Keine Identität ist unsere wahre Identität

 

Von Swami Atmaswarupananda,

von Divya Jyoti aus den Monatsheften des Sivananda Ashram in Rishikesh zusammengestellt

 

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Zu Anfang des spirituellen Lebens wird Gott als sehr real und nah empfunden, so als könnte man IHN greifen. Doch im Laufe des Lebens scheint sich das Ziel immer weiter zu entfernen, obwohl man Fortschritte macht. Das ethische Verhalten verbessert sich, die Hingabe vertieft sich und auch das Verstehen entwickelt sich enorm. Und doch wird das Ziel nicht mehr so nah wie ursprünglich empfunden.

 

Worin liegt die Schwierigkeit? In den Schriften heißt es, der fundamentale Irrtum liegt in der falschen Identifikation. Man identifiziert sich nicht nur mit dem eigenen Körper und dem Geist, sondern auch mit Familie und Besitz, dem Umfeld, der Gesellschaft, dem Staat, in dem man als Bürger dieser Welt lebt. Mit was man sich auch immer identifiziert, die Identifikation bezieht sich auf Objekte. Man hat eine klare objektbezogene Vorstellung des eigenen Geistes/ Verstandes, auch darüber, wer man ist. Man stellt sich Gott, nach dem man sucht, den man erreichen möchte, als etwas Riesiges oder vielleicht auch ohne jede Ausdehnung vor, dennoch als Objekt.

 

Beim der Identifikation mit einem Objekt fühlt man sich wohl. Doch darin liegt das Problem, denn man will dieses Gefühl nicht aufgeben. Doch wer sein Ziel in Brahman (Gott) allein sieht und erreichen möchte, wird von einer Sekunde auf die Andere zu einem Nirgendwo/ Niemand, was man als Mensch nicht ist. In dem Augenblick, wo man sich selbst definiert, verliert man sich und sein Selbst. Es heißt, Gott zu definieren bedeutet, Gott zu zerstören. Deshalb bedeutet wahre Identität keine Identität.

 

Aus diesem Grund wird man erkennen, dass dieses Wohlgefühl der Sicherheit mit Objekten umzugehen, eine Blockade, ein Hindernis für das Erreichen Gottes bedeutet. Wirkliche Sicherheit kann man jedoch nur ohne objektbezogene Identifikation haben. Man muss sich darauf vorbereiten, auf Gott  zu verlassen/ einzulassen. Dazu folgender Vergleich von Swami Chidananda: Wer auf das Dach seines Hauses steigen will, kann dies nur mithilfe einer Leiter. Man muss die Leiter Sprosse um Sprosse erklimmen, kein anderer Weg ist möglich. Oben angekommen, muss man die Leiter verlassen, um auf das Dach zu gelangen.

 

Aus diesem Grund benutzt man den ‚Prozess‘ von ‚neti – neti‘, d.h. es ist nicht dies und nicht das, vergleichbar mit jeder Leitersprosse, die man erklimmt, wieder verlässt, um auf die nächst höhere zu steigen. Auf diese Weise wird Identifikation vermieden. Am Ende muss jegliche Identifikation aufgeben werden, so wie man letztendlich die Leiter verlassen muss, um das Dach zu betreten. Das ist das wahre Selbst, das Ziel, nach dem man sucht.

 

OM TAT SAT