Kenopanishad
Auszug aus dem Buch „Principle Upanishads“ von Swami Sivananda
bearbeitet von Divya Jyoti
Copyright © THE DIVINE LIFE Trust SOCIETY, Rishikesh, Indien -
(Bei Unklarheiten bzgl. der Sanskritausdrücke, schauen Sie in unser Glossar)
Bei der vorliegenden Übersetzung aus dem Englischen von Swami Sivananda, wurde die Ausdrucksweise des Originals weitgehend erhalten!
Inhaltsverzeichnis:
Chaturtha Khanda (Abschnitt 4)
Einführung
Die Kenopanishad gehört zur Sama Veda. Die Kenopanishad bezieht ihren Namen aus der ersten Wortsilbe Kena (durch wen). Sie ist als Talavakara bzw. Jaimini Brahmana aus der Sama Veda bekannt. Nachdem sie überarbeitet wurde, nannte man sie Sakha bzw.Talavakara. Sankaracharya sagte, dass die Upanishad mit dem neunten Kapitel der Talavakara Brahmana beginnt; doch in den Unterlagen von Dr. Burnell heißt es, dass die Upanishad mit dem 10. Abschnitt des 4. Kapitels beginnt. Es existieren zwei verschiedene Ausgaben dieser Upanishad von Sankaracharya, beide wurden gedruckt. Sie sind als Pada-bhashya und Vakya-bhashya bekannt geworden.
Die Kenopanishad ist ein relativ kurzer Text mit vier Kapiteln (Khandas). Sie handelt im Wesentlichen von der Natur Brahmans und vom Wissen des Selbst. Um das Verstehen zu erleichtern, sind die ersten beiden Kapitel in einem Dialog zwischen Lehrer und Schüler gehalten. Brahmavidya oder das absolute Wissen der Seele ist eine wirklich schwierige Wissenschaft. Die Natur Brahmans bzw. des absoluten Selbst ist nur schwer zu erfassen.
In den ersten beiden Kapiteln wird in dem Dialog erklärt, wie man durch das Übersteigen des Geistes und der Sinne Brahman verwirklichen kann. Dabei wird auch die Natur Brahmans behandelt. Atman bzw. Brahman befindet sich jenseits der Sinne und des Geistes. ER ist der Geist des Geistes, das Ohr der Ohren. Der absolute Brahman steht hinter dem Atem und den Sinnen. Allein durch das Licht Brahmans funktionieren Geist, Prana und Sinne. Das dritte Kapitel beinhaltet die gut bekannten Deva Yaksha Samvedas oder den Dialog zwischen den Devas und Yaksha. Im vierten Kapitel werden die Methoden der Meditation auf Brahman und die Früchte daraus erklärt.
Wenn Karma bewältigt wird, ohne irgendwelche Früchte dafür zu erwarten, wird der Geist gereinigt und im Strebenden ein starker Wunsch nach letztendlicher Befreiung generiert.
Der Wunsch Brahman zu erkennen und Freiheit von Geburt und Tod zu erlangen, kann sich nur bei den Menschen einstellen, die einen reinen und ruhigen Geist besitzen, die wunschlos sind, und die der Sensationslust und der illusionären Welt überdrüssig sind.
Brahman kann nicht durch Logik begriffen werden. In den Schriften heißt es: „Um Brahman kennen zu lernen, sollte der Strebende einen Lehrer aufsuchen, der in den Vedas bewandert ist, und der in Brahman ruht. Nur wer unter einem solchen Lehrer studiert, wird IHN erkennen.“ Nur ein solches Wissen ist für das Studium erstrebenswert.
Wer Brahman erkennt, dessen Unwissenheit löst sich auf, d.h. jene Ursache für Bindung und Karma, die sich im Wunsch nach Objekten ausdrückt. Die Schriften sagen: „Für den Kenner des Selbst, der den einen Atman überall sieht, gibt es weder Kummer, Sorgen noch Illusionen. Derjenige, der den einen Atman kennt, geht über alle Sorgen und Kümmernisse hinaus.“
Moksha (Befreiung) kann weder durch Karma noch Wissen verbunden mit Karma erreicht werden. Die Kenntnis vom Atman steht dem Karma feindlich gegenüber, und kann deshalb nicht mit Karma kooperieren. Im Wissen gibt es keine Dualität. Im Karma gibt es Antriebe, Früchte usw. Das Abarbeiten des Karmas führt nur in das weltliche Geschehen. Es führt nicht zur Unsterblichkeit. Brahman, das einzige Ganze, kann durch nichts Anderes, als durch das Ablösen der Unwissenheit durch Kenntnis des Selbst erreicht werden.
Das absolute Brahman, das ungeboren und nicht geboren wird, unvergänglich, unsterblich, furchtlos und selbstleuchtend ist, voller Glückseligkeit und all-durchdringlich ist, wird von allen begehrt. Nur wenn Brahman erreicht wird, ist man von Geburt und Tod befreit. Einige Strebende, die von den Sensationen dieser Welt genug haben, die den brennenden Wunsch verspüren, das letztendliche Ziel zu erreichen, gehen zu einem Lehrer, der in den Vedas bewandert ist und in Brahman ruht, und bitten ihn um Unterweisung, wie es in den folgenden Keneshitam Mantras ausgedrückt wird.
Prathama Khanda (Abschnitt 1)
Hari OM! Mögen meine Glieder, Sprache, Augen, Ohren, Kräfte und all meine Sinne kraftvoll wachsen. Alles aus der Upanishad ist Brahman. Möge ich niemals Brahman verleugnen. Möge mich Brahman niemals zurückweisen. Lass all die Tugenden, die in den Upanishads rezitiert werden, in mir, zur Freude Atmans, Gelassenheit bringen.
OM Friede, Friede, Friede!
1. Schüler: Wer treibt den Geist, um sich auf die Objekte zu stürzen? Auf wessen Kommando beginnt Prana zu funktionieren? Auf wessen Kommando beginnt das Sprechen? Welche Intelligenz lenkt die Augen und Ohren auf ihre besonderen Objekte?
Die acht Mantras dieser Khanda sind sehr erhebend und inspirierend. Sie führen schrittweise zum Ziel, wenn man auf sie meditiert. Sie helfen zu erkennen, dass einem das Selbst nahe steht. Diese Mantras eigenen sich zur ständigen Wiederholung, Reflexion und Meditation. Sie helfen, dass sich der Geist nach innen wendet. Sie führen sehr schnell zum Tor der Intuition, wenn man frühmorgens konzentriert auf diese Ideen meditiert, d.h., wenn der Geist noch frei vom täglichen Einerlei ist.
Der Fragesteller ist sehr intelligent. Er beherrscht die Unterscheidungsfähigkeit. Er fordert eine Begründung. Er dürstet wirklich nach Wissen. Er ist begierig, das absolute Ganze zu erfahren, das unveränderlich und ewig ist. Er glaubt, dass etwas Höherstehendes, eine unabhängige Intelligenz, den Geist, das Leben und die Sinne lenkt und kontrolliert.
2. Lehrer: Es ist das Ohr der Ohren, der Geist des Geistes, die Zunge der Zunge (d.h. das Sprechen des Sprechens) und auch das Leben des Lebens sowie das Auge der Augen. Wer das Ichgefühl darin überwindet, d.h. über dieses Lebensgefühl emporsteigt, wird als Weiser unsterblich.
Dieser Vers ist die Antwort auf die Frage im ersten Vers, d.h. der Lehrer antwortet. Hinter dem Geist, dem Atem und den Sinnen steht Brahman oder das absolute Selbst. Wer Brahman erkennt, wird unsterblich.
