu belehren. Es handelt sich dabei um
die berühmten Ausführungen der Bhagavad Gita. In dem 18-Tage währenden Krieg,
dessen Schlachtszenen detailliert beschrieben werden, verlieren schließlich alle
großen Helden der Kauravas ihr Leben.
Nachdem die Pandavas ihr Reich zurückerobert haben, wird zum Abschluss die
friedliche Regierungszeit Yudhisthiras und der Aufstieg der Pandavas zum
Meruberg, dem Himmel, geschildert.
Einführung in die
Bhagavad Gita
Die Bhagavad Gita, der
Gesang Gottes, eines der zentralen spirituellen Schriften im Hinduismus, ist in
Gedichtform geschrieben. Sie stammt aus vorchristlicher
Zeit. Die Gita, wie sie liebevoll genannt wird, ist eine Zusammenführung
verschiedener Denkschulen des alten Indien. Ihre Grundlage beruht auf den
Veden, den Upanishaden, dem Bhramanismus, dem Yoga uvm. Die Gita ist in der
ganzen Welt anerkannt.
Die Gita besteht aus 18 Episoden mit ca. 700 Strophen (Sutras). Im Mittelpunkt
der Gita stehen Arjuna, der Heerführer der Pandavas, und Lord Krishna sein
Wagenlenker. In einem Dialog zwischen Krishna und Arjuna werden die Probleme des
menschlichen Lebens aufgearbeitet.
(Im Sivananda-Ashram in Rishikesh wird der all-abendlich Satang mit dem
Sprechgesang einer Episode in Sanskrit eingeleitet. - Nachfolgend eine Auswahl
der Sutras)
Die
Episoden der Bhagavad Gita:
1.
Niedergeschlagenheit Arjunas.
5.
Entsagung oder Yoga der Werke.
7.
Yoga der Erkenntnis der Weisheit.
9.
Das Königswissen.
11.
Schau der göttlichen Gestalt.
12.
Yoga der liebevollen Hingabe.
13.
Das Feld und der Kenner des Feldes.
15.
Yoga des höchsten Geistes.
17.
Dreigeteiltheit des Glaubens.
18.
Yoga der Entsagung.
Viele Kämpfer sind auf dem heiligen Schlachtfeld von Kuruksetra versammelt, um
die große Schlacht zu schlagen: Dort stehen sie, bereit zum Kampf, mit
Muschelhörnern, voller Getöse, Trompeten, - bis an die Zähne bewaffnet. Alle von
Rang und Namen sind dort, Helden, u.a. auch Bhima, Arjuna und viele andere.
Arjuna bittet Lord Krishna den Streitwagen zwischen die beiden Armeen zu lenken,
damit er die Kämpfer in Augenschein nehmen kann. Arjuna möchte wissen, wer mit
ihm in die Schlacht zieht. Arjuna erkennt nun seine Verwandten, Onkel, Brüder,
Lehrer, Cousins, deren Söhne, Neffen, selbst Freunde usw.
Ihn überfällt großes Mitleid. Darum sagt er:
Wo ich nun all meine Verwandten hier zur Schlacht versammelt sehe, versagen
meine Glieder, laufen mir Schauer über den Rücken, mein Bogen gleitet mir aus
der Hand. Ich kann mich nicht mehr konzentrieren. Ich sehe keinen Sinn mehr in
dieser Schlacht. Ich brauche weder Sieg noch Königreich, noch Luxus, selbst das
Leben scheint sinnlos. Ich will niemand töten!
Lord Krishna, wie können wir glücklich sein, wenn wir all die Söhne
Dhritarashtras umbringen. Selbst wenn wir diese Verräter töten, bleibt es Sünde.
Es steht uns nicht zu, die Söhne von Dhritarashtra zu töten. Wie kann man
glücklich sein, wenn man seine Verwandten tötet? Was soll dieses sinnlose
Gemetzel?
Alte Traditionen werden mit ihrem Tot ausgelöscht. Mit dem Verlust der
Familienoberhäupter werden ihre Vertreter/ Nachkommen überfordert sein, werden
korrupt, Kasten werden vermischt, Traditionen werden verlorengehen.
Oh, Lord Krishna wir setzen uns großer Sünde aus, wenn wir diese Schlacht
schlagen. Es wäre besser, wenn ich selbst getötet würde. Arjunas Geist war von
Kummer wie vernebelt. Am Ende seiner Rede legt er Pfeil und Bogen
beiseite.
Arjuna ist voller Kummer und Sorgen, als Lord Krishna sich ihm zuwendet:
Wieso überkommt dich zu
dieser Stunde derartiger Kummer? Er hilft dir nicht.
Arjuna wiederholt seine Argumente wie zuvor: Warum soll ich gegen sie kämpfen?
Ihnen gebührt größte Referenz. Wir wissen nicht einmal, ob wir oder ob sie
gewinnen.- Warum sollen wir töten, wen wir eigentlich nicht töten wollen? Wie
soll ich mit kummervollem Herzen, meinem verwirrtem Geist meiner Pflicht
nachkommen, oh Herr? Was soll ich tun? Ich sehe keinen Ausweg?
Bhagavan Sri Krishna antwortet: Arjuna, du machst dir Gedanken über etwas,
worüber die du dir keinen Gedanken machen solltest. Mach dir keine Sorgen, weder
über das Leben, noch über den Tod! –
Du und ich, diese Könige haben immer existiert, wir werden auch nicht damit
aufhören. Kindheit, Jugend und hohes Alter gehören zusammen mit dem Körper zur
Seele und werden nach dem Tod in einem anderen Körper wiedergeboren. Ein Weiser
lässt sich deshalb nicht aus der Fassung bringen. Der Kontakt der Sinne mit
ihren Objekten bereitet das Gefühl von Hitze, Kälte, Kummer und Schmerz usw.
Ignoriere diese Gefühle, sie werden vorrübergehen. Jeder leidet darunter, doch
wer sie überwindet, erlangt Unsterblichkeit.
Das Unwirkliche hat keine Existenz und das Wirkliche hört niemals auf zu
existieren. Das Unsterbliche durchdringt das ganze Universum. Niemand hat die
Macht es zu zerstören. All diese Körper gehören zur unsterblichen,
undefinierbaren, ewigen Seele. Deshalb musst du kämpfen Arjuna! –
Es irrt, wer da glaubt, die Seele wäre in der Lage zu töten, oder andererseits
wer annimmt, eine Seele könne wirklich tot sein. Seelen werden weder geboren
noch getötet, noch werden sie nach einer Geburt existent. Sie bleiben ungeboren,
ewig, einzig. Selbst wenn der Körper vergeht, bleiben sie existent.
So wie man abgetragene Kleidung entsorgt, entledigt sich die Seele ihres Körpers
und nimmt sich einen neuen. Die Seele ist ewig, allgegenwärtig, unbeweglich,
konstant und hört niemals auf zu existieren. Die Seele ist unveränderlich,
unbegreiflich und unbestimmbar. Selbst wenn die Seele für Geburt und Tod
verantwortlich wäre, braucht es dich nicht zu kümmern, denn der Tod geht der
Wiedergeburt voraus. Kaum jemand nimmt die Seele als etwas Wundervolles wahr,
kaum jemand äußert sich positiv über sie oder hört Schönes über sie.
Für einen Kriegsherrn gibt es nichts Schöneres als einen aufrechten Krieg. Wenn
du dich weigerst zu kämpfen, verlierst du deinen Ruf und versündigst dich.
Freund und Feind sehen in dir einen Verräter. Im Kampf zu sterben, ist für einen
Krieger das Tor zum Himmel. Das ist die Sichtweise aus Jnana-Yoga!
Nun folgt die Sichtweise aus Karma-Yoga (selbstloses Handeln):
Beim Weg des Handelns ist man nicht an Ergebnisse interessiert, fürchtet weder
Geburt noch Tod. Der Geist richtet sich ausschließlich auf das angestrebte
Ideal. - Der unruhige Geist eines Unwissenden jedoch wandert in alle möglichen
Richtungen, hängt an Wunschbildern, pflegt zwar eine blumige Sprache, doch wird
sich nicht auf das göttliche Ziel konzentrieren können.
In den Vedas spricht man von den drei Gunas, den Modifikationen der Natur, den
weltlichen Freuden, deren Bedeutung usw. Im Karma-Yoga setzt man sich, unberührt
von den verschiedensten Gegensätze (wie Mögen – Nichtmögen, Freude - Schmerz
usw.), über sie hinweg, egal wie weit deren Wünsche erfüllt werden oder
nicht. Es gibt ein Recht auf Arbeit, doch kein Recht auf deren Früchte! Erfülle
deine Pflichten, löse dich von Bindungen, sei gleichmütig gegenüber Erfolgen und
Misserfolgen. Gleichmut ist Yoga!
Das Handeln aus selbstsüchtigen Motiven hat nichts mit Yoga zu tun. Versuche
diese Fehleinstellung aus dem Geist zu verbannen. Arm und gequält sind jene
Menschen, die mit den Früchten ihrer Arbeit belastet sind. Ein gleichmütiger
Geist kann Gutes und Übles gleichermaßen abschütteln. Wenn der Geist zu
Gleichmut gefunden hat, wird er sich durch die Vereinigung mit Gott über die
wahren Früchte, die Schönheit dieser Welt, freuen können.
Arjuna fragt Lord Krishna: Wie spricht, sitzt jemand mit einem ausgeglichenen
Geist, der in Gott ruht?
Lord Krishna antwortet: Wer alles Wünschen abgeschüttelt hat, ausgeglichen und
mit sich selbst im Reinen ist, hat einen stabilen Geist. Der Heilige, der
unbeeindruckt aller Sorgen ist, der kein Verlangen nach Vergnügen hat, der weder
von Leidenschaft, noch von Furcht oder Angst beeindruckt wird, hat einen festen
Geist. Jemand, den alles unberührt lässt, sei es gut oder böse, jemand, der
weder zurückweicht noch sich freut, hat einen festen Geist. Ein Heiliger zieht
sich zurück, wie eine Schildkröte, die ihre Glieder in ihren Panzer zurückzieht.
Sinnes-Objekte tangieren ihn nicht. Doch natürliche Turbulenzen können selbst
einen Weisen, der Selbstkontrolle übt, beeinflussen. Darum sollte man mit
kontrollierten Sinnen immer wieder meditieren und sich Krishna, dem Herrn,
hingeben, um den Geist zu stabilisieren.
Sinnes-Objekte erzeugen Bindungen, Bindungen führen zu Wünschen. Aus Wünschen
entstehen Ängste. Aus Ängsten entsteht Vernarrtheit, was zu geistiger Verwirrung
führt, zum Verlust der Vernunft. Daraus folgt der völlige Ruin. Ein Sadhaka
(Übender), der sich selbst kontrolliert, während seine Sinne gleichzeitig
verschiedenen Objekten nachgehen, sich jedoch gegenüber Mögen und Nichtmögen
diszipliniert, erlangt einen festen Geist. Mit einem festen Geist enden alle
Sorgen, und der Geist zieht sich allmählich von allem zurück und ruht in Gott.
Derjenige, der seinen Geist nicht kontrolliert, hat weder Verstand noch kann er
sich auf Gott konzentrieren. Ein Gedankenloser kann weder Frieden finden noch
Glück empfinden. Seine Gedanken werden zum Spielball der Sinnes-Objekte. Er
verliert seine Unterscheidungsfähigkeit. Nur derjenige, der sich von den
Sinnes-Objekten zurückzieht, kann einen stabilen Geist erlangen.
Alle Flüsse münden letztendlich in den Ozean. Er wird von allen Seiten gefüllt,
bleibt jedoch unbeeindruckt. Derjenige, bei dem alle Freuden sich vermischen,
ohne davon beeindruckt zu sein, erlangt Frieden. Derjenige, der alles Wünschen
abgegeben hat, sich ungebunden, frei von Egoismus und Freuden bewegt, erlangt
Frieden. Arjuna, dies ist der Zustand der Gott-Verwirklichung der Seele. Die
Illusion wurde überwunden. Ist die Seele in diesem Zustand verankert, erlangt
sie Glückseligkeit.
Arjuna sagte: Wenn Wissen höher einzustufen ist als Handlung, warum drängst du
mich zum Handeln? Irgendwie bringst du mich durcheinander. Bitte sag mir, welche
Disziplin für mich am besten geeignet ist?
Sri Bhagavan antwortet: Ich habe dir zwei Wege vorgestellt, erstens den Weg des
Wissens und zweites den Weg des Handelns. Keiner dieser beiden Wege allein führt
zum Ziel. Man muss einerseits über sein Handeln reflektieren und darf
andererseits auch nicht alle Aktivitäten einstellen. Der Mensch ist von Geburt
an gezwungen zu handeln. Derjenige, der seine Sinne scheinbar von allem Äußeren
zurückzieht, denkt trotzdem im Stillen über irgendwelche Sinnes-Objekte nach.
Andererseits, wer seine Gedanken/ Sinne im Griff hat, dadurch im Handeln
unberührt bleibt, ist ein Yogi des Handelns. Handeln steht über Nicht-Handeln.
Erfülle also deine Pflicht, denke nicht an das Ergebnis, betrachte es als ein
Opfer.
Unterstütz die Gottheiten durch Opfergaben, sagte Brahma als er die Menschheit
zu Beginn der Schöpfung erschaffen hatte. Wer selbstlos ist, der wird das
Höchste bekommen. Wer gibt, der wird Vielfaches zurück erhalten. Wer gibt, dem
wird gegeben! Alle unreinen Tugenden werden durch das Opfer von Sünden befreit.
Das all-durchdringende Unendliche ist in jedem Opfer gegenwärtig.
Derjenige, der versucht gegen den Strom der Schöpfung zu schwimmen, seinen
Pflichten nicht nachkommt, selbstsüchtig handelt, erleidet Schmerz. Derjenige
jedoch, der mit sich und der Welt im Reinen ist, zufrieden lebt, in seinem
Selbst ruht, kennt das Problem der Pflicht nicht. Tu deine Pflicht, indem du im
Handeln innerlich unberührt bleibst. Viele der großen Weisen haben auf diesem
Wege Befreiung erlangt. Allerdings hatten sie bei ihren Handlungen immer ein Auge
auf die Bedürfnisse ihrer Umgebung und der Welt.
Arjuna, ich kenne weder Pflichten, noch will ich irgendetwas erreichen, was
bisher unerreicht blieb, und doch arbeite ich weiter. Wenn ich aufhören würde zu
arbeiten, würde die Welt großes Leid erfahren, denn die Menschen folgen meinem
Beispiel. Wenn ich meine Arbeit einstellen würde, ginge die Welt unter, und ich
wäre die Ursache. Ein Weiser, sollte Unwissende nicht von ihrem Handeln
abbringen, sondern sie dazu anhalten ihren Pflichten nachzukommen. Das ist die
Pflicht eines Weisen.
Alle Handlungen geschehen aufgrund natürlicher Schwingungen. Nur ein
Ungebildeter glaubt, er wäre selbst der Handelnde. Wer die innere Unruhe der
Gunas (Schwingungen der Natur), ihre Handlungsweisen sowie ihre Auswirkungen
auf Menschen, Geist und Sinne usw. kennt, bewegt sich unberührt
zwischen den Objekten der Wahrnehmung. Diejenigen, die sich von
Sinneswahrnehmungen und ihren Auswirkungen beherrschen lassen, bleiben in ihren
Sinnesobjekten verhaftet. Wende dich darum mit allen Handlungen und den daraus
resultierenden Früchten an mich. Lenke all deine Gedanken, dein ganzes Selbst,
auf mich, befreie dich auf diese Weise von deinen Wünschen, inneren
Unzulänglichkeiten, und letztendlich wirst du dich befreit fühlen. Gib dich hin, und du wirst
befreit, sonst bist du verloren.
Alle Menschen folgen ihren Neigungen, entsprechend ihrer Natur, selbst ein
Weiser. Alle Sinnesobjekte haben ihre Anziehungskraft, der man nicht unterliegen
sollte, denn sie sind die Gegner auf dem Weg zur Befreiung. Die eigene
ungewollte Pflicht ist der gutgemeinten Pflicht anderer vorzuziehen. Selbst der
eigene Tod, in Ausübung dieser Pflicht, bringt Segen; diese Pflicht wäre für
andere aber mit Furcht befrachtet.
Arjuna fragt: Bedeutet dies, dass man selbst Sünde einkalkulieren muss, wenn
man dazu gezwungen wird?
Sri Bhagavan antwortet: Der Wunsch, der aus Zorn geboren wird, ist unstillbar und böse. Das ist der wahre Gegner. So wie Feuer in Rauch, der Spiegel in Staub gehüllt sind, so beinhaltet Wissen den Wunsch nach Wissen. Wissen ist der ewige Gegner des Weisen, ein Wunsch, der unersättlich wie Feuer ist. Sinne, Geist und Intellekt sind sein Sitz, auf die das Licht der Wahrheit projiziert wird. Darum muss man seine Sinne kontrollieren, das Übel ausmerzen, die das Wissen des Absoluten behindern. – Es heißt, die Sinne sind größer als der Körper, doch größer als die Sinne ist der Geist. Größer als der Geist ist der Intellekt, und größer als der Intellekt ist das Selbst. Darum bezwinge den Gegner, der Wünschen heißt, durch Vernunft.
Sri Bhagavan sagt: Dieses unsterbliche Yoga habe ich an Visvasvan (Sonnengott)
weitergegeben. Der hat es an seinen Sohn Manu gegeben. Manu wiederum gab es an
seinen Sohn Iksvaku. So wurde das Wissen vom Vater zum Sohn immer weiter
gereicht, doch im Laufe der Zeit ging es verloren. Dieses Yoga-Geheimnis aus
alter Zeit habe ich nun an dich weitergegeben, denn du bist mein Schüler und
Freund.
Arjuna sagt: Du bist der Anfang, wo hingegen Visvasvan in alter Zeit gelebt hat.
Wie konntest du den Yoga bereits am Anfang der Schöpfung weitergeben?
Sr Bhagavan sagt: Wir beide hatten viele Geburten. Ich erinnere all diese Leben,
doch du kannst dich an nichts erinnern. Obwohl ich unzählige Male geboren wurde,
manifestiere ich mich immer wieder durch göttliche Kraft und halte meine Natur
unter Kontrolle. Wann immer Unrecht geschieht, wenn Tugendhaftes bewahrt werden
muss, Übeltäter vernichtet, Ordnung wieder hergestellt werden muss, manifestiere
ich mich. So werde ich von Zeit zu Zeit wiedergeboren.
Meine Handlungen sind göttlich. Derjenige, der das erkennt, kommt zu mir und
wird nicht wiedergeboren. Frei von Bindungen, Furcht und Ärger, völlig in mich
aufgelöst, durch Buße gereinigt, kamen in der Vergangenheit bereits viele zu
mir. Wer auch immer nach mir sucht, dem komme ich entgegen.
Heutzutage wollen die Menschen die Früchte ihrer Gottesanbetung, wollen den
schnellen Erfolg. Die verschiedensten Menschenklassen (entsprechend den Gunas)
wurden aufgrund ihres Charakters, ihrer Fähigkeiten, ihrer Pflichten von mir
erschaffen, obwohl ich in Wahrheit nicht aktiv bin. Seitdem ich keine Früchte
aus meinen Aktivitäten erwarte, berühren sie mich nicht. Derjenige, der mich
wirklich kennt, ist an seine Handlungen nicht gebunden. In alter Zeit haben die
Sucher auf diese Weise mit Gleichmut gehandelt, um Befreiung zu erlangen.
Was bedeutet Aktivität und was Tatenlosigkeit? Derjenige, der Tatenlosigkeit im
Handeln und Handeln in Tatenlosigkeit sieht, ist weise. Derjenige, der immer auf
diese Weise handelt ist ein Yogi. Ein Weiser handelt ohne zu wünschen und/ oder
darüber nachzudenken. Weise ist, dessen Handlungen im Feuer des Wissens
verbrennen. Derjenige, der alle Bindungen an sein Handeln und die Früchte seines
Handelns abgegeben hat, ist unabhängig, erfüllt, ist überhaupt nicht aktiv,
obwohl er ständig aktiv ist.
Wer Geist und Körper kontrolliert, alle Sinnenfreuden abgegeben hat, wunschlos
ist und nur körperlich aktiv, dessen Handlungen sind frei von Sünde. Ein
Karmayogi, der mit dem zufrieden ist, was ihm gegeben wird, der frei von
Eifersucht ist, Freud und Leid überwunden hat, bei Erfolg und Niederlage
ausgeglichen bleibt, ist nicht an seine Handlungen gebunden. All sein Handeln
wird vollständig aufgelöst, wenn er unberührt und ohne Bindung bleibt, kein
Ich-Gefühl bzgl. seines Körpers entwickelt, wenn sein Geist in der Kenntnis des
Selbst etabliert ist, und er sein Wirken als Opfer sieht.
Wenn man Brahma überall in Form eines Opfers sieht, ist der Schöpflöffel, mit
dem die Opferung ins Feuer gegossen wird, wiederum Brahma. Brahma ist Feuer,
Brahma ist Opferung, Brahma vollzieht das Opfer, indem er die Opferung in das
Feuer (das er selbst ist) übergibt. Brahma ist schließlich das durch IHN zu
erreichende Ziel, wo ER sich selbst als seine eigene Opferhandlung auflöst.
Andere Yogis opfern nur in Form von Anbetung. Es gibt unzählige Opferrituale,
z.B. Disziplinierung der Sinne in Form von Selbstkontrolle, materille Opfer,
Opfer durch Yogapraxis, besondere Atemtechniken. All diese Opferhandlungen
tilgen Sünden. Opferhandlungen werden in den Vedas beschrieben. Bei
Opferhandlungen werden Körper, Geist und Sinne eingebunden. Das Opfer durch
Wissen steht über materiellen Opfern, denn alle Handlungen gipfeln im Wissen.