Unwissende identifizieren sich mit Körper, Geist, Prana und Sinne. Sie missverstehen dieses falsche, sterbliche, begrenzte Anhängsel oder Vehikel als reinen unsterblichen Atman und sind darum in die ständige Wiederkehr von Geburten und Tode gebunden. Doch einige Weise schütteln diese falsche Identifikation ab, trennen sich durch Hinterfragen und Unterscheidungsfähigkeit von diesem begrenzten Anhängsel und praktizieren Neti-Neti, d.h. ‚ich bin nicht dieser Körper, nicht dieses Prana, nicht dieser Geist, nicht diese Sinne’. Sie identifizieren sich mit dem all-durchdringenden, unsterblichen, reinen Brahman, erhalten das Wissen von Brahman und erreichen Unsterblichkeit. Sie erreichen Unsterblichkeit, obwohl sie noch in ihrem Körper leben. Sie brauchen nicht zu warten, bis sie ihren Körper verlassen, um unsterblich zu werden.
So wie Wasser in einer Tasse seine Wärme von der Sonne bzw. vom Feuer bezieht, so erhalten Geist, Prana und Sinne ihr Licht und ihre Kraft vom Atman. Atman ist die Quelle für all diese Organe. Die Ohren hören durch das Licht Atmans, die Zunge spricht die Kraft Atmans, der Geist denkt durch die Intelligenz Atmans und Prana funktioniert nur durch die Kraft Atmans. Der Geist und diese Organe sind träge und von sich aus nicht-intelligent. Sie erscheinen nur durch das Licht und die Kraft Atmans intelligent. Brahman oder Atman gibt den Ohren die Kraft zum Hören, gibt dem Geist die Kraft zum Denken, gibt der Zunge die Kraft zum Sprechen, gibt die Kraft des Lebens zuerst Prana und gibt den Augen die Kraft zum Sehen. Darum heißt es, ES ist das Ohr der Ohren, der Geist des Geistes usw.
ES gibt einen ‚Dirigenten’ der Ohren, der Augen, der Zunge, des Geistes, der Lebensenergie, der sich von den Ohren, dem Geist, von Prana und den anderen unterscheidet. Die Ohren, die Augen, der Geist, Prana usw. existieren zu seinem Nutzen, so wie ein Haus zum Nutzen des Besitzers existiert. Dieser ‚Dirigent’ ist Brahman oder Atman.
In den Schriften heißt es: ‚Brahman leuchtet durch sein eigenes Licht. Durch Sein Licht wird das gesamte Universum erleuchtet. Sonne, Mond und Sterne, das Feuer, der Lichtschein scheinen durch Sein Licht. Wer könnte leben und atmen, wenn es das/ den selbst-leuchtende(n) Brahman nicht gäbe. ER führt Prana hinauf und Apana hinab.’ In der Bhagavadgita heißt es: ‚So wie die Sonne die ganze Welt bescheint, so leuchtet der Atman, oh Bharata, in allen Körpern.
Durch das Zurückziehen der Wünsche wird man unsterblich. Es heißt immer wieder: ‚mein Sohn, meine Frau, mein Haus’ usw. Die Weisen geben diese Art weltlichen Wunschdenkens auf und erlangen durch das Meditieren auf Brahman Unsterblichkeit, der das Ohr der Ohren, der Geist des Geistes usw. ist. In den Schriften heißt es auch: ‚Weder durch Arbeit noch Nachkommenschaft oder Besitztümer, sondern allein durch das Zurückziehen erreicht man Unsterblichkeit’. Durch das Aufgeben des Wünschens wird Brahman erreicht. Nur wer seine Sinne nach innen wendet und ausschließlich nach Unsterblichkeit verlangt, erreicht Brahman.
5. Man kann weder dorthin spazieren, noch das Sprechen oder der Geist können dorthin gehen. Darum ist unbekannt, wie man darüber Unterricht halten sollte. ES unterscheidet sich von dem, was bekannt ist, und ES ist jenseits von dem, was unbekannt ist. Auf diese Weise haben uns die Lehrer in alter Zeit unterrichtet.
Augen und Organe können nicht zu Brahman gehen. Sie können IHN nicht erreichen, denn man kann nicht zum eigenen Selbst gehen. Wie sollten die Augen den Seher der Sicht ausmachen? Die Augen sind ein Objekt der Wahrnehmung für den Geist und Atman. Wie clever ein Akrobat auch immer sein mag, er kann nicht auf seine eigenen Schultern springen. So verhält es sich auch mit den Sinnen. Die Augen können nur die äußeren Objekte des Universums sehen. Das ist ihre einzige Funktion. Wie könnten sie ihre Quelle erkennen oder erreichen, die außerordentlich subtil ist? Es ist für sie nicht möglich, zu ihrem eigenen Selbst zu gehen. Genauso ist es mit dem Sprechen. Wenn man ein Wort sagt, erleuchtet dieses Wort das entsprechende Objekt. Denn es heißt, das gesprochene Wort geht zum Objekt. Die Quelle oder die Stütze oder Heimstatt oder der Ruheplatz des Wortes und auch das Organ, das es ausspricht, ist Brahman. Darum geht das Sprechen, das Organ, das spricht, nicht irgendwohin, um Brahman zu erreichen.
Auch der Geist kann nicht dorthin gehen. Wie sollte es den Wissenden erkennen? So wie brennendes Feuer andere Objekte erhellt, so kann es nur brennen, aber nicht sich selbst erhellen. Auch der Geist kann externe Objekte mithilfe der Sinne nur erkennen, aber nicht den Atman oder Brahman, denn ER ist auch die Quelle für den Geist, und der Geist ist grob, untätig, endlich. Wie kann das Endliche das Unendliche erkennen? Der grobe unreine Geist allein kann Brahman nicht erreichen; doch der subtile, reine Geist kann dorthin gehen, denn der reine Geist ist Brahman selbst.
Brahman kann kein Objekt der Wahrnehmung sein, denn ER ist nicht teilbar, hat keine Eigenschaften und ist außerordentlich subtil. ER befindet sich jenseits der Erreichbarkeit der Sinne (Attindriya, Adrisya). Er ist nur durch Meditation intuitiv wahrnehmbar. Sinne und Geist können nur äußere Objekte dieses Universums wahrnehmen.
Man kann Objekte in ihren Eigenschaften, Aktivitäten, Formen usw. beschreiben, die mithilfe der Sinne erkannt wurden. Doch Brahman hat keine Eigenschaften, kann nicht zugeordnet werden. Es ist unmöglich, seine Schüler bezüglich Brahman zu unterrichten. Brahman zu definieren bedeutet, Brahman zu bestreiten. Sat-Chit-Ananda ist die einzige provisorische Definition. Aus diesem Grund erklären die Schriften Brahman mithilfe der Neti-Neti Doktrin. Ein Lehrer sollte sehr viel Wert auf Instruktionen legen. Die Schüler müssen einen subtilen, scharfen und konzentrierten Verstand besitzen.
Es ist unmöglich, Schüler durch Instruktionen, durch den Beweis der Sinne oder andere Beweise zum Glauben in Atman zu verhelfen, doch ist es möglich, einen Schüler mithilfe der Schriften den Glauben zu vermitteln.
Brahman kann nicht wie ein Objekt in der Welt erkannt werden. ER kann auch nicht allein mit Worten erklärt werden, so wie man die Natur von Objekten beschreibt. Brahman unterscheidet sich vom Bekannten, vom gesamten offenbarten Universum und auch vom Unbekannten.
Wenn es heißt, ‚Brahman unterscheidet sich vom Bekannten’, kann es sein, dass die Menschen das Unbekannte als Brahman ansehen. Um hier eine Verwirrung zu vermeiden, heißt es in den Texten, ‚Brahman ist auch jenseits des Unbekannten’.
Unwissende, die sich durch die Schriften arbeiten, mögen glauben, dass Brahman, der sich vom Bekannten unterscheidet und auch jenseits vom Unbekannten befindet, etwas Nicht-Ganzes ist, ein Produkt der Vorstellung oder nur eine erfundene Substanz der Gelehrten. Doch so ist es nicht! Brahman ist die einzige Wirklichkeit. ER ist die Grundlage oder Quelle für alles. Brahman ist kein Objekt. ER ist all-durchdringend, mysteriös, unfassbar, reines Bewusstsein. ER wird durch Intuition oder durch Selbst-Erkenntnis erfahren. Es ist sehr schwer, die Natur Brahmans zu verstehen, da es keine Begriffe dafür gibt. Die Gelehrten haben versucht, ihren Schülern ein Verständnis von Brahman mithilfe unterschiedlichster Ausdrücke zu vermitteln. Jene, die einen reinen und subtilen Intellekt haben, können die subtilen Ideen der Upanishads leicht erfassen. Für die Leidenschaftlichen oder weltlich gesinnten Menschen, die den Objekten mit einem nach außen gerichteten Geist nachjagen, sind die Upanishads Bücher mit sieben Siegeln, mit einem Wort: unverständlich.
Da Brahman jenseits der Sinne und des Geistes ist, sollte der Strebende zuerst durch die Upanishads und durch einen erleuchteten Meister ein Verstehen für Brahman bekommen. Er sollte sich mit den vier Bedeutungen durch regelmäßiges Meditieren vertraut machen. Dann wird er das Wissen von Brahman erlangen. Er wird Brahman wie eine Frucht in seiner Hand erkennen. Dann werden alle Zweifel verschwinden.
Das, was sich vom Bekannten sowohl als auch vom Unbekannten unterscheidet, ist Brahman oder Atman. Das Wissen von Brahman wurde traditionell vom Lehrer zum Schüler weitergegeben. Brahman kann nur durch Instruktionen durch einen erleuchteten Meister und nicht durch logische Diskussionen, studiertes Wissen, Intelligenz, Strenge, Disziplin oder Opferriten usw. erlangt werden. So wurde es von Alters her von den Lehrern vermittelt.
4. Was Sprechen nicht erleuchtet, sondern was das Sprechen erleuchtet, erkenne als Brahman, und nicht, was die Menschen verehren.
Der Schüler bezweifelt, dass ein Jivatma Brahman ist. Er glaubt, dass der Jivatma die Opferhandlungen ausübt und sich auch der karmischen Früchte erfreut. Der Lehrer erkennt die Empfindungen seines Schülers anhand seines Sprechens und Aussehens und sagt: ‚Zweifle nicht daran, dass Atman Brahman ist.’
Die Seele des Menschen ist Atman. Die Seele des Universums ist Brahman. Der Atman ist mit Brahman identisch.
Sprechen kann weder Brahman offenbaren noch erleuchten. Brahman ist jenseits des Sprechens. Die Zunge spricht durch die Kraft oder das Licht Brahmans. Das Sprechen ist endlich. Wie kann das endliche Sprechen den/ das unendliche(n) Brahman offenbaren! Brahman erleuchtet nur das Sprechen und das Sprechorgan, das über das Feuer herrscht. Auf diese Weise ist Brahman das Sprechen des Sprechens. Die Vajasaneyaka sagt: ‚Brahman ist im Sprechen und dirigiert das Sprechen.’ Dieser Atman ist Brahman oder Bhuma, d.h. unendlich oder bedingungslos. Brahman ist unübertrefflich, groß, riesig, das Höchste, alldurchdringend. Darum ist ER Brahman.
Brahman ist ewig, unveränderlich, selbst-leuchtend, formlos, farblos, eigenschaftslos, zeitlos, raumlos, unteilbar, ungeboren, unvergänglich, unsterblich.
Brahman ist nicht das, was die Menschen als Ishvara oder Gottheit verehren, um ihre Wünsche nach Befriedigung zu erfüllen.
Einige Leser mögen glauben, dieser Text grenzt Bhakti oder Hingabe aus. Die Vedanta steht der Hingabe sicherlich nicht feindlich gegenüber. An dieser Stelle geht es vielmehr darum, mindere Gottheiten wegen selbstsüchtiger Interessen auszugrenzen. Vedantin, Heilige oder Jnana sind vollkommene Devotes. In der Vedanta heißt es, dass die verehrten Ishvaras (persönliche Gottheiten) nur eine Verehrung des eigenen Selbst bedeuten.
Beginne mit der Verehrung eines Images. Übertrage alle Eigenschaften des Herrn auf dieses Image, doch beschränke die Hingabe nicht allein auf dieses Image. Dehne ES aus. Erblicke Gott in allen Objekten. Fühle, dass die Welt eine Offenbarung des Herrn ist. Sieh die Welt als Gott an. Das Image oder Bildnis wird die göttliche Liebe im Herzen entfachen und letztendlich zur Verwirklichung der Einheit des Selbst führen. Zu Anfang kann das Image als Stütze dienen. Doch einige Leute glauben, dass nur dieses Image den Herrn repräsentiert. Die Vedanta lehnt nur diese eine Form der Verehrung ab.
Brahman ist der stumme Zeuge der Aktivität des Sprechorgans.
5. Was man nicht mit dem Geist erfassen kann, sondern, was den Geist zum Denken bringt erkenne allein als Brahman, und nicht, was die Menschen verehren.
ER kann nicht mithilfe des Geistes verstanden werden, sondern ER ist Ursache für den Geist, damit dieser Objekte erfassen kann. Allein IHN erkenne als Brahman. – Hier ist das ganze Denkorgan gemeint, d.h. Geist, Intellekt, Ego und Unterbewusstsein.
Der Geist ist mit allen Organen verbunden. In den Schriften heißt es: ‚Das Wünschen, der Wille, das Nachdenken, das Vertrauen, die Nachlässigkeit, der Mut, die Angst, die Scham, die Intelligenz und die Furcht – all das macht den Geist aus.’
Der Geist ist der Seher; die Objekte sind die sichtbaren Objekte. Atman oder Brahman sind die Seher, der Geist ist IHR sichtbares Objekt. Der Geist kann Brahman nicht erreichen. Der Geist wird durch die Intelligenz des im Inneren scheinenden Brahman erleuchtet. Der Geist funktioniert durch das Licht und die Kraft Brahmans. Der Geist ist von Brahman durchdrungen. Dieses sagen die Kenner Brahmans. Die innere Intelligenz des Geistes ist Brahman. Der Geist erfasst die Welt oder die Objekte durch die Kraft, das Licht und die Intelligenz Brahmans.
Die Sinne übertragen die Sinneseindrücke oder Images der Objekte an den Geist. Der Geist präsentiert diese dem Selbst oder Atman bzw. der Purusha. Die Purusha sieht sie, betrachtet sie und drückt ihnen Seinen Stempel auf und schickt sie an den Geist zurück, so wie ein König Dokumente siegelt und sie an den Minister zurückschickt. Nur damit werden Objekte vollkommen erfasst.
Brahman ist der stille Zeuge der Aktivitäten des Geistes.
5. Was von den Augen nicht gesehen werden kann, sondern wodurch die Augen in der Lage sind zu sehen, erkenne als Brahman, und nicht, was die Menschen verehren.
Brahma lenkt die Augen hin zu Farben und Formen. Da Brahman kein Objekt der Wahrnehmung ist, kann ER nicht mit den Augen erkannt werden. Die Augen sind endliche Instrumente, die die Objekteindrücke, d.h. Farben, Muster, Formen, Größe usw. an den Geist weiterleiten. Die Augen erhalten ihre Sehkraft nur von ihrer Quelle, d.h. von Brahman. Die Augen werden durch die erleuchtende Intelligenz Brahmans auf ihre Objekte gerichtet. Brahman ist der wirkliche ungesehene Seher der Sicht. ER ist der stille Zeuge der Augenaktivitäten. Durch das Licht Brahmans in Verbindung mit den Aktivitäten des Geistes können dessen Aktivitäten wahrgenommen werden. Brahman ist der Herr dieser mentalen Aktivitäten. Die Augen, Ohren usw. sind seine Angestellten. Der Geist ist sinngemäß der Bürovorsteher. Der Intellekt steht über dem Geist.