Verstehe die wahre Natur des Wissens durch Erleuchtung. Wenn du die Füße eines
Weisen und Sehers der Wahrheit verehrst, ihm dienst, ihn offenen Herzens
befragst, wird er sein Wissen an dich weitergeben. Wenn du Erleuchtung erlangt
hast, wird dich Unwissenheit nicht länger plagen. Im Licht des Wissens wirst du
die ganze Schöpfung erst in dir und dann in MIR erfahren. Durch Erkenntnis wirst
du all deine Sünden blitzschnell überwinden. Wissen hat den größten
Reinigungseffekt.
Wer seine Sinne gemeistert hat, ist besonders dieser Praxis hingegeben, ist
voller Vertrauen in sie, um das absolute Wissen zu erlangen. Wenn sich ihm die
Wahrheit offenbart hat, empfindet er sofort absoluten Frieden in Form von
Gottverwirklichung. Wer die Unterscheidungsfähigkeit nicht kennt, hat auch kein
Vertrauen, sondern zweifelt und ist auf dem spirituellen Weg verloren. Für
Zweifler gibt es weder ein Diesseits noch Jenseits, noch Glück.
Wer all seine Handlungen Gott im Sinne von Karmayoga widmet, frei von Bindung an
Handlungen ist, dessen Zweifel wurden durch Wissen aufgelöst. Zerstöre mit dem
Schwert der Weisheit diese Zweifel in deinem Herzen. Steh auf und kämpfe,
Arjuna!
Arjuna sagt: Krishna, du rühmst den Yoga des Wissens, und auch den Yoga der
Handlung. Welche der beiden würde mir weiterhelfen?
Bhagavan Sir Krishna sagt: Beide Yogawege führen zur Glückseligkeit. Der Pfad
der Handlung ist etwas einfacher, und darum dem Yoga des Wissens vorzuziehen.
Der Karmayogi, der weder hasst noch wünscht, sollte immer als der ‚Zurückzieher‘
betrachtet werden, denn wer frei von Gegensätzen ist, kann sich leicht von
Bindungen befreien. Nur Unwissende behaupten, das Karmayoga und der Yoga des
Wissens zu verschiedenen Ergebnissen führen. Wer fest in einem der beiden Wege
engagiert ist, erntet die Früchte von beiden.
Ohne Karmayoga ist der Weg des Handelns in Bezug auf alle Aktivitäten des
Geistes, der Sinne und des Körpers nur schwer zu beschreiten. Andererseits
erreicht der Karmayogi, der seinen Geist direkt auf Gott richtet, Brahma im
unmittelbar.
Der Karmayogi, der seinen Geist, seine Sinne beherrscht, dessen Herz rein ist,
der sich vollkommen mit dem Selbst aller Wesen (alle Wesen sind göttlich)
identifiziert, bleibt unberührt, auch wenn er irgendwelchen Tätigkeiten
nachgeht.
Der Yogi des Wissens, der die Wirklichkeit kennt, muss sich darüber klar sein,
selbst wenn er sieht, hört, berührt, riecht, isst, trinkt, geht, schläft, dem
Ruf der Natur folgt usw., dass er selbst nichts tut. Er muss daran festhalten,
dass sich seine Sinne zwischen den Objekten bewegen. Jemand, der all sein
Handeln Gott widmet, alle Bindungen dabei abschüttelt, bleibt von Sünden frei.
Karmayogis handeln, um sich selbst zu reinigen, nur mit ihren Sinnen, ihrem
Geist, Intellekt und Körper, allerdings ohne jedes Ich-Gefühl, und sie schütteln
jegliche Bindung ab. Sie opfern die Früchte ihres Wirkens Gott, erfahren dadurch
endlosen Frieden im Sinne der Gott-Verwirklichung.
Derjenige, der auf dem Weg des Wissens sich in Selbstkontrolle übt, macht in
Wahrheit nichts selbst, Andere machen in Wirklichkeit auch nichts für ihn. Er
ruht glücklich in Gott. Gott bestimmt nicht, wer handelt und auch nicht, wer die
Früchte des Handelns erntet, sondern dies geschieht allein durch Natur. Der
allgegenwärtige Gott ist kein Teilhaber, weder an den Tugenden noch an den
Sünden der Menschen.
Wissen ist von Unwissenheit ummantelt, deshalb fallen die Menschen immer wieder
und bitten um Erlösung. Bei jenen, die die Unwissenheit durch wahre Kenntnis von
Gott überwunden haben, erstrahlt das Absolute wie eine helle Sonne. Derjenige,
bei dem sich Geist und Intellekt mit IHM vollkommen vermischt haben, der sich
permanent mit IHM identifiziert, mit IHM eins geworden ist, dessen Sünden werden
durch Weisheit ausgelöscht, und er wird das Absolute ohne Wiederkehr erreichen.
Der Weise schaut mit Gleichmut auf alle und alles, egal ob es ein Gelehrter,
irgendein Tier oder sonst etwas ist. Derjenige, dessen Geist von Sinnes-Objekten
unberührt bleibt, erreicht durch Meditation sattvische Freude. Dieser Yogi, der
sich mithilfe von Meditation mit Brahma identifiziert, erfreut sich ewiger
Glückseligkeit. Hingegen Freuden, die von Sinneskontakten herrühren, verursachen
bei weltlich gesinnten Menschen Leid und nur kurzzeitige Freude. Diese Art von
Freude haben Anfang und Ende. Aus diesem Grund meidet der Weise derartiges
Vergnügen.
Derjenige, der glücklich ist, freut sich über seine leuchtende Seele. Solch ein
Yogi identifiziert sich mit Brahma und kommt zu IHM. Für jene Weisen, die frei
von Lust Ärger sind, die ihren Geist gezügelt und Gott verwirklicht haben, ist
die Heimstatt ewigen Friedens überall. Derjenige, der Mich, den absoluten Herrn
aller Welten und selbstlosen Freund allen Seins, den Spender der Freude in allen
Opfern und Disziplinen erkennt, ist mein Schüler und erlangt Frieden.
Sri Bhagavan sagt: Derjenige, der seinen Pflichten nachkommt, ohne
Gegenleistungen zu erwarten, ist ein Sannyasi (Mönch, der sich zurückzieht) und
ein Yogi im Sinne des Karmayoga. Doch derjenige, der nur seine Aktivitäten
aufgibt oder sich nur vom Leben zurückzieht, ist weder Yogi noch Sannyasi.
Was als Sannyasa bezeichnet wird, ist nichts weiter als Yoga. Wer seine
Gedanken an das Weltliche nicht aufgibt wird kein Yogi.
Selbstloses Handeln ist für eine kontemplative Seele ein Mittel um Karmayoga zu
erreichen. Ohne weltliche Gedanken im Yoga zu leben, bedeutet gesegnet zu sein.
Wer alle Bindungen an weltliche Gedanken, Sinnes-Objekte und Aktivitäten
aufgegeben hat, hat Yoga erreicht.
Man sollte sich durch eigenes Bemühen schrittweise erheben und nicht
erniedrigen, denn das eigene Selbst ist Freund und Feind zugleich. Das eigene
Selbst ermöglicht Geist, Sinne und Körper zu erobern, doch wenn das niedere
Selbst nicht überwunden wird, wird es zum Feind.
Der absolute Geist ruht in Kenntnis der Selbst-Kontrolle inmitten zwischen aller
Gegensätzlichkeit. Von einer gottverwirklichten Seele spricht man, wenn ein Yogi
vom Wissen über Brahma und vom Wissen über die manifestierte Göttlichkeit
beseelt, seine Sinne kontrolliert, und Erde, Steine und Gold als gleich ansieht.
Er sieht Freund und Feind, Verwandte und Fremde, Tugendhafte und Sünder
vorurteilslos und unberührt mit gleichen Augen an.
Ein Yogi, der in Abgeschiedenheit lebt, seine Sinne und seinen Körper
kontrolliert, über keinerlei Besitztümer verfügt, sollte ständig meditieren und
Selbstreinigung üben. In Meditation sitzt er aufrecht auf einer Unterlage am
Boden. Sein Geist ist (ohne andere Gedanken) vollkommen auf MICH gerichtet. Der
disziplinierte Geist erlangt auf diese Weise ewigen Frieden, absolute
Glückseligkeit, wohnt in MIR.
Yoga ist nichts für diejenigen, die in allen Disziplinen übertreiben, die
entweder zu viel essen, zu viel fasten, zu viel oder zu wenig schlafen. Alle
Aktivitäten sollten ausgewogen sein, nichts darf übertrieben werden. Es heißt,
wenn der Übende auf diese Weise allmählich seinen Geist ausschließlich auf Gott
gerichtet hat, frei vom Verlangen nach weltlichen Freuden ist, ist er im Yoga
angekommen.
So wie ein Flamme, die an einem stillen, windarmen Ort nicht flackert, so
verhält sich (bildlich gesprochen) der Geist eines Yogi,, der auf Gott
meditiert. Durch regelmäßige Yogapraxis und Reinigung durch Meditation auf Gott
wird der Geist des Yogi ruhig, verwirklicht Gott und zieht sich in IHM zurück.
Hier wird er ewige und überschwängliche Freude erfahren. In dieser Erfahrung
kann der Yogi durch nichts erschüttert werden. Dieser Zustand, als Yoga
bezeichnet, ist frei von Sorgen.
Folgende Praxis sollte mit Gleichmut strikt eingehalten werden: Vollkommenes
Zurückziehen der Wünsche, die aus weltlichen Gedanken herrühren, und die
Zügelung der Sinne durch den Geist. Der bedingt durch Vernunft schrittweise
kontrollierte und beruhigte Geist wird auf Gott gerichtet. Für den Yogi, dessen
Geist gelassen, frei von Sünde ist, der seine Leidenschaft gezügelt hat, sich
mit Brahma, der Verkörperung von Wahrheit, Wissen und Glückseligkeit,
identifiziert, stellt sich absolute Glückseligkeit von selbst ein.
Der Yogi, der mit dem all-durchdringenden unendlichen Bewusstsein vereint, und
dessen Sicht von Gleichmut geprägt ist, sieht das Selbst in allem Sein, allen
Wesen, und er sieht alle Wesen im Selbst. Derjenige, der MICH, das universale
Selbst, in allen Wesen sieht, und alle Wesen in MIR sieht, ist weder in MIR noch
bin ICH in ihm verloren. Der Yogi, der in MIR verankert ist,
MIR dient, wobei er MICH in allem sieht, ist in seinen Aktivitäten
ständig mit MIR verbunden.
Arjuna sagt: Mein Geist ist unstet, turbulent, zäh und machtvoll. Darum ist es
schwer für mich, ihn zu bezähmen.
Sri Bhagavan antwortet: Der Geist ist rastlos, ohne Zweifel, schwierig zu
kontrollieren, doch ist er durch schrittweise Praxis der Leidenschaftslosigkeit
bezähmbar. Dies ist meine Überzeugung.