5. Was nicht mit den Ohren gehört werden kann, doch wodurch die Ohren in der Lage sind zu hören, erkenne als Brahman, und nicht, was die Menschen verehren.
Brahman lenkt die Ohren auf Klänge. Die Ohren sind endliche Instrumente. Sie leiten die Klangeindrücke an den Geist. Die Aktivität der Ohren ist mit der Aktivität des Geistes verbunden. Sie erhalten ihre Hörfähigkeit ausschließlich von Brahman, ihrer Quelle. Das Ohr ist durch die erleuchtende Intelligenz Brahmans in der Lage, sich auf Klänge einzustellen, z.B. Musik, Sprache usw.
Brahman ist wahrhaftig der ungehörte Hörer. ER ist der stille Zeuge der Aktivitäten der Ohren.
6. Das, was man nicht mit dem Atem atmet, sondern das, was den Atem beatmet, das erkenne als Brahman und nicht, was die Menschen verehren.
Prana kann auch als Geruch verstanden werden, d.h. was riecht nimmt nicht wahr, sondern was das Riechen zu den Objekten lenkt, erkenne als Brahman, und nicht, was die Menschen verehren.
ER, der nicht durch Prana belebt wird, sondern das, was Prana die Kraft zum beleben gibt, erkenne als Brahman, und nicht, was die Menschen verehren.
Der Atem wird durch die erleuchtende Intelligenz Brahmans zu seinen Objekten gelenkt.
Das, was man nicht mit dem Atem atmet, bedeutet: das, was man nicht durch den Geruch über die Luft wahrnimmt, erfüllt die Nase und wird mit den Aktivitäten des Geistes und des Lebens verbunden.
Dvitiya Khanda (Abschnitt 2)
1. Lehrer: Wer glaubt, ‚Ich kenne ES gut’, weiß sicherlich nur wenig, d.h. bzgl. der Form Brahmans und der Form der Devas. Darum sollte man tiefer darüber nachdenken. – Schüler: ‚Ich glaube Brahman ist bekannt’.
Man kann nur von einem Objekt behaupten, es gut zu kennen. Man kann nicht behaupten, Brahman gut zu kennen. Dieses ist eine falsche Vorstellung. Ein Stück Holz kann durch Feuer verzehrt werden, doch das Wesen des Feuers kann nicht konsumiert werden. Brahman ist kein Objekt der Wahrnehmung. Das Wissen Brahmans ist intuitives Selbstbewusstsein. Es gibt für einen Heiligen keinen Unterschied zwischen objektivem und subjektivem Bewusstsein. Subjekt und Objekt sind für ihn ein und dasselbe. Er sieht überall nur Brahman. Darum heißt es in den Upanishads: ‚ER ist jenen unbekannt, die wissen, und jenen bekannt, die nicht wissen’.
Ein Schüler, der den Ausführungen des ersten Kapitels über die Natur Brahmans aufmerksam verfolgt hat, ist geneigt zu glauben, dass er Brahman kennt. Es handelt sich bei den Ausführungen um ausgezeichnete Definitionen der Vedanta, wobei es heißt, dass das Selbst oder die Seelen aller, die er kennt, Brahman sind. Außerdem wird die Vorstellung über Brahman wie folgt vorgestellt: ‚ER, der das Ohr der Ohren ist’, oder: ‚Das, was nicht durch das Sprechen manifestiert wird usw.’ Letztendlich wird die Vedanta mit folgenden Worten wiedergegeben: ‚ER unterscheidet sich sogar von dem, was bekannt ist usw.’ Trotz dieser offensichtlichen Begründungen, liegt der Schüler falsch, wenn er glaubt, dass er damit eine klare Vorstellung von Brahman erlangt hat. Alles, was zum objektiven Gegenstand wird, ermöglicht eine definierte Kenntnisnahme, doch das trifft nicht auf etwas zu, was nicht zum Objekt werden kann, doch genau so verhält es sich mit Brahman. ER ist der Wissende, und ER kann sehr wohl andere Dinge kennen, doch ER macht sich selbst nicht zum Objekt des Wissens. Um es anders auszudrücken, dass ‚Ich’, das weiß, kann niemals zum Objekt werden, denn wenn es so wäre, könnte es nicht länger ein Subjekt sein. Außerdem kann man nicht behaupten, dass Brahman aus Sicht eines anderen zum Objekt des Wissens werden kann, denn neben IHM existiert nichts Wissendes.
Wenn ein Schüler hier fragt, ob die Natur Brahmans vielfältig ist, wie es nach dem folgenden Text scheint: ‚Du weißt nur wenig’, was eine vage Vorstellung von mehr oder weniger vermittelt. Die Antwort darauf lautet: ‚In Wirklichkeit gibt es nur eine Vorstellung von Brahman, obwohl ER formlos, farblos usw. ist, ist ER offensichtlich vielfältiger Natur, was aus der falschen Vorstellung entsteht, unter der Seine Natur repräsentiert wird.’
Weiter heißt es, dass die Natur von allem mit dem identisch ist, von dem sie definiert wurde; Brahman wurde mithilfe von einem Bewusstsein definiert, das sich weder auf äußere noch innere Sinneswahrnehmungen bezog, sondern ausschließlich auf Brahman; darum ist Brahman Bewusstsein. Man muss der Idee beipflichten, und doch hat man dadurch keine genauere Vorstellung, denn was man mithilfe des Bewusstseins, Wissens usw. versteht, wird nur über die Sinne oder den Intellekt verständlich und drückt nicht das Wissen als solches aus, sondern ist eine Reflexion durch irgendein Medium. Darum heißt es, ER unterscheidet sich sogar von dem Bekannten, und es ist richtig zu behaupten, dass ER jenseits des Bekannten ist.
Der Lehrer nahm an, dass der Schüler eine falsche Vorstellung haben könnte: ‚Ich kenne Brahman gut.’ Er wollte seinem Schüler die falsche Vorstellung austreiben. Darum sagte er: ‚Wenn du glaubst, Brahman gut zu kennen, dann weißt du nur wenig.’ ‚Der Wissende kann nicht durch den Wissenden erkannt werden. Es gibt keinen anderen Wissenden als Brahman, dem Brahman bekannt sein könnte, und der sich von IHM unterscheidet. In den Schriften heißt es: ‚Es gibt keinen anderen Wissenden als IHN.’ Die Existenz eines anderen Wissenden ist ausgeschlossen. Darum ist es offensichtlich, dass die Annahme, ‚ich kenne Brahman gut’, eine Illusion sein muss.
Diejenigen, die mit den vier Bedeutungen vertraut sind, die rein und intelligent sein, können die Lehren der Upanishads verstehen. Viele missdeuten die begrenzenden Anhängsel, wie Körper, Geist, Egoismus usw., als Atman, obwohl sie die Upanishads studieren und den Ausführungen der Heiligen lauschen, denn sie sind für den Empfang der Lehren nicht geeignet.
Prajapati weihte Virochana und Indra ein: ‚Die Purusha, die in den Augen gesehen wird, ist der unsterbliche und furchtlose Brahman.’ Beide missverstanden diese Lehre und nahmen den Körper als Brahman, da ihr Geist unrein, grob und ihre Fehler noch nicht ausgemerzt waren. Indra blieb 101 Jahre bei Prajapati, tilgte seine Fehler und Unreinheiten durch Tapas, Vertrauen und Enthaltsamkeit, und verstand die Lehre von Brahman erst beim vierten Mal.
Selbst heutzutage, wenn fünfzig Studenten von ihrem Professor Instruktionen erhalten, verstehen ihn nur wenige richtig, einige missinterpretieren ihn, andere verstehen genau das Gegenteil und einige verstehen überhaupt nichts. Wenn dieses bei der weltlichen Lehre geschieht, welcher Aufwand muss dann bzgl. des Wissens von Brahman getrieben werden, der subtil ist und sich jenseits des Intellekts befindet.