Arjuna fragt: Was wird aus einer Seele, die, obwohl voller Vertrauen, weder in
der Lage ist, den Geist zu kontrollieren, noch die Leidenschaft zu zügeln, um
Vollkommenheit zu erlangen? Nur du, Krishna, bist in der Lage meine Zweifel
auszuräumen.
Sri Bhagavan sagt: Niemand fällt! Niemandem, der nach Gott versucht zu streben,
wird Übles widerfahren. Jemand, der irgendwann von der Yogapraxis ablässt, weil
nicht damit zurechtkommt, erreicht trotzdem höhere Welten, die normalerweise nur
Menschen mit guten Taten vorbehalten sind. Nach einigen Jahren der Ruhe nach dem
Tod, werden sie als Kind ehrenwerter Eltern oder Yogis wiedergeboren, auch wenn
dies schwierig ist. Im neuen Leben wird er noch härter nach Gott-Verwirklichung
streben, da er sich zu Gott hingezogen fühlt. Durch die Gewohnheit der Praxis,
die er in früheren Leben erworben hat, wird er Gott erreichen.
Sri Bhagavan sagt: Arjuna, höre MICH an, praktiziere deinen Yoga mit Hingabe auf
MICH, dann wirst du MICH ohne jeden Zweifel erkennen. ICH werde dir die Weisheit
in all seiner Vollkommenheit mit all seinen Aspekten offenbaren. Kaum einer
unter Tausend strebt nach Verwirklichung. Nur wenige Yogis, die nach MIR
streben, sich ausschließlich MIR hingeben, erkennen MICH wirklich.
Aus Erde, Wasser, Luft, Äther, Geist, Verstand und dem Ich besteht meine niedere
Natur. Meine höhere spirituelle Natur in Form des Lebens ist das ganze
Universum. Alle Wesen haben sich aus dieser zweifachen Natur entwickelt. ICH bin
die Quelle, in MICH löst sich alles wieder auf. Außer MIR gibt es nichts. ICH
bin die Flüssigkeit im Wasser, das Strahlen der Sonne und des Mondes, die
heilige Silbe OM in den Vedas, der Klang des Äthers und das Menschliche im
Menschen. ICH bin der reine Duft der Erde, die Helligkeit im Feuer, die
Lebendigkeit in allen Wesen und die Disziplin der Asketen.
Arjuna, erkenne MICH als die Saat allen Seins, als die Intelligenz der
Intelligenz, als Herrlichkeit im Herrlichen, als das Mächtige im Mächtigen, frei
von jeglicher Leidenschaft. ICH bin das sexuelle Verlangen, das nicht im
Widerstreit mit Tugendhaftigkeit oder Spiritualität steht. Welche Vollkommenheit
es auch immer gibt, ICH bin Alle. In Wirklichkeit jedoch existiere weder ICH in
ihnen noch sie in MIR.
Alles in dieser Schöpfung unterliegt, bedingt durch die Objekte, einer
Täuschung, die von den drei Formen der Natur (drei Gunas: Sattva, Rajas, Tamas)
ausgeht. Darum kann mich die Welt nicht erkennen. Diese wundervolle Täuschung,
bedingt durch meinen Schleier, der aus diesen drei Modi besteht, kann man nur
schwer durchdringen. Doch wer MICH allein ständig verehrt wird es schaffen. Wer
sich allerdings täuschen lässt, nur auf die Natur baut, wird es nie schaffen
MICH zu erreichen.
Es gibt vier unterschiedliche Arten von Menschen, die MICH verehren: die Sucher
nach weltlichem Besitz, Leidende, die Sucher nach der Wahrheit und Menschen der
Weisheit. Für Menschen der Weisheit, die sich voller Hingabe mit MIR
identifizieren, die mich kennen, bin ich außerordentlich wichtig und umgekehrt.
In seiner letzten Geburt erkennt der Erleuchtete, der MICH verehrt, dass alles
Gott ist. Solche Seelen sind eher selten.
Jene, die durch vielerlei Wünsche ihre Weisheit verloren haben, nur sich selbst
kennen, verehren andere Gottheiten. Wer durch MICH vertrauensvoll seinen
individuellen Gott verehrt, findet durch IHN den gewünschten Frieden. Die
Früchte sind eher klein und vergänglich. Die Menschen, die ausschließlich MICH
verehren, kommen nur zu MIR allein.
Ohne meine wahre Natur zu kennen, glauben MIR viele Unwissende, was Absoluter
Geist ist, der sich jenseits vom individuellen Geist und Sinnen befindet, was
die Verkörperung der Wahrheit, des Wissens und der Glückseligkeit ist, von dem
die endliche Geburt als normaler Mensch angenommen wurde.
ICH kenne alle Wesen aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Durch die
Illusion der Gegensätze, geboren aus Wunsch und Hass, beten viele ‚Gefallenen‘
mit Vernarrtheit irgendwelche zweifelhaften Dinge an. Tugendhafte, bei denen
sich die Sünden aufgelöst haben, die frei von den Gegensätzen sind, verehren
MICH mit fester Überzeugung. Sie haben sich zu MIR geflüchtet, streben nach
Befreiung, kennen Brahma, die Verkörperung der Seele, das Feld des Handelns
(Karma), mein integrales Sein, die Materie und die nicht manifestierte
Göttlichkeit im Herzen, die Zeuge allen Seins ist. Wem dies in der Stunde des
Todes bewusst wird, kennt MICH.
Arjuna fragt: Was ist Brahma (das Absolute), was Adhyatma (Spirit), was ist
Karma (Handlung), was Materie und was versteht man unter göttlicher Intelligenz?
Wo findet man den Spirit im Körper? Wie erkennt man Dich in der Stunde des
Todes?
Sri Bhagavan antwortet: Das absolute Unzerstörbare ist Brahma, das eigene Selbst
(die individuelle Seele) ist der Spirit. Das, was die Seele entlädt (als würde
eine Batterie entladen), was die Existenz hervorbringt, wird als Karma
bezeichnet. Alles Sterbliche, alles Sichtbare, ist Brahma, Spirit, bin ICH, der
in jedem Körper lebendig ist. Derjenige, der seinen Körper verlässt, der in der
Stunde des Todes allein an MICH denkt, wird zweifellos MICH erreichen. Woran man
in der Stunde auch immer denkt, in diesen Gedanken löst man sich auf. Darum,
Arjuna, denke immer an MICH und kämpfe.
Derjenige, der seinen Geist ständig durch Yogapraxis und Meditation
diszipliniert, immer auf Gott kontempliert, wird IHN erreichen. Wer in der
Stunde seines Todes seinen Atem durch Yoga-Kraft zwischen die Augenbrauen lenkt
und dort hält, auf Gott kontempliert, wird das Göttliche erreichen.
Gott ist die Verkörperung von Wahrheit, Wissen und Glückseligkeit. Kenner der
Vedas sehen in IHM das Unzerstörbare, frei von
Leidenschaft und Wünschen.
Wer in der Stunde des Todes seine Sinne zurückzieht, fest im Geist und der
Kammer seines Herzens ruht, seinen Lebensatem in den Kopf lenkt, sich auf Gott,
das Unzerstörbare Brahma, OM, konzentriert, in MIR wohnt, erreicht das absolute
Ziel.
Große Seelen, die höchste Vollkommenheit erreichten, sind zu mir gekommen,
wurden niemals mehr wiedergeboren. Alle Ebenen der Welt, von den himmlischen bis
ganz unten, kommen und gehen. Doch wer MICH erreicht, wird nicht mehr
wiedergeboren, denn ICH bin jenseits all dieser Ebenen.
Alle körperlichen Wesen gehen zu Beginn des kosmischen Tages aus dem
Nicht-Manifestierten hervor. In der Nacht vereinigen sie sich wieder mit dem
Nicht-Manifestierten. Jenseits des Nicht-Manifestierten gibt es eine weitere
nicht-manifestierte Existenz, die göttliche Wesen beinhaltet, die nicht
vergehen, obwohl normalerweise alles Sein vergeht. Das ist MEINE Heimstatt. Wer
sie durch Hingabe auf MICH erreicht, braucht nicht mehr ins Leben zurück zu
kehren.
Für den Yogi gibt es zwei Wege nach dem Tod. Der Eine führt Yogis, die Brahma
kennen, sechs Monate lang nach Norden, wo das Licht der Sonne herrscht, und
erreichen Brahma. Der Andere leitet Yogis des Handelns nach ihrem Tod auf den
südlichen Kurs der Sonne. Dort erreichen sie die Leidenschaft des Mondes,
erfreuen sich der Früchte ihrer guten Taten und kehren in die sterbliche Welt
zurück.
Ein Yogi lässt sich bzgl. dieser Pfade nicht irreführen! Ein Yogi, der diese
grundlegende Wahrheit verwirklicht, überwindet alle Zweifel über das Studium
spiritueller Schriften (Vedas), der Opferungen, Disziplin und Wohltätigkeit, und
erreicht das Absolute!
Sri Bhagavan sagt: ICH werde dir jetzt das Geheimnis von Nirguna Brahma
erläutern, das dich vom Übel weltlicher Existenz befreien wird. Die beiden
göttlichen Aspekte von Nirguna und Saguna sind besondere Wissenschaften, die von
Tugenden erfüllt, leicht erlernbar und unsterblich sind. Diejenigen, die kein
Vertrauen zu diesem Dharma haben, werden sich niemals aus den ständigen
Wiedergeburten befreien.
Das gesamte Universum ist von MIR, der nicht-manifestierten Göttlichkeit,
durchdrungen und alles Sein beruht auf einer Idee in MIR. Darum bin ich
nicht wirklich in ihnen gegenwärtig. So wie Luft, aus Äther geboren, sich
überall im Raum bewegt und im Äther verbleibt, so wohnt alles Sein, das von MIR
ausgeht, in MIR.
Während seiner letzten Auflösung betritt alles Sein meine ursprüngliche Natur,
und zu Beginn der Schöpfung schicke ICH sie wieder hinaus. Meiner Natur
entsprechend, erkenne ICH immer wieder ihr vielfältiges Karma, das ihre
individuelle Natur beeinflusst. Diese Handlung lässt MICH unberührt. Auf diese
Weise geschieht durch MICH die gesamte Schöpfung des fühlenden und
nicht-fühlenden Seins.
Diejenigen, die mich nicht kennen, sehen in Mir eine Art Oberherr der gesamten
Schöpfung, der eine Art menschlicher Form angenommen hat. Menschen ohne Hoffnung
und mit zweifelhaften Handlungsweisen, fruchtlosem Wissen haben sich einer
niederträchtigen, dämonischen und zerstörerischen Sichtweise der Natur
zugewandt.
Große Seelen, die MICH als absolute göttliche Natur erkannt haben, sehen in MIR
die Quelle allen Seins und verehren MICH als das einzige Unsterbliche und Ewige,
singen meine Namen und streben danach MICH zu verwirklichen. Andere bekennen
sich zu MIR aufgrund der Erkenntnis meines absoluten, formlosen Aspekts. ICH bin
für diejenigen, die MICH verstehen, das vedische Ritual, die Opferung, die
Heimstatt und Saat, das heilige Mantra, das heilige Feuer. ICH bin der Regent
des Universums, seine Mutter, sein Vater und Großvater, die heilige Silbe OM und
die Vedas. ICH bin das Absolute Ziel, Bewahrer, Herr, Zeuge und Zufluchtsort.
ICH bin für aufrichtige Sucher der Ort, von dem es kein Zurückkehren gibt, in
dem sich am Ende alles auflöst. ICH Unsterblichkeit ebenso wie Tod, bin
gleichermaßen Sein und Nicht-Sein.
Diejenigen, die ihre Handlungen entsprechend den Vedas nachkommen, auf diese
Weise von Sünden befreit wurden, MICH verehren, durch ihre Taten nach dem Himmel
streben, erfreuen sich letztendlich himmlischer Freuden. Nach ausgedehnten
Himmelsfreuden kehren sie auf die Erde zurück.
Denjenigen, die ausschließlich MICH verehren, gebe ICH Sicherheit und kümmere
mich um ihre Bedürfnisse. Dies gilt auch für jene Anhänger, die andere Göttern
hingebungsvoll Opfer darbringen, aber ausschließlich MICH vertrauensvoll
verehren. ICH bin der Freundenspender und auch Herr Opferungen, Opferhandlungen.
Doch diejenigen, die MICH nicht als das Absolute sehen, kommen wieder zur Erde
zurück.
Wie auch immer du handelst, was du isst, opferst, schenkst, opfere alles MIR.
Mit diesem zurückgezogenen Geist wirst du von allen Bindungen, guter oder
schlechter Handlungen, befreit. Auf diese Weise befreit, wirst du MICH
erreichen.
ICH bin in allem Sein gleichermaßen gegenwärtig, niemand wird gehasst oder
vorgezogen. Wer MICH allerdings hingebungsvoll verehrt, wohnt in MIR, und ICH
bin in ihm offenbart. Selbst größte Sünder, die ausschließlich MICH verehren,
sollten als Heilige verehrt werden, denn sie haben sich in mir aufgelöst, werden
tugendhaft und friedvoll. Richte deinen Geist hingebungsvoll auf MICH, verehre
MICH, verbinde dich mit MIR und ICH werde zu dir kommen.
Sri Bhagavan sagte: Lausche meinen Worten, die dir helfen werden. Weder Götter
noch Heilige wissen etwas über meine Geburt. ICH bin die erste Ursache der
Gottheiten und großen Seher. Wer mich wirklich als Herr des Universums, als
etwas Ungeborenes, ohne Anfang, kennt, ist von allen Sünden befreit. Vernunft,
rechtes und klares Verstehen, Nachsicht, Aufrichtigkeit, die Kontrolle über
Geist und Sinne, Freude und Sorgen, Evolution und Auflösung, Angst und
Furchtlosigkeit, Nicht-Verletzen, Gleichmut, Zufriedenheit, Disziplin,
Wohltätigkeit, Ruhm und Schmach, gehen von MIR aus.
Wer wirklich diese höchste Herrlichkeit und meine absolute Kraft kennt, wird
zweifellos zu mir kommen. ICH bin die Quelle der Schöpfung. Alles in der Welt
bewegt sich, weil ICH es so will. Denjenigen, die durch Hingabe, Meditation,
usw. mit mir verbunden sind, gebe ICH meinen Yoga, um sie von der Dunkelheit der
Unwissenheit zu befreien.
Arjuna: Alle großen Heiligen sehen in DIR die transzendentale Ewigkeit, die
Absolute Heimstatt, die erste Gottheit, ungeboren und all-durchdringend. Weder
Dämonen noch Götter sind sich DEINER bewusst. Nur DU allein weißt, wer DU bist!
Darum kannst auch nur DU deine Göttlichkeit beschreiben. Kann ich DICH durch
ständige Meditation erkennen, und wenn ja, in welcher Form? Bitte, gib mir noch
einige Erläuterungen über DEINE Kraft und Herrlichkeit.
Sri Bhagavan sagte: ICH bin das universale Selbst, das in den Herzen aller Wesen
wohnt. ICH bin der Anfang, die Mitte und das Ende allen Seins. ICH bin die
leuchtende Sonne, der Mond und die Sterne. ICH bin Vishnu, Indra, Siva. ICH bin
die Wahrnehmung unter den Sinnen, der Geist, das Bewusstsein. ICH bin der Ozean
in allen Gewässern. Ich bin die heilige Silbe OM. ICH bin Japa (das Wiederholen
von Mantras). ICH bin die himmlische Musik,. Unter den Waffen, bin ICH der
Blitzschlag. Ich bin der sexuelle Wunsch, der der Fortpflanzung dient. ICH bin
Yama, der Gott des Todes, Garuda, der Vogel, Rama, der Kriegsheld.
ICH bin der Kenner der Seele. ICH bin das ‚A‘, der erste Buchstabe des
Alphabets. ICH bin die endlose Zeit, der Vertilger der Zeit. ICH bin alles und
überall. ICH bin das Original von allem, was geboren werden soll. ICH bin die
Herrlichkeit von allem, Sieger aller Sieger, das Gute in allem Guten. ICH bin
die siegende Kraft aller Regenten, der Widerstand der Widerständler, die
Weisheit der Weisen. ICH bin selbst die Saat allen Lebens. Nichts existiert ohne
MICH. ICH habe keine Grenzen. Dies ist eine vage Beschreibung dessen, was ICH
bin. Was willst du mit diesem Wissen anfangen? ICH halte das ganze Universum
mithilfe eines Bruchteils meiner Kraft.
Arjuna sagte: Danke für deine großartigen spirituellen Worte der Weisheit. Meine
wirren Illusionen sind nun völlig ausgeräumt. Herr, du bist genau so, wie du
dich selbst beschreibst. Doch ich möchte deine göttliche Form erkennen, die
voller Weisheit, Schönheit, Energie, Disziplin, Heldenmut und Licht ist. Wenn
ich dich wirklich so sehen kann, dann offenbare dich in dieser unsterblichen
Form.
Sri Bhagavan sagte: Du kannst mich in viel tausendfacher, unermesslicher Formen
und Farben ausmachen. Auf meinen Körper konzentriert, kannst du in ihm die
gesamte Schöpfung, in Form lebendiger und nicht-lebendiger Wesen, sehen, und
alles was du darüber hinaus noch sehen möchtest. Dies ist nicht mit menschlichen
Augen möglich. Darum lass ich dich durch das göttliche Auge schauen. –
Arjuna erkannte nun die absolute Göttlichkeit durch ihre Münder und Augen, die
wundervolle Sichten zuließen, voller Wunder, unendlich waren, viele Gesichter
hatten und über und über mit Girlanden und Ornamenten bedeckt waren. Selbst die
Strahlenexplosion tausender Sonnen gleichzeitig konnte das Strahlen des Herrn
nicht überdecken.
Auf einen Punkt dieser absoluten Göttlichkeit konzentriert, konnte Arjuna das
ganze Universum ausmachen. Unwillkürlich verbeugte sich Arjuna mit
aneinandergelegten Händen vor seiner Brust vor dem göttlichen Herrn.
Arjuna sagte: Ich sah in deinem Körper alle Gottheiten. Brahma thronte über
allen. Oh Herr des Universums, du hast zahllose Arme, Bäuche, Münder und Augen.
Du hast zahllose Formen, die sich in alle Richtungen ausdehnen. Ich kann weder
deinen Anfang, deine Mitte noch dein Ende erkennen. Um dich herum erstrahlt
alles voller Schönheit, in hellem Glanz, in alle Richtungen.
Du bist das absolut unzerstörbare edle Sein, die Zuflucht des Universums. Du
bist der Beschützer des zeitlosen Geschehens. Ich betrachte dich als das ewige
unsterbliche Sein. Ich sehe dich ohne Anfang, Mitte und Ende, mit unendlicher
Kraft, zahllosen Armen, Sonne und Mond sind dein Augen, leuchtendes Feuer dein
Mund. Das ganze Universum wird durch dein Strahlen erhellt. Der Raum zwischen
Himmel und Erde, alle Ecken sind ausschließlich von dir erfüllt.
Als die drei Welten dich in deiner schrecklichen Form erblickten, mit den vielen
Mündern und Augen, zahllosen Armen und Bäuchen, waren sie genauso wie ich wie
vom Donner gerührt, aufs höchste alarmiert und zeigten größten Respekt. Als ich
dich in deiner Form sah, die bis zum Himmel reichte, vielfach bunt erstrahlend,
mit weit geöffnetem Mund, flammenden Augen, war ich aufs Tiefste erschrocken,
verlor meine Kontrolle und fand keinen Frieden. Ich fürchte mich, bitte sei mir
gnädig.
All die Helden, Könige und Diener werden in dir eingehen. Einige werden zwischen
deinen Zähnen zermalmt, andere verschwinden direkt in deinen Mündern. So wie
unzählige Flüsse der See zustreben, so enden die Krieger der sterblichen Welt in
den Flammen deiner Münder. So wie eine Motte schicksalhaft das Licht umschwirrt
und in der Flamme endet, so verschwinden all diese Leute in deinen flammenden
Mündern. Wer bist du in Form dieses Terrors?
Sri Bhagavan sagte: Ich bin Kala, der mächtige und ewige Zeit-Geist, der
Zerstörer der Welten. Ich bin gekommen, um diese Menschen auszurotten, auch ohne
dich. Darum erhebe dich und ernte Ruhm und Ehre, erobere deine Gegner, erfreue
dich deines Königreiches. Diese Krieger wurden bereits geschlagen. Du bist nur
ein Instrument.
Arjuna sagte: Das Universum frohlockt und ist von Liebe erfüllt, singt deine
Namen, lobt deine Tugenden. Die von Terror erfüllten fliehen in alle Richtungen,
ihre Diener hingegen verneigen sich vor dir. – Du bist die höchste Gottheit, der
letzte Rückzugsort des Universums. Du bist der Wissende und das Erkannte. Du
durchdringst das ganze Universum, nimmst alle endlosen Formen an. Oh endlose
Macht, ich verneige mich vor dir. Du bist alles.
Anfangs dachte ich, du seist nur ein Freund, darum bitte ich dich um Verzeihung,
Vergebung. Du bist vielmehr, mein Vater, der größte Lehrer in dieser Schöpfung.
Wer könnte sich mit dir vergleichen? Niemand! Darum beuge ich meinen Kopf zu
deinen Füßen und bitte um Vergebung für die Regenten. Einerseits fühle ich
Freude, doch gleichzeitig quält mich Furcht. Bitte offenbare mir Vishnu, den
Herrn.
Sri Bhagavan sagte: Niemand vor dir hat durch mich diese strahlende höchste
unendliche kosmische Form gesehen. Lass dich nicht durch meine schreckliche Form
beeindrucken. Noch einmal schau dir mit Gleichmut und furchtlosem Geist meine Form
als Vishnu an. – Noch einmal
nahm Sri Krishna die beseelte Form an und ging auf den von Furcht erregten
Arjuna zu. – Arjunas Furcht legte sich im Angesicht des Herrn.
Sri Bhagavan sagte: Die Form Vishnus ist nur schwer auszumachen.
Selbst Götter sind begierig darauf. Diese Form wird weder durch das Studium der
Vedas, noch durch Buße, Wohltätigkeit oder Opferhandlungen erreicht. Nur
durch direkte Hingabe kann man mich in dieser Form mit den vier Armen sehen,
erkennen, Begreifen und eintreten.
Jemand, der all seine Pflichten erfüllt, um mir zu gefallen, mir vertraut, mich
verehrt, sich mir hingibt, kennt keine Bindungen, ist frei von Böswilligkeit
gegenüber allen Lebewesen und wird mich sicher erreichen.
Arjuna sagte: Wer ist der beste Kenner des Yogas? Derjenige, der sich DIR
ausschließlich und ständig hingibt, dich als Form mit allen Attributen verehrt,
oder derjenige, der dich als absolute Wirklichkeit, als unzerstörbaren, nicht-manifestierten Brahma ansieht?
Sri Bhagavan sagte: Ich sehe denjenigen als besten Yogi, der voller Vertrauen
mit mir in der Meditation verbunden ist, der mich mit all seiner auf mich
gerichteten Konzentration verehrt. Doch auch jene, die ihre Sinne kontrollieren,
gleichmütig gegenüber allem sind, sich um das Wohlergehen aller kümmern und so
behandeln wie sie sich selbst behandeln würden, und den undenkbaren,
all-gegenwärtigen, unzerstörbaren, unbestimmbaren, ewigen, unbeweglichen,
nicht-manifestierten und unveränderlichen Brahma verehren, sind mir willkommen.
Doch besonders für körperbetonte Menschen ist es schwer, das Nicht-Manifestierte
zu erreichen.
Alle jene, die ausschließlich MICH verehren, MIR all ihre Handlungen widmen, mit
Hingabe auf MICH meditieren, werden von einer Wiedergeburt befreit sein. Darum
richte deinen Geist ausschließlich auf MICH oder versuche MICH durch Yoga-Praxis
zu erreichen. Wem dies nicht möglich ist, sollte all seine Handlungen und die
Früchte daraus MIR widmen.
Wissen steht über Praxis, und darüber steht die Meditation auf Gott. Das
Zurückziehen der Früchte aus den Handlungen steht über der Meditation, denn aus
dieser Handlungsweise empfängt man unmittelbar Frieden.
Derjenige, der keine Bosheit gegenüber anderen empfindet, freundlich und
mitfühlend ist, frei von ‚Ich‘ und ‚Mein‘, anderen Menschen gern vergibt,
ständig mit MIR verbunden ist, Geist, Sinne und Körper kontrolliert, hat mit
Geist und Vernunft ein klares Verhältnis zu MIR entwickelt. So ein Anhänger ist
MIR zugetan. Wer für Andere kein ständiges Ärgernis bedeutet, im Gegenteil
Freude bereitet, ist MIR lieb und teuer.
Derjenige, der keine Ansprüche stellt, rein ist, weise, unparteiisch auftritt,
sich bewusst zurückhält, ist mir lieb und teuer. Derjenige, der nicht hasst,
weder Kummer noch Wünsche hat, gute und schlechte Handlungen meidet, ist MIR
lieb und teuer. Derjenige, der Freund und Feind gleichermaßen gut behandelt, dem weder Wärme
noch Kälte, Freude oder Schmerz etwas anhaben können, der frei von Bindungen ist,
den weder Lob noch Tadel imponieren, den weder Besitz noch Unterbringung
interessieren, der voller Hingabe zu MIR ist, der ist MIR lieb und teuer.
Sri Bhagavan sagte: Erkenne dich selbst als individuelle Seele (Ksetrajna) auf
allen Ebenen/ Feldern (Ksetras). Als wahrhaft Wissender wird derjenige
angesehen, der die Felder (Ksetras), die Materie, seine Evolution und den Spirit
kennt. Man muss die Felder kennen, was sie sind, welche Modifikationen sie
haben, muss seinen Ursprung kennen und wer der wirklich Wissende ist.
Über die Wahrheit der Felder und seinem Kenner wurde von den Sehern auf
vielfache Weise gesprochen, in den Vedas sowohl als auch den Brahma-Sutras. Dazu
gehören die fünf Elemente, das Ego, der Intellekt, das Unmanifestierte, die zehn
Organe der Wahrnehmung und Handlung, der Geist und die fünf Sinnesorgane (Klang,
Berührung, Schmecken und Riechen). Auch das Wünschen, die Aversion, die Freude,
der Schmerz, der physische Körper, das Bewusstsein und die Festigkeit gehören zu
den Feldern.
Ohne Stolz zu sein, frei von Scheinheiligkeit zu sein ist notwendig, Sanftmut,
Nachsicht, Straffheit des Körpers, Sprache und Geistes sind selbstverständlich.
Hingebungsvolles Verhalten gegenüber dem Lehrer, innere und äußere Reinheit,
Festigkeit im Geist, und die Kontrolle über Körper, Geist und Sinne gehören
dazu. Mitgefühl gegenüber Objekten der Freude, gegenüber seinen Nächsten sind
wichtig. Freiheit von Egoismus und ständiges Gewahrsein von Schmerz und Pein bei
der Geburt, dem Tod, dem Alter sowie bei Krankheiten gehören dazu.
Frei von Bindungen, das Gefühl von Einheit bzgl. Familie, Gleichmut bei
positiven wie negativen Ereignissen gehören zu den Feldern (Ksetras).
Uneingeschränkte Hingabe, ein Leben an heiligen Plätzen in Abgeschiedenheit und
das Vermeiden weltlicher Kontakte gehören dazu. Gott als einzigen Kenner des
wahren Wissens zu akzeptieren ist selbstverständlich, denn alles Andere wäre
Unwissenheit.
Der absolute Brahma ist weder Sein noch Nicht-Sein. ER hat auf allen Seiten
Hände und Füße. Augen, Kopf und Mund gehen in alle Richtungen. ER hört alles
überall, denn ER durchdringt das ganze Universum. Obwohl ER alle Sinnes-Objekte
wahrnimmt, verfügt ER über keinerlei Sinne; obwohl ER unberührt bleibt, bewahrt
ER jede Kleinigkeit; obwohl frei von Merkmalen, erfreut ER sich der drei Gunas,
d.h. den Modifikationen der Natur. ER existiert innerhalb und außerhalb allen
Seins, und besteht aus lebendigen und nicht-lebendigen Dingen. Durch die Objekte
der Natur der drei Gunas hat ER sich in der Natur entwickelt. Der Kontakt mit
den Gunas ist für die Geburt guter und schlechter Seelen verantwortlich.
Der lebendige Spirit im Körper ist derselbe wie das Absolute. Man spricht von
IHM als den Zeugen, dem wahren Führer, Bewahrer, dem Erfahrenden der
verkörperten Seele, dem Über-Ich und auch dem Absoluten. Derjenige, der das
weiß, kennt den Spirit und die Natur zusammen mit den drei Gunas. Selbst wenn
dieser Kenner seinen Pflichten nachkommt, wird er niemals wiedergeboren.
Einige Anhänger bewahren den absoluten Spirit durch Meditation, mithilfe ihres
scharfen Verstands in ihren Herzen; andere verwirklichen IHN mithilfe der
Disziplin des Wissens, wieder andere durch Karmayoga. Selbst Verehrer, die kein
tieferes Wissen haben, lediglich Nachahmer sind und sich dem hingeben, was sie
gehört haben, können die Wiedergeburt überwinden. Doch nur wer den Herrn als
unsterblich, in allem Lebendigen sowie Nicht-Lebendigem erkennt, sieht IHN
wirklich. Wer alle Handlungen, die in der Natur stattfinden, nicht als
Handlungen des Selbst sieht, kann IHN wirklich sehen.
In dem Augenblick, wo jemand die vielfältige Existenz der Wesen als im absoluten
Spirit verwurzelt wahrnimmt, und gleichzeitig ihren Ursprung in derselben Quelle
sieht, erreicht Brahma (Wahrheit, Bewusstsein, Glückseligkeit). Der absolute
unzerstörbare Spirit ist ohne Anfang und Merkmale, und obwohl ER im Körper
wohnt, ist ER weder Handelnder noch ist ER beeinflussbar. So wie die Sonne das
gesamte Universum erhellt, so erleuchtet der eine Atma (Spirit) das ganze Feld.
Wer den Unterschied von Ksetra (Materie/ Feld) und Ksetrajna (Kenner des Feldes)
erkennt, wird von Prakriti (der Natur) und seiner Evolution befreit und erreicht
das Absolute.
Sri Bhagavan sagte: Ich werde noch einmal auf das absolute Wissen eingehen, das
alle Heiligen zur höchsten Vollkommenheit gebracht und befreit hat. Durch die
Praxis haben sie MICH erreicht und wurden nicht wiedergeboren. Meine Natur ist
wie ein Mutterleib für die Schöpfung. In ihm ist die Saat allen Lebens
enthalten. Die Schöpfung geschieht durch das Zusammenkommen von Materie und
Spirit. Prakriti und Natur sind die Mutter, und ICH bin der samenspendende
Vater.
Sattva, Rajas und Tamas, die drei Gunas der Natur, binden die unsterbliche Seele
an den Körper. Sattva ist makellos, leuchtend. Sattva bindet durch Verhaftung an
Glück und Wissen. Die Natur des Rajas bindet durch Leidenschaft. Sie wurde aus
Wunsch und Bindung hervorgebracht. Sie bindet die Seele durch Verhaftung an
Handlungen und dessen Resultaten. Tamas verleitet all jene, die nur auf ihren
Körper und das eigene Selbst achten. Sie wurden durch Unwissenheit geboren. Bei
Tamas wird die Seele durch Irrungen, Trägheit und Schlaf gebunden.
Sattva zieht den Menschen zu Freude, Rajas zu Handlung, Bei Tamas hingegen ist
das Wissen vernebelt, was zu Irrungen, Trägheit und Schläfrigkeit zwingt. Wenn
das Licht im Körper, im Geist und den Sinnen aufsteigt, wird Sattva
vorherrschend. Wenn Rajas vorherrscht, dann regieren Gier, Aktivität,
Ruhelosigkeit und das Verlangen nach Vergnügen. Tamas Gesteuerte neigen zu
Stumpfheit in Geist und Sinnen, Sie sind nicht in der Lage, ihren Pflichten
nachzukommen, neigen zu Frivolität, zu Benommenheit.
Ein sattvischer Mensch erreicht nach dem Tod den Himmel. Rajas betonte Menschen
werden als Rajas wiedergeboren. Tamas regierte Menschen werden als dumpfe
Spezies wiedergeboren. – Es heißt, Freude, Weisheit und Mitleid gehören zum
sattvischen Menschen. Sorgen werden den rajasischen und Unwissenheit tamasischen
Menschen zugeordnet. Derjenige, der die drei Gunas als das einzig Aktive ansieht
und MICH als absoluten Spirit dahinter erkennt, wird in MICH eintreten. Wer die
drei Gunas überwunden hat, die den Körper hervorgebracht haben, wird von Geburt,
Tod, hohem Alter und jeglichen Sorgen befreit. Diese Seelen erlangen absolute
Glückseligkeit.
Arjuna fragte: Was für Merkmale haben jene, die sich über die drei Gunas hinaus
entwickelt haben? Wodurch werden sie geleitet? Wie funktioniert es?
Sri Bhagavan sagte: Derjenige, der weder Licht (Sattva) noch Handlung (Rajas)
noch Stumpfheit (Tamas) hasst oder nach ihnen verlangt, wenn sie sich erhoben
haben. Wer sich wie ein Zeuge dessen verhält, wird nicht durch die drei Gunas
gestört, denn er weiß, dass sich die Gunas allein zwischen den Gunas bewegen.
Derjenige, der im Selbst ruht, betrachtet Schmerz und Vergnügen, Klumpen und
Erde gleichermaßen an, sieht Stein und ein Stück Gold als gleichwertig. Er ist
voller Weisheit, akzeptiert mit Gleichmut Angenehmes wie Unangenehmes, ebenso
Lob und Tadel.
Derjenige, den Ehre und Verachtung unberührt lassen, der Freund und Feind gleich
behandelt, der seine Sinne aus allen Aktivitäten zurückhält, von dem sagt man,
er hat die drei Gunas überwunden. Derjenige, der MICH ständig verehrt, wird
ebenfalls die drei Gunas überwinden und zu MIR kommen. ICH bin der Mutterboden
des unsterblichen Brahma.
Sri Bhagvan sagte: Wer den Pipala-Baum (Baum der Schöpfung, heiliger Baum
Indiens -
Pappelfeige
oder Buddha-Baum, ein schnell wachsender Baum mit Luftwurzeln, der bis zu 30 m
hoch werden kann)
kennt, von dem heißt es, er sei unsterblich und ein Kenner der Vedas. Der Baum
besitzt Wurzeln in der ersten Stufe des Seins, sein Stamm wird durch Brahma
repräsentiert, seine Blätter symbolisieren die Vedas.
Werden die Neigungen nach den Sinnes-Objekten – symbolisiert durch die Blätter
des Baumes – mit den drei Gunas gefüttert, wachsen die Zweige des Baumes (nach
Schöpferwille) in verschiedenste Richtungen, abwärts sowohl als auch aufwärts.
Seine Wurzeln, die seine Seele binden – so wie die Seele durch Handlungen in
einem menschlichen Körper gebunden ist – breiten sich in alle Richtungen aus.
Die wahre Natur dieses Schöpfer-Baumes kommt nicht wirklich zum Vorschein, denn
er hat weder Anfang noch Ende noch ist er stabil. Wer diesen – mit stark
ausgeprägten Wurzeln ausgestatteten – Baum fällen will, sollte über eine gute,
leidenschaftslose Axt verfügen.
Darum begib dich auf die Suche nach Gott, Arjuna. Wer IHN erreicht, kehrt nicht
mehr in diese Welt zurück. Wer frei von Stolz und Illusionen ist, üble Bindungen
überwunden hat, auf ewig mit Gott vereint ist, dessen Wünsche ausgelöscht sind,
der gegenüber allen Gegensatzpaaren, wie z.B. Schmerz und Freude, immun ist,
wird den absolut unsterblichen Zustand erreichen.
Weder Sonne, noch Mond oder Feuer leuchten heller als der selbst-leuchtende
Zustand, von dem niemand zurückkehrt. Das ist MEINE absolute Heimstatt. Der
ewige Spirit im Körper ist nur ein Fragment Meines eigenen Seins; und es ist nur
DAS, was den Geist und die fünf Sinne steuert. Während ICH
in den Sinnen des Hörens, Sehens, Berührens usw. und auch im Geist wohne,
erfreut sich die individuelle Seele der Sinnes-Objekte.
Unwissende ahnen von all dem nichts, solange sie nicht gereinigt sind, auch wenn
sie noch sehr danach streben. Nur Weise können erkennen, was wirklich geschieht.
Doch auch Yogis können das Selbst in ihren Herzen finden. Sonnenstrahlen
erhellen die ganze Welt, und das Leuchtende in Sonne und Mond bin ICH. ICH
durchdringe das Erdreich und unterstütze alle Geschöpfe durch Meine Energie. ICH
nehme die Form des Feuers an, wohne in den Körpern der Geschöpfe und bin mit
ihrer Ein- und Ausatmung verbunden, ICH verdaue und verwandle die Nahrung. ICH
wohne in den Herzen aller und bin die Quelle des Gedächtnis, des Wissens und der
Vernunft. ICH bin das einzig wertvolle Objekt der Vedas.
Das Sterbliche und das Unsterbliche sind die beiden Seins in dieser Welt. Alle
Körper sind sterblich. Die individuelle bzw. verkörperte Seele wird als
Unsterblich gesehen. ICH befinde mich jenseits der sterblichen Welt, stehe
selbst über der individuellen Seele; ICH bin das absolute Selbst.
Merkmale derjenigen, die mit göttlichen Geschenken ausgestattet sind/ Tugenden
im Sinne der Schriften:
Absolute Furchtlosigkeit, Reinheit des Geistes, regelmäßiges Meditieren,
selbstlose Wohltätigkeit, Kontrolle der Sinne, Verehrung Gottes und anderer
Gottheiten, Feueropfer und andere heilige Pflichten, Studium und Lehren der
Vedas sowie anderer heiliger Schriften, Singen göttlicher Namen und Hymnen,
Entbehrungen als Opfer zur Stärkung von Körper, Geist und Sinne.
Milde in Gedanken, Worten und Taten, Rechtschaffenheit und Genialität in der
Sprache, keine ärgerlichen Gedanken (auch nicht bei Provokationen), nicht auf
eigenes Handeln hinweisen, Gelassenheit, vermeiden von Tratsch, Mitleid mit
allen Geschöpfen, keine Bindung an Sinnes-Objekten, Vermeidung frivoler
Absichten. Erhabenheit, Nachsicht, Stärke, äußere Reinheit, weder Verachtung
noch Feindschaft gegenüber irgendjemand.
Scheinheiligkeit, Arroganz, Stolz, Ärger und Unwissenheit sind die Merkmale
derjenigen, die mit dämonischen Eigenschaften geboren wurden. Es gibt nur zwei
Typen Mensch, die dämonischen bzw. die göttlichen.
Dämonische Menschen wissen nicht, was richtiges oder falsches Handeln ist, sind
weder innerlich noch äußerlich rein, noch rechtschaffen. Sie behaupten, dass
diese Welt ohne jedes Fundament ist, unwirklich und gottlos, und durch die
Vereinigung von Mann und Frau getrieben wird. Durch das Festhalten an diese
falsche Einstellung dieser begriffsstutzigen Menschen mit schrecklichen
Handlungen sind sie Gegner der Menschheit, die ein Beweis für die Zerstörung des
Universums sind.
Es sind Menschen voller unerfüllter Wünsche, die durch ihre Unwissenheit,
falschen Doktrin anhängen, die unrein, voller Scheinheiligkeit, Stolz und
Arroganz sind. Sie halten an hunderten von Erwartungen fest, geben sich Lust und
Ärger hin, sind geldgierig auf Kosten anderer. Ergötzen sich an ihren
Besitztümern. Diese Gegner müssen von MIR ausgerottet werden, ebenso auch die
anderen.
„Ich habe eine große Familie, niemand kann es mit mir aufnehmen. Ich werde Gott
Opfer bringen, Almosen für die Armen.“ Welch blinde Unwissenheit, verpackt in
Zerstörung, in eigenem Vergnügen. Solche Menschen werden in der tiefsten Hölle
schmoren. Diese Leute sind durch Besitz und Ehre vergiftet, prahlen mit ihren
Opfern, ohne den heiligen Riten Beachtung zu schenken. In ihrer Ichbezogenheit
verleumden sie andere und verachten MICH, der in ihnen wohnt. Derartige Menschen
werden wieder und wieder geboren, und sinken bei jeder Geburt immer tiefer.
Wünschen, Ärger und Gier sind die Tore zur Hölle und verursachen den Niedergang
der Seele. Darum müssen alle drei ausgemerzt werden. Davon befreit, arbeitet der
Mensch an seiner eigenen wirklichen Befreiung und erreicht das absolute Ziel,
Gott. Wer die heiligen Schriften verwirft, wird weder Vollkommenheit erreichen,
noch glücklich werden. Die heiligen Schriften sind dein Führer und helfen dir
richtig und rechtschaffen zu handeln.
Arjuna sagte: Krishna, wo sind jene zuzuordnen, die Vertrauen haben, die Gott
verehren, jedoch dabei die Schriften missachten?
Sri Bhagavan antwortete: Die ungelernten Leute sind unterschiedlich zuzuordnen,
entweder Sattvisch, Rajasisch, oder Tamasisch. Das Vertrauen/ der Glaube der
Menschen entspricht ihren mentalen Veranlagungen. Der Glaube macht den Menschen
aus. Sattvische Menschen verehren Gott, rajasische Menschen verehren Halbgötter
und Dämonen, und tamasische Menschen verehren den Spirit der Toten und andere
Geister.
Menschen, die zwar Buße tun, sich aber nicht an die Schriften halten, und voller
Scheinheiligkeit, Wünsche und Egoismus sind, sich übertrieben mangelhaft
ernähren, MICH und den absoluten Spirit missachten, haben eine falsche
Einstellung. Auch die Ernährung spielt im Glauben eine Rolle, ebenso Opfer, Buße
und Wohltätigkeit sind auf dreifache Weise ausgeprägt.
Langlebigkeit, Intelligenz, Dynamik, Gesundheit, Glück und Frohsinn wird durch
süße und nahrhafte Nahrung gefördert und ist bei sattvischen Menschen zu finden.
Bittere und zu salzige Nahrung, die Kummer und Sorgen fördert, findet man bei
rajasischen Menschen. Schlecht zubereitetes Essen, überreife verdorbene Früchte,
voller Giftstoffe, sind meist bei tamasischen Menschen anzutreffen.
Opferhandlungen entsprechend den Schriften werden von Leuten durchgeführt, die
nach ihrem Tod keine Rückkehr zur Erde erwarten. Opferhandlungen, die nur der
Show dienen oder mit Hinsicht auf ein bestimmtes Ergebnis zielen, werden von
rajasischen Menschen begangen. Opfer, die nicht nach den Vorgaben der Schriften
durchgeführt werden, und ohne die heiligen Lieder, ohne die richtige innere
Einstellung, dargebracht werden, sind tamasischen Menschen zuzuordnen.
Das Verehren der Gottheiten, Verehren der Brahmanas, der eigenen Eltern und
großer Seelen, Reinheit, Rechtschaffenheit und Nicht-Verletzen werden als Buße
bezeichnet. Worte des Bedauerns, der Wahrhaftigkeit, in innerer Übereinstimmung
mit Güte, das Studium der Vedas und anderer heiliger Schriften, das Singen
heiliger Hymnen sind als Buße der Sprache bekannt. Frohsinn im Geist,
Friedfertigkeit, regelmäßige Kontemplation auf Gott, die Kontrolle des Geistes
und vollkommene Reinheit der inneren Gefühle werden als Disziplin des Geistes
betrachtet. Diese dreifache Buße wird von Yogis praktiziert, die nach ihrem
Ableben keine Rückkehr erwarten.
Disziplin, die dem Ansehen, der Ehre oder egoistischen Zielen dient, bringt nur
vorübergehende Früchte hervor und ist rajasischen Menschen zuzuordnen. Buße, die
obskuren Vorstellungen entspringt, der Selbstkasteiung dienen oder anderen
Menschen Übles bringen soll (wie z.B. Selbstmordattentate!) werden als Tamasisch
bezeichent.
Ein „Geschenk“, das im Sinne der Pflichterfüllung empfunden wird, wobei keine
Gegenleistung erwartet wird, wird als Sattvisch angesehen. „Geschenke“, die mit
einer Erwartungshaltung auf eine Gegenleistung gemacht werden, werden als
Rajasischen gesehen. „Geschenke“, die nicht unbedingt Freude bringen sollen, und
die an Leute gegeben werden, die es nicht verdient haben, sind Tamasich.
OM TAT SAT – der dreifache Appell an Brahma, bedeutet Wahrheit, Bewusstsein,
Glückseligkeit. Damit wurden die Brahmanas, Vedas und Opfer bei der
Götterdämmerung erschaffen. Darum beginnen alle heiligen Gesänge, vedischen
Hymnen mit OM. Mit dem Gedanken, dass alles Gott gehört, wird ER als TAT
bezeichnet. Bei Opferhandlungen und Disziplinen, Wohltätigkeiten wird von
aufrichtigen Suchern keine Gegenleistung erwartet. TAT wird im Sinne von Gott
und Gutes angewendet. Mit SAT werden auch verehrungswürdige außergewöhnliche
Handlungen bezeichnet.
Arjuna sagte: Ich möchte gern die Wahrheit über Sannyasa und auch über Tyaga
erfahren.
Sri Bhagavan antwortet: Einige verstehen unter Sannyasa das Aufgeben allen
Handelns aufgrund verborgener Wünsche. Die Weisen sagen jedoch, dass Tyaga, das
Aufgeben der Früchte des Handeln bedeutet. Einige Weise meinen, dass alle
Handlungen grundsätzlich etwas Übles an sich haben, und darum aufgegeben werden müssten.
Andere sagen, dass Opferhandlungen, Wohltätigkeiten und Buße nicht aufgegeben
werden dürften.
Das Zurückziehen (Tyaga) kann auf dreifache Weise geschehen: Sattvisch,
Rajasisch oder Tamasisch. Opferhandlungen, Wohltätigkeiten und Buße dürfen nicht
unterlassen werden, denn sie reinigen auch Weise und gehören zu deren
Pflichten. Sie dürfen jedoch nur, ohne Gegenleistungen zu erwarten, ausgeübt
werden. Wer glaubt, dass die Ausübung derartiger Pflichten schmerzhaft sei, hat
‚Zurückziehen‘ nicht verstanden. Die zuvor beschriebene Form der Ausübung von
Pflichten, ohne Gegenleistungen zu erwarten, ist sattvischer Natur. Nicht alle
Pflichten können aufgegeben werden, denn auch ein Sannyasin lebt in einem
Körper. Nur derjenige, der sich von den Früchten seines Handelns zurückzieht,
handelt richtig.
Entscheidend für die Zeit nach dem Tod sind nur jene Früchte, die aus Handlungen
entstanden sind, wo das Zurückziehen nicht stattgefunden hat. Es gibt aber auch
die Sankhya-Philosophie, wo es um das Bewältigen, Neutralisieren aller
Handlungen geht. Dabei handelt es sich um das Mitwirken folgender Faktoren: den
Körper, den Handelnden, die verschiedenen Organe und Funktionen, und Daiva bzw.
das Schicksal. Dieses sind die fünf Ursachen für richtiges oder falsches
Handeln.
Wer einen unreinen Geist hat, sieht die Dinge nicht richtig und handelt
entsprechend. Jener Geist, der sich nicht als der wirklich Handelnde sieht, der
nicht durch weltliches Handeln berührt ist, tötet nicht wirklich, selbst wenn er
Menschen in einer Schlacht töten muss, Arjuna. Der Wissenden, das Wissen und das
Objekt des Wissens bedingen das Handeln. Am Handeln sind der Handelnde, die
Organe und die Handlung als solches beteiligt. Bezogen auf das Wissen, kennt man
die drei vorherrschenden Gunas:
Als Sattvasisch bezeichnet man das Wissen desjenigen, der die eine unsterbliche
Existenz als ungeteilt und gleichermaßen in allen Individuen gegenwärtig
wahrnimmt. Als Rajasisch bezeichnet man das Wissen, wenn es in unterschiedlichen
Existenzen voneinander getrennt wahrgenommen wird. Wo das Wissen, bezogen auf
einen Körper als Ganzes gesehen wird, ist irrelevant und wird darum als
Tamasisch bezeichnet.
Handlungen im Sinne der heiligen Schriften sind nicht im Sinne des Handelnden zu
sehen, werden ohne Vorurteile ausgeübt und sind Sattvisch. Handlungen, die zum
eigenen Vergnügen erfolgen, sind Rajasisch. Handlungen aus Unwissenheit, ohne
über die Konsequenzen nachzudenken, sind Tamasisch.
Handlungen, die ohne innere Berührung, egal ob erfolgreich oder nicht, die klar und unmissverständlich durchgeführt werden, sind Sattvisch. Engagiert Handelnde, die gierig auf die Früchte ihres Handelns bedacht sind, und die von Freude und Sorgen belastet sind, sind Rajasisch. Jene, die ohne Rücksicht auf Verluste, unkultiviert, rücksichtslos und zum eigenen Vorteil über Leichen gehen, sind Tamasich.
Sattvisch ist jener Intellekt, der die Aktivitäten und das Zurückziehen
ausgewogen in richtige Bahnen lenkt. Rajasisch ist jener Intellekt, der nicht
immer weiß, was richtig oder falsch ist, und entsprechend handelt. Tamasisch ist
der Intellekt, der Falsches für richtig hält. - Sattvisch ist jene klare
Entschlossenheit/ Festigkeit, die durch Yoga-Meditation, die Funktionen des
Geistes einwandfrei kontrolliert. Rajasisch ist jene „Festigkeit“, bei der
Handlungen an wirtschaftliche Ergebnisse geknüpft werden. Als Tamasisch ist jene
„Festigkeit“ zu betrachten, wo Menschen ständig von Schlaflosigkeit, Angst,
Sorgen gepeinigt werden.
Bezüglich der Freude gibt es eine ähnliche Unterscheidung. Als Sattvisch gilt
jene, die durch Yoga-Praxis, Verehrung, Meditation und Gottesdienst gefunden
wird. Als Rajasisch gilt, wer durch den Kontakt der Sinne mit Objekten
Befriedigung findet. Wer mit seiner Trägheit und seinem dummer haften Starrsinn
zufrieden ist, gilt als Tamasisch. Niemand, weder im Himmel noch Erden, ist frei
von den Gunas.
Wer aufgrund seiner Geburt seine ihm auferlegten Pflichten im Leben erfüllt,
wird höchste Vollendung erreichen. Wer IHN pflichtgemäß verehrt, von dem alles
Sein kommt, der alles durchdringt, wird höchste Vollkommenheit erlangen. Auch
wenn eine Verehrung nicht immer korrekt ausgeführt wird, so ist dennoch besser
sie selbst, als durch andere ausführen zu lassen, denn nur die eigene Verehrung
kann von Sünden befreien.
Wessen Intellekt, egal was geschieht, unberührt bleibt, wessen Verlangen nach
Freuden gestillt ist, wer seinen Geist gezügelt hat, erreicht durch Sankhyayoga
(Pfad des Wissens) die höchste Form der Handlungslosigkeit. Wer mit wachem
Verstand und sattvischem Verhalten gesegnet ist, sattvische Nahrung zu sich
nimmt, an einem einsamen, stillen Ort lebt, Sinnes-Objekte ausschließt, seinen
Geist kontrolliert, leidenschaftslos ist, und gegenüber Freund und Feind mit
Gleichmut reagiert, regelmäßig meditiert, Egoismus, Stolz, Angst etc. überwunden
hat, wird eins mit Brahma.
Fest in Brahma verankert, - der Wahrheit, Bewusstsein und Glückseligkeit ist, -
und mit einem lächelnden Geist, kennt der
Sankhyayogi weder Kummer noch Sorgen. Solch ein Yogi erlangt absolute Hingabe zu
MIR. Mit dieser Hingabe wird er erkennen, wer und was ICH bin, und sich mit MIR
vermischen.
Der Karmayogi, hingegen, der sich auf mich stützt, erreicht durch MEINE Gnade,
trotz all seiner Handlungen, den Zustand von Ewigkeit und Unsterblichkeit. Lenke
innerlich all dein Handeln auf MICH und suche Zuflucht im Yoga. Mit deinem
auf MICH gerichtet Geist wirst du durch meine Gnade alle Schwierigkeiten
überwinden, ansonst bist du verloren. Selbst wenn du nicht kämpfen willst, wird
dich die Natur dazu zwingen.
Gott wohnt in den Herzen aller Geschöpfe und lässt sie durch seine Macht
entsprechend ihrem Karma handeln. Suche Zuflucht bei IHM. Durch Seine Gnade
wirst du absoluten Frieden erlangen. Gib MIR deinen Geist. So kommst du zu MIR. Überlass MIR
innerlich all deine
Pflichten. Suche Zuflucht in MIR. ICH werde DICH von allen Sünden befreien.
Wer auch immer diesen heiligen Dialog in Form der Gita studiert, von dem werde
ICH mit dem Opfer des Wissens verehrt. Derjenige, der dieser Gita voller Respekt
lauscht, wird ebenfalls von Sünden befreit und die Welt der Rechtschaffenheit
erreichen.
Arjuna sagte: Meine Illusionen sind zerstört und ich habe Weisheit erlangt, bin jetzt frei von Zweifel. –
Denke immer wieder über diesen heiligen Text nach,
denke an diesn Dialog zwischen Sri Krishna und Arjuna. – Ich freue mich immer wieder über den Inhalt
der Gita, dem Gesang Gottes. OM TAT SAT