Ein weiterer Punkt ist: Hat Brahman denn viele Formen, ist ER groß oder klein, denn ein Begriff weist darauf hin, dass ER klein sei? In den Schriften heißt es, Brahman sei formlos; doch aus relativer Anschauung hat ER Formen. Viele Formen entstehen durch vorbestimmte Faktoren, wie durch die Namen und Formen. In Wirklichkeit hat ER keine Form. Von den Eigenschaften, die Brahman zugeschrieben werden, heißt es, es seien Seine Formen. Die Schriften sagen: ‚Brahman ist Wissen-Glückseligkeit oder Existenz-Wissen-Unendlichkeit.’ Diese Attribute sollen dem Strebenden zu Anfang beim Meditieren helfen. Man konzentriert sich zu Anfang der spirituellen Praxis auf diese Attribute. Diese Attribute lösen sich nach einiger Zeit von selbst auf, wenn man irgendwann vielleicht schrittweise eins mit Brahman wird. Der Lehrer kann seinen Schüler Brahman mithilfe dieser Attribute leichter verständlich machen
Der Lehrer sagte zu seinem Schüler: ‚Du weißt aufgrund der Bedingungen im Menschen nur wenig über die Form Brahmans. Außerdem weißt du aufgrund der Bedingungen der Devas nur wenig über Brahman.’ Brahman, der unendlich, ewig und zeitlos eins ist, kann nicht richtig erkannt werden. Darum sagte der Lehrer zu seinem Schüler: ‚Ich glaube, du musst versuchen, Brahman durch Hinterfragen zu erkennen. Du weißt nur wirklich wenig über Brahman. Du hast bis jetzt nicht wirklich das intuitive Wissen des Selbst erlangt.’
Der Schüler ging an einen einsamen Ort und reflektierte die Worte seines Lehrers. Dann meditierte er und realisierte Brahman in sich selbst.
Brahman ist nicht das Unbekannte und nicht das Nicht-erkennbare der Agnostiker, obwohl es heißt: ‚Brahman kann weder verstanden, erkannt noch gesehen werden. Brahman befindet sich jenseits des Erreichbaren des Geistes, Intellekts oder der Sinne.’ ES ist mehr als das Bekannte, da ER als eigener Atman oder eigenes Selbst verwirklicht wird. Brahman ist das immer stumme, bezeugende Bewusstsein. ER ist das Subjekt, der Wissende und der Seher. Alles, was durch die Sinne wahrgenommen und durch den Geist aufgenommen wird, kann nicht Brahman sein. Nur weltliche Objekte können von den Sinnen wahrgenommen und durch den Geist erdacht werden. Der Seher kann niemals gesehen werden. Der Wissende kann niemals erkannt werden, weder durch Intellekt noch Geist! Brahman ist im objektiven Sinne unerkennbar. ER kann ganz sicher durch direkte intuitive Wahrnehmung durch einen reinen Geist, der Brahman selbst ist, im Samadhi als das Selbst oder Atman erkannt werden.
Bis man die höchste Stufe, den Nirvikalpa-Zustand, erlangt hat, wo man ‚Alles ist Brahman und es gibt nichts als das Selbst’ findet, muss man immer wieder hinterfragen, reflektieren und meditieren; man muss Seine Gegenwart in allen Namen und Formen fühlen.
2. Schüler: Ich glaube nicht, dass ich IHN gut kenne; doch selbst dessen bin ich mir nicht sicher. Derjenige, der das weiß, weiß es, und er weiß auch nicht, dass er nicht weiß.
Man kann Brahman nicht kennen, so wie man Objekte in dieser Welt kennt, indem man sie entsprechend der Unterschiede klassifiziert. Im Gegensatz dazu weiß man nicht, dass man IHN kennt, d.h. man kann nicht behaupten, dass man IHN nicht kennt, denn man strebt nach Brahman, um alles zu erkennen. Derjenige, der diese Doppeldeutigkeit der Kenntnis von Brahman sieht, kennt Brahman insoweit, wie es möglich ist; und er weißt nicht, noch kann niemand beweisen, dass er Brahman nicht kennt.
Der Schüler sagt: ‚Ich glaube nicht, dass ich IHN gut kenne, aber auch nicht, dass ich IHN nicht kenne.’ Der Lehrer entgegnet: ‚Dann kennst du Brahman nicht, denn da ist ein Widerspruch, wenn du sagst: ich kenne IHN nicht gut und ich kenne IHN. Wenn du nicht glaubst, IHN gut zu kennen, wie kannst du glauben IHN zu kennen? Wenn du andererseits glaubst, dass du IHN kennst, warum glaubst du nicht, dass du IHN gut kennst?’ Der Schüler bleibt aufgrund seiner Erfahrung in seinem Vertrauen unerschütterlich. Er zeigt die gewonnene Festigkeit seines Wissens von Brahman und sagt: ‚Derjenige, der dieses weiß, der weiß es, usw.’
Man kann Brahman nicht wie irgendein Objekt erkennen. Brahman wird nicht wie ein Objekt erkannt, sondern wird durch direkte Intuition oder innere Erfahrung oder Erleuchtung als reines Selbst-Bewusstsein wahrgenommen. In dieser spirituellen Erfahrung existiert kein objektives Bewusstsein wie in der Welt. Subjekt und Objekt sind in der spirituellen Erfahrung eins. Das Selbst oder Brahman ist alles. Der Heilige nimmt Atman überall wahr, alles ist Brahman. Dieses ist eine vollendete, seelische Erfahrung, die man sich weder vorstellen noch beschreiben kann. Man muss diese Erfahrung im Samadhi selbst machen, wenn Geist, Intellekt und Sinne ihre Funktionen eingestellt haben.
3. Lehrer: Es weiß derjenige, der glaubt nicht zu wissen und derjenige, der glaubt zu wissen, weiß es nicht. ER ist denen unbekannt, die wissen und jenen bekannt, die nicht wissen.
Der Heilige oder Kenner Brahmans weiß sehr genau, dass Brahman weder vom Geist, noch dem Intellekt oder den Sinnen wie ein Objekt erkannt werden kann, sondern nur durch Intuition als eigenes inneres Selbst verwirklicht wird. Darum kennt er Brahman gut.
Er weiß, dass Brahman kein Gedankenobjekt ist. Er weiß, dass man mit reinem Geist, der durch einen erleuchteten Meister geschult wurde, auf Brahman meditieren kann. Er weiß auch, dass Brahman der einzig wahre Seher, der einzig Wissende, stiller Zeuge und die absolute Quelle von allem ist. Der Gedanke ‚Brahman ist mir bekannt’ kommt ihm niemals in den Sinn.
Doch, wer davon überzeugt ist, Brahman zu kennen, kennt Brahman ganz bestimmt nicht. Er weiß nichts. Er glaubt fälschlicher Weise, dass Körper, Geist, Ego, die Organe und Prana das reine Selbst sind, identifiziert sich mit diesen Anhängseln und glaubt damit Brahman zu kennen.
Bei diesen Nichtwissern entsteht irrtümlich der Gedanke ‚ich kenne Brahman’, denn sie können nicht zwischen Brahman und diesen illusionären zuvor beschriebenen Anhängseln unterscheiden. Für einen normalen Menschen, mag es so aussehen, als würden die Gedanken einander widersprechen. Doch das ist nicht so. Wenn man sich genauer damit beschäftigt, darauf konzentriert, wird alles klar.
Derjenige, der Brahman nicht kennt, verfällt nicht dem Irrtum, Brahman zu einem Objekt zu machen. Derjenige, der glaubt Brahman zu kennen, weiß nichts über IHN, da er irrtümlicherweise glaubt, dass Brahman gedanklich völlig erschlossen werden könnte, und damit begrenzt er IHN.
4. Brahman ist gut bekannt, wenn man IHN als ständigen Zeugen aller Bewusstseinszustände versteht, denn dadurch wird Unsterblichkeit erreicht. Durch sein Selbst erlangt er Stärke, und durch Wissen Unsterblichkeit.
Wenn man IHN hinter jeder Erkenntnis als Zeuge erkennt, als Objekt intuitiver Erkenntnis sieht, durch direkte Wahrnehmung im Samadhi wahrnimmt, erlangt man Unsterblichkeit.
Es heißt, Brahman ist jenen unbekannt, die IHN kennen. Darin scheint ein Widerspruch zu sein. Wenn Brahman unbekannt ist, gibt es keinen Unterschied zu den Unwissenden dieser Welt und den Kennern Brahmans. Wie kann Brahman denn erkannt werden? Das wird in diesem Vers erklärt.
Brahman nimmt wahr und kennt alle Zustände des Bewusstseins ebenso wie die Objekte, da ER absolute Intelligenz ist. ER ist bezeugendes Bewusstsein oder Subjekt. ER ist Zeuge des Wachzustands und des Traumes sowie des Tiefschlafs. ER nimmt alle Modifikationen des Geistes wahr, denn ER ist absoluten Wissens. ER ist in alle Gedanken oder mentalen Zustände eingebunden. Wenn Brahman als Zeuge alle Geisteszustände erkannt oder verwirklicht wurde, ist ER wirklich bekannt. Da ER Zeuge aller Bewusstseinszustände ist, ist ER in seinem Wesen absolute Intelligenz; ER ist eine Masse reinen Bewusstseins; ER ist ohne Geburt, Tod, Vergänglichkeit; ER ist ewig, rein, bedingungslos und zeitlos; ER ist das Selbst oder der Atman allen Seins.
Der Strebende trennt sich von seinen Gedanken und mentalen Modifikationen und identifiziert sich mit dem Zeugen, der alles erkennt, dem Zeugen aller Gedanken und aller Zustände des Bewusstseins.
Wenn sich die ganze Welt bei ihrer Auflösung in Brahman vermischt, gibt es keinen Zeugen, denn alle Objekte verschwinden. Brahman bleibt dasselbe. Auch in Nirvikalpa Samdhi gibt es keinen Zeugen, wenn sich alle mentalen Modifikationen in Brahman vermischen,
Genauso wie es keinen Unterschied im Wesen von Akasa in einem Topf oder außerhalb eines Topfes gibt, so existiert auch kein Unterschied im Wesen Brahmans. Brahman ist eine homogene Masse reinen Bewusstseins.
Dieser Atman ist mit nichts verbunden. Er unterstützt alles. Ein Ding, das Attribute hat, kann mit etwas Anderem verbunden sein, das ebenfalls Attribute hat. Zu behaupten, dass Brahman, der ohne Attribute, undifferenziert, subtil, formlos, grenzenlos ist, keine Gemeinsamkeiten mit anderen Dingen hat, mit ungleichen Dingen verbunden ist, ist sicherlich unlogisch und absurd.
In den Schriften heißt es: ‚Brahman ist ewig, rein, selbstleuchtend, unvergänglich, Existenz, absolutes Wissen, absolute Glückseligkeit’. Dieses ist nur möglich, wenn Brahman Zeuge aller Zustände des Bewusstseins ist. Das Wissen, dass Atman Zeuge aller Zustände des Bewusstseins ist, gibt Unsterblichkeit.
Die Kraft, gewonnen durch Besitz, Stellung, vielen Untergebenen, Feuerwaffen usw. kann den Tod nicht überwinden, denn diese Kraft ist sterblichen Ursprungs. Diese Kraft ist nur äußerlich und vergänglich. Die seelische Kraft, die durch das Wissen von Brahman gewonnen wird, ist wahrhaftig unerschöpflich, denn sie bedarf keiner anderen Hilfe. Sie ist in sich selbst innerlich und äußerlich.
‚Dieser Atman kann nicht ohne Kraftanstrengung erreicht werden’, heißt es in der Mundaka Upanishad. Der Kenner Brahmans besitzt eine außerordentliche spirituelle Kraft. Ein Kenner Brahmans wird absolut furchtlos. Er weiß, dass sein Selbst letztlich nicht durch äußere Bedingungen beeinflusst werden kann. Ihm ist völlig klar, dass das Selbst unverwundbar und unbesiegbar ist. Ein Kenner Brahmans kann die ganze Welt bewegen.
Das Herz reicher Menschen, die viel Geld besitzen, viele Menschen für sich arbeiten lassen, aber keine Ahnung vom Selbst haben, ist von unterschiedlichsten Ängsten erfüllt; sie fürchten sich vor Verlust, Krankheit, Tod, öffentlicher Kritik und unsichtbaren Gegnern usw.
Unsterblichkeit ist die Natur Brahmans, so wie die Hitze die Natur des Feuers ist. Brahma-Jnana oder das Wissen des Selbst zerstört die Unwissenheit, so wie das Licht die Dunkelheit verdrängt, offenbart es die innere unsterbliche Natur des Menschen.
5. Wenn man Brahman hier in dieser Welt erkennt, ist das wahre Ende des menschlichen Strebens erreicht. Wenn man DAS nicht erkennt, ist die Zerstörung groß. Der Weise, der Atman in allem sieht, erhebt sich vom Leben durch die Sinne und wird unsterblich.
Das Elend von Samsara ist unbeschreiblich. Unwissenheit ist die Wurzel allen Übels, allen Leidens. aller Geburten, des hohen Alters, von Krankheiten und Tod, und sie sind nur schwer zu ertragen. Wer darum Brahman in der Weise erkennt, wie zuvor beschrieben, erfährt die Wahrheit, d.h. Unsterblichkeit. Wer hingegen Brahman nicht kennt, ist in immer wiederkehrende Geburten und Tode gefangen.
Nach Wahrheit Dürstende geben die Vorstellungen von ‚Ich’ und ‚Mein’ auf, wenden sich mit Ekel von dieser Welt ab, denn alles in ihr ist vergänglich, illusionär und sterblich. Sie praktizieren Meditation auf das Selbst und betrachten das eine wesentliche Atman, d.h. Brahman in allen Objekten dieser Welt, seien sie beweglich oder unbeweglich. Sie verwirklichen das Einssein des Selbst oder die Einheit des Atman in allem und werden unsterblich, d.h. sie werden zu Brahman selbst. In der Mundaka Upanishad heißt es: ‚Derjenige, der das höchste Brahman erkennt, wird zu Brahman.’
Derjenige, der in Brahman lebt, Atman verwirklicht, führt ein wahres Leben. Mondänes oder sinnenbetontes Leben ist unwahr, eine Illusion. Der Kenner Brahmans erlangt im Laufe seines Lebens Verwirklichung. Sobald die Unwissenheit, die Ursache aller Bindungen, allen Übels, durch das Wissen von Brahman überwunden wird, erlangt der Suchende Befreiung.
Tritiya Khanda (Abschnitt 3)
Brahman und die Devas
1. Lehrer: Brahman gewann eine Schlacht für die Devas, indem ER die Asuras besiegte. Durch den Sieg Brahmans erlangten die Devas Ruhm und Ehre. Sie dachten: ‚Der Sieg ist unser, uns gebührt die Ehre.’
Die Devas hatten die falsche Vorstellung, dass sie den Sieg errungen hätten, obwohl der Herr für sie bei der Schlacht gegen die Asuras den Sieg davongetragen hatte.
Dieser Abschnitt wurde erst später eingefügt, was an dem prosaischen Stil erkennbar ist. Dieser Stil entspricht mehr einem Brahmana-Charakter als einer Upanishad.
Aufgrund des Verses: ‚ER ist jenen unbekannt, die glauben IHN zu kennen’, mag man argumentieren, dass alles, was existiert, bewiesen durch ihre Existenz wird, und was nicht existiert, kann nicht bekannt sein, und darum existiert es nicht, wie z.B. ein ungeborener Sohn usw. Da Brahman nicht bekannt ist, existiert ER auch nicht. Dieser Satz wurde erwähnt, damit man die falschen Vorstellungen nicht weiter verfolgt, oder er wurde geschrieben, um das Wissen Brahmans zu preisen. Agni und Indra hatten unter den Devas aufgrund ihres Wissens eine herausragende Stellung. Der Satz ‚ER ist jenen nicht bekannt…usw.’ soll vielleicht aufzeigen, dass es sehr schwer ist, Brahman zu erkennen, da selbst Agni und Indra, die Brahman kannten, ihre Mühe damit hatten. Vielleicht soll er auch nur dazu dienen, die falsche Vorstellung von ‚Ich bin der Handelnde’ auszumerzen.
Die Absolutheit Brahmans kommt in dieser Geschichte zum Ausdruck. Brahman ist das absolute Leben aller Gottheiten. Die Gottheiten beziehen ihre Kraft allein von Brahman. Die Geschichte weist darauf hin, dass Brahman verehrt werden sollte.
Zwischen den guten und üblen Neigungen findet ein ständiger Krieg statt, d.h. zwischen Sattva und Raja-Tamas, zwischen Tugendhaftem und Üblem, zwischen dem niederen unreinen Geist und dem höheren reinen Geist. Dieses ist der wirkliche Krieg zwischen Devas und Asuras.
Sinne, Geist und Prana beginnen zu kämpfen, indem sie sagen: ‚Wir halten zusammen und stützen diesen Körper’. Prana behält die Oberhand. Doch Prana ist auch innerlich. Die Quelle für Prana ist auch Brahman. Sinne, Geist und Prana beziehen ihr Licht und ihre Kraft ausschließlich von Brahman. Sie können das Wissen nicht von Brahman haben. Über den Organen, dem Geist und Prana stehen beispielsweise Agni, Vayu und Surya usw. Sie, die Devas, versuchten das Wissen Brahmans zu erlangen, doch sie schafften es nicht. Jivatman, die individuelle Seele, und Indra jedoch gaben ihren Stolz, ihren Egoismus und andere Früchte auf und erlangten durch die Gnade der Mutter, Uma, die Tochter Himavas (dem geläuterten Intellekt), das Wissens Brahmans. Alle Dualitäten, Bestimmtheiten, Unterschiede fielen von ihm ab. Dieses ist das esoterische Wunder der Parabel der ‚Devas und Asuras’.
2. ER, Brahman, kannte ihre aufgeblasene Eitelkeit und trat vor sie hin, um ihren Stolz zu zerstören, doch sie erkannten IHN nicht.
Brahman kannte offensichtlich die falsche Vorstellung der Devas, denn ER ist allwissend, denn ER ist der innere Regent und Lenker allen Seins und stiller Zeuge aller Denkorgane. Um ihre falschen Vorstellungen zu zerstören und sie zu segnen, erschien ER in Form des Großen Geistes vor ihnen.
3. Die Devas sprachen zu Agni und baten ihn herauszufinden, wer dieser Große Geist ist.
4. Agni ging zu Brahman und Brahman fragte ihn, wer ER sei. – Agni antwortete: ‚ICH bin Agni. ICH bin Jataveda.’
5. Brahman fragte Agni: ‚Welche Kräfte hast du, der du von derartiger Natur bist?’ – Agni antwortete: ‚Ich kann alles auf Erden niederbrennen.’
6. Brahman platzierte vor ihm einen Halm: ‚Verbrenne ihn.’
Agni versuchte mit all seiner Kraft den Halm zu verbrennen, doch es gelang ihm nicht. Daraufhin kehrte er sofort zu den Devas zurück und sagte: ‚Ich war nicht in der Lager herauszufinden, was dieser Große Geist ist.’
Die Devas wussten nicht, wer oder was dieser Große Geist war. Sie schickten Agni, damit er herfinden sollte, wer dieser Große Geist war. Brahman fragte Agni: ‚Wer bist du?’ Agni antwortete: ‚Ich bin Agni, bekannt als Jataveda.’ Brahman fragte ihn: ‚Welche Kräfte besitzt du?’ Agni antwortete: ‚Ich kann alles in diesem Universum und alles Unbewegliche auf Erden in Asche verwandeln.’ Brahman platzierte vor ihm einen Strohhalm und sagte: ‚Verbrenne ihn! Wenn du dazu nicht in der Lage bist, gib deine Eitelkeit auf.’ Agni bemühte sich nach Kräften, den Strohhalm zu verbrennen, doch es gelang ihm nicht. Daraufhin senkte er beschämt seinen Kopf und sagte: ‚Ich war nicht in der Lage zu erkennen, was dieser Große Geist war.’
7. Die Devas sagten zu Vayu: ‚Oh Vayu! Finde heraus, was dieser große Geist ist.’
8. Vayu lief zu Brahman. Brahman fragte: ‚Wer bist du?’ Vayu antwortete: ‚Ich bin Vayu.’
9. Brahman fragte ihn: ‚Welche Kräfte besitzt du?’ Vayu antwortete: ‚Ich kann alles im Universum und auf Erden wegblasen.’
10. Brahman platzierte vor ihm einen Grashalm und sagte: ‚Blase ihn weg.’ Er versuchte es mit all seiner Kraft, doch er konnte es nicht. Vayu kehrte zu den Devas zurück und sagte: ‚Ich konnte nicht feststellen, wer dieser große Geist ist.’
11. Dann sprachen sie zu Indra: ‚Oh Indra, finde heraus, was dieser große Geist ist.’ Indra sprach: ‚Ja.’ Indra eilte zu IHM. Brahman verschwand aus seinem Blickfeld.
12. An einer Stelle fand er eine Frau in goldenen Strahlen gehüllt, Uma, Tochter des Himmels. Er fragte sie: ‚Was ist dieser große Geist?’
Indra, Herr der Devas, ging zum großen Geist. Der große Geist redete nicht einmal mit ihm. Er wollte ihren ganzen Stolz zerstören. Indra kehrte jedoch nicht wie Agni und Vayu zurück zu den Devas. Er dachte ernsthaft nach. Das Wissen in Form einer Frau, d.h. Uma, Tochter des Himmels, Ehefrau Sivas, umgeben vom goldenen Schein, zerstreute seine Unwissenheit. Die vielfachen Kräfte und insbesondere das Wissen und die Weisheit der Gottheiten werden durch ihre Frauen repräsentiert. Indra fand sie und fragte: ‚Wer ist der große Geist, der sich offenbarte und verschwand?’
Warum verschwand Brahman als Indra zu IHM kam? Indra war nicht weit genug fortgeschritten, um die wahre Natur Brahmans durch Brahman selbst zu erfahren. Darum verschwand Brahman und ließ Uma zurück, um die Fragen Indras zu beantworten.
Da Indra der mächtigste unter den Gottheiten ist, verschwand Brahman, um zu zeigen, wie unnütz seine Macht war, um das Wissen Brahmans zu erlangen.
Chaturtha Khanda (Abschnitt 4)
Uma und Indra
1. Uma, die Lehrerin, sagte: ‚Es ist Brahman, durch den ihr den Sieg errungen habt.’ Nur aus diesen Worten von Uma erfuhr Indra, dass es Brahman war.
‚Deine Vorstellung, dass der Sieg und die Ehre euch gebührt, ist falsch,’ sagte Uma. Indra lernte nur von Uma, dass es Brahman war. Das ‚Nur’ betont, dass er nichts davon wusste.
2. Darum nahmen Agni, Vayu und Indra gegenüber den anderen Gottheiten eine besondere Stellung ein, denn sie kamen Brahman sehr nahe. Sie erkannten, dass der große Geist Brahman war.
Agni, Vayu und Indra kamen Brahman näher als die anderen Devas. Sie sprachen mit IHM und sahen IHN auch. Darum übertrafen sie die anderen Gottheiten in ihrer Macht. Sie waren auch die Ersten, die Brahman erkannten, und darum stehen sie über den anderen Devas.
3. Auf diese Weise erhielt auch Indra über den anderen Gottheiten seine herausragende Stellung. Er kam Brahman am nächsten und erkannte als Erster, dass der Geist Brahman sein musste.
Agni und Vayu erkannten Brahman aus den Worten Indras. Indra erkannte Brahman aus Umas Worten. Darum steht er über den anderen Gottheiten. Er kam Brahman am nächsten, denn er war der Erste, der Brahman erkannte.
4. Dieses ist eine bildhafte Beschreibung von Brahman. – ER erstrahlte mit aller Pracht, und ER verschwand mit einem Wimpernschlag. Dieses ist ein Vergleich Brahmans mit den Devas.
Sri Sankara sagt: ‚Dieses ist eine bildhafte Darstellung Brahmans.’ Brahman zeigte sich den Devas und verschwand wieder wie ein Blitz beim Wetterleuchten am Himmel. ER erschien für einen Augenblick wie ein Blitzlicht und verschwand genauso schnell wieder wie ein Augenaufschlag. Sein Erscheinen war wie das Öffnen und Schließen des Auges, um zu sehen und sich sofort wieder abzuwenden. Auf diese Weise erfolgt die Lehre der Gottheiten.
5. Dann folgt ein Vergleich Brahmans mit Bezug auf den Atman innerhalb des Körpers, - so schnell wie man an Brahman denkt und genauso schnell wie der Geist etwas will.
Jetzt folgt ein Vergleich, eine Illustration Brahmans mit dem Selbst im Körper. Der im Geist gebundene Brahman wird durch die Reflexion über IHN als Objekt wahrgenommen. – Dieses ist eine Illustration Brahmans aus Sicht des inneren Körpers; das Aufleuchten und der Augenaufschlag bzgl. Seiner Erscheinung sind vergleichbare Aktivitäten äußerer Kräfte. In der Illustration im vorhergehenden Vers wurde demonstriert, dass Brahman aufblitzt und plötzlich mit einem Augenaufschlag wieder verschwindet. In diesem Vers wird demonstriert, dass Brahman so schnell wie ein Gedanke auftaucht und wieder verschwindet. Brahman kann nicht von Menschen mit normalem Intellekt erfasst werden, darum diese Illustrationen.
Diese Verse wurden von den Sehern immer eingehend erläutert, denn sie sind nur schwer zu verstehen.
6. Brahman soll von allen verehrt werden, und wird darum als Tadvana bezeichnet. ER soll als Tadvana verehrt werden. Wer auf diese Weise Brahman erkennt, wird von allen Lebewesen geliebt.
ER verdient es von allen Lebewesen verehrt zu werden, d.h. ER verdient es, dass man auf IHN als den einen Atman allen Seins meditiert. Diejenigen, die auf Brahman kontemplieren, werden gesegnet sein. Diejenigen, die IHN auf diese Weise erkennen, werden von allen geliebt und sie lieben alle Dinge. Sie beten sie an, als wären sie Brahman.
7. Der Schüler sagt: ‚Oh Lehrer, unterweise mich in die Upanishads.’ Der Lehrer entgegnet: ‚Wir haben dich in die Upanishads über Brahman eingewiesen. Das haben wir ganz bestimmt getan.’
Der Schüler möchte wissen, ob er alles erfahren hat. Er wollte sagen: ‚Wurde mir alles bis zum Ende erklärt oder gibt es noch etwas, was ich erfahren muss? Falls es so ist, lass mich erfahren, wonach ich mich so sehr gesehnt habe. Falls nicht, dann sag mir, dass es nichts weiter zu erklären gibt.’
Die Antwort des Lehrers lautet, dass es nichts weiter zu erklären gibt. Die im nächsten Vers erwähnten Disziplinen deuten auf das Ende hin. Sie bilden den Abschluss der Upanishad.
Diese Fragen und Antworten weisen auf das Ende hin. Alles wurde erklärt. Es ist nichts weiter notwendig, um die letztendliche Befreiung zu ermöglichen.
Upanishad bedeutet ‚das Wissen von Brahman’ oder die geheimnisvolle Doktrin. Die Schüler sitzen hingebungsvoll zu Füßen ihres Lehrers und erwarten seine Instruktionen. Upanishad bedeutet auch: das Buch, das von Brahman handelt.
8. Strenge, Selbstdisziplin, Selbstkontrolle und Karma sind Hilfen, um sich auf das Wissen von Brahman vorzubereiten.
Tapas: Kontrolle von Körper, Geist und Sinnen. Dama: Selbstkontrolle, Freiheit von Leidenschaften, usw.
Das Wissen Brahmans dämmert in jenen Menschen, die ihren Geist durch Strenge, Selbstkontrolle und Arbeit in diesem und in vorigen Leben gereinigt haben. Jene, die die Unreinheiten des Geistes nicht beseitig haben, d.h. entweder den Unglauben oder die falschen Vorstellungen über Brahman, wie im Fall von Indra und Viochana, werden IHN nicht erreichen. Dazu heißt es in den Schriften: ‚Diese erklärten Geheimnisse führen für die großen Seelen zur Erleuchtung, d.h., wenn deren Hingabe zum Herrn zu ihren Lehrern groß ist.’ Es heißt auch: ‚Das Wissen dämmert auch in den Menschen, die ihre üble Handlungsweise zerstören.’
Tapas ist ein nur Hinweis, der demonstrieren soll, dass es noch andere wichtige Verhaltensweisen wie z.B. das Loslassen von Stolz, Egoismus, Eifersucht, Hass usw. gibt, um das Wissen Brahmans zu erlangen.
Die Strenge, Disziplin, usw. bilden die Stützen, die Vedas sind all ihre Glieder. Wahrheit ist die Heimstatt. Dieses ist eine weitere Betrachtungsweise.
Die Füße dienen als Grundlage auf denen Brahma-Vidya oder das Wissen Brahmans ruht bzw. steht. Dieses Wissen bildet eine feste Grundlage nur in jenen Menschen, die Tapas usw. besitzen bzw. üben.
Wenn Disziplin, Selbstkontrolle usw. ausgeübt werden, ist das Wissen fest verankert, so als würde man mit beiden Beinen fest voranschreiten.
So wie die Vedas ihr Licht auf das Wissen des Karmas werfen, so wie die zusätzlichen Schriften die Vedas unterstützen, wirken sie als die Stützen des Wissen Brahmans. Das Studium der Vedas hilft das Wissen Brahmans zu erlangen. Das Verstehen und die Anwendung der Vedas werden in den sechs Gliedern der Vedas beschrieben.
Wahrheit ist die Befreiung von Täuschung und Betrug im Sprechen, im Geist und im Handeln. Das Wissen Brahmans erhebt sich nur in einem Menschen, der frei von Täuschung und Betrug im Sprechen, im Geist und in seiner Handlungsweise ist, und der von ehrlicher Einstellung ist.
Wahrheit ist in Disziplin, Selbstkontrolle usw. eingebettet; sie ist wie das Bein, auf dem das Wissen ruht. Warum wird dieses besonders erwähnt? Es soll aufzeigen, dass Wahrheit mehr als nur eine Hilfe für das Wissen ist. Dazu heißt es in den Schriften: ‚Wahrheit wiegt mehr als tausend Opfer.’
9. Derjenige, der das weiß, nachdem er alle Sünden abgeschüttelt hat, ruht fest im endlosen, glückseligen und höchsten Brahman. Er ist in IHM etabliert.
Dieses ist das Wissen Brahmans. Wie zuvor erwähnt, erlangt man durch das Wissen Brahmans Unsterblichkeit. Die Früchte des Wissens Brahmans werden am Ende noch einmal erwähnt.
Hier endet der vierte Abschnitt – OM TAT SAT